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Wissenschaftler im Portrait: Dr. Arvid Bergsten

27.02.2017 Arvid Bergsten ist Postdoktorand und Marie-Curie-Fellow an der Fakultät für Nachhaltigkeit. In seiner Forschung beschäftigt er sich mit Nachhaltigkeit und kooperativer Governance anhand einer Fallstudie zur Ernährungssicherung in Äthiopien.

Arvid Bergstens Arbeit findet am Treffpunkt der sozialen und biologischen Sphäre statt. Er erklärt: „Ein generelles Interesse von mir ist es, Komplexität und Interdependenzen in sozial-ökologischen Systemen zu verstehen, damit wir lernen können, wie wir mit der Natur nachhaltiger koexistieren können. Um dies zu erforschen, verwende ich Netzwerkmodellierung in Kombination mit anderen quantitativen Ansätzen." Durch die Betrachtung sozialer und ökologischer Systeme als Netzwerke, die miteinander interagieren, hatte er zuvor gezeigt, wie sich kollaborative Akteur_innen-Netzwerke entwickeln können, um gemeinsam genutzte Ressourcen und grenzüberschreitende Ökosysteme zu koordinieren.

Wer sollte zusammenarbeiten und warum?

Das Nahrungsmittelsystem ist zentral für die meisten Nachhaltigkeitsherausforderungen, denen die Menschheit heute gegenübersteht. Das aktuelle Projekt von Bergsten in Äthiopien besteht darin, kollaborative Netzwerke in der Governance von Ernährungssicherung und der Biodiversität in ländlichen Landschaften aufzuzeigen. "Nachhaltigkeit ist vor allem für Governance-Themen, die über mehrere Sektoren der Gesellschaft hinausgehen, herausfordernd, wie es bei vielen Umweltproblemen heutzutage der Fall ist. Diese erfordern eine Koordination zwischen mehreren Stakeholdern auf mehreren Governance-Ebenen", sagt Bergsten. Gemeinsam mit Jörn Fischers Team hat Arvid Bergsten Interaktionen zwischen 190 Stakeholdern und 60 Governance-Themen festgehalten. Sie identifizieren nun, welche besonderen Aspekte der Ernährungssicherung und des Lebensunterhalts von Kleinbauern zwischen den Lücken im Governance-System durchrutschen, zum Beispiel durch schlechte Koordination unter den Stakeholdern. "Die Stakeholder müssen wissen, wo die Lücken sind, um ihre Bemühungen zu konzentrieren. Der übliche Aufruf zur mehr Koordination ist für die meisten Stakeholder ziemlich bedeutungslos", so Bergsten weiter.

Ein zweiter Forschungsschwerpunkt in Bergstens Projekt in Äthiopien ist die Frage, ob der informelle Austausch von Arbeit und Land unter den einzelnen Landwirten ihre Ernährungssicherung und Diversität sowie ihre Entscheidungsfreiheit beeinflusst, die Anbaufrüchte, die sie bevorzugen, anzubauen. Auf der Grundlage von Interviews mit 180 Landwirten untersucht er, wie soziale und ökonomische Faktoren, Gruppendynamik und Regierungsbeteiligung die Ernährungssicherheit, die Vielfalt und die Souveränität der Landwirte beeinflussen." Zurzeit findet in Europa eine Diskussion über alternative Wege der ökonomischen Organisation statt, die informell und kommunal sind oder bei denen Sharing eine Rolle spielt. Ich sehe hier eine Chance, von den traditionellen kommunalen Lösungen zu lernen, die in vielen Entwicklungsländern noch vorhanden sind", so Bergsten.


Nach seiner Promotion im Stockholmer Resilience Center war Arvid Bergsten Dozent an der Södertörn Universität und ein Umweltberater in der Ekologigruppen. Neben einem MSc in sozio-technischen Systemen hat er einen BSc in der Soziologie der Wissenschaft von der Uppsala Universität. Seit 2016 arbeitet Arvid Bergsten an seinem Postdoktorandenprojekt "Social and Ecological Networks supporting biodiversity and food security" project (SENet).


Weitere Informationen

Kontakt

Dr. Arvid Bergsten
Universitätsallee 1, C40.231
21335 Lüneburg
Fon +49.4131.677-7815
arvid.bergsten@leuphana.de


Redaktion: Martin Gierczak, Universitätskommunikation. Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.