Meldungen zum Studium

"Die eigene Kultur mit anderen Augen sehen"

19.08.2015 Leuphana-Gastprofessor Prof. Dr. Michael Palocz-Andresen über die Bedeutung von Internationalisierung.

Prof. Dr. Michael Palocz-Andresen ist seit 2011 Gastprofessor an der Fakultät Nachhaltigkeit der Leuphana Universität Lüneburg. Er forscht zu nachhaltiger Mobilität und engagiert sich für eine Internationalisierung des Studiums. So war er beteiligt an der Einrichtung des Bachelor-Plus-Programms an der Fakultät Nachhaltigkeit und fährt mit seinen Studierenden an Universitäten weltweit. An der Universität Westungarn Sopron ist der Alumnus der Alexander-von-Humboldt-Stiftung ordentlicher Professor für Umwelt- und Klimaschutz, an der Shanghai Jiao Tong University Gastprofessor. In diesem Sommer war er mit Studierenden der Universität Westungarn in Tokio, am 23. August 2015 fährt er mit Leuphana-Studierenden zur Sommerschule an die Universität Westungarn. Im Interview erzählt er von seinen Erfahrungen und verrät sein nächstes Projekt.   

 

Professor Palocz-Andresen, Sie haben sich für das Bachelor-Plus-Programm an der Fakultät Nachhaltigkeit eingesetzt, sind an Universitäten in drei Ländern der Erde Professor und gehen mit Studierenden weltweit auf Exkursionen. Was bedeutet Ihnen Internationalisierung?

Ich betrachte es als eine wichtige Aufgabe, der jungen Generation internationale Zugänge zu ermöglichen. Beim Bachelor-Plus-Programm können Studierende zwei Semester ihres Studiums an einer von vier Partner-Universitäten verbringen: an der Universität Karlstadt in Schweden, der Universität Barcelona in Spanien, an der Universität Lima in Peru oder an der Universität Westungarn in Sopron. Sie nehmen an den Vorlesungen teil, können die Sprache des Gastlandes lernen und proftieren von den Spezialisierungen der verschiedenen Universitäten. In Ungarn sind das beispielsweise die Forstwissenschaft, die Landwirtschaft und die Biosphärenforschung. 

Sie haben auch selbst einen internationalen Werdegang.

Ich habe zwei Herzen in meiner Brust. Ich bin geboren in Ungarn und lebe seit 49 Jahren in Deutschland. Ich habe hier studiert und promoviert. 1984 bis 1986 war ich an der Universität Karlsruhe, 1992 an der TU Bergakademie Freiberg, beide Male mit Unterstützung der Alexander-von-Humboldt-Stiftung. Meine Frau ist aus Norddeutschland und lebt hier in Hamburg, mein Sohn ist Seemann. Meine Tochter und meine Mutter sind in Ungarn. Gute internationale Beziehungen sind also sehr wichtig für mich.

Welche Erfahrungen machen Sie als Gastprofessor für Nachhaltigkeitsthemen in China?

China insgesamt hat sehr viel mit der Luftreinheit zu kämpfen. Shanghai weniger, weil es an der Küste liegt. Die frische Brise verdünnt sehr stark und mindert so etwas die Umweltverschmutzung. Nichtsdestotrotz: Es kommt zu Smog-Situationen, der Verkehr wächst stark und die Zulassungstechnik ist nicht so gründlich wie in Europa. 

China ist sehr dynamisch in der Entwicklung. Die Studierenden und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an der Universität sind sehr fleißig. Die Studierenden werden sehr intensiv in die Forschungsarbeit eingebunden und müssen während ihres Studiums einige Veröffentlichungen schreiben, schon in der Phase der Masterarbeit! Sie sind also wirklich forschende Lernende. 

Sie waren in diesem Sommer mit Studierenden in Asien. Wie haben Sie das organisiert?

Die erste Hürde ist die Einladung. Man braucht eine Einladung der Universitäten. China schreibt sogar einen Visumzwang vor. An diesen führenden Universitäten der Welt braucht man gute Kontakte, persönliche Beziehungen. Man muss selbst eine gute wissenschaftliche Anerkennung haben. Dann darf man dort auftreten. Es geht viel um Anerkennung und Respekt. Dazu gehört, sich sehr gut auf die Vorlesungen vorzubereiten, aktuelle Themen zu bringen. Aus meinen Vorlesungen heraus möchte ich dann die nächste Stufe aufbauen. Nächstes Jahr möchte ich beispielsweise eine Internationale Sommerschule auf die Beine stellen. 

Was hat es damit auf sich?

Das wären 4 Sommerschulen in einem Jahr. Dafür stelle ich gerade einen Antrag. Leuphana-Studierende könnten dann an der der Shanghai Jiao Tong University zwei Wochen zu Gast sein, in einem anderen Quartal dann an der Tokio University, dann an der Cornell University in den USA und an der Universität in Westungarn. 

Was können Studierende dabei lernen?

Das Erlernen neuer Sprachen oder Kennenlernen neuer Kulturräume ist nur symptomhaft. Eigentlich geht es darum, einen frischen Blick auf die Welt zu bekommen und auch die eigene Kultur mit anderen Augen zu sehen. Seitdem ich diese großen Universitäten kennengelernt habe, betrachte ich unsere Errungenschaften, etwa die EU, mit ganz anderen Augen. Ich bin ein Riesenfan des europäischen Gedankens geworden. Die Welt ist so globalisiert und so groß geworden und diese Länder entwickeln sich so stark, dass wir einzeln einfach machtlos sind. Wir müssen schon zusammenarbeiten.

Professor Palocz-Andresen, vielen Dank für das Interview!

Das Interview führte Stefanie Hennig (Universitätskommunikation).Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.