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Neu an der Leuphana: Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Sybille Münch

04.01.2016 „Das neue Jahrtausend ist nicht nur zum ‚Zeitalter der Städte‘ sondern auch zum ‚Zeitalter der Migration‘ ernannt worden“, erklärt Prof. Dr. Sybille Münch. „In Zeiten starker Migration, wie wir sie aktuell erleben, wird aber manchmal vergessen, dass Menschen schon immer grenzüberschreitend ihre Wohnorte gewechselt haben. Auch das Wachstum der Städte wäre ohne Zuwanderung nicht denkbar gewesen.“ An dieser Schnittstelle von Migrations- und Stadtforschung ist der Forschungsschwerpunkt von Sybille Münch angesiedelt, die sich zudem mit theorieorientierter Policy-Analyse beschäftigt. Zum Oktober 2015 wurde sie als Juniorprofessorin für Theory of Public Policy an das Institut für Politikwissenschaft und das Zentrum für Demokratieforschung berufen.

„Mich reizt die Möglichkeit, weiter an Themen zu forschen, die mir wichtig sind.“

„Meine Forschungsschwerpunkte haben sowohl meine universitäre als auch außeruniversitäre Biografie geprägt“, erklärt Sybille Münch. So forscht die Politikwissenschaftlerin bereits seit zwölf Jahren zu Migration. Auch ihre Dissertation mit dem Titel „Integration durch Wohnungspolitik? Zum Umgang mit ethnischer Segregation im europäischen Vergleich“ widmete sie den Themen Migration und Stadtentwicklung. „In fast allen Ländern mit Zuwanderung herrscht Angst vor Stadtteilen mit hohem Migrantenanteil, also ‚Ghettos’ oder ‚Parallelgesellschaften’, um die stigmatisierenden Schlagworte zu nennen“, erklärt Münch den Hintergrund ihrer Arbeit. „In den meisten Wohlfahrtsstaaten mit Zuwanderung hat man Programme eingeführt, die das verhindern sollen und eine ‚Mischung’ herstellen wollen.“

 Aus wissenschaftlicher Sicht sei aber gar nicht klar, ob Integration erschwert werde, wenn in der Nachbarschaft andere Migrantinnen und Migranten leben. „In meiner Arbeit hat mich interessiert, mit welchen Diskursen, mit welchen Deutungsmustern man dem Zusammenleben in solchen Quartieren negative Effekte unterstellt und wie man ganz konkret in verschiedenen Ländern versucht, eine Mischung herzustellen“, erläutert Münch ihre Herangehensweise. In anderen Ländern seien solchen Programmen oft durch die Antidiskriminierungsgesetzgebung enge Grenzen gesteckt, während es in Deutschland in vielen Kommunen tatsächlich auch Zuzugs- und Obergrenzen gebe oder zumindest gegeben habe. „Der Forschungsbereich widmet sich so auch den Themen Stadtentwicklung, soziale Stadt und Diskriminierung am Wohnungsmarkt“, erklärt Münch.

„Mein dritter Forschungsbereich umfasst die theorieorientierte Policy-Analyse und ist das, wofür ich an die Leuphana berufen wurde“, erklärt Münch. „Policy-Analyse ist der Teilbereich in der Politikwissenschaft, der sich mit konkreten Maßnahmen, also Politik als Problemlösung beschäftigt. Das kommt meinem Interesse an möglichst praxisnaher Forschung und Lehre sehr entgegen.“ Derzeit bietet die Juniorprofessorin zwei Seminare zur Politikfeldanalyse im Minor Politikwissenschaft an. „Die Seminare mit den Studierenden sind ein Vergnügen. Sie sind sehr engagiert und diskussionsfreudig“, freut sich Münch.

„Ich habe das Gefühl, die Leuphana könnte mein akademisches Zuhause werden.“

Nach ihrem Studium der Politikwissenschaft und Slawistik an der Universität Hamburg und dem University College London zog es Sybille Münch zunächst in die Praxis. Für drei Jahre war sie als wissenschaftliche Referentin der Schader-Stiftung im Verbundvorhaben „Zuwanderer in der Stadt“ in Darmstadt tätig, bevor sie ein Promotionsstipendium am Leibniz-Institut für Länderkunde in Leipzig erhielt. Nach der Promotion an der TU Darmstadt arbeitete Münch als Leiterin des Kompetenzfeldes Migration am Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (ISS) in Frankfurt am Main. Darauf folgte eine PostDoc-Phase an der TU Darmstadt. Nun freut sich Sybille Münch auf die Tätigkeit als Juniorprofessorin an der Leuphana Universität Lüneburg.

Schon länger hatte die Politikwissenschaftlerin den Blick auf die Leuphana mit den vielen studentischen Initiativen im Bereich Flüchtlingspolitik gerichtet und mit Bewunderung registriert, was Studierende der Universität in diesem Bereich auf die Beine stellen. „Als ich die Ausschreibung für die Juniorprofessur gesehen habe, hatte ich das Gefühl, dass mein Profil sehr gut zu dem humanistischen, handlungsorientierten Anspruch der Leuphana passt“, erklärt Münch. „Auch die konsequent interdisziplinäre Ausrichtung der Universität finde ich attraktiv. Besonders gereizt haben mich aber natürlich auch das Zentrum für Demokratieforschung und die Zusammenarbeit mit den renommierten Kollegen, die ich bis dato nur aus der Literatur kannte.“

An der Leuphana möchte Sybille Münch weiterhin über Migration forschen. „Zu den Themen Diversität und kulturelle Vielfalt gibt es innerhalb der Fakultät einige Anknüpfungspunkte für gemeinsame Forschungsprojekte“, bemerkt Münch. Zunächst möchte sich die neuberufene Professorin aber in der Universität orientieren und einleben. „Ich finde es sehr positiv, dass sich das Universitätsleben im Wesentlichen auf einem zentralen Campus abspielt. Dadurch entsteht ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl“, findet Münch. Auch die Größe der Universität empfindet die Juniorprofessorin als angenehm. „Ich habe hier innerhalb kürzester Zeit mehr Menschen kennengelernt als in Darmstadt innerhalb von vier Jahren“, offenbart die Juniorprofessorin. Und fügt mit einem Lächeln hinzu: „Auch wenn es manchmal nur darin besteht, dass man Menschen aus dem Zug vom morgendlichen Pendeln wiedererkennt.“

Autorin: Vivien Thais Valentiner (Universitätskommunikation). Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de  geschickt werden. 

Weitere Informationen:

Personenhomepage von Prof. Dr. Sybille Münch