Meldungen aus der Forschung

Impulse für die Agrarpolitik

05.04.2016 Guter Ertrag und biologische Vielfalt lassen sich vereinbaren

Lüneburg. Wie die Landwirtschaft den Schutz der biologischen Vielfalt stärker berücksichtigen kann, war das zentrale Thema eines Workshops, der kürzlich im niedersächsischen Visbek stattfand. Die Veranstaltung des Projekts MULTAGRI führte Wissenschaftlerinnen und Vertreter von Landwirtschaft, Naturschutz, Politik und Verwaltung zusammen. Das Projekt wird von der schwedischen Lunds Universitet koordiniert und von der Europäischen Union gefördert. Die Leuphana Universität Lüneburg ist Teil des Verbundes und beschäftigt sich mit dem Teilaspekt ‚Herausforderungen mit Blick auf Entscheidungsstrukturen’. Die Lüneburger Forschergruppe besteht aus den Professoren Jens Newig und Jörn Fischer sowie drei weiteren Wissenschaftlerinnen.

Im Rahmen des MULTAGRI-Teilprojekts an der Leuphana wird untersucht, wie Entscheidungsstrukturen so gestaltet werden können, dass gleichzeitig die Biodiversität und die landwirtschaftliche Produktion gefördert werden.  Die Projektarbeit ist transdisziplinär angelegt. Eingebunden werden Interessensvertreter aus Niedersachsen, Sachsen und Skania (Schweden). In der ersten Projektphase ging es den Wissenschaftlern darum, aktuelle Probleme der bestehenden Entscheidungsstrukturen mit Blick auf die Förderung von Biodiversität auf landwirtschaftlichen Flächen zu verstehen.

Die Forscher haben vier Szenarien entwickelt, um sie mit den Workshop-Teilnehmern zu diskutieren. Sie sollen dabei helfen, den Blick für neue Strukturen zu öffnen, die möglicherweise besser geeignet sind, biologische Vielfalt und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe miteinander zu verbinden. Das Spektrum der Szenarien reicht von einer stark hierarchisch geprägten Struktur, welche die größte Entscheidungsmacht bei den staatlichen Akteuren vorsieht, bis zu einer eher dezentralen Struktur, die von einer Zusammenarbeit zwischen staatlichen und nicht-staatlichen Akteuren in einem überschaubaren Landschaftsraum geprägt ist.

Die in Deutschland und Schweden veranstalteten Workshops mit verschiedenen Interessensvertretern dienten zur Diskussion der Vorschläge. Die Ergebnisse werden jetzt analysiert. Dabei geht es einerseits um die Faktoren, die die Akzeptanz der Vorschläge beeinflussen, und andererseits um die unterschiedlichen Sichtweisen der Beteiligten (insbesondere Regierungsvertreter, Landwirte und Naturschützer). Die Arbeit zielt darauf ab, realistische Veränderungsstrategien für den Agrarsektor zu entwickeln. Sie sollen für die Interessensvertreter akzeptabel sein und gleichzeitig Vorteile für den Erhalt der biologischen Vielfalt bieten. Die Ergebnisse werden nicht nur den Workshop-Teilnehmern übermittelt. Sie sollen auch Politikern und einschlägigen Entscheidungsträger an die Hand gegeben werden.

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie hier:
www.cec.lu.se/research/multagri