Meldungen aus der Forschung

DCRL und MECS veranstalten erste „Lüneburg Summer School for Digital Cultures“

16.09.2015 Vom 20. bis 26. September 2015 veranstalten das Digital Cultures Research Lab (DCRL) und die DFG-Kolleg-Forschergruppe "Medienkulturen der Computersimulation" (MECS) erstmalig eine internationale Summer School für Nachwuchsforschende. Dabei sind einige der im Rahmen des Programms stattfindenden Vorträge auch für die Öffentlichkeit zugänglich. Im Interview erklärt Christoph Engemann (MECS), der die Summer School zum Thema „Challenging Methods“ gemeinsam mit seinem DCRL-Kollegen Florian Sprenger organisiert hat, was inhaltlich auf die 18 internationalen Teilnehmer zukommt.

Zum ersten Mal findet die „Lüneburg Summer School for Digital Cultures“ an der Leuphana Universität Lüneburg statt.

Wie kam es zu der Idee eine Summer School an der Leuphana auszurichten?

Florian Sprenger und ich organisieren diese Summer School gemeinsam als Medienwissenschaftler. Wir sind beide als Post-Docs an unterschiedlichen Instituten tätig, Florian Sprenger arbeitet am Digital Cultures Research Lab und ich bin Teil der DFG-Kolleg-Forschergruppe „Medienkulturen der Computersimulation“. Beide Einrichtungen haben als Teil der Richtlinien ihrer Förderinstitutionen, der VolkswagenStiftung und der Deutschen Forschungsgemeinschaft, den Auftrag, auch für Doktoranden Weiterbildungsveranstaltungen und internationale Projekte zu realisieren.  Neben diesem Auftrag haben sich Summer Schools außerdem als Tool für Internationalisierung und Vernetzung bewährt. Sowohl Florian Sprenger als auch ich haben bereits Erfahrungen mit Sommerschulen gesammelt. Während meiner Tätigkeit an der Bauhaus-Universität Weimar habe ich an der „Princeton-Weimar Summer School for Media Studies“ mitgewirkt. Dabei habe ich erlebt, dass die Teilnehmenden auch über die Summer School hinaus langfristig in engem Kontakt miteinander verbleiben, was ebenfalls ein positiver Effekt ist. Wir wollen den Teilnehmenden abseits vom Publizieren und dem Forschungsalltag in Form einer Summer School die Gelegenheit geben, in einem internationalen Umfeld eine Woche lang intensiv mit uns zu arbeiten. Auch für uns ist es eine einmalige Chance, internationalen Nachwuchs kennenzulernen und uns mit ihren Fragen und Interessen auseinanderzusetzen. 

Was sind die Ziele der Summer School?


Das Thema der Summer School ist „Challenging Methods“. In den Medienwissenschaften findet seit geraumer Zeit eine Auseinandersetzung darüber statt, ob und, wenn ja, welche Methoden in der Medienwissenschaft Anwendung finden. Methoden sind in jedem Fach Bestandteil der Auseinandersetzung mit dem Selbstverständnis eines Faches. Vergleichbar wäre das mit der Auseinandersetzung in der Psychologie zwischen geisteswissenschaftlichen und naturwissenschaftlichen Methoden, die das Fach dominiert. Vereinfacht für die Psychologie würde das bedeuten: Spricht man mit den Menschen? Oder setzt man sie vor Tests oder Scanner und führt Experimente durch? Hier stellt sich immer die Frage, was für das Forschungsinteresse angemessener ist. Unsere Summer School ist Teil dieser Debatte in der Medienwissenschaft. Sie ist angelegt als versuchte Auseinandersetzung mit diesen Fragen und als Angebot für diejenigen, die das am ehesten betrifft, nämlich den Nachwuchs, der sich jetzt in der Forschung damit auseinandersetzen muss. 
Für die Leuphana Universität Lüneburg ist die Summer School eine international sichtbare Veranstaltung. Es werden 18 Nachwuchswissenschaftler aus den USA, England, China, der Schweiz und Deutschland an der Leuphana zu Gast sein. Dabei handelt es sich um Wissenschaftler, die aus unterschiedlichen geisteswissenschaftlichen Feldern kommen. Auf diese Weise stärken wir die internationale Vernetzung der Leuphana. Schon die Auswahl der Teilnehmer entspricht durch die Interdisziplinarität und Internationalität dem Profil der Universität.

Was bedeutet der Titel der Veranstaltung – „Challenging Methods“?

Bei dem Titel „Challenging Methods“ handelt es sich um ein Wortspiel. „Challenging“ kann grammatikalisch in diesem Zusammenhang zwei Bedeutungen haben: Einerseits kann es bedeuten, dass einen die Methoden herausfordern, dass es schwierige Methoden sind. Gleichzeitig kann es aber auch heißen, dass man die Methoden herausfordert und hinterfragt, also Methodenkritik übt. Wir wollen gemeinsam erarbeiten, welche Methoden in der Medien- und Geisteswissenschaften in Zukunft Anwendung finden können, aber auch hinterfragen, ob diese Methoden überhaupt Methoden sein können.

Sie gehen inhaltlich in drei Streams an das Thema heran. Warum diese Aufteilung? 

Da die Teilnehmer der Summer School nicht alle den gleichen fachlichen Hintergrund mitbringen, behandeln wir das Thema parallel anhand drei verschiedener Fragestellungen. Bereits in der Bewerbung konnten die Teilnehmer angeben, für welche Herangehensweise sie sich interessieren. Dabei setzt sich ein Teil der Nachwuchswissenschaftler mit den „Tools of Methods“, also den Werkzeugen von Methoden auseinander. Dieser Stream hinterfragt, wie der gestiegene Gebrauch von digitalen Geräten in den Geisteswissenschaften die Methodologie beeinflusst. Eine Keynote-Vorlesung wird David Gugerli, Professor für Technikgeschichte an der ETH Zürich, am Mittwoch, 23.09.2015, geben. In einem zweiten Stream „Politics of Methods“, also Politik der Methoden, geht es darum, dass Entscheidungen darüber, welche Methoden verwendet werden, immer auch politisch bedingt sind. Die Medienwissenschaften sollen mit zwei etablierten Disziplinen, der Wirtschaft und der Soziologie, verglichen werden. Es soll geprüft werden, welche Effekte die Entscheidung für eine bestimmte Methode haben kann. Hauptrednerin zu diesem Themenkomplex ist Dr. Nina Wakeford von der Goldsmiths University of London am Donnerstagabend. 
Eine dritte Fragestellung umgibt die „Cultural Techniques“. Kulturtechniken haben sich in den letzten zehn Jahren in der Medienwissenschaft etabliert und sind ein Beispiel für eine spezifisch medienwissenschaftliche Methodik. Kulturtechniken interessieren sich für die Materialität der Gegenstände und ihre Symbolik. Es existiert zum Beispiel ein Unterschied zwischen der Materialität eines analogen und eines digitalen Buches und somit lesen sich beide Textformen verschieden. Zu diesem Thema wird Wolfgang Schäffner, Professor für Wissens- und Kulturgeschichte an der Humboldt Universität zu Berlin, am Montagabend sprechen. Zum Ende der Woche soll ein Austausch zwischen den drei Gruppen stattfinden.

Das Interview führte Vivien Thais Valentiner (Universitätskommunikation). Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de  geschickt werden.

Die drei öffentlichen Vorträge im Überblick: 

Montag, 21.09. 2015, um 20 Uhr: Keynote von Wolfgang Schäffner (Humboldt Universität Berlin): Media Technological Materialism. The operational character of Euclidean geometry and its consequences, Ort: Campus Rotes Feld, Raum RW 2

Mittwoch, 23.09.2015, um 20 Uhr: Keynote von David Gugerli (ETH Zürich): Computing Organizations - How to deal with interdependence, Ort: Stadtarchiv, Wallstraße 4

Donnerstag, 24.09.2015, um 20 Uhr: Keynote von Nina Wakeford (Goldsmiths University of London): Inventing Methods: Sociological Devices after Law & Urry's "Enacting the Social", Ort: Stadtarchiv, Wallstraße 4

Weitere Informationen: Challenging Methods – 1. Lüneburg Summer School for Digital Cultures