Meldungen aus der Forschung

Nachhaltigkeitsbarometer: Die jüngere Generation engagiert sich spontan und individuell

22.09.2015 Ergebnisse einer aktuellen Studie des UNESCO Chair „Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung“ zeigen, dass sich der größte Teil der jüngeren Generation im Sinne der Nachhaltigkeit engagiert. Die Art des Engagements ist dabei im Vergleich zu früheren Generationen vielfältiger geworden.

92 Prozent der 15-24 jährigen in Deutschland engagieren sich auf unterschiedlichste Weise für das soziale und ökologische Wohlergehen der Gesellschaft. Dabei spielen spontane und individuelle Formen des Engagements eine besondere Rolle – sowohl online als auch offline. Wichtig ist vielen Jugendlichen und jungen Erwachsenen, dass sie sich kurzfristig und passend zu ihrer Lebenssituation und ihrem persönlichen Interesse einbringen können. Das zeigen vorläufige Ergebnisse des „Nachhaltigkeitsbarometers 2015“, einer repräsentativen Studie des UNESCO Chair „Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung“, die im Auftrag von Greenpeace durchgeführt wird.

„Die Art des freiwilligen Engagements hat sich im Vergleich zu früher deutlich geändert“, stellt Prof. Dr. Gerd Michelsen, Leiter der Studie, fest. Zwar seien Umwelt, Religion, Soziales oder Rettungsdienste nach wie vor wichtige Bereiche, in denen sich die jüngere Generation engagiere. Die Modalitäten und Motive des Engagements seien jedoch andere als früher. „Unsere Daten zeigen, dass sich Personen aus der jüngeren Generation ganz offensichtlich gerne engagieren möchten, vielen aber der Einstieg schwerfällt“, so Michelsen. „Niedrigschwellige Formen wie ein Engagement ohne längerfristige Mitgliedschaft, Funktionsübernahme oder finanzielle Beiträge scheinen bevorzugt zu werden. Dabei spielt das Internet natürlich eine wichtige Rolle.“ Zusammen mit den Mitarbeitern des UNESCO Chair Heiko Grunenberg und Dr. Clemens Mader führte Michelsen die Erhebung vergangenen Sommer durch. Im Rahmen der repräsentativen Studie wurden deutschlandweit 1.511 Personen zwischen 15 und 24 Jahren zu ihrem Nachhaltigkeitsbewusstsein befragt. Die nun vorhandenen Daten stellen die dritte Auskopplung von Ergebnissen aus der Gesamtstudie dar, die voraussichtlich Ende 2015 vorliegen wird.

Für den weitaus größten Teil der Befragten ist umweltbewusstes Handeln im Haushalt bereits ein selbstverständlicher Bestandteil des Alltags. So gaben 80 Prozent an, auf den sparsamen Umgang mit Energie zu achten. 72 Prozent bemühen sich darum, Müll zu vermeiden. Aber auch in anderen Bereichen engagiert sich die jüngere Generation. Mehr als 30 Prozent der Befragten erklärten, Produkte von Unternehmen zu boykottieren, die nicht auf Umweltschutz oder Menschenrechte achten. Auch Protestformen wie Flashmobs, Demonstrationen und Online-Petitionen sind beliebte Formen des Engagements. Eine im Vergleich zu den Ergebnissen des „Nachhaltigkeitsbarometers 2011“ steigende Zahl von Befragten engagiert sich außerdem in Bürgerinitiativen.

Die Studie zeigt, dass neben den bereits aktiven Personen eine große Gruppe von Jugendlichen und jungen Erwachsenen  existiert, die sich für die Zukunft bestimmte Aktivitäten vornehmen, aber sie noch nicht umgesetzt haben. Das verdeutlicht das Potenzial von grundsätzlich an Engagement Interessierten, die mit zielgruppengerecht zugespitzten Angeboten abgeholt werden könnten. „NGOs, Parteien, Stiftungen und Vereine müssen künftig vielfältigere Formen des freiwilligen Engagements anbieten, um für die jüngere Generation attraktiv zu sein“, so Michelsen. Für diese müsse es möglich sein, sich situativ und kurzfristig in Entscheidungen und Projekte einzubringen, ohne sich z.B. über einen längeren Zeitraum über das Abfassen von Protokollen „hochzuarbeiten“. „Ein wichtiger Faktor für Engagement ist die Schule“, sind Michelsen und seine Kollegen überzeugt. „Die Daten zeigen, dass die Bereitschaft zu freiwilligem Engagement deutlich gesteigert wird, wenn das Thema nachhaltige Entwicklung in Unterricht und Schulalltag integriert wird.“

Nachhaltige Entwicklung als integralen Bestandteil von Bildung zu verankern ist auch das Ziel des 2005 an Professor Michelsen verliehenen UNESCO Chair „Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung“. Professor Michelsen und sein Team entfalten dazu eine Vielzahl unterschiedlicher Aktivitäten. Die am Lehrstuhl durchgeführten Forschungsarbeiten leisten wichtige Beiträge zur wissenschaftlichen Theoriebildung und zum Transfer von Forschungsergebnissen in den Bereichen Universitätsentwicklung, Hochschulbildung, Kompetenzentwicklung und –messung sowie zu aktuellen Themen nachhaltiger Entwicklung. Die gewonnenen Erkenntnisse werden in verschiedenen Lehr-Lernformaten u.a. im Rahmen des Leuphana Semesters in die Praxis umgesetzt.

Eine ausführliche Darstellung der dritten Auskopplung von Ergebnissen aus dem Nachhaltigkeitsbarometer 2014 finden Sie hier.

Die gesamte Studie wird Ende 2015 veröffentlicht.

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