Meldungen aus der Forschung

Stipendiaten starten mit ihrer Promotion zum Thema "Demokratie unter Stress"

27.10.2016 Die Leuphana Universität Lüneburg begrüßte am 17. Oktober 2016 Stipendiaten und Stipendiatinnen zum Auftakt des Promotionsprogramms „Demokratie unter Stress“, das vom niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) finanziert und am „Zentrum für Demokratieforschung“ durchgeführt wird. Im Mittelpunkt des Programms stehen aktuelle Herausforderungen, die auf moderne Demokratien einwirken. Für die Stipendiat_innen sind das beispielsweise technokratische Entwicklungen und populistische Strömungen, aber auch der Einfluss autoritärer Regime auf internationale Menschenrechtsorganisationen. Im Folgenden werden einige der Forschungsfragen vorgestellt.

Im Rahmen der Starttage des Promotionsprogramms hatten die Stipendiaten_innen zunächst die Gelegenheit sich mit dem Campus und der Universität vertraut zu machen.
Dabei erfolgte ein erstes Treffen mit den betreuenden Professorinnen und Professoren, sowie ein Empfang am ZDEMO.
Das Promotionsprogramm besteht aus 14 Stipendien für Doktorandinnen und Doktoranden und wird über einen Zeitraum von vier Jahren gefördert (2016-2020). Die Finanzierung jeder einzelnen Promotion beträgt in der Regel drei Jahre. Das Sprecherteam besteht aus Prof. Dr. Ferdinand Müller Rommel und Prof. Dr. Marion Reiser.

Die Motivation für das Thema

Alexander Leipold

Für Pavel Satra war neben der Thematik auch das Studiensystem der Universität ausschlaggebend: „Das semistrukturelle Studienprogramm bietet mir sehr gute Möglichkeiten. Ich freue mich darauf, die Kurse nach Entwicklungsbedarf und Interesse wählen zu können. Das gibt es an vielen anderen Universitäten nicht.“ Er wird während der nächsten Jahre von Prof. Dr. Vera van Hüllen unterstützt. 

„Besonders ansprechend ist für mich das Forschungsprogramm des Kollegs. Die Schwerpunktsetzung ermöglicht eine nahezu exakte Einpassung meiner aktuellen Forschungsinteressen in das Gesamtkonzept“, erklärt Alexander Leipold seine Motivation für die erfolgreiche Bewerbung. „Konkret werde ich den Einfluss ökonomischer Ungleichgewichte und neuer Formen der netzwerkförmigen Unternehmensverflechtung auf den Policy-Diskurs auswerten. Die gleichmäßige politische Repräsentation stellt dafür den normativen Ausgangspunkt dar. Empirisch werden Parlaments- und Mediendebatten in der Steuerpolitik mittels Netzwerkanalyse untersucht und die Akteurpartizipation in den Debatten sowie sich ergebende Koalitionsstrukturen visuell aufbereitet. Unabhängig von den empirischen Daten soll eine möglichst weite methodische Übertragbarkeit durch neue Schätzmodelle gesichert werden.“ Die Betreuung dieses Promotionsprojekts wird Prof. Dr. Marion Reiser übernehmen.

Auch bei Lea Rzadtki, die ihr bisheriges Studium an mehreren europäischen Standorten absolvierte, spielte die Individualität eine große Rolle: "Ich habe Sozial- und Kulturwissenschaften studiert und deshalb thematisch eine andere und nicht rein politische Perspektive. Das Promotionsprogramm hat deshalb so gut gepasst, weil es mir ermöglicht verschiedene Themenbereiche zu verknüpfen und mit Menschen zusammenzuarbeiten, die sich im selben wissenschaftlichen Bereich befinden, aber eine andere Ausrichtung haben.“ 

Lea Rzadtki
Tobias Schottdorf

„Das Gesamtpaket der Leuphana Universität Lüneburg passt sehr gut zu mir und meinem Dissertationsvorhaben. Wir sind hier an einem wirklich guten Institut für Politikwissenschaft, an dem viel Wert auf Unterstützung gelegt wird. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit kompetenten Mitarbeitern an einem relevanten und aktuellen Themenkomplex, der uns noch einige Jahre beschäftigen wird“, berichtet Tobias Schottdorf, der von Prof. Dr. Thomas Saretzki betreut wird.

Für Greta Jasser, die einen Masterabschluss von der London School of Economics and Political Science (LSE) hat, war zweifellos klar, dass sie promovieren möchte. „Ich denke, dass ich in Lüneburg wirklich gut aufgehoben bin. Hier habe ich die Möglichkeit meinen eigenen Forschungshintergrund in neue Bereiche einzubringen und werde sehr individuell betreut. Außerdem schätze ich es, dass ich im teilstrukturierten Promotionsprogramm meine Kenntnisse vor allem in den Bereichen vertiefen kann, die für mein Projekt besonders relevant sind. Ich freue mich sehr auf die Zeit.“

Partizipativ, repräsentativ, inklusiv: Demokratieforschung in drei Clustern

In den kommenden Jahren werden sich die Stipendiatinnen und Stipendiaten mit ihren Dissertationsprojekten an einem der drei inhaltlichen Cluster des Promotionsprogramms beteiligen: „Partizipative Demokratie", "Repräsentative Demokratie“ oder „Inklusive Demokratie“. Das Ziel des Promotionsprogramms besteht nicht nur darin die Herausforderungen und Problemwahrnehmungen zu identifizieren, sondern auch Problemlösungen für aktuelle Aufgaben der Demokratie zu generieren. Wie unterschiedlich die Ansätze in diesen Clustern sein können, zeigen die schon sehr konkreten Vorstellungen der Stipendiaten und Stipendiatinnen. 

Florian von Stern, der bereits einen Bachelor- und seinen Masterabschluss von der Leuphana hat, wird sich im Cluster der „Partizipativen Demokratie“ damit beschäftigen, inwieweit Religion und Religiosität soziales Vertrauen beeinflussen und ob dieser Einfluss  eine gemeinschaftsstärkende Wirkung hat. Er vermutet, dass diese Wirkung auch von äußeren Faktoren wie der religiösen Struktur und der politischen Verfasstheit einer Gesellschaft abhängt. Methodisch hat er sich daher für die Durchführung einer „Mehrebenenanalyse“ entschieden. Die Erstbetreuung für dieses Promotionsprojekt wird Prof. Dr. Christian Welzel übernehmen.

„Für mich wird es sehr interessant werden mich mit Leuten auszutauschen, die im selben Bereich tätig sind, aber eine andere fachliche Ausrichtung haben“, meint Lea Rzadtki, deren Promotion von Prof. Dr. Sybille Münch betreut wird. „Mein Forschungsschwerpunkt lag im bisherigen Studienverlauf immer auf sozialen Bewegungen und dem sozial-politische Engagement der Zivilgesellschaft. Ich glaube, dass die Verknüpfung dieser Bereiche im Forschungscluster „Partizipative Demokratie” zu interessanten Synergien führen kann.“

Dass sich die inhaltlichen Cluster des Forschungsprogramms auch verbinden lassen, zeigt der Ansatz von Tobias Schottdorf: „Ich werde thematisieren, inwieweit sich die politische Inklusion im Zuge der ökonomischen Stressentwicklung verändert hat und welche Gründe dafür eine Rolle spielen. Anhand dieser Ergebnisse werde ich nach Möglichkeiten suchen, Partizipationschancen zu stärken und gesellschaftliche Inklusion zu fördern. Ich möchte eine normative Perspektive eröffnen und herausfinden, wie eine Gesellschaft aussehen kann, die ebendiese Widersprüchlichkeiten verhindert.“ Um dieses Forschungsziel zu verfolgen, wird Schottdorf auf verschiedene Methoden zurückgreifen. 

Gesellschaftliche Relevanz des Forschungsthemas

Die Erwartungen der Stipendiaten_innen an ihre Arbeiten sind hoch. Da alle Promotionsthemen eine hohe aktuell-politische Relevanz haben, erhoffen sie sich an der Leuphana eine intensive Arbeitsphase und einen regen Meinungsaustausch mit Personen innerhalb und außerhalb der Universität.

„Die Prozesse befinden sich gerade im Wandel und stellen eine gegenläufige Bewegung zu früheren Jahren dar. Das zeigt sich unter anderem darin, dass seit kurzem autoritäre Regime Einfluss auf internationale Menschenrechtsorganisationen nehmen“, meint Pavel Satra. Aus diesem Grund werde er im Cluster der „Inklusiven Demokratie“ die Kollision von neuen Akteuren und bereits etablierten politischen Strukturen untersuchen und versuchen ein neues Verständnis von autoritären Regimen in der Weltpolitik zu schaffen.

Pavel Satra
Greta Jasser

Auch Greta Jasser, die sich bereits in ihrem Bachelorstudium mit Demokratietheorien auseinandersetzte, sieht die akute Bedeutsamkeit: „Gerade in der heutigen politischen Zeit gibt es viele dichotome Phänomene mit unterschiedlich vertretenen Interessensgruppen.“ Daher werde sie sich in ihrer Forschungsarbeit mit der Problematik der Technokratie und dem Populismus als Stressfaktoren für die Demokratie befassen. Prof. Dr. Marion Reiser wird dieses Forschungsinteresse als Betreuerin drei Jahre begleiten.

„Die Thematik des Promotionsprogramms ist breit gestreut und lässt so Raum, eigene Interessensschwerpunkte zu setzen. Hinter allen Themen der Stipendiaten_innen verbergen sich aktuelle und gesellschaftsrelevante Herausforderungen“, berichtet Florian von Stern. „Ich freue mich sehr auf die intensive Bearbeitung meines Themas und den Austausch unterschiedlicher Ansätze in unserer ersten Demokratie-unter-Stress-Generation.“

Florian von Stern

Prof. Dr. Marion Reiser
Universitätsallee 1, C12.301
21335 Lüneburg
Fon +49.4131.677-2480
marion.reiser@leuphana.de

Prof. Dr. Ferdinand Müller-Rommel
Universitätsallee 1, C12.315
21335 Lüneburg
Fon +49.4131.677-2486
Fax +49.4131.677-2474
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Redaktion: Ann Cathrin Frank, Morgaine Struve, Dörte Krahn, Universitätskommunikation. Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.