Meldungen aus der Forschung

Neu an der Leuphana: Prof. Dr. Berta Martín-López verstärkt Fakultät Nachhaltigkeit

09.02.2016 „Wie Menschen von der Natur profitieren können, ohne dass die Natur darunter leidet: das ist es, was mich in meiner Forschung interessiert“, so Prof. Dr. Berta Martín-López. Seit Oktober 2015 ist die Wissenschaftlerin als Juniorprofessorin für Sustainability Science am Institut für Ethik und Transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung (IETSR) tätig.

Die Forschungsschwerpunkte von Professor Martín-López sind im Bereich der Ökosystemdienstleistungen angesiedelt. Mit Ökosystemdienstleistungen bezeichnet man den Nutzen, den Menschen aus Ökosystemen ziehen können. Ein Beispiel hierfür ist die Bereitstellung von Bewässerungs- oder Trinkwasser durch die natürliche Filtration von Niederschlag. Berta Martín-Lópezs besonderer Fokus liegt dabei auf der Untersuchung von Dynamiken in sozial-ökologischen Systemen von der lokalen bis hin zu globalen Ebene. Ihr Ziel ist es einerseits, umfassende Bewertungskriterien für Ökosystemdienstleistungen zu entwickeln, indem sie sowohl ökologische als auch soziale und wirtschaftliche Dimensionen berücksichtigt. Ein zweiter Strang ihrer Forschung betrifft die institutionelle Analyse von Biodiversität und Ökosystemdienstleistungen in interdisziplinärer Perspektive. „Mich interessiert, welchen Einfluss informelle Institutionen – also Traditionen, informelle Absprachen oder auch religiöse Überzeugungen - und lokales ökologisches Wissen auf die Wahrnehmung von und den Umgang mit Biodiversität und Ökosystemdienstleistungen haben“, erläutert sie. 

Lokale Akteure als Garanten für Biodiversität

Diesen zweiten Aspekt ihrer Forschung verfolgt Professor Martín-López momentan gemeinsam mit anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in einem großen Forschungsprojekt, das verschiedene Regionen in Asien, Europa und Lateinamerika in den Blick nimmt. Im Zentrum des Projekts steht die Frage, wie das Wissen von Landwirten, Schäfern und anderen lokalen Akteuren zur Bereitstellung von Ökosystemdienstleistungen beitragen kann und welche Rolle informelle Institutionen wie Traditionen, kulturelle Praktiken oder Glaube dabei spielen. „Insbesondere interessiert uns, inwiefern lokales Wissen, informelle Institutionen und die sozialen Netzwerke lokaler Akteure zur Erhaltung von Biodiversität beitragen können, beispielsweise indem auf ihrer Basis Widerstandsstrategien gegen die Expansion von Monokulturen entwickelt werden“, so die Wissenschaftlerin.

Um Antworten auf ihre Fragen zu finden, nutzen die Forscherinnen und Forscher ein Mix aus qualitativen und quantitativen Methoden wie Interviews, Fokusgruppen, Workshops, Fragebögen und teilnehmende Beobachtung. „Nach einer ersten Auswertung unserer Daten können wir feststellen: In Regionen, in denen die Menschen einen engen Bezug zu ihrer Umwelt haben, ist die Biodiversität groß. Ökosystemdienstleistungen können hier besser und in größerer Zahl bereitgestellt werden“, erläutert Martín-López. „In Regionen, in denen dieser enge Umweltbezug nicht oder nicht mehr existiert – ein Beispiel dafür wäre Südspanien, wo es viele Gewächshäuser gibt, kaum mehr familiengeführte Firmen und eine hohe Gewinnorientierung – ist es dagegen sehr viel schlechter bestellt um Ökosystemdienstleistungen und Biodiversität.“

Trans- und Interdisziplinarität im Mittelpunkt

Ihr Karriereweg führte die gebürtige Spanierin in verschiedene europäische Länder, bevor sie ihre jetzige Tätigkeit als Juniorprofessorin an der Leuphana aufnahm. Nach ihrem Studium der Umweltwissenschaften und ihrer Promotion im Bereich der Ökologischen Ökonomie forschte Martín-López zunächst als Postdoc an der Universidad de Almería. Nach einer anschließenden mehrjährigen Tätigkeit als Assistant Professor an der Universidad Autónoma de Madrid verbrachte sie jeweils längere Forschungsaufenthalte an den Universitäten Kopenhagen und Oxford.

Die Leuphana hatte die Forscherin bereits seit längerer Zeit als potenziellen Arbeitsplatz im Blick und sie ist glücklich, dass sie ihre Forschung in den nächsten Jahren hier durchführen kann. Insbesondere die konsequent inter- und transdisziplinäre Ausrichtung der Universität hat es ihr angetan. „Aufgrund meines sowohl natur- als auch sozialwissenschaftlichen Hintergrundes betrachte ich mich als interdisziplinäre Wissenschaftlerin. Und auch der Austausch mit der Gesellschaft ist mir ein Anliegen“, so Martín-López. „Hier an der Leuphana muss ich niemanden davon überzeugen, dass Inter- und Transdisziplinarität wichtig sind. Ich habe das Gefühl, dass es hier honoriert wird, wenn man gewohnte Pfade verlässt, kreativ ist und neue Methoden oder Ansätze ausprobiert.“

In der Lehre wird Martín-López verschiedene Grundlagenveranstaltungen im Bereich Umwelt- und Nachhaltigkeitswissenschaften anbieten, darunter den sozialwissenschaftlichen Teil im Kurs „Einführung in die Umweltwissenschaften“, transdisziplinäre Forschungsprojekte im Master „Global Sustainability Studies“ sowie Lehrveranstaltungen im Minor „Nachhaltigkeitswissenschaften“.

Weitere Informationen:

Personenhomepage von Prof. Dr. Berta Martín-López