Meldungen zum Studium

Jugendliche brauchen mehr Empathie – Eindrücke aus einem Seminar zur Jugenddelinquenz

24.03.2016 „Wie wollen wir 2030 mit Jugenddelinquenz in Lüneburg umgehen?“ Das gleichnamige Seminar im Leuphana Semester des College entwickelte Ansätze, von denen die Teilnehmenden sich soziale Nachhaltigkeit versprechen. Ihre Projektideen sollen zeigen, dass mit Empathie und Zusammenarbeitet Jugenddelinquenz langfristiger bekämpft werden kann, als mit gesellschaftlicher Isolation im Gefängnis.

Im Rahmen des Wettbewerbes „Zukunftsstadt Lüneburg 2030+“ entwarfen Studierende Visionen für den zukünftigen Umgang mit straffällig gewordenen Jugendlichen. Dozentin Sarah Jesse und Studentin Fiona Hawes haben wir getrennt voneinander zum Seminar befragt.

Studierende und Dozentin im Interview

Fiona Hawes studiert im ersten Semester Psychologie (Grundlagen) mit Nebenfach Wirtschaftspsychologie. Neben der Universität engagiert sie sich seit Anfang des Wintersemesters für die Initiative „Rock your Life“. Sie war Teilnehmerin des Seminars zu Jugenddelinquenz.

Wie war der Ablauf des Seminars?

Fiona Hawes: Zunächst haben wir uns dem Thema theoretisch genähert. Delinquenz ist die Neigung, rechtliche Grenzen zu überschreiten, also straffällig zu werden. Wir haben viele Theorien und Ansätze kennen gelernt und uns damit beschäftigt, was Jugendliche in die Delinquenz treibt.
Anschließend haben wir verschiedene Akteure eingeladen, die in Lüneburg und Umgebung mit Jugenddelinquenz in Berührung kommen beziehungsweise damit arbeiten. Wir hatten Besuch vom lokalen Jugendrichter Herrn Ottmüller, den Erziehungsleiter Herrn Kalisch vom Albert Schweitzer Werk, der Vorsitzenden aus der JVA sowie von Polizisten und Bewährungshelfern. Durch diese unterschiedlichen Positionen und Arbeitsfeder konnten wir verschiedene Blickwinkel und mögliche Themenbereiche für Projekte kennen lernen. Im Dezember gab es einen riesigen Vernetzungsworkshop im Lüneburger Wasserturm mit einem Vortrag von Professor Plewig, über Nachhaltigkeit und Jugenddelinquenz. Dort hatten wir nochmal die Möglichkeit zum Austausch mit vielen Akteuren, sodass wir noch mehr Ideen für unsere Projekte sammeln konnten. Ganz zum Schluss haben wir dann in Gruppen in der Universität an unseren Projekten gearbeitet, konnten Fragen stellen und selbstständig unsere Konzepte ausarbeiten.

Die Studierenden lernten verschiedene Perspektiven von Leuten kennen, die mit Jugenddelinquenz zu tun haben.

Was haben Sie im Seminar gelernt: Wie kann man mit Jugendkriminalität einerseits präventiv andererseits rückfallhemmend umgehen?

Fiona Hawes: Bei der Prävention ist es sinnvoll, möglichst früh anzufangen. Natürlich immer altersgemäß, erst spielerisch, später etwas ernsthafter. Es geht darum, dass man den Jugendlichen zeigt, was in Folge von Jugenddelinquenz passieren kann und wie man es schafft, gar nicht erst auf die schiefe Bahn zu kommen, ihnen Freizeitalternativen aufzeigen. Trotzdem muss man vorsichtig sein, nur die Jugendliche in den Fokus zu stellen. Auch das Umfeld ist von großer Bedeutung. Das Verhalten und die Beziehung zu den Eltern können große Auswirkungen auf das Verhalten der Jugendlichen haben. Allgemein herrscht ein großes Nicht-Wissen bezüglich Jugenddelinquenz, sodass die Jugendlichen schnell durch Stigmatisierung in eine Rolle gedrängt werden, was diese noch verstärkt. Dem muss man präventiv entgegen wirken. Rückfallhemmend ist eine umfangreichere und optimierte Resozialisierung. Wir haben gelernt, dass vor allem die Inhaftierung eine sehr hohe Rückfallquote mit sich bringt. Im Jugendstrafrecht sollte man mit Haftstrafen vorsichtig sein. Das Gefängnis ist hier als allerletzte Lösung zu sehen, die Ultimo Ratio. Dort landen die Jugendlichen wirklich nur bei immer wiederholten Vergehen. Normalerweise wird versucht, nicht mit einer harten Strafe, sondern mit pädagogischem Ansatz zu reagieren, die dazu führen sollen, dass die Jugendlichen „zur Besinnung“ kommen, zum Beispiel durch Verwarnungen, Projekte oder soziale Arbeitsstunden. Um die Rückfallquote zu hemmen, müssen die Jugendlichen schnellst möglichst aus der Isolation heraus und resozialisiert werden. Der Aufbau einer stabilen Beziehung zu den Eltern ist wichtig. Bildung während und nach dem Aufenthalt in Einrichtungen ermöglichen den Jugendlichen eine Perspektive, die sie im Blick behalten können. Darüber hinaus ist es wichtig, ihnen Fähigkeiten beizubringen, wie sie in Zukunft mit Ärger und Stress besser umgehen können.

Welche Projektideen haben Sie im Seminar konkret erarbeitet?

Fiona Hawes: Wir hatten fünf verschiedene Projektgruppen im Seminar mit ganz unterschiedlichen Projektideen, die auch an ganz unterschiedlichen Institutionen angesiedelt waren. Wir haben einen Eltern-Workshop entwickelt, das Schulfach „Leben“,  studentisches Aushilfslehrerengagement in der JVA, ein Anti-Agressionstraining und das Mentorenprogramm, in dem ich mitgearbeitet habe.

Die Studierenden sammelten Ideen zur erfolgreichen Prävention und Sozialisierung von Jugendlichen die mit Jugenddelinquenz in Berührung kamen.

Im Rahmen des Mentorenprogrammes sollen Jugendlichen mit den Studierenden gematcht werden, welche ihnen nach dem Vollzug zur Seite stehen sollen. Wie funktioniert das in der Praxis? 

Fiona Hawes: Beim Matching geht es darum, straffällige Jugendliche und Studenten einander vorzustellen und erst einmal eine angenehme Atmosphäre des Bekanntmachens zu schaffen. Dann kann man sehen, wer dieselben Interessen hat und mit wem man sich vorstellen kann, zusammen zu arbeiten. Ziel ist der Aufbau einer stabilen Beziehung, die im Idealfall auch über das Projekt hinaus geht. 

Was haben Sie aus dem Seminar mitgenommen? Hat sich Ihr Blick auf jugendliche Straftäter verändert?

Fiona Hawes: Es hat unglaublich viel Spaß gemacht, am Seminar teilzunehmen, die Zusammenarbeit mit unserer Dozentin war total cool und spannend. Wir haben wahnsinnig viel darüber gelernt, „wie es wirklich ist“. Bei vielen Menschen herrscht Nicht-Wissen oder gar falsches Wissen. Viele Leute denken zum Beispiel - und ich konnte mich davon nicht ausnehmen - dass die Jugendkriminalität extremer wird. Wir haben aber gelernt, dass das Quatsch ist. 
Verschiedene Personen ermöglichten uns ein größeres Verständnis für die Jugendlichen. Verständnis dafür, wie schwierig es sein kann, wenn man in bestimmten Umfeldern mit bestimmten Erlebnissen aufwächst. Das hilft zu verstehen, was die Jugendlichen zu ihrem Verhalten treibt. Es wurde klar wie wichtig es ist, dass man die Jugendlichen nicht isoliert und sie nicht bloß als Randgruppe definiert. Man erkennt, dass die Jugendlichen auch mit einem zusammen arbeiten wollen. Vorurteile müssen abgebaut werden und den Jugendlichen muss auf Augenhöhe begegnet werden. 

Haben Sie bereits Schulen und  JVAs kontaktiert und falls ja, sind sie an einer Zusammenarbeit interessiert

Fiona Hawes: In meinem Projekt haben wir bereits mit dem Albert Schweitzer Werk gesprochen, da wir uns ja auf Jugendliche beschränken, die bereits kriminell auffällig geworden sind und ihre Zeit in sozialen Einrichtungen absitzen. Die waren total begeistert und würden das auch gerne mit uns machen. Ich weiß auch, dass die Gruppe, die studentische Aushilfslehrer in der JVA organisieren möchte, dort eine definitive Zusage hat, weil es schon einmal etwas in der Richtung gab und sehr positive Erfahrungen damit gemacht wurden.

Die Gruppen haben bereits Kontakt mit möglichen Partnern zur Realisierung ihrer Projekte aufgenommen.

Woher kommt Ihr Interesse an dieser Form der Zusammenarbeit? Engagieren Sie sich bereits für Jugendliche in Problemsituationen? 

Fiona Hawes: Ja, ich engagiere mich bei der Initiative„Rock your Life“, die Partnerschaften zwischen Studenten und Jugendlichen von der Hauptschule bildet. Es geht darum, dass man über zwei Jahre eine Freundschaft aufbaut, die den Jugendlichen dabei helfen soll, durch die Schule zu kommen. 
Die Idee ist nicht, dass man einfach ein günstiger Nachhilfelehrer ist, sondern dass man gemeinsam viel Spaß hat. Wir greifen ihnen unter die Arme, wenn sie mal Hilfe brauchen, zum Beispiel wenn sie sich um ein Praktikum kümmern müssen. Ein Freund von mir macht das seit einiger Zeit und hatte mir mal begeistert davon erzählt. Ich habe schon immer gern und viel mit Kindern gearbeitet, bin aber in der Vergangenheit noch kaum mit Hauptschülern in Kontakt gekommen. 
Ich sah darin eine neue interessante Erfahrung. Und ich kann sagen: Man baut unglaublich schnell alle Vorurteile ab, die man hat. Meine „Menti“ Laura ist unglaublich lieb und wir haben viel Spaß zusammen. Sie ist echt ein cleveres Mädchen. Es macht Spaß zu sehen, wenn sie Fortschritte macht. Sie hatte letztens eine eins im Vokabeltest und ich habe mich total mitgefreut. Es ist toll, was für eine gute Freundschaft sich entwickelt und wie beide irgendwie zugleich Mentor und Menti sind. Ich halte es generell für wichtig, sich irgendwo zu engagieren und ein bisschen dazu beizutragen, was um einen herum passiert.

Sarah Jesse, Kriminologin (M.A.), ist Lehrbeauftragte im College Komplementärstudium und promoviert bei Prof. Dr. Plewig im Bereich Jugendstrafrecht. Sie arbeitet als Bewährungshelferin und ist derzeit abgeordnet ins Justizministerium, Abteilung Strafrecht.

Jugenddelinquenz und Nachhaltigkeit. Das ist ein ungewöhnliches Thema, wie kam die Seminaridee zustande?

Sarah Jesse: Die Idee stammt eigentlich von Prof. Dr. Plewig. Und sogar Oberbürgermeister Mädge hatte sich für die Zukunftsstadt 2030+ ein Projekt zum Thema Jugendkriminalität gewünscht. 5 Wochen bevor das Semester begann, fragte Herr Plewig mich dann, ob ich dieses Thema nicht für einen Lehrauftrag aufgreifen möchte. Ich war sofort begeistert, da mich dieses Thema ja beruflich seit Jahren beschäftige und ich auch zum Jugendstrafrecht gerade promoviere.

Wie hängen Jugendkriminalität und Nachhaltigkeit denn überhaupt zusammen?

Sarah Jesse: Das Soziale betrachte ich als eine wichtige Ressource. Für mich stellt sich die Frage: „Wie wollen wir zukünftig miteinander umgehen?“  Der Blick auf Menschen am Rande der Gesellschaft, also auch auf straffällige Jugendliche, ist mir wichtig. Ich bin überzeugt, dass Integration hier langfristig viel mehr bringt, als harte Strafen. Um die anderen Dimensionen der Nachhaltigkeit (Wirtschaft, Kultur und Ökologie) zu sichern, bedarf es einer sozial stabilen Gesellschaft.
Wissenschaftlich genauer untersucht werden die Zusammenhänge von Mitgliedern der Fakultät Nachhaltigkeit im Forschungsschwerpunkt  „Soziale Nachhaltigkeit“.

Gab es sehr viele Studierende, die sich mit dem Thema beschäftigen wollten?

Sarah Jesse: Also es gab viel mehr Anmeldungen, als wir Plätze hatten (30). Auch war es so, dass das Seminar für die meisten Studierenden ihr Erstwunsch war und das obwohl es immer am späten Montagabend stattfand. Ich hatte auch zwischendurch sogar immer wieder Anfragen von Studierenden, die den Quereinstieg während des Semesters wollten. Insofern, ja, das Thema kam von Anfang an gut an.

Was hat Sie während der Arbeit mit den Studierenden überrascht?

Sarah Jesse: Wie neugierig und interessiert sie waren. Am Anfang hatten sie gar keine Ahnung von dem Thema und hatten dieselben Vorurteile gegenüber Jugendstraffälligen wie viele in der Gesellschaft. Aber dann entwickelten sie durch ihr Interesse eine ganz andere, aufgeklärtere Haltung. Am meisten überrascht hat mich, wie selbstbewusst sie diese neue Einstellung und die zugewonnenen Erkenntnisse nach nicht einmal einem halben Jahr auf der Konferenzwoche präsentiert haben. Jede und jeder stand voll hinter seinen Projektideen.

Was für Projektideen waren denn das? Können Sie einige Beispiele ausführen?

Sarah Jesse: In der Kriminologie gibt es 3 Präventionsformen: 1. Die Primäre, d.h. bevor etwas passiert, sie richtet sich an alle, 2. Die Sekundäre, richtet sich an Risikogruppen, 3. Die Tertiäre, möchte Rückfälle verhindern. Zu allen Formen haben die Studierenden Projektideen entwickelt. Ziel bei allen Ideen war es, durch Empathie die Jugendkriminalität zu senken. Für die Primäre Form wurde die Idee „Unterrichtsfach Leben“ und ein Soziales Kompetenztraining für Grund- und weiterführende Schulen entwickelt. Ziel des Projektes wäre es bei den Schülern Empathie für andere zu stärken. Dazu haben die Studierenden einen Online-Fragebogen erstellt und vorab eine Umfrage an Schulen durchgeführt. Das Feedback der Schulen war durchwegs positiv, viele zeigten Interesse daran, in so einem Projekt bei der Umsetzung später mitzuwirken. Für die Sekundäre Prävention wurden „Eltern-Workshops“ konzipiert. Hier entstand eine intensive Zusammenarbeit mit dem Albert-Schweizer-Werk, das seit vielen Jahren mit straffälligen Jugendlichen arbeitet (z.B. Stuntschulen). Die Eltern sollen in den Workshops den Grund für das abweichende Verhalten ihres Kindes kennenlernen und wieder offener aufeinander zugehen. Oft kann es schon helfen, wenn Profis Eltern sagen, wie im Alltag mit deren Aggressionen umzugehen ist. Diese Eltern-Workshops wären von der Idee her erstmal freiwillig – aber es wäre auch juristisch interessant zu prüfen, ob dies als Präventivmaßnahme nicht sogar als gerichtliche Weisung durchzuführen sei. Das Mentoren-Programm könnte als Maßnahme zur Sekundären bis Tertiären Prävention genutzt werden. Hier kommen Studierende und straffällige Jugendliche zusammen und besuchen sich gegenseitig im Alltag. Das gibt für beide Seiten Einblicke in einen völlig anderen Alltag und kann die Jugendlichen motivieren, positiv ihr Leben zu verändern. Die Studierenden bekämen so wertvolle Impulse von den Jugendlichen aus ihrer Lebensumwelt. Schließlich gab es eine Idee zum Umgang mit Jugendlichen und Heranwachsenden, die wegen schwererer Delikte in der Untersuchungshaft inhaftiert sind, diese zählt zur Tertiäre Prävention. Aus einem Besuch bei der Jugenduntersuchungshaft, eine Abteilung der JVA Uelzen, entwickelten Studierende ein Konzept zum Unterricht in der Untersuchungshaft. Der Unterricht soll dabei motivierend auf die Inhaftierten wirken, während die Studierenden erste Lehrerfahrungen sammeln könnten.

Was kann man tun, wenn die straffällig gewordenen Jugendlichen keine Motivation zur Zusammenarbeit mit den Studierenden haben oder es an Respekt fehlt? Kann das auch mal gefährlich werden?

Sarah Jesse: Also, ich arbeite seit vielen Jahren in der Bewährungshilfe und habe noch nie im Kontakt mit jungen Straffälligen Respektlosigkeiten oder Gefährdungssituation erlebt. Es kommt eben darauf an, wie man selber auf die Betroffenen zugeht und ob man sich auf sie einlässt. Die merken ganz genau, ob man ihnen mit Wertschätzung begegnet. Wenn sie feststellen, da interessiert sich jemand für mich, sind die Reaktionen nur positiv.  Es lassen sich bei jedem Straffälligen sympathische Seiten entdecken. Dennoch denke ich auch, dass die Projekte begleitet durchgeführt werden müssten. Es wäre wichtig, dass bei diesen Projekten Experten, also z.B. Jugend- und Sozialarbeiter_innen, moderieren, beraten und unterstützen.

Die Visionen des Seminars wurden im Februar dem Oberbürgermeister im Rahmen des Wettbewerbes „Zukunftsstadt Lüneburg 2030“ vorgestellt. Wie hat Herr Mädge denn auf die Ideen reagiert?

Sarah Jesse: Er wirkte sehr interessiert und dass obwohl neben unserem Projekt natürlich noch fast 30 weitere Projekte vorstellig waren. Sein besonderes Interesse galt jenen Maßnahmen zur Prävention, die schon vor einer ersten Straffälligkeit eingesetzt werden können.

Oberbürgermeister Mädge hatte sich für die Zukunftsstadt 2030+ ein Projekt zum Thema Jugendkriminalität gewünscht.

Was wird nun aus den Projektideen der Studierenden?

Sarah Jesse: Die Zukunftsstadt 2030+ ist ja so angelegt, dass hier verschiedene Städte Deutschlands miteinander im Wettbewerb stehen. Spannend für uns ist: Haben wir dazu beitragen können, dass Lüneburg es in die nächste Runde schafft? Wenn ja, könnten wir unsere Projektideen vielleicht in der Wirklichkeit umsetzen – das wäre großartig.

Wie wichtig ist der Praxisbezug und die Einbindung externer Experten für den Erfolg des Seminars?

Sarah Jesse: Der Praxisbezug des Seminars hat die Studierenden wirklich verändert. Vorurteile wurden abgebaut und Berührungsängste bei vielen gelöst. Allein der Besuch in der JVA hat vielen neue Erkenntnisse gebracht. Vorher wusste niemand, wie so ein Strafvollzug von innen aussieht. In der JVA wurden uns die verschiedenen Abteilungen vorgestellt, der Tagesablauf und der Haftraum eines Inhaftierten gezeigt. Es wurden von der JVA-Leitung sogar Statistiken offengelegt: Wie viele Straftaten gibt es? Woher kommen die Inhaftierten? Wie lang sind die durchschnittlichen Haftdauern? Die Studierenden haben durchaus unterschiedlich auf die Nähe zu den Inhaftierten reagiert, aber ohne diesen Besuch wären die Projektideen niemals so real anwendbar geworden. Dazu haben übrigens auch die Gespräche mit allen Experten beigetragen bei denen ich mich auf diesem Weg bedanke: Herr Kalisch (Albert-Schweizer-Werk), Frau Flaig (Abteilungsleitung der Jugenduntersuchungshaft Uelzen), Herr Ottmüller (Jugendgericht Lüneburg), Frau Komzack-Rempe (Polizei Lüneburg), Frau Dr. Hagemann (Jugendrichterin Uelzen), Frau Neßelhut (ehemalige Jugendrichterin), Herr Albers (Fachanwalt Lüneburg), Herr Timmermann (AJSD Soltau) und natürlich bei Herrn Prof. Dr. Plewig, der mich sehr bei der Gestaltung des Seminars unterstützt hat. Die waren alle offen und haben uns mitgeteilt, was sie sich selber für die Zukunft in ihrer Arbeit wünschen. Das haben die Studierenden in ihre Projektideen integriert und haben von den Experten gutes Feedback dafür erhalten. Dadurch waren sie so hochmotiviert.

Sind ähnliche Seminare in der Zukunft geplant?

Sarah Jesse: Da würde ich jetzt erst einmal abwarten. Ich habe das nicht zu entscheiden, kann aber sagen, dass es mir und den Studierenden unglaublich viel Spaß gemacht hat. Ich würde es sehr gut finden, wenn das Seminar wieder angeboten wird und ich es nochmal machen darf.


Kontakt

Sarah Jesse
Email: sarah.jesse@leuphana.de


Die Interviews führten Julia Graßhoff (mit der Studierenden Fiona Hawes) und Dörte Krahn (mit der Dozentin Sarah Jesse), Universitätskommunikation. Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.