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Das Musical „Natürlich Blond“ mit Studierenden spielt erfolgreich am Theater Lüneburg

31.05.2016 Mit „Natürlich Blond“ haben Svenja Huckle (musikalische Leitung) und Oliver Hennes (Regie) zusammen mit Studierenden der Leuphana Universität ein bekanntes Broadway-Musical auf die Lüneburger Theaterbühne gebracht. Die Produktion ist Ergebnis des Seminars „NATÜRLICH BLOND - wir produzieren ein Musical“ aus dem Wintersemester 2015/16. Die insgesamt zehn Vorstellungen waren in kürzester Zeit restlos ausverkauft. Es ist bereits die siebte Musical-Kooperation zwischen dem Theater Lüneburg und der Leuphana.

Das Musical „Natürlich Blond“ basiert auf dem gleichnamigen Film von 2001 mit Reese Witherspoon in der Hauptrolle. Auch in der Inszenierung von Oliver Hennes erwartet die Zuschauer ein unterhaltsamer Einblick in eine kitschig-pinke Barbie-Welt, in dem so ziemlich jedes Klischee auf die Schippe genommen wird.

Die quirlige Blondine Elle Woods hat eigentlich alles, was sie für ein glückliches Leben braucht – bis ihr Freund Warner Huntington III. sie verlässt, um in Harvard zu studieren. Um Warner zurückzuerobern, beschließt sie, ebenfalls nach Harvard zu gehen und Jura zu studieren. Nach anfänglichen Schwierigkeiten kann die smarte Blondine ihre Kommiliton_innen und Professor_innen schließlich von ihrem Können überzeugen und erhält die Chance als Praktikantin die Verteidigung in einem Mordprozess zu übernehmen. Ob sie den Fall aufklären kann und ein Happy End mit Warner erlebt?

Svenja Huckle und Christopher Werner geben im Interview einen Einblick in den Arbeitsprozess vom Casting, über die ersten Proben bis zur Premiere und erzählen von ihren persönlichen Erfahrungen mit dem studiMUSICAL.

Student und Dozentin im Interview

Christopher Werner (26) ist einer von insgesamt fünf männlichen Darstellern beim studiMusical und spielt die Rolle des Warner. In seiner Heimatstadt Bielefeld spielte er sechs Jahre lang in seiner eigenen Band. Für sein Studium ist er vor einem halben Jahr nach Lüneburg gezogen und verfolgt auch hier verschiedene Musik-Projekte. 

Das studiMusical ist Ergebnis einer Lehrveranstaltung im Komplementärstudium und wird seit 2010 angeboten. Wie hast du davon erfahren und warum wolltest du dabei sein? 

Von dem Musical habe ich durch Max Sellmer erfahren, der dieses Jahr die Rolle des Emmett spielt. Da ich in der Schule schon oft in Musicals mitgespielt habe und privat viel Musik mache, war für mich sofort klar, dass ich da auch mitmachen muss.

Der Name des Musicals lautet in diesem Jahr „Natürlich Blond“. Was hast du gedacht, als du den Titel erfahren hast?

Ich hab erstmal gedacht, das wird super lustig! Dann habe ich überlegt: Gibt es überhaupt so viele Männerrollen? Aber da beim Studi-Musical sowieso generell eher Männermangel herrscht, gab es dann doch überraschend viele Männerrollen zu besetzen. Das Stück an sich ist einfach – wie der Film auch – super lustig und spricht wirklich alle Stereotypen an, von Blondinen, über College-Girls, Anwälte, und so weiter.

Christopher Werner im Interview.

Magst du deine Rolle im Musical einmal kurz vorstellen? Was war für dich der Reiz an dieser Rolle?

Ich spiele den Warner, der seine Freundin Elle verlässt, um nach Harvard zu gehen und dort seine Anwaltskarriere verfolgt. Die anderen Menschen sind ihm dabei ziemlich egal und er geht für den Erfolg auch über Leichen. Er ist sozusagen der Antagonist in dem Stück, wobei er am Ende merkt, dass es vielleicht doch noch andere Sachen im Leben gibt als nur die Karriere. 

Der besondere Reiz ist natürlich, dass Warner in dem Stück der Antagonist ist, der Bösewicht mehr oder weniger. Es macht einfach super viel Spaß, diese Rolle zu spielen. Außerdem ist es ganz spannend, zu sehen, wie man durch seine Rolle auch die Zuschauer mitnehmen kann, wenn sie dann zum Beispiel sagen „Nein, geh‘ nicht zu ihm zurück!“ (lacht).

Elle erzählt Warner, dass sie ebenfalls einen Platz im Praktikantenteam erhalten hat.

Wie verlief das Casting und wie hast du dich darauf vorbereitet?

Es ging los mit dem Vorsingen, bei dem jeder Einzelne ein vorbereitetes Stück vorsingt. Ich habe „Für Sarah“ aus dem Musical „Tanz der Vampire“ gesungen. Wenn man das schafft, bekommt man den berühmten „Recall-Zettel“. Also, tatsächlich eine kleine Einladung zum Casting-Workshop. Dieser geht dann den ganzen Tag, meistens an einem Samstag von 10 bis 17 Uhr. Da sind dann auch wirklich alle da und es wird alles von Schauspiel über Tanz und Gesang gefordert. Es gibt Schauspieltraining und Improvisationsübungen. Man muss unter anderem sein vorbereitetes Stück noch einmal vorsingen, außerdem wird ein Stück aus dem Musical vorbereitet und aufgeführt und es werden Choreographien getanzt, die kurz vorher einstudiert werden.

Ich muss sagen, ich bin nicht der begnadetste Tänzer und bin auch ganz froh, dass ich in meiner Rolle nicht so viel tanzen muss (lacht)

Wie sah ein typischer Probentag aus und wie oft habt ihr geprobt?

Wir sind ab Januar in die musikalischen Vorproben eingestiegen, das heißt, da wurden alle Gesangsstücke einmal geprobt, noch ohne Band, sodass jeder wusste, wie seine Stimme funktioniert und wie sich die Lieder ungefähr anhören.

Ab Mitte März haben wir mit den szenischen Proben begonnen, wo dann drei- bis viermal die Woche, manchmal auch fünfmal, geprobt wurde. Morgens von 10 bis 14 Uhr und dann nochmal abends von 18 bis 22 Uhr. Dabei geht man dann wirklich Szene für Szene durch bis man am Ende das ganze Stück zusammen hat. Es ist schon sehr zeitintensiv, macht aber super viel Spaß.

Freundin Paulette (Carina Chmilewski) muntert Elle (Charlotte Ebel) auf.

Hast du einen Lieblingssong aus dem Musical?

Viele! Aber ich glaube mein Lieblingssong ist tatsächlich „Schwul oder Franzose“, weil er noch einmal dieses ganze Stereotypenfeuerwerk des Musicals aufgreift, aber eben auch sehr unterhaltsam und sehr lustig ist. 

Wie ist die Zusammenarbeit mit Regisseur Oliver Hennes und Svenja Huckle?

Super gut! Man merkt, mit wie viel Herzblut sie dabei sind. Dadurch, dass das Stück nicht das größte Budget vom Theater bekommt, sind alle mit umso mehr Herzblut dabei. Wir haben viel Spaß zusammen, aber man merkt, dass es wirklich viel Arbeit ist. Dann ist es natürlich auch mal ernst und es wird konzentriert an den Szenen gearbeitet bis alles bis ins kleinste Detail sitzt. Aber das macht es eben auch aus. Wenn man Probleme hat, haben beide immer ein offenes Ohr für uns.

Professor Callahan (Stefan Reinholdt, 3. v. links) und sein Praktikantenteam.

Warum ist es eine tolle Erfahrung beim studiMusical mitzuwirken?

Einmal sind es die Leute. Man wächst wirklich als Team zusammen. Und zudem erschafft man etwas Schönes und kann am Ende sehen, dass die Leute Spaß daran haben. 

Svenja Huckle ist Dozentin im Seminar „NATÜRLICH BLOND - wir produzieren ein Musical“ im Komplementärstudium am Leuphana College. Im vierten Jahr fungiert sie als musikalische Leitung für den Chor und die Band des studiMusicals. Sie lebt und arbeitet als freiberufliche Dolmetscherin und Übersetzerin in Lüneburg.

Die Premiere des Musicals am 6. Mai sowie weitere ausverkaufte Vorstellungen haben Sie bereits hinter sich gebracht. Wie lief es bisher?

Die Premiere war ein voller Erfolg. Das Publikum hat super mitgemacht und die darauffolgenden Aufführungen liefen genauso. Normalerweise fällt die ganze Aufregung nach der Premiere ab, so dass die zweite und dritte Aufführung manchmal etwas in der Qualität abfallen, aber das war in diesem Jahr nicht so. Nur letztes Wochenende ging ziemlich alles schief was schiefgehen konnte: Das Umziehen der Darsteller hat in der Eile nicht immer geklappt, einige hatten ihren Text vergessen und ein Musiker kam zu spät. Dann hatte sich auch noch eine Darstellerin den Arm gebrochen, so dass wir ihre Rolle leicht umschreiben mussten, denn es muss ja neben dem Singen auch viel getanzt werden. Wir mussten also ziemlich viel improvisieren – aber dafür bin ich ja da, denn der Regisseur ist nur bis zur Premiere dabei.

Wie kam es zu dieser besonderen Lehrveranstaltung, deren Ergebnis das Musical ist und wie sind Sie als Dozentin an die Leuphana gekommen?

Das ist Franziska Pohlmanns Verdienst. Sie hat damals mit ihrem Verein Haute Couture das erste studiMusical „Von wegen“ 2010 und danach noch zwei weitere Musicals an der Leuphana geplant und am Theater durchgeführt. 2010 steckte ich dann mitten in meiner Examensarbeit in Saarbrücken und bin per Zufall über meinen Bruder, der hier studiert hat, in das Musik-Ensemble gekommen, weil dort noch eine Geigerin gesucht wurde. Da es egal war, wo ich die Arbeit schreibe, habe ich kurzerhand zugesagt und bin dann in Lüneburg und bei der Band geblieben. Irgendwann wollte Franziska sich mehr ihren eigenen Filmprojekten widmen und ich habe dann neben der Bandleitung 2012 auch noch ihren Kurs ab 2013 übernommen. Dazu habe ich mich einfach auf den Lehrauftrag beworben. Es hat in der Vergangenheit oft viel Sinn gemacht, dass Band- und Kursleitung bei einer Person sind. Die Band bekommt zwar früh die Noten und studiert die Stücke ein, aber die gemeinsamen Proben mit den Akteuren kommen erst sehr viel später. Da ist es gut, wenn eine für alles den Überblick behält.

Svenja Huckle beim Üben mit den Studierenden.

Ist so eine Zusammenarbeit zwischen Universität und Theater nicht ungewöhnlich?

Total. Ich habe das noch von keiner anderen Uni gehört. Normalerweise gibt es so etwas wie eine Vereinbarung, dass nicht verkaufte Restkarten eines Theaters an Studierende der Stadt gehen. Aber dass ein Spielplan eines Theaters so darauf abgestimmt wird und Universität und Theater so eng zusammenarbeiten, das ist schon sehr ungewöhnlich. 

Der Chefdramaturg des Lüneburger Theaters, Friedrich von Mansberg, und Nadja Meyer, die die Öffentlichkeitsarbeit für das Theater macht, bieten im Wintersemester ein Seminar an, dass die Vorführung des nächsten Jahres medial vorbereitet. Das Seminar von den beiden hieß: „Wie verkauft man ein Musical? - Dramaturgie und Öffentlichkeitsarbeit am Theater“. Darauf baute unser Seminar auf mit dem Titel:  „NATÜRLICH BLOND - wir produzieren ein Musical“. In beiden Seminaren können Studierende für das Komplementärstudium Creditpoints erwerben. Man muss aber nicht bei beiden Seminaren dabei sein, sondern das funktioniert ganz unabhängig voneinander. 

Hatten alle Studierenden bereits Erfahrung als Musical-Darsteller?

Das ist ganz unterschiedlich, die eine Hälfte ja - in unterschiedlichen Ausprägungen - die andere Hälfte noch überhaupt nicht. Einige sind nach dem Musical so motiviert, dass sie sich für eine Musical Schule bewerben. Es sind immer viele Kuwis (Kulturwissenschaftler_innen) dabei, dann Lehrämtler mit dem Schulfach Musik, Uwis (Umweltwissenschaftler_innen) und Wipsys (Wirtschaftspsycholog_innen). Es ist also eine bunte Mischung.

Aber was jedes Jahr gleich ist: Es bewerben sich zu wenig Männer! Zu den Castings kommen durchschnittlich 50 Frauen, wir haben aber immer nur 10-15 Plätze. Männliche Akteure brauchen wir mindestens 5, die wir dann auf unterschiedliche Rollen verteilen können. Nur leider kommen zu den Castings durchschnittlich 2 Männer. Oft nehmen wir deshalb auch Masterstudierende, selbst wenn die sich das gar nicht fürs Studium anrechnen können. Wir machen deshalb mehr Werbung vor allem über unsere Facebook-Seite („studiMusical“) und hoffen ein bisschen auf Mund-zu-Mund-Propaganda.

Vielleicht melden sich ja auch mehr Männer nach diesem Artikel bei Euch. Wie lange dauerte es eigentlich, so einen Song einzustudieren? 

Also, das Stück wird immer im März/April des Vorjahres ausgesucht. Der Regisseur am Theater kürzt und verändert das Stück im Sommer, so dass wir anschließend in die richtige Planung gehen können. Die Castings finden im Dezember statt. Nach dem Casting folgt ein Workshop, in dem wir die Studierenden ein Stück einüben lassen. Danach wissen wir wer welche Rolle übernehmen kann. Da springt schon mal eine ab, wenn sie nicht die Hauptrolle spielen darf. Das ist dann ziemlich blöd, weil man dann wieder alles neu planen muss. Erst dann fangen die Proben an. Zunächst mit dem Chor des Theaters ein paarmal am Samstag und/oder Sonntag und dann noch Einzelproben bei mir zu Hause. Pro Song muss man bestimmt zwei bis drei Stunden rechnen. Wenn die szenischen Proben anfangen, muss alles sitzen, denn dann darf keiner mehr mit dem Heft in der Hand auf der Bühne stehen.

Wie haben Sie die Studierenden während des Seminars erlebt?

Das Seminar ist eine tiefgreifende Erfahrung für alle. Man rutscht in eine neue, eingeschworene Gemeinschaft und sammelt vielleicht erste Erfahrungen mit dem Publikum. Für viele ist das daher sogar ein lebensverändernder Einschnitt. Man muss ja soviel miteinander proben und entdeckt bei sich selbst neue Talente. Es sind sogar schon Partnerschaften gelöst worden oder der eigene Lebensplan wurde komplett umgestaltet. „Backstage“ ist einfach eine andere Welt. Für manchen wird diese zur Obsession. Insgesamt sind die Studierenden also mit vollem Herzen und sehr engagiert dabei. Verglichen am Arbeitsaufwand sind diese Creditpoints wirklich hart verdient.

Was die Studierenden bei uns auch sehr gut lernen können ist, dass man pünktlich und zuverlässig sein muss. Wenn eine Schlüsselrolle mal nicht anwesend ist, zerschießt es allen anderen gleich den ganzen Terminplan.

Gibt es schon Pläne für das nächste Jahr?

Ja, die Auswahl für das nächste Jahr steht bereits. Der Titel des neuen Stückes lautet: Tanz der Teufel / Evil Dead. Das war in den 80er Jahren so ein Skandalfilm. Der Regisseur (Oliver Hennes) macht sich im Sommer an die Arbeit und geht durch die Szenen, welche Songs gespielt werden sollen und wo das Stück gekürzt wird. Man muss nämlich wissen: Wir spielen im T3. Da sind nur sehr schmale Bänke und ein Akt sollte nicht viel länger als eine Stunde dauern, weil man darauf gar nicht länger sitzen kann. 

Im Dezember findet dann wieder das Casting und ab Januar die Proben statt. Ich bin auf jeden Fall wieder dabei und freue mich schon auf die nächsten Studis!

Vielen Dank an beide für das Interview und viel Erfolg für die weiteren Vorstellungen! 


Kontakt

Svenja Huckle
Katzenstr. 4
21335 Lüneburg
Tel. 04131 2199469

www.svenjahuckle.de 
info@svenjahuckle.de


Die Interviews führten Carina Stelter (mit Christopher Werner) und Dörte Krahn (mit Svenja Huckle), Universitätskommunikation. Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.