Meldungen aus der Forschung

Im Eiltempo unterwegs – Prof. Dr. Matthias Pelster im Portrait

15.08.2017 Er bewegt sich schnell in seinem Leben, sowohl beruflich als auch privat. Mit 33 Jahren ist der Wirtschaftsmathematiker Matthias Pelster Juniorprofessor für Finance am Institut für Finanz- und Rechnungswesen, hat in Deutschland bedeutende Preise gewonnen und ist auch international ständig unterwegs. In seiner Freizeit liebt er Tempo im Sport. Mehrmals pro Woche trainiert er für den Triathlon. „Das schafft klare Gedanken“, sagt er.

Matthias Pelster ist ein Kopfmensch. Die Vernunft entscheidet, auf das Bauchgefühl will er sich nicht verlassen. „Ich bin ein rationaler Typ, absolut“, betont er. Eine Haltung, die ihn bisher gut durch das Leben navigiert hat. In seiner Vita reihen sich spannende Projekte und Tätigkeiten aneinander, dazu kommen beachtliche Erfolge: Seine Promotionsarbeit ist mit dem Dissertationspreis 2013 der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der TU Dortmund ausgezeichnet worden, im vergangenen Juli erhielt er den Lehrpreis der Leuphana Universität Lüneburg. Der Vorschlag für den Preis kam von Studierenden der Graduate School. Sie lobten seine Veranstaltung ‚Econometrics of Financial Markets’. „Da geht es um die quantitativen Methoden der empirischen Wirtschaftsforschung, ein an sich sehr trockenes Thema“, erklärt Matthias Pelster. „Ich habe aber versucht, den Anwendungsbezug in den Vordergrund zu stellen.“ Der Versuch gelang ganz offensichtlich, die Teilnehmenden des Seminars fühlten sich durch konkrete Übungen und praxisrelevante Fragestellungen sehr gut begleitet.

Forschung über Entscheidungsfindung: Der Blick zum virtuellen Nachbarn

In der Forschung ist Prof. Dr. Pelster aktiv in den Sozialen Medien unterwegs. „Immer mehr läuft über das Internet ab, Twitter, Facebook und andere Dienste gewinnen an Bedeutung“, leitet er in das Projekt „Social trading and the wisdom of crowds“ ein. Dieses Phänomen lässt sich seit Beginn der weltweiten Finanzkrise 2007/2008 auch auf den Märkten beobachten. „In dieser Zeit sind die ersten Social Trading Plattformen entstanden. Ihnen liegt die Idee zugrunde, dass die Nutzer untereinander Informationen über Wertpapiere austauschen, um damit auf professionelle Anlageberater zu verzichten.“ In seiner Forschung konzentriert sich der Finanzwirtschaftsprofessor auf die Wirkung dieser sozialen Netzwerke und damit auf die Frage, welchen Einfluss die Online-Empfehlungen auf die Entscheidungsfindung haben. „Es gibt bereits Untersuchungen die zeigen: Wenn ich in einer Nachbarschaft lebe, in der viele Bewohner Aktiengeschäfte tätigen, dann werde ich mich früher oder später wahrscheinlich ähnlich engagieren“, berichtet Pelster. Das sei mit den virtuellen Nachbarn im Internet nicht anders – auch hier sei gegenseitige Beeinflussung deutlich zu beobachten. Aber wie aussagekräftig und seriös sind diese Online-Informationen? Auch mit dieser Frage setzt sich das Forschungsprojekt des Juniorprofessors auseinander. „Wir wollen wissen, ob man tatsächlich wertvolle Informationen aus diesen Portalen beziehen und damit rentable Aktieninvestitionen tätigen kann.“ Die Antwort auf diese Frage liegt bereits vor: „Ja, es funktioniert. Diese Strategie kann sich durchaus lohnen.“

Finanzhaie zähmen, Verantwortung übernehmen

Doch wo die Chancen auf Geldvermehrung steigen, sinkt nicht selten die Moral. Matthias Pelster wittert die Gefahr, früher oder später manipulierte oder verfälschte Informationen auf den Plattformen zu finden. Denn die User müssen weder begründen, warum sie bestimmte Aktien empfehlen, noch sind sie verpflichtet, auf Risiken aufmerksam machen. „Derzeit sehe ich noch nicht das Problem, dass zum Zweck der Kursmanipulation Fehlinformationen verbreitet werden“, so der 33-Jährige. Aktuell sei das daraus resultierende Handelsvolumen noch zu gering, um den Markt zu bewegen. „Auf Dauer aber sollte man das im Auge behalten.“

Denn gerade der Finanzsektor hat sich im Zuge der Eurokrise nicht von seiner besten Seite gezeigt. Anlageberater, Banker, Broker - der Begriff Finanzhai schwebt über eine gesamte Branche. „Ohne Zweifel, wir sehen unmoralisches Verhalten zum Beispiel bei Banken. Da sind Zinssätze manipuliert worden, um eigene Gewinne zu optimieren“, bestätigt der Wirtschaftsmathematiker. Gleichzeitig hält er die allgemeine mediale Verurteilung für überzogen. Das gilt auch für die Bankenregulierungen, die mehr Kontrolle und Schutz für die Anleger garantieren sollen. „Regulierungen setzen auf der einen Seite einen Rahmen, bedeuten auf der anderen Seite hohe Kosten. Gerade kleinere Banken sind dadurch häufig gelähmt“, erklärt er. Ihm sei es deshalb als Lehrender wichtig, den Studierenden eine moralische Grundhaltung und Verantwortungsbewusstsein nahe zu bringen. „Nur weil etwas nicht verboten ist, ist es nicht automatisch richtig “, betont Pelster „Es wäre schön, wenn die Studierenden das mit auf den Weg nehmen.“

Wissenschaftlich bewegt sich Pelster permanent auf den Aktienmärkten, privat hält er sich diesbezüglich eher zurück – auch da ist er ein Kopfmensch. Er vermeide das Risiko und investiere deshalb vorzugsweise in Indizes, erklärt er. Außerdem ist die ständige Suche nach der richtigen Investition eine zeitraubende Angelegenheit – die wenigen Stunden, die ihm neben seinem Job bleiben, verbringt er schon lieber im Wald. „Drei Mal die Woche laufe ich jeweils 10 oder 20 Kilometer. Außerdem bin ich mit dem Mountainbike oder Rennrad unterwegs und gehe schwimmen“, sagt er. Gerne würde er sich hierfür noch mehr Zeit nehmen, doch die nächsten Aufgaben warten schon: Im Oktober zieht Pelster für einen Monat nach New York, um dort an der St. John’s University in Manhattan zum Thema Soziale Vernetztheit und Übertragung von Risikoverhalten zu forschen. Nach dem Aufenthalt widmet er sich einem Kooperationsprojekt mit der Durham University in England. In der engen Taktung gibt es allerdings in Kürze eine erfreuliche Verschnaufpause: Noch im Sommer läuten die Hochzeitsglocken. Ob es auch eine anständige Party geben wird, ist die abschließende Frage. Antwort: „Davon können Sie ausgehen!“


Kontakt

Prof. Dr. Matthias Pelster
Universitätsallee 1, C6.207
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Fax +49.4131.677-2169
matthias.pelster@leuphana.de


Autorin: Urte Modlich, Universitätskommunikation. Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.