Meldungen zum Studium

Visionen für morgen - Bilder und Eindrücke von der Konferenzwoche

24.02.2016 Im Rahmen des Projektes „Zukunftsstadt Lüneburg 2030+“ haben 750 Studierende aus dem ersten Semester gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern Visionen für ein zukunftsfähiges Lüneburg entwickelt. Zum großen Finale des Konferenzschwerpunktes diskutierten sie diese mit ihren Patinnen und Paten und Verantwortlichen aus der Stadt. Auf dem Podium gingen unter der Moderation von Ulli Vilsmaier Oberbürgermeister Ulrich Mädge, Gerd Michelsen, Kai Niebert und Vicky Temperton der Frage nach, wie die skizzierten Visionen und die Nachhaltigkeitsziele der UN (‚Sustainable Development Goals‘) erreicht werden können.

Die Gewinner des Salzkristalls 2016 wurden für besonders überzeugende und kreative Projektpräsentationen ausgezeichnet.

Lebhafte Diskussion für die Zukunft Lüneburgs in der Zukunftsarena

 „Aus der Vergangenheit kann jeder lernen. Heute kommt es darauf an, aus der Zukunft zu lernen.“

Prof. Dr. Daniel Lang eröffnete die Diskussion.

In einem waren sich auf dem Podium alle einig: Partizipation und die Schaffung von Beteiligungsmöglichkeiten für alle Bürgerinnen und Bürger sind notwendig, um die „Sustainable Development Goals“ in Lüneburg erfolgreich umzusetzen. Daher war die aktive Beteiligung an der Diskussion auch während der Veranstaltung mehr als erwünscht: Unter dem Hashtag #LG2030plus konnten per Twitter live Fragen gestellt oder Meinungen geäußert werden, die vom Social Media Team vorgelesen wurden. Zudem gab es auf dem Podium zwei freie Plätze für Zuschauer, die sich direkt miteinbringen wollten.

In der Zukunftsarena wurden die Visionen von morgen vorgestellt.

Auch bei Twitter herrschte eine rege Beteiligung. Besonders interessiert hat die Nutzer die Frage, wie ernst die entworfenen Visionen denn eigentlich von der Stadt genommen werden. Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge bestätigte, dass eine weitere nachhaltige Entwicklung der Stadt notwendig sei und die Visionen daher sehr ernst genommen würden.

Prof. Dr. Vicky Temperton, die selbst eines der Projektseminare geleitet hat, fügte hinzu, dass es schließlich längst nicht mehr um Themen ginge, die aus Freiwilligkeit wichtig seien. „Wir stehen vor großen, globalen Veränderungen. Das bekannteste Beispiel ist sicherlich der Klimawandel, aber ein weiteres großes Problem ist zum Beispiel der rasende Artenverlust!“, sagte Temperton.

Die Podiumsrunde: Gerd Michelsen, Ulrich Mädge, Vicky Temperton, Ulli Vilsmaier, Kai Niebert (v.li.n.re.).

Dass die Umsetzung der Zukunftsvisionen und der Nachhaltigkeitsziele nicht von heute auf morgen passieren kann, ist nachvollziehbar und wurde von allen Podiumsgästen betont. „Nachhaltige Entwicklung ist ein Prozess“, sagte Prof. Dr. Gerd Michelsen (UNESCO Chair „Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung“). So muss das Projekt „Lüneburg 2030+“ als Anfang gesehen werden. Ein vielversprechender Anfang, der zeigt, dass der Mut und die Bereitschaft zur Veränderung da sind.

Mit diesem Zitat des US-amerikanischen Kybernetikers und Vordenkers Herman Kahn eröffnete Prof. Dr. Daniel Lang die Zukunftsarena 2030+ am Donnerstag, dem letzten Tag der Konferenzwoche. Der beste Weg, aus der Zukunft zu lernen, sei es, sich zu überlegen, wie denn diese Zukunft aussehen soll und wie wir sie erreichen können, sagte Daniel Lang weiter. Genau darum ging es in dem Wettbewerb „Zukunftsstadt Lüneburg 2030+“.

Studierende beteiligten sich. Bildmitte: Prof. Dr. Ulli Vilsmaier.

Nach anfänglichem Zögern wurde diese Möglichkeit gerne wahrgenommen. Auf die Frage, was jeder Einzelne zur nachhaltigen Stadtentwicklung beitragen kann, antwortete eine Studierende: „Jeder sollte schon im Kleinen zuhause anfangen, zum Beispiel durch Mülltrennung oder indem man einfach anstatt des Autos öfter mal das Fahrrad nimmt.“

Studierende des ersten Semesters bei der Abschlussveranstaltung.

Laut Prof. Dr. Kai Niebert (Präsident des Deutschen Naturschutzrings) haben die im Sommer verabschiedeten ‚Sustainabiliy Development Goals‘ eine große Bedeutung: „Sie zwingen es uns auf, erwachsen zu werden und aus einem pubertären Wachstumsstreben, das darauf ausgerichtet ist, uns selber und die Umwelt auszubeuten, herauszutreten. Die ‚Sustainable Development Goals‘ haben schon Wirkung entfaltet. Wir hatten jetzt gerade vor kurzem in Paris die Klimakonferenz, wo ein sehr ambitioniertes Klimaziel verabschiedet wurde. Und es waren sich da schon alle Beteiligten einig darüber, dass das internationale Übereinkommen, die Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad zu begrenzen, ohne die ‚Sustainable Development Goals‘ niemals möglich gewesen wären.“

Prof. Dr. Gerd Michelsen zog ein Resumee.

Der durch das Projekt entstandene „Atlas der Visionen“ wird Anfang April am Ulrich Mädge übergeben und die Visionen für ein zukunftsfähiges Lüneburg sollen auch an der Leuphana weiterhin ein zentrales Thema bleiben, indem kommende Erstsemester-Studierende diese Visionen weiterentwickeln.

Die Ausstellung der Zukunftsarena 2030+


Bioethik an Tag 2: Wie perfekt müssen Menschen sein?

Ob Heimat im Kopf, Cradle to Cradle oder die Ökonomie des Menschen: Am zweiten Tag der Konferenzwoche ging es in den Arenen auf dem Campus weiter mit verschiedenen Vorträgen und Diskussionen. Die Stände im Gallery Walk waren gut besucht: Dort erklärten die Studierenden ihre Visionen und Projekte über ein gutes Leben. Der Rundgang über den Campus zeigte, dass es #leuphtbeiuns in Sachen Nachhaltigkeit. Am Abend fiel die Entscheidung für ein Format besonders schwer. Der Spezialitätenabend bot den Besuchern einmal mehr bunte Vielfalt und einen entspannten Ausklang.

Der Gallery Walk im Hörsaalgang war gut besucht.

Praktische Philosophie direkt nach dem Frühstück? Wie spannend Bioethik sein kann, verdeutlichte die rege Debatte beim Podiumsgespräch „Wie perfekt müssen Menschen sein?“ am Vormittag. Zahlreiche Wortmeldungen, Anekdoten und Erfahrungsberichte seitens der Studierenden zeigten, dass Philosophie alltagstauglich ist  -  und dass Inklusion ein Thema ist, das emotional und kontrovers diskutiert wird.

Pfandfreie Bierdosen auf ausgetretenem Rasen, Einweg-Klappstühle und Plastiktoiletten die nach dem Säubern nach Chemie riechen. Festivals erscheinen nicht gerade wie ein Ort an dem viel über Nachhaltigkeit nachgedacht wird. Es geht aber auch anders finden Enno Schröder von Viva Con Agua und Lasse Kroll von Lemonaid. Im „Wiesenforum“ stellten sie am Vormittag unter dem Thema „Schöne neue Welt-Festivals als Wochenendutopien und Plattform für neue Formen des Social Entrepreneurship?“ Perspektiven für nachhaltige Festivalgestaltung vor.

Big Data am Nachmittag - Entenhausen am Abend

„Datenschutz ist eng verwoben mit sozialen Fragen. Viele Menschen unterschätzen die Macht der Informationen “, so Peter Schaar, langjähriger Bundesbeauftragter für Datenschutz, in seinem spannenden Vortrag: Über digitales Leben - Zwischen Überwachung und Selbstbestimmung.  „Big Data“ betreffe viele wichtige Themen unserer Gesellschaft – und gehöre daher auf die Tagesordnung politischer Debatten.

Das Wiesenforum bot gemeinsames Kochen und Genießen im „regionalen Schlemmerparadies". Am Abend konnte man wählen zwischen dem Podiumsgespräch „zwischen Wissenschaft und Straße“ und Theater zum Mitmachen. Im Zirkuszelt präsentierten Studierende ihr Projekt "Greening Entenhausen" und gingen anschließend der Frage nach, welche Rolle Comics in der Nachhaltigkeitskommunikation führen könnten. Comic-Experte Jendrzej Sulmowski und Nachhaltigkeitsprofessor Maik Adomßent sahen hier durchaus Potential, welches aber noch nicht genügend ausgeschöpft werde.


Wie wollen wir 2030 leben? Erste Impulse an Tag 1

Mit einem abwechslungsreichen Programm wurde am Dienstagvormittag die neunte Konferenzwoche an der Leuphana Universität eröffnet. Das Moderatorenteam führte im Stil der 20er Jahre durch die kurzweilige Veranstaltung, bei der auch prominente Konferenzgäste wie Kampnagel-Intendantin Amelie Deuflhard oder der ehemalige Umweltsenator Bremens Reinhard Loske zu Wort kamen und die über 1500 anwesenden Erstsemester und Konferenzwochen-Besucher_innen auf das Programm der kommenden Tage einstimmten.

Licht aus, Spot an: Student Claas Goldenstein überraschte das Publikum mit außerwöhnlicher Performance zur Eröffnung.
Die Moderatorin erinnerte an den schwarzen Freitag vor rund 100 Jahren.
Die Moderatoren führten im Stil der 20er Jahre durch die Eröffnungsveranstaltung.

Die Eröffnungsfeier am Vormittag

Nach der Eröffnungsrede von Universitäts-Präsident Prof. (HSG) Dr. Sascha Spoun stellte Reinhard Loske in einem Kurzvortrag das von ihm entwickelte Konzept der „Zukunftsfähigen Politik“ vor und machte in Bezug auf eine nachhaltige Entwicklung vor allem auf das Wechselverhältnis von individueller Ebene und politischem Rahmen aufmerksam.

Reinhard Loske zur Konferenzeröffnung stellte sein Konzept "Zukunftsfähige Politik" vor.
Präsident Prof. Dr. Sascha Spoun stimmte die Studierenden auf eine spannende Woche ein.

Präsident Spoun brachte es in seiner Eröffnungsrede auf den Punkt: Das "ich" und das "wir“ fallen dort zusammen, wo Mitgefühl auf Verantwortung trifft. Das „ich“ sei nur ein Konstrukt mit veränderlichen Grenzen. Egozentrik wäre dort angebracht, wo es um Verantwortung geht, Altruismus dort, wo Mitgefühl keine Grenzen kennen sollte.

Er forderte die Studierenden der Konferenzwoche in seiner Eingangsrede daher dazu auf, bei ihren "Visionen für morgen" altruistisch zu handeln und egozentrisch Verantwortung zu übernehmen, anstatt auf andere zu warten.

Amelie Deuflhard, Chefintendantin der Kulturfabrik Kampnagel, stellte ihr Kunstprojekt EcoFavela vor, bei dem Flüchtlinge im Rahmen einer 24-Stunden-Produktion auf dem Kampnagel-Gelände eine Unterkunft erhielten. Das Projekt „youth4planet“ wurde von Filmemacher und Produzent Joerg Altekruse ins Leben gerufen. Altekruse stellte einen Ausschnitt aus dem Film vor, für den er zusammen mit Jugendlichen nach Grönland gereist war, um dort die Folgen des Klimawandels zu dokumentieren. Dann wurde es für einen Moment ganz andächtig. Der Musiker Markus Bruggaier von der Staatskapelle Berlin und Gründer des Projektes „Orchester des Wandels“ beeindruckte die Zuhörer auf seinem Horn mit einem kurzen Livekonzert.

Als eine der ersten Universitäten in Deutschland wurde die Leuphana als "Fairtrade University" ausgezeichnet.
Der Musiker Markus Bruggaier von der Staatskapelle Berlin beeinduckte in kurzem Livekonzert.

Die Veranstaltung endete mit einer ganz besonderen Ehre für die Leuphana Universität Lüneburg. Als eine der ersten Universitäten in Deutschland wurde sie als „Fairtrade University“ ausgezeichnet. Der Fairtrade-Botschafter Volkmar Lübke überreichte Prof. Dr. Spoun feierlich die Urkunde. Das Gütesiegel wird Hochschulen mit einem besonderen Engagement für fairen Handel verliehen. Mehr

Kurz darauf strömten die Studierenden und weiteren Konferenzwochen-Besucher_innen auch schon aus dem Hörsaal, um sich in weiteren Veranstaltungen mit dem Thema „Wie wollen wir 2030 leben?“ auseinanderzusetzen.

Der Nachmittag: Diskussionen, Slam und Klimainformationen aus erster Hand

Bei einem lockeren Bargespräch diskutierten Journalisten und Studierende am Nachmittag über Geschichten des guten Lebens und die Zukunft der Presse: Welche Geschichten schreibt Journalismus 2030?
„Bei Klimaverhandlungen gibt es nicht die eine gerechte Formel, sondern viele Sichtweisen und Wahrheiten.“ – Der Klimadiplomat Lutz Morgenstern lieferte Informationen aus erster Hand zur Klimakonferenz in Paris und stand den Studierenden Rede und Antwort.
„Geht es auch gerecht?“ Die kontroverse Debatte zur derzeitigen Flüchtlingssituation bot Stoff für weitere Diskussionen und weckte Neugierde auf die kommenden Tage.

„Veränderung braucht Kreativität.“ Die drei Gewinner_innen des Schreibwettbewerbs „Slam of Change“ präsentierten ihre Beiträge am Dienstag auf der Konferenzwoche und überzeugten das Publikum durch beeindruckende Darbietungen zum Thema „Welt im Wandel – Deine Vision für 2030“. Kunst helfe ihm, Dinge auf den Punkt zu bringen, erklärte ein Slamer im anschließenden Gespräch mit der Transformationsforscherin Kora Kristof. Diese betonte, dass Veränderung immer auch Spaß machen müsse, um wirklich erfolgreich zu sein.


Ein fester Teil des Studiums - Worum geht es dieses Mal?

Rund 1500 Studierende fragen sich dieses Jahr auf der Konferenzwoche: „Wie wollen wir 2030 leben?“ 
Vom 23. - 25. Februar fokussieren sich Studierende und namhafte Gäste auf die Schwerpunkte: „Zukunftsstadt Lüneburg 2030+“, „Einwanderungsland Europa“ sowie „Digitale Transformation“. 
Die Studierenden aller Studienprogramme am College schließen mit der Konferenzwoche ihr erstes Semester gemeinsam ab. Bürgerinnen und Bürger der Stadt Lüneburg sind herzlich eingeladen, die Veranstaltungen zu besuchen und mitzudiskutieren. Mehr

Die Konferenzwoche 2016 fragt nach Visionen von morgen.
  • „Zukunftsstadt Lüneburg 2030+“
    Studierende haben gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern Visionen für ein nachhaltiges Lüneburg im Jahr 2030 entworfen. Präsentiert werden die Ergebnisse in der Ausstellung „Zukunftspfade“ und in der Zukunftsarena mit Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge.
  • „Einwanderungsland Europa: Wie begegnet Lüneburg der Welt?“
    Aktionskünstler Philipp Ruch vom Zentrum für politische Schönheit, die  Landtagsabgeordnete Filiz Polat und die  Kulturwissenschaftlerin Stefanie Lohaus diskutieren öffentlich über die Herausforderungen für die Demokratie und prüfen, inwieweit sich durch die Fluchtbewegungen die Frage nach Gerechtigkeit stellt. Außerdem: Wie hängen sexualisierte Gewalt und Rassismus zusammen?
  • Der digitale Wandel
    Thorben Albrecht, Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium, und Oliver Suchy vom Deutschen Gewerkschaftsbund fragen: Wie werden wir 2030 arbeiten? Peter Schaar, Bundesbeauftragter für Datenschutz, erkundet das Spannungsfeld zwischen Überwachung und Selbstbestimmung.

Weitere Informationen

Sven Prien-Ribcke, M.A.
Universitätsallee 1, C8.122
21335 Lüneburg
Fon +49.4131.677-2839
sven.prien-ribcke@leuphana.de


Autorinnen: Dörte Krahn mit Beiträgen von Carina Stelter, Julia Grasshoff (Universitätskommunikation). Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.