Meldungen aus der Forschung

Keine Angst vor Metaanalysen. PhD-Workshop zu „Methods in Entrepreneurship“

12.07.2016 Prof. Dr. h.c. Per Erik Lage Davidsson (Queensland University of Technology Brisbane, Australien), ein weltweit renommierter Entrepreneurship-Forscher, der 2013 von der Fakultät Wirtschaftswissenschaften der Leuphana mit dem Ehrendoktor ausgezeichnet wurde, traf am Donnerstag (7.7.2016) und Freitag (8.7.2016) an der Leuphana 25 Doktoranden aus vier verschiedenen Ländern bei dem PhD-Workshop „Methods in Entrepreneurship“. Ziel des Workshops war es, sich über neue Trends und Forschungsmethoden im Bereich Entrepreneurship auszutauschen.

In der Workshop-Session identifizierten die Doktoranden gemeinsam mit Professor Davidsson die aktuellen methodischen Herausforderungen und mögliche Lösungsansätze für die Entrepreneurship-Forschung. Eine große Herausforderung besteht in der hohen Heterogenität des unternehmerischen Phänomens. Unterschiedliche Menschen starten sehr verschiedene unternehmerische Aktivtäten mit unterschiedlichen Prozessen, Ressourcen und Zeitspannen. Dadurch ist es schwierig, tatsächliche Zusammenhänge aufzudecken, da diese durch unkontrollierte Situationsfaktoren überlagert werden können. Laut Professor Per Davidsson liegt eine mögliche Herangehensweise in der Experimentalforschung, die bislang in der Entrepreneurship-Forschung unterrepräsentiert ist. Durch Experimente lassen sich Situationsfaktoren gezielt kontrollieren. Nachteil dieses Ansatzes ist es, dass die Generalisierbarkeit der Ergebnisse eingeschränkt sein kann.

"Opportunities" für Entrepreneurship

Zu Professor Davidssons besonderen Verdiensten zählt unter anderem die Untersuchung von neuen Start-Ups. Dabei beschäftigt ihn die Frage, wie „opportunities“ für Entrepreneurship genutzt werden können und wie unternehmerische Chancen realisiert werden. In seiner Forschung konnte er u.a. zeigen, dass Netzwerke und soziale Unterstützung einen positiven Effekt auf die Wahrscheinlichkeit zu Gründen und den Erfolg der Gründung haben.

Weitere Referenten während des Workshops waren Vizepräsident (Graduate School, Wissenschaftlicher Nachwuchs und Entrepreneurship) Prof. Dr. Markus Reihlen, der seit Mai diesen Jahres für den Bereich Entrepreneurship an der Leuphana zuständig ist, sowie Prof. Dr. Michael Frese (National University of Singapore und Leuphana Universität Lüneburg), Prof. Dr. Andreas Rauch (University of Groningen, Netherlands) und Prof. Dr. Michael Gielnik (Leuphana Universität Lüneburg).

Impulse zur Entrepreneurship-Forschung

Professor Dr. Andreas Rauch ermutigte die Doktoranden, nicht vor metaanalytischen Methoden zurückzuschrecken. Metaanalyse ist eine quantitative Methode um systematisch bisherige Literatur zusammenzufassen und zu einer Schlussfolgerung zu gelangen. Schritt für Schritt leitete er die Doktoranden durch die methodische Herangehensweise und brachte viel von seiner langjährigen Erfahrung mit Metaanalysen ein. Laut Prof. Dr. Rauch ist es im Reviewprozess wichtig, die Gutachter von einer sorgfältigen und gewissenhaften Arbeit zu überzeugen. Dazu ist bereits während der Datenauswertung eine genaue Dokumentation unabdingbar, die für die Gutachter nachvollziehbar ist. Professor Dr. Markus Reihlen gab einen Überblick über unterschiedliche qualitative Forschungsmethoden und vertiefte insbesondere die Fallstudienmethodik anhand zahlreicher Beispiele aus der eigenen Forschung. Dabei wurden Fragen des Designs, der Auswertung und Theoriebildung von Fallstudien diskutiert und anhand forschungspraktischer Fragen vertieft. Professor Dr. Michael Gielnik führte die Doktoranden in die Experimentalforschung ein. Er illustrierte unterschiedliche experimentelle Designs mit Hilfe einiger seiner bisherigen Forschungsarbeiten und diskutierte gemeinsam mit den Doktoranden die Vor- und Nachteile der verschiedenen Designs. Anhand von dem Forschungsprojekt „STEP“ (Student Training for Entrepreneurial Promotion) zeigte Professor Dr. Michael Gielnik wie Experimentalforschung und Feldforschung vereint werden können.

Der Workshop fand zum ersten Mal statt und wurde von dem Research Center for Entrepreneurship (RCE) organisiert. Das RCE hat es sich zum Ziel gesetzt, lehrstuhlübergreifend eine exzellente Ausbildung für Doktoranden anzubieten. Neben dem zweiwöchentlich stattfindenden Doktorandenoberseminar stellte der Workshop „Methods in Entrepreneurship“ einen Höhepunkt zum Semesterende dar.

Prof. Dr. Michael Frese fasste zum Abschluss des Workshops zusammen: „Hier haben wir ein Beispiel für die Wichtigkeit des Entrepreneurship Zentrums an der Leuphana. Die jeweiligen Begründer der Methoden in der Unternehmerforschung zeigten der internationalen Zuhörergruppe von Doktoranden auf, wie man am besten Unternehmerforschung voranbringt.“

Kontakt

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