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Ein Video als Studienleistung: Studierende produzieren Erklärfilm über Personalmanagement

16.12.2015 Es muss nicht immer die Hausarbeit sein: In der Lehrveranstaltung „International Aspects of Human Resource Management“ (2015) haben Studierende stattdessen ein Video in den Sprachen Deutsch, Englisch, Französisch und Niederländisch produziert. Wie das war, erzählen eine Studentin und ein Professor im Tandem-Interview.

Isabel Osterbrink hat die Lehrveranstaltung im dritten Semester ihres Masterprogramms „Management und Human Ressources“ an der Leuphana Graduate School belegt. Im Video ist sie die deutsche Stimme. Heute arbeitet sie als Personalreferentin in der Personalentwicklung bei der Jungheinrich AG in Hamburg.

Frau Osterbrink, worum geht es in dem Video?
Neben einer allgemeinen Erklärung von HR stellen wir vor, wie die Globalisierung sich darauf auswirkt und welche Chancen und Risiken sie mit sich bringt.

Sie erklären HR in Form eines Explainity-Videos. Woher wussten Sie, wie das geht?
Professor Deller, der die Veranstaltung gegeben hat, hatte bereits in der Modulbeschreibung festgelegt, dass das Ergebnis der Arbeit ein Video dieser Art werden sollte, allerdings nicht, wie genau es umgesetzt werden sollte. Nachdem wir uns einige Gedanken gemacht haben, haben wir uns mit Steffen Horstmannshoff in Verbindung gesetzt, einem Mitgründer des Explainity-Konzepts. Er hat uns viele hilfreiche Tipps gegeben, wie man an die Produktion herangeht und wie man Material, Licht, Schnitt und Papier am besten einsetzt. Durch dieses Hintergrundwissen konnten wir dann recht bald einen Projektplan erstellen.

Wie bewerten Sie den Arbeitsaufwand für dieses Seminar im Gegensatz zu klassischen Prüfungsformaten?
Das Projekt war etwas vollkommen anderes als beispielsweise eine Klausur. Der Arbeitsaufwand war sehr über das Semester verteilt und nicht so stark komprimiert wie in den letzten Wochen vor eine Klausur. Natürlich war die Arbeit kurz vor der Fertigstellung intensiver, aber dennoch in einem anderen Maße. Ich würde auf keinen Fall sagen, dass es im Vergleich zu einer Klausur oder Hausarbeit weniger Aufwand war. Der Aufwand war nur über die Monate hinweg mehr verteilt. Außerdem haben wir uns innerhalb der Gruppe in Kleingruppen aufgeteilt, die verschiedene Verantwortlichkeiten hatten. Je nachdem, welche Aufgabe man hatte, hatte man zu unterschiedlichen Zeitpunkten mal mehr und mal weniger Aufwand. Selbstmanagement und Eigeninitiative sind da sehr gefragt, aber in einer kleinen, produktiven Gruppe wie wir sie hatten, hat das sehr gut funktioniert.

Wie groß war die Gruppe?
Sehr überschaubar, wir waren acht Leute, sechs aus Deutschland und zwei internationale Studenten (Belgien & Vietnam). Die belgische Studentin war beispielsweise die Stimme für die niederländische und französische Version des Videos.

Wie war es, die eigene Stimme in dem Video zu hören?
Man hört sich selbst ja nicht so oft, das war schon ungewohnt. Man erkennt sich erst mal gar nicht wieder. Anfangs haben wir die Tonaufnahme mit einem Diktiergerät aufgenommen; hier war die Qualität allerdings nicht sonderlich gut. Deshalb haben wir das Uniradio ZuSa angesprochen und die haben uns dann ihr Studio nutzen lassen und auch beim Schnitt geholfen. Dadurch wurde das Ergebnis dann professionell vertont.

Was haben Sie – neben HR-Fachinhalten - durch die Videoproduktion gelernt?
Networking! Es war unglaublich, wie viele Leute man mobilisieren kann mit nur einem achtköpfigen Team und ihren jeweiligen Kontakten. So kamen wir an einen Übersetzer, einen Zeichner und sogar einen Komponisten, der unsere Intromusik komponiert hat. Wenn man einfach mal auf Leute zugeht, merkt man, wie einfach es sein kann, von überall vielseitige Unterstützung zu bekommen.
Dann natürlich Kenntnisse über Projektmanagement. Unser Ziel war schnell klar formuliert, aber nicht, wie wir dieses Ziel erreichen. Wir mussten uns in Selbst- und Zeitmanagement üben. Professor Deller gab immer wieder hilfreiche Impulse und vermittelte Kontakte, sonst war unsere Arbeit aber sehr eigenständig.

Was haben Sie aus dem Projekt mitgenommen?
Wie man Projektmanagement betreibt, lernt man ja auch im Studium. Aber Selbstorganisation und das Gruppenmanagement, was wir im Projekt übten, werde ich auch immer wieder anwenden können. Deadlines einhalten, Aufgaben sinnvoll verteilen, sodass jeder im Team am besten seine Stärken einbringen kann, etc. Wir haben gelernt, sehr effizient zu arbeiten und das effektive Networking zu schätzen gelernt. 

Wie waren die Reaktionen Ihrer persönlichen Umgebung auf das Video?

Das Video ist auf dem Youtube-Kanal der Leuphana zu finden und wir haben es auf Facebook promoted. Es gab auch eine Präsentation, zu der wir Kommilitonen und Doktoranden eingeladen haben und wir haben das Projekt auch auf einer Konferenz in Berlin Internationalen HRlern vorgestellt. Die Resonanz war durchweg positiv. Es war mal eine völlig neue Form des Lernens, die uns sehr gefördert hat.

Die Lehrveranstaltung gegeben hat Prof. Dr. Jürgen Deller. Er ist Professor für Wirtschaftspsychologie an der Leuphana. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Personalmanagement im Kontext des demografischen Wandels sowie internationales Personalmanagement.

Herr Deller, wie kamen Sie auf die Idee, die Studierenden ein Video anstelle einer Hausarbeit entwickeln zu lassen?
Zuerst habe ich nach auflockernden Bestandteilen für das Seminar gesucht. Ein ehemaliger Stipendiat, dessen Vertrauensdozent ich war, Stefan Horstmannshoff, war zuvor mit den Explainity-Videos erfolgreich und gerne bereit, diese Art der Auseinandersetzung mit seiner Erfahrung zu unterstützen. Er stand während des Seminars als Experte zur Verfügung. Neben der Beschäftigung mit dem Thema wollte ich Studierende darin ausbilden mit der Technik zu arbeiten, weil ich dachte, es wäre auch gut für ihr späteres Berufsleben.

Wie haben Sie die Studierenden bei der Produktion des Videos erlebt?
Sehr respektvoll. Am Anfang standen Fragen im Mittelpunkt wie: „Kriegen wir das überhaupt hin?“ „Schaffen wir das?“. Als wir das Projekt in verschiedene Arbeitspakete aufteilten, merkte aber jeder, wie er sich einbringen kann. Wenn wir vor einer neuen Herausforderung standen, war immer das persönliche Netzwerk hilfreich. Zur Frage: „Wie schaffen wir gute Tonaufnahmen?“ probierten wir zuerst unsere Smartphones aus. Das kann ich im Nachhinein nicht empfehlen. Dann fragten wir uns: „Wie kommen wir an gute Mikros ran?“. Eine Studentin sprach Radio ZuSa an und von dort kam sofort das Angebot, das Studio nutzen zu dürfen und sogar beim Schneiden zu unterstützen. Die anfängliche Skepsis, was die eigenen Fähigkeiten angeht, konnte durch solche positive Erfahrungen schnell überwunden werden.

Sie und die Studierenden haben das Video auf der 17. International Organizations Network Konferenz in Berlin vorgestellt. Wie war die Resonanz?
Das Publikum bestand aus Professoren aus vielen Ländern, die zu internationalen Organisationen lehren und forschen. Die waren sehr interessiert und wollten wissen, wie man das in Seminaren umsetzt, wie ihre eigenen Studierenden das lernen können. Für die Vertreter der Business Schools, vor allem aus den USA, stellte sich die Methode aber als zu wenig interaktiv, als zu rezeptiv heraus. Dort würde vertieftes fallbezogenes Arbeiten mit mehreren Handlungsoptionen erwartet. Aber: Dort würden die Studierenden rezipieren, nicht selbst gestalten.

Auf Vorschlag der Studierenden wurden Sie für dieses Seminar mit dem Lehrpreis 2015 auf dem dies academicus ausgezeichnet. Haben Sie vorher damit gerechnet, dass dieses Lehrformat so gut bei den Studierenden ankommt?
Zunächst ist mir wichtig zu sagen: Die Auszeichnung sehe ich für uns alle. Alle im Seminar waren superaktiv. Wir haben sogar 4 Sprachversion gemacht, weil wir auch internationale Studierende dabei hatten. Deshalb ist es ein Preis für alle. Ich habe schon damit gerechnet, dass es die Studierenden anspricht, aber es gab am Anfang ja auch Berührungsängste bei den Studierenden.

Was hat das Videoseminar den Studierenden gebracht?
Die Studierenden haben vier Dinge fürs Leben gelernt: Zunächst haben sie gelernt, wie erfolgreiches Projektmanagement aussieht. Die einzelnen Teilschritte wurden regelmäßig reflektiert. Dann lernten sie, komplexe Inhalte einfach darzustellen. Drittens haben sie natürlich das Videotool selbst kennengelernt und können es im Berufsleben bei Gruppenarbeit oder bei Präsentationen anwenden. Schließlich haben Sie gelernt, dass sie Ressourcen haben, von denen sie selbst noch nichts wussten und dass sie mit den unterschiedlichsten Leuten zusammenarbeiten können.

Professor Deller setzt auf Erklärfilme als Methode in Seminaren.

Würden Sie das ganze nochmal machen?
Ja, das machen wir bereits. Wir haben ja einiges gelernt und setzen das fort. In einem neuen Seminar des gleichen Moduls werden gerade zwei verschiedene Videos gedreht. Dazu haben wir die Gruppe von acht Personen auf zwei Gruppen a vier aufgeteilt. Die vorherige Studentin, Frau Osterbrink, ist dieses Mal wieder dabei und berät die Gruppen. Alle anderen Teilnehmer sind aber neu. Das Thema 1 lautet: „Wissenstransfer nach der Rückkehr eines Auslandsaufenthalts“. Thema 2: „Vorbereitung, Training und Entwicklung für den Auslandsaufenthalt“.

Etwas Besonderes kommt dieses Mal noch hinzu: Ein syrischer Flüchtling ist dabei. Seine Schwierigkeiten mit der deutschen Bürokratie oder auch persönliche Herausforderungen haben ungewohnten Einfluss auf das Seminar. Sie verdeutlichen aber gleichzeitig realistische Rahmenbedingungen, unter denen man in internationalen Organisationen arbeiten kann: Das Erleben des Verhaltens eines Betroffenen und der richtige Umgang damit sind wichtig für Personalmanagement in internationalen Organisationen.


Die Interviews führten Julia Graßhoff (mit der Studentin Isabel Osterbrink) und Dörte Krahn (mit Professor Dr. Jürgen Deller), Universitätskommunikation. Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.