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Leuphana-Studie zeigt: Schulleitungen klagen über zu hohes Arbeitsaufkommen

Lüneburg. Die Schulleitungen in Niedersachsen fühlen sich durch ein zu hohes Arbeitsaufkommen und die zahlreichen Verwaltungsvorschriften vorgesetzter Behörden besonders stark belastet. Das ergab eine jetzt der Öffentlichkeit vorgestellte Studie des Zentrums für Angewandte Gesundheitswissenschaften der Leuphana Universität Lüneburg. Die Wissenschaftler hatten rund 4.300 Schulleitungen in vier Bundesländern zu ihrer Arbeits- und Gesundheitssituation befragt.

Tiefgreifende Veränderungen im Schulsystem haben alle Schulleitungen in den vergangenen Jahren vor immer neue Herausforderungen gestellt, so Studienleiter Dr. Kevin Dadaczynski. Sei es der Wandel von der Halbtags- zur Ganztagsschule oder die Wende von einem selektiven zu einem inklusiven Schulsystem: Schulleitungen müssen immer mehr Zeit in die Personal- und Organisationsentwicklung sowie Verwaltung investieren. Vor diesem Hintergrund wollten die Forscher der Leuphana mit ihrer online-Studie ermitteln, wie sich die aktuelle Arbeits- und Gesundheitssituation dieser Berufsgruppe darstellt.

Nach ihren Arbeitsbelastungen befragt, gaben etwa 80 Prozent der niedersächsischen Schulleitungen an, sich vor allem durch das hohe Arbeitsaufkommen belastet zu fühlen. Auf Platz zwei bei den am häufigsten genannten Belastungsfaktoren liegen mit 76 Prozent Verwaltungsvorschriften des Schulministeriums oder der Schulaufsicht. Die klassischen Lehrertätigkeiten wie das Unterrichten oder die Zusammenarbeit mit dem Kollegium und den Eltern werden demgegenüber nur von einem geringen Anteil der niedersächsischen Schulleitungen als belastend eingeschätzt.

Die Studienergebnisse weisen darauf hin, dass niedersächsische Schulleitungen als Reaktion auf die Arbeitsmenge oftmals mit besonders hoher Geschwindigkeit arbeiten. So geben mehr als die Hälfte der Befragten an, oft oder sehr oft in einem Tempo zu arbeiten, das sie als belastend empfinden. Rund 54 Prozent sind der Meinung, dass ihnen das nicht gut tut. Abgespanntheits-, Antriebs-, Müdigkeits- und Überlastungserscheinungen zählen denn auch zu den am häufigsten genannten psychosomatischen Beschwerdebildern. 64 Prozent der Befragten geben an, häufig oder fast immer darunter zu leiden. Rund die Hälfte der niedersächsischen Schulleitungen fühlt sich zudem häufig oder (fast) immer von der Arbeit emotional ausgelaugt.

Differenziert nach der Schulform zeigt sich, dass Grundschulleitungen tendenziell häufiger höhere Arbeitsbelastungen und emotionale Erschöpfungsmuster aufweisen als die Leitungen anderer Schulformen. Eine ähnliche Tendenz zeigt sich auch mit Blick auf das Geschlecht: Niedersächsische Schulleiterinnen zeigen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen eine höhere Ausprägung psychosomatischer Beschwerden und emotionaler Erschöpfung.

Vergleicht man die Daten aus den verschiedenen Bundesländern, so zeigt sich, dass niedersächsische Schulleitungen in der Tendenz höhere Belastungen, geringere Ressourcen und höhere gesundheitliche Beanspruchungen aufweisen. Signifikante Unterschiede ergeben sich insbesondere im Vergleich mit Schulleitungen aus Schleswig-Holstein: Sie berichten deutlich seltener von Arbeitsbelastungen und psychosomatischen Beschwerden als ihre Kolleginnen und Kollegen aus Niedersachsen.

„Dank unserer Untersuchung liegen jetzt erstmals umfassende und belastbare Daten über den Zusammenhang von Arbeit und Gesundheit bei der Berufsgruppe der Schulleitungen in Deutschland vor“, sagt der Gesundheitsexperte Dadaczynski. Er ist zuversichtlich, dass die Studienergebnisse dabei helfen werden, konkrete Maßnahmen zur individuellen Gesundheitsförderung und zur gesundheitsförderlichen Arbeitsgestaltung zu entwickeln.

 

Kontakt und weitere Informationen

Leuphana Universität Lüneburg
Zentrum für Angewandte Gesundheitswissenschaften (ZAG)
Studienverantwortliche:
Dr. Kevin Dadaczynski & Prof. Dr. Peter Paulus
Email: dadaczynski@leuphana.de