Meldungen aus der Forschung

Biodiversität und Ernährungssicherheit: Doktorandin Aisa Manlosa im Porträt

22.07.2015 „Mich interessiert, wie soziale und ökologische Systeme miteinander interagieren und welche Folgen daraus entstehen, beispielsweise für die Ernährungssicherheit,“ erklärt Aisa Manlosa. „Konkret treibt mich die Frage um, welchen Einfluss Geschlechterrollen und andere soziale Normen in ländlichen Gemeinschaften auf den Zugang zu landwirtschaftlichen Ressourcen als Mittel des Lebensunterhalts haben. An der Leuphana habe ich das richtige wissenschaftliche Umfeld gefunden, um meinem Forschungsinteresse nachzugehen. Ich freue mich sehr auf die Forschungstätigkeit während der nächsten Jahre hier in Lüneburg.“

Doktorandin Aisa Manlosa forscht seit Mai 2015 an der Leuphana Universität Lüneburg.

Im Fokus: Lebensunterhaltsstrategien ländlicher Gemeinschaften in Äthiopien

Seit Mai 2015 ist Aisa Manlosa als Doktorandin in dem von Prof. Dr. Jörn Fischer geleiteten Projekt „Identifying Social-Ecological System Properties Benefiting Biodiversity and Food Security“ tätig. Die gebürtige Philippinerin untersucht Lebensunterhaltsstrategien und Ernährungssicherheit in ländlichen Gemeinschaften in Äthiopien. Ihr Ziel ist es, soziale Faktoren innerhalb des größeren sozial-ökologischen Systems zu identifizieren, die sich sowohl auf die Ernährungssicherheit als auch auf die Biodiversität positiv auswirken. Dazu nähert sie sich ihrem Forschungsthema von verschiedenen Seiten: Zum einen wird sie ein Mapping der verschiedenen Lebensunterhaltsstrategien sowie der zur Verfügung stehenden landwirtschaftlichen Ressourcen in den von ihr untersuchten ländlichen Gemeinschaften vornehmen. Zum anderen fokussiert Manlosa auf die Frage der Ernährungssicherheit, indem sie Produktions-, Konsum- und Exportzahlen landwirtschaftlicher Güter auf lokaler Ebene und die Verteilung von Nahrung innerhalb von Haushalten untersucht. Dabei differenziert sie nach Geschlecht, Ethnie, Alter und Religion und vergleicht die verschiedenen sozialen Gruppierungen miteinander. Darüber hinaus widmet sie sich der Frage, wie die von ihr untersuchten ländlichen Gemeinschaften mit ihrer Umwelt interagieren und wie diese Interaktion die Ernährungssicherheit auf der einen und die Biodiversität auf der anderen Seite beeinflusst.

Ihre im Studium und während bisheriger Tätigkeiten gesammelten Kenntnisse und Erfahrungen kann Aisa Manlosa hervorragend in das Projekt an der Leuphana einbringen. Sie studierte Umweltwissenschaften an der Mindanao University of Science and Technology in Danao, Philippinen, und an der University of the Philippines Los Baños. Ihr Fokus lag dabei auf sozialen Aspekten von Umweltschutz und Ressourcenmanagement. Zuletzt war Manlosa als gender research analyst bei der internationalen gemeinnützigen Forschungsorganisation WorldFish tätig.

Wichtiger Bestandteil des Gesamtprojekts

Manlosas Forschungsvorhaben stellt einen wichtigen Bestandteil des Gesamtprojekts „Identifying Social-Ecological System Properties Benefiting Biodiversity and Food Security“ dar. Außer Aisa Manlosa sind drei weitere Doktoranden und Doktorandinnen sowie fünf Postdocs aus unterschiedlichen Ländern in dem von Prof. Dr. Jörn Fischer geleiteten Forschungsprojekt tätig. Gefördert wird das von 2014 bis 2019 laufende Projekt im Rahmen eines der renommierten Consolidator Grants des European Research Council (ERC).

Ausgangspunkt für das Forschungsvorhaben ist die Hypothese, dass die Gewährleistung der Ernährungssicherheit und die Erhaltung der Biodiversität globale Ziele sind, die sich nicht notwendigerweise gegenseitig ausschließen. Dabei stellen Professor Fischer und sein Team insbesondere die gängige Sichtweise in Frage, dass Ernährungssicherheit nur durch eine Erhöhung der landwirtschaftlichen Erträge und eine damit einhergehende Intensivierung der Landwirtschaft erreicht werden kann, die sich wiederum negativ auf die Biodiversität auswirkt. Die Leuphana Forscherinnen und Forscher sind überzeugt, dass es weitere, mindestens ebenso wichtige Variablen gibt, die die Ernährungssicherheit beeinflussen. Beispielsweise können auch soziale Normen oder politische Rahmenbedingungen, die die Verteilung von Nahrungsmitteln innerhalb von Gesellschaften regeln, in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle spielen.

Kein Gegensatz: Ernährungssicherheit gewährleisten, Biodiversität erhalten

Ziel des Projekts ist es daher, eine globale Theorie zu entwickeln und zu testen, die erklärt, welche Eigenschaften in sozial-ökologischen Systemen sowohl Biodiversität als auch Ernährungssicherheit begünstigen und welche nur einem der beiden Ziele zugutekommen. Die Lüneburger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beleuchten dazu das Thema auf verschiedenen Ebenen. Auf Basis von Expertenwissen soll zum einen eine globale Datenbank mit Daten aus mindestens 50 relevanten Systemen erstellt werden, die allgemeine Systemeigenschaften mit Indikatoren für Ernährungssicherheit und Biodiversität in Beziehung setzen. Zum anderen sind Workshops zu 15 bis 20 sozial-ökologischen Systemen weltweit geplant, um detailliertere Erkenntnisse über den Zusammenhang von Systemeigenschaften, Biodiversität und Ernährungssicherheit in unterschiedlichen regionalen Kontexten zu generieren. In einem dritten Strang des Projekts, zu dem auch Aisa Manlosas Forschungsvorhaben gehört, wird eine empirische Fallstudie zu Ernährungssicherheit und Biodiversität in Äthiopien durchgeführt.

Anspruch der Lüneburger Forscherinnen und Forscher ist es, neue theoretische Ansätze und Instrumente zu entwickeln, von denen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Politiker, supranationale Organisationen und NGOs weltweit profitieren können. Mit ihrer ganzheitlichen, traditionelle Sichtweisen in Frage stellenden Herangehensweise möchten Aisa Manlosa und ihre Kolleginnen und Kollegen dazu beitragen, dass den beiden komplexen und miteinander eng verknüpften gesellschaftlichen Herausforderungen – Ernährungssicherheit zu gewährleisten und Biodiversität zu erhalten – künftig effektiver begegnet werden kann.

Weitere Informationen:

Seite des ERC-Projekts „Identifying Social-Ecological System Properties Benefiting Biodiversity and Food Security“

Personenhomepage von Prof. Dr. Jörn Fischer

Autorin: Dr. Marion Stange (Universitätskommunikation)