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Auf die Freundschaft: Maria von Salisch erforscht das, was Kindern und Jugendlichen wichtig ist

08.10.2015 Prof. Dr. Maria von Salisch ist Professorin für Entwicklungspsychologie am Institut für Psychologie der Fakultät Bildung. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehört die soziale und emotionale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Sie beschäftigt sich mit Forschungsfragen zum Emotionswissen und zur Emotionsregulation, sowie zu Freundschaften. Im Interview schildert sie ihren Werdegang als Professorin und wo sie auf diesem beruflich und privat Unterstützung fand.

"MUT! MACHT, WAS EUCH WICHTIG IST UND ÜBERNEHMT VERANTWORTUNG!"

Was war Ihre persönliche Motivation diesen Beruf zu wählen? Wie kam es zu der Professorinnen-Laufbahn?
Ich bin einfach neugierig und habe nach dem Lesen einer Studie oft fünf Fragen für die nächste. Zum Grundstudium war ich in New York auf einem College der Columbia University und habe dort gemerkt, dass ich gut lernen kann und Spaß am Forschen habe. Ich freue mich, dass ich Fragen erforschen darf, die mir und Kindern und Jugendlichen wichtig sind. Das waren zuerst die Freundschaft, später die Regulierung von Ärger im Rahmen von Freundschaften und anderen Sozialbeziehungen.

Wo liegen Ihre Schwerpunkte in der Forschung bzw. im Transfer?
Ich bin Professorin für Entwicklungspsychologie. Meine Schwerpunkte liegen in der sozialen und emotionalen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Auch ist mir die Entwicklung von Mediennutzung und ihren Folgen bei Heranwachsenden wichtig. Gerade war eine Fachzeitschrift in der Post mit einem von mir herausgegeben Schwerpunkt zu „Jugendliche im Web 2.0 – Risiken und Chancen“, der Beiträge zu Cybermobbing und zu internetgestützter Beratung und Therapie enthält.

Wenn Sie auf Ihren Werdegang zurückblicken: Gab es während Ihrer Laufbahnentwicklung zu irgendeinem Zeitpunkt kritische Phasen?
Ja sicher, nach meiner Promotion habe ich mich gefragt, ob ich eine Habilitation schaffen würde und wie meine Berufsaussichten später sind. Dazu habe ich Menschen in meinem Umfeld im Fach Psychologie in Berlin befragt, die gerade habilitiert waren, darunter Jürgen Baumert. Sie konnten mir meine Fragen am besten beantworten.

Welche Rolle spielt die Thematik der Vereinbarkeit von Beruf und Familie während Ihres Werdegangs?
Eine wichtige: lange Zeit dachte ich, es sei unmöglich, als Professorin eine Familie mit Kindern zu haben, ganz einfach weil die zeitlichen Anforderungen zu hoch sind. Insofern habe ich gewartet, bis ich Ende 30 war, in meinem Beruf schon etwas geschafft hatte und in vielen Fragen einige Routine hatte, bis ich mein erstes Kind bekam. Das zweite kam dann zwei Jahre später. Die ersten Jahre mit zwei kleinen Kindern waren hart, aber ich hatte die Unterstützung meines Mannes und meiner gesamten Familie, und später einen guten Kindergarten und eine Ganztagsschule. Ohne das alles wäre es sicher nicht gegangen.

Wie wichtig sind Netzwerke für Ihre berufliche Tätigkeit?
Sehr. Für jede Tätigkeit als Herausgeberin oder bei der Organisation von Arbeitsgruppen auf Konferenzen etc. braucht man ein breites Netzwerk, das man sich am besten von früh auf aufbaut. Ich hatte das Glück an einem der ersten Doktorandenprogramme teilzunehmen, das mir eine ganze Gruppe von „Mitdoktorierenden“ bescherte. Manchmal zehre ich noch heute von diesem Netz.

Um Ihren Beruf „realistisch“ darzustellen, hätte ich gerne eine „kritische Würdigung“ von Ihnen. Wenn Sie also einen kritischen Blick auf Ihren Beruf werfen, was würden Sie dazu sagen?
Mein Beruf ist prima, weil er Freiräume für Entfaltung lässt. Gleichwohl muss man es „wirklich wollen“, Konflikte eingehen, Unsicherheit hinsichtlich der beruflichen Zukunft und Konkurrenzsituationen aushalten und einige Jahre lang bereit sein, auf Einiges an Freizeit zu verzichten. Humor und eine gute körperliche Konstitution helfen auch.

Mehr Frauen in Professuren – ein bundes- und landesweites Ziel! Welche Maßnahmen sollten an Hochschulen Ihrer Meinung nach ergriffen werden?

  • Mentoring Programme, in denen erfahrene Hochschullehrerinnen den weiblichen Nachwuchs in ihrem Fach unterstützen.
  • Längere Vertragszeiten als Vorbereitung für den Sprung auf W2/W3.
  • Coaching in akuten Bewerbungssituationen.


Was würden Sie Frauen für den Beruf der Professorin bzw. für eine akademische Laufbahn mit auf den Weg geben?
Mehr Mut! Macht, was Euch wichtig ist und übernehmt Verantwortung! Die anderen kochen auch nur mit Wasser.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, was würden Sie sich wünschen?

  • Eine Mitarbeiter_innen-Stelle, die meiner Professur zugeordnet ist.
  • Mehr administrative Unterstützung und damit mehr ungestörte Zeit zum Forschen und Schreiben.
  • Psychologie als Studienfach an der Leuphana Universität Lüneburg.

 

Das Interview ist im Juni 2015 erschienen in der Broschüre "Professorinnen gestalten Wissenschaft, Hochschulkultur und Lebenszeit. "  Die Interviews führten Nele Bastian und Corinna Kröger, Frauen- und Gleichstellungsbüro der Leuphana Universität Lüneburg.


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