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Praktikum und Mindestlohn – Tipps für Studierende

12.11.2015 Praktikanten haben seit dem 01. Januar 2015 in jedem Unternehmen Deutschlands einen gesetzlichen Anspruch auf einen Mindestlohn von 8,50 Euro – vorausgesetzt, dass ihr Praktikum mehr als drei Monate in einem Unternehmen dauert, sie volljährig sind und das Praktikum freiwillig (also nicht als Pflichtpraktikum) erfolgt.

Was bedeutet das im Detail? Ilka Buecher leitet den Career Service an der Leuphana Universität Lüneburg. Im Interview spricht sie darüber, was sich durch die neue Regelung ändert und wie Studierende sich gegenüber Arbeitgebern am besten verhalten.

Frau Buecher, das Mindestlohngesetz ist nun seit bald einem Jahr in Kraft. Was hat sich seitdem für Praktikanten und Arbeitgeber verändert?

Wir müssen bei dem neuen Mindestlohngesetz zwischen drei Arten von Praktika unterscheiden: Pflichtpraktika, freiwillige Praktika und Auslandspraktika. Ein Pflichtpraktikum ist in den fachspezifischen Anlagen als solches formuliert. Praktika im Rahmen von Wahlpflichtmodulen sind keine Pflichtpraktika im eigentlichen Sinne, da auch andere Module ohne Praktika gewählt werden können.  Ein freiwilliges Praktikum erfolgt freiwillig. Diese Praktikantinnen und Praktikanten sind für Arbeitgeber sehr interessant, da aufgrund der Freiwilligkeit von einer hohen Motivation ausgegangen wird. Für Auslandspraktika gilt das Mindestlohngesetz nicht, da die Praktika im Ausland erfolgen und damit den gesetzlichen Grundlagen des jeweiligen Landes unterliegen. 

In der Debatte zum Mindestlohn ist immer wieder argumentiert worden, Arbeitgeber würden weniger Praktikumsplätze anbieten, wenn sie einen Mindestlohn garantieren müssen. Wie sind Ihre Erfahrungen?

Nach wie vor sind Arbeitgeber sehr an Praktikantinnen und Praktikanten interessiert, da Praktika eine gute Möglichkeit darstellen, potenzielle neue Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer kennenzulernen. Für die Studierenden der Leuphana wird sich die Zahl der Praktikumsangebote nicht gravierend verändern. Firmen werden auf jeden Fall weiterhin Praktika anbieten. Lediglich die Dauer der freiwilligen Praktika wird sich vermutlich auf eine Größenordnung von drei Monaten reduzieren. Das hat zum Beispiel zur Folge, dass es im kulturwissenschaftlichen Arbeitsfeld oder in NGOs kaum noch Praktika geben wird, die länger dauern. Denn diese Arbeitgeber sind selten mit den entsprechenden  Ressourcen ausgestattet. Allein im Major Wirtschaftspsychologie (B.Sc.) gibt es im Rahmen des Moduls  „Praxisprojekt“ ein vierwöchiges Pflichtpraktikum. Hier ist es denkbar, dass ein Pflichtpraktikum plus ein dreimonatiges Praktikum absolviert wird, ohne dass der Mindestlohn gezahlt werden muss.

Welche Chancen sind mit dem neuen Gesetz verbunden?

Ich kann mir gut vorstellen, dass das Gesetz zum Mindestlohn das Selbstverständnis für eine Bezahlung im Praktikum stärkt. Die Vergütung sollte bereits beim Einstellungsgespräch thematisiert werden. Der Arbeitgeber muss sondieren, ob er eine Vergütung zahlen will und in welcher Höhe. 

Trauen sich Studierende, besonders bei sehr begehrten Praktikumsplätzen, das Geld einzufordern? 

Bei freiwilligen Praktika sollten Studierende auf jeden Fall mit dem Praktikumsgeber über eine angemessene Vergütung sprechen. Je weiter fortgeschritten im Studium eine Praktikantin oder ein Praktikant ist und je mehr anderweitige berufspraktische Erfahrungen vorhanden sind, desto besser kann ein Unternehmen die Person einsetzen. Und je besser wiederum die Studentin oder der Student einsetzbar ist, desto höher sollte auch die Vergütung ausfallen. Im Schnitt liegt die Vergütung für freiwillige Praktika bei ca. 600,- € im Monat. Selbstverständlich gibt es auch die Möglichkeit, über den Umfang der Arbeitszeit zu verhandeln oder über einen Fahrtkostenzuschuss. Ich empfehle, vor einem Praktikum einen Praktikumsvertrag abzuschließen, der alle Vereinbarungen enthält, die mit dem Arbeitgeber getroffen wurden.

Was geben Sie Studierenden mit auf den Weg, die ein Praktikum machen wollen?

Der Erfolg eines Praktikums hängt sehr stark davon ab, wie klar die persönliche Zielsetzung ist. Geht es im Praktikum eher darum, ein Arbeitsfeld näher kennenzulernen oder wollen Sie sich bei einem Arbeitgeber als potenzielle Mitarbeiterin oder Mitarbeiter bekannt machen? Ziel eines Praktikums kann es auch sein, praktische Erfahrungen in einem Berufsfeld zu machen, das Sie nach Ihrem Studium anstreben. Wichtig ist, dass Sie Ihre Zielvorstellungen bereits bei dem Einstellungsgespräch klar formulieren, damit nach dem Praktikum beide Seiten zufrieden sind.  Der Career Service unterstützt bei der Zielfindung für ein Praktikum. Um berufspraktische Erfahrungen im Studium zu machen, muss nicht unbedingt ein Praktikum absolviert werden. Eine Mitarbeit in studentischen Initiativen, die zur angestrebten Berufsperspektive passt, studentische Jobs, Mentoring oder eine Abschlussarbeit mit Praxisbezug - all diese Erfahrungen können dazu beitragen, fachspezifische und persönliche  Kompetenzen zu erweitern sowie Kontakte zu späteren Arbeitgebern herzustellen.

Das Interview führte Julia Graßhoff (Universitätskommunikation). Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.

 

Weitere Informationen

Ilka Buecher
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