Meldungen aus der Forschung

Bildung für nachhaltige Entwicklung: Schulen müssen mehr tun

14.07.2015 Jugendliche werden von ihren Schulen nicht ausreichend dazu befähigt, sich im Sinne der Nachhaltigkeit zu engagieren. Zwar greifen einzelne Lehrerinnen und Lehrer aus persönlichem Interesse das Thema auf, es fehlen jedoch eine systematische Einbindung des Themas nachhaltige Entwicklung in Lehrpläne und Schulkonzepte sowie geeignete Aus- und Weiterbildungsangebote für Lehrkräfte. Das zeigen vorläufige Ergebnisse des „Nachhaltigkeitsbarometers 2014“, einer repräsentativen Studie des UNESCO Chair „Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung“, die im Auftrag von Greenpeace durchgeführt wird.

„Das Grundinteresse für nachhaltiges Engagement ist vorhanden; von einer desinteressierten und passiven Generation kann nicht gesprochen werden“, stellt Prof. Dr. Gerd Michelsen, Leiter der Studie, fest. Zusammen mit den Mitarbeitern des UNESCO Chair Heiko Grunenberg und Dr. Clemens Mader führte er die Erhebung vergangenen Sommer durch. Im Rahmen der repräsentativen Studie zum Nachhaltigkeitsbewusstsein wurden deutschlandweit 1.511 Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahren  befragt. Die nun vorhandenen Daten stellen bereits die zweite Auskopplung von Ergebnissen aus der Gesamtstudie dar, die voraussichtlich Ende 2015 vorliegen wird. „Das Nachhaltigkeitsbarometer 2014 zeigt deutlich, dass das Interesse, sich zu engagieren, durchaus ausgeprägt ist“, so Michelsen. Immerhin geben 49 Prozent der Befragten an, sich entweder bereits in regionalen Energieprojekten einzubringen oder dies gern tun zu wollen. „Was fehlt, ist die Befähigung zum Engagement. Hier sind die Schulen gefragt“, erklärt der Professor für Nachhaltigkeitsforschung.

Nur 19 Prozent der jüngeren Generation sagte aus, dass ihre Unterrichtsfächer thematisch miteinander verknüpft wurden. Für das Verstehen systematischer Zusammenhänge jedoch ist die Verknüpfung von Fachgebieten – etwa von Chemie und Physik mit Geschichte oder Geographie – entscheidend.  Auch bei den Rahmenbedingungen für längerfristige Projekte, die antizipative und strategische Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler fördern, hapert es noch. Nur fünf Prozent der Befragten gaben an, bereits in solchen Projekten gearbeitet zu haben. Defizite gibt es außerdem bei der Vermittlung von alternativen Denkweisen und innovativen Ideen sowie bei der Förderung von interpersoneller Kompetenz, beispielsweise im Austausch mit anderen Kulturen oder Generationen. Nur 11 Prozent der Befragten haben sich im Unterricht mit anderen Sichtweisen beschäftigt, 19 Prozent haben sich mit Zukunftsvisionen befasst. Bei nur 15 Prozent der befragten Jugendlichen fand im Unterricht ein Austausch mit Menschen anderer Länder, anderen Alters oder anderer Kulturen statt.

Professor Michelsen und sein Team fordern Aus- und Weiterbildungsangebote für Lehrerinnen und Lehrer und die Verankerung von Bildung für nachhaltige Entwicklung in den Bildungsplänen aller relevanten Fächer. „Wir brauchen eine viel stärkere Rolle der Schulen. Sie müssen die Jugendlichen mit dem nötigen Rüstzeug ausstatten, damit die Schülerinnen und Schüler lernen, die Auswirkungen ihres Handelns abschätzen und so verantwortungsvolle Entscheidungen für die Zukunft treffen zu können. Dafür müssen die Lehrkräfte natürlich entsprechend aus- und weitergebildet werden“, sind sich Michelsen und seine Kollegen vom UNESCO Chair sicher.

Nachhaltige Entwicklung als integralen Bestandteil von Bildung zu verankern ist auch das Ziel des 2005 an Professor Michelsen verliehenen UNESCO Chair „Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung“. Professor Michelsen und sein Team entfalten dazu eine Vielzahl unterschiedlicher Aktivitäten. Die am Lehrstuhl durchgeführten Forschungsarbeiten leisten wichtige Beiträge zur wissenschaftlichen Theoriebildung und zum Transfer von Forschungsergebnissen in den Bereichen Universitätsentwicklung, Hochschulbildung, Kompetenzentwicklung und –messung sowie zu aktuellen Themen nachhaltiger Entwicklung. Die gewonnenen Erkenntnisse werden in verschiedenen Lehr-Lernformaten u.a. im Rahmen des Leuphana Semesters in die Praxis umgesetzt.

Eine ausführliche Darstellung der zweiten Auskopplung von Ergebnissen aus dem Nachhaltigkeitsbarometer 2014 finden Sie hier. Die gesamte Studie wird Ende 2015 veröffentlicht.

Weitere Informationen: Seite des UNESCO Chair „Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung“

Kontakt:

Heiko Grunenberg (heiko.grunenberg@leuphana.de)

Dr. Clemens Mader (clemens.mader@leuphana.de)

Autorin: Vivien Valentiner (Universitätskommunikation)