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"Ich merke nicht, wenn ich müde bin" - Studierende erzählen von den Zukunftstagen Bildung

21.10.2015 Am vergangenen Wochenende fanden die Zukunftstage Bildung für Master-Erstsemesterstudierende der Lehrerbildung und Bildungswissenschaften statt. Die Teilnehmenden der zweitägigen Veranstaltung standen in engem Kontakt mit Partnerinstitutionen und beschäftigten sich mit Herausforderungen der Bildungslandschaft. Zu Themen wie Partizipation im Bildungssystem, Flüchtlingshilfe oder Verbesserungsmöglichkeiten des Lehramtsstudiums entwickelten die Studierenden Lösungsansätze: Seminare für interkulturelle Kompetenzen, an das Berufsleben angeknüpfte Sprachkurse oder ein Projekttag im Monat, zu dem die Schülerinnen und Schüler das Thema wählen dürfen, waren einige der präsentierten Vorschläge.

Jede Projektgruppe war einer Praxispartnerin oder einem Praxispartner aus schulischen und außerschulischen Bildungsinstitutionen zugeordnet, die den Studierenden ihre Situation erläuterten. Mithilfe verschiedener Methoden und der Unterstützung durch Mentorinnen und Mentoren entwickelten die Studierenden Bearbeitungsansätze für diese Herausforderungen. Zwei der Teilnehmenden berichten über ihre Erfahrung von den Zukunftstagen Bildung: Alina, 24, studiert Bildungswissenschaften und Lisa, 22, studiert Lehramt an Grundschulen.

Die Zukunftstage Bildung sind eine freiwillige Zusatzleistung, warum macht ihr mit?
Lisa:
Es geht um die Möglichkeit, im theoretischen Studium einen Praxisbezug herzustellen, der vielen Studierenden wohl fehlt. Und dabei auch darum, Ideen zu entwickeln, wie dieser Praxisbezug gestärkt werden kann.
Alina: Es ist auch eine gute Möglichkeit, Praxispartnerinnen und -partner kennenzulernen und Optionen auszuprobieren, um sich verschiedene Wege zu ebnen.

Und wer ist die Praxispartnerin oder der Praxispartner eurer Gruppe?
Alina: Unser Praxispartner ist die Kindertafel Lüneburg, sie besteht seit 20 Jahren und wird von 50-55 Kindern die Woche besucht.
Lisa: Das größte Problem der Tafel, auf das wir uns fokussieren, ist das Personal. Es besteht hauptsächlich aus Studierenden und Rentnerinnen und Rentnern, die allesamt fachlich nicht ausgebildet sind. Sie brauchen Hilfe, mit den Kindern umzugehen, denn was machst du, wenn ein Kind sich nicht an die Regeln hält und nicht auf die Androhung von Konsequenzen reagiert? Hier fehlt der professionelle Umgang, hinzu kommt das Problem der Kommunikation, denn die Ehrenamtlichen sind ein-zwei Mal die Woche vor Ort, die meisten kennen sich nicht untereinander.
Alina: Das sorgt für Überforderung, zumal die Anforderungen an Kapazitäten und Expertise durch die hohe Zahl an Flüchtlingen steigen.

Wie sieht euer Lösungsansatz aus?
Alina:
Wir wollen die Ehrenamtlichen der Kindertafel in das Netzwerk der Universität mit einbinden. Da wir den Helferinnen und Helfern nicht noch mehr zumuten wollen, ist unser Ziel eine Verknüpfung: Studierende könnten in kleinen Gruppen bei der Arbeit in der Tafel reinschnuppern und Feedback geben, Promotionsstudierende könnten Vorträge über Handlungsmaßnahmen halten. Möglich wäre auch eine Integration in den Praxisteil des Masterstudiums.
Lisa: Wir haben Studierende – vor allem Promotionsstudierende – mit wenig Praxiserfahrung und Ehrenamtliche, denen die Theorie fehlt: So hätten beide Seiten etwas davon.

Die Verknüpfung von Theorie und Praxis ist ja auch der Sinn der Zukunftstage Bildung. Wie sah eure Arbeit in den beiden Tagen aus?
Alina:
Da wir nur zwei Tage Zeit haben, war besonders der Freitag ziemlich voll, wir haben abwechselnd in den Gruppen und im Plenum gearbeitet. Wir haben vor allem die Methode des Design Thinking genutzt: Dabei geht es darum, in den Überlegungen immer wieder die Perspektive zu Wechseln.

Eine Art „Out-of-the-Box-Denken“?
Alina:
Genau. Wir waren außerdem in engem Kontakt mit unserer Praxispartnerin. Zudem hatte jede Gruppe eine Mentorin oder einen Mentor, der sie betreut hat, was ziemlich hilfreich war. Da sie nicht an dem kompletten Arbeitsprozess teilgenommen haben, konnten sie objektive Fragen stellen, die uns zunächst gar nicht in den Sinn gekommen sind.
Lisa: Dazu muss gesagt werden: Es geht bei dieser Tagung nicht darum, eine fertige Lösung darzulegen, das wäre ja utopisch in zwei Tagen. Es geht um die Auseinandersetzung mit Problemen, die Arbeit mit Methoden und den Kontakt zur Praxis. Und tatsächlich haben wir durch einen der Mentoren einen Tisch auf dem Markt der Möglichkeiten bekommen, da werden wir für die Kindertafel stehen.

Das nenne ich mal Engagement! Das bringt mich zu der Frage, warum ihr euch für ein Studium in der Bildung entschieden habt?
Lisa:
Das hört sich immer so blöd stereotyp an, aber ich arbeite gern mit Kindern. Ich habe mich erst mehr für Kriminologie und Psychologie interessiert, nach der Schule dann allerdings ein siebenwöchiges Praktikum in der Schule gemacht. Ich merke in dieser Arbeit nicht, wenn ich müde bin, erst auf dem Heimweg fallen mir die Augen zu. Weil es zwar anstrengend ist, aber auch schön. Daher versuche ich, immer nah an der Praxis zu bleiben. Was für mich gar nicht geht, ist eine Erklärung des Berufswunsches im Sinne von: Es gibt Geld und Sicherheit.
Alina: Ich komme eher aus einer anderen Ecke: Meinen Bachelor habe ich zunächst rein interessenbasiert in Pädagogik und Ethnologie gemacht. Was mich aber zunehmend stört, ist das unflexible Schulsystem, das vor allem Schüler, die durchfallen, nicht auffängt. Daher studiere ich nun Bildungswissenschaften, um einen Ansatz zu finden, das zu verändern.

Alina, Lisa, vielen Dank für das Interview!


Das  Projekt "Leuphana ... auf dem Weg" organisierte die Veranstaltung in diesem Jahr gemeinsam mit dem Zukunftszentrum Lehrerbildung der Leuphana Universität Lüneburg, der studentischen Initiatve VEbBS e.V. und der Fachschaft Bildung für alle beginnenden Masterstudierenden im Lehramt und im M.A. Bildungswissenschaft.
Weitere Informationen finden Sie unter www.leuphana.de/zukunftstage-bildung.

Autor: Jannik Böker (Universitätskommunikation). Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de  geschickt werden.