Meldungen aus der Forschung

Konferenz „Reflexive Responsibilisierung. Verantwortung für nachhaltige Entwicklung“

03.03.2017 Vom 08. bis 10. Februar 2017 fand in Lüneburg die Konferenz „Reflexive Responsibilisierung - Verantwortung für nachhaltige Entwicklung“ statt, veranstaltet von der Leuphana Universität Lüneburg und der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg im Rahmen des von MWK/VWStiftung geförderten gleichnamigen Projekts.

Prof. Dr. Anna Henkel

In ihrem Eingangsstatement erläuterte Projektleiterin Anna Henkel, Professorin an der Leuphana Universität, ein Zwischenergebnis: Die Herausforderung nachhaltiger Entwicklung liegt darin, einerseits die Kontingenz und Ambivalenz von Nachhaltigkeit anzuerkennen, andererseits aber gerade unter dieser Prämisse Bedingungen für kollektive und individuelle Handlungsfähigkeit zu identifizieren.

Drei zentrale Themenkomplexe standen im Mittelpunkt der Konferenz:
Ein erster Schwerpunkt befasste sich mit der Frage, welche Formen der Verantwortungszuschreibung in verschiedenen Praxisfeldern der Nachhaltigkeit wirksam werden. Insbesondere die Vorträge von Paul Burger, Professor an der Universität Basel, und von Armin Grunwald, Professor am Karlsruhe Institute of Technology, verdeutlichten, dass die Verantwortungszurechnung zwar vielfach auf der individuellen Ebene der Akteure sowie in Partizipationsformen, Organisationen oder auch Gemeinschaften erfolgt. Auch strukturelle und gesellschaftliche Faktoren können jedoch als zentrale Rahmenbedingungen individuellen Handelns sinnvolle Ansatzpunkte der Verantwortungsdistribution sein. Ein zweiter Schwerpunkt widmete sich dem historischen Wandel im Verhältnis von Nachhaltigkeit und Verantwortung mit einem Fokus auf internationalen und sachthematischen Unterschieden. Der dritte Diskussionsschwerpunkt stellte die Frage, ob und inwiefern die Wissenschaften Verantwortung im Rahmen eines nachhaltigkeitsorientierten Wandels übernehmen können und sollten. Wie etwa sich bei der Verwirklichung des übergreifenden Konzepts der Transdisziplinarität angesichts einer Neuverteilung von Verantwortung die Praktiken wissenschaftlichen Forschens verändern, erörterte beispielsweise Nico Lüdtke, Postdoktorand im Projekt „Reflexive Responsibilisierung“, in seinem Vortrag.

Besonders die Abschlussdiskussion nahm nochmals die Frage der Rolle von Wissenschaft und Forschung für eine nachhaltigkeitsorientierte Transformation der Gesellschaft auf. Angesichts aktueller Debatten um eine transformative und/oder transdisziplinäre Forschung sollten Problemorientierung und Engagement einerseits sowie methodische Güte und unabhängige Sachautorität der Wissenschaften andererseits keinen Gegensatz bilden und auch nicht bilden dürfen. 

Jeremias Herberg, Postdoktorand an der Leuphana, etwa plädierte in seinem Kommentar dafür, sich hier von Zuspitzungen und Entgegensetzungen zu verabschieden. Die Diskussion verwies auf Ähnlichkeiten zwischen nachhaltigkeitsorientierter Forschung und anderen problem- bzw. anwendungsorientierten Wissenschaftsfeldern wie etwa Medizin oder Informationstechnologie: Von einer systematisch-vergleichenden Analyse könnte Nachhaltigkeit als emergierendes wissenschaftliches Forschungsfeld daher profitieren.

Dr. Jeremias Herberg


Redaktion: Martin Gierczak und Morgaine Struve, Universitätskommunikation. Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.