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Leuphana-Studentin Marie Mävers holt mit den Hockey-Damen Bronze bei Olympia

19.09.2016 Die Leuphana-Studentin Marie Mävers trat bei den olympischen Spielen mit ihrer Hockey-Damen-Mannschaft in Rio an und holte Bronze. Kurz vor den Spielen schloss sie am Leuphana College ihren Bachelor in Kulturwissenschaften mit der Abgabe ihrer Bachelorarbeit ab. Im Interview spricht sie über ihre Erfahrungen in Rio und ihren Leistungssport.

Wie bist du eigentlich zum Hockey auf Olympia-Niveau gekommen?

Marie Mävers: Ich spiele Hockey seit ich 6 bin. Erst in einem kleineren Verein, vor 9 Jahren bin ich dann dem UHC Hamburg (Uhlenhorster Hockeyclub) beigetreten. Von dort bin ich dann in den A-Kader gekommen, der für Olympia unter Beobachtung steht. Wir waren zur Vorbereitung auch einige Male in Argentinien und Südafrika, wenn hier das Feldhockeyfeld durch das Wetter nicht benutzbar war. Der Trainer sucht dann 16 Spielerinnen aus, die mit nach Olympia kommen sollen. Ich war bis kurz vor den Spielen noch als Ersatzspielerin eingeplant, als eine Mitspielerin dann jedoch ausfiel, durfte ich aufrücken und mit nach Rio. Ich habe mein Studium an der Leuphana jetzt beendet, die Bachelorarbeit habe ich sogar in den letzten Tagen, in denen wir vor den Spielen noch in Argentinien waren, fertig geschrieben.

Du warst dieses Jahr bereits zum zweiten Mal Teilnehmerin bei Olympia, zuletzt in London. Was hat dich in Rio besonders beeindruckt und was war dieses Jahr anders?

Marie Mävers: London war für uns organisatorisch das Nonplusultra. Das olympische Dorf war super strukturiert. Und es war für mich das erste Mal Olympia, da erscheint einem ohnehin alles größer, beeindruckender und spannender. Dieses Jahr war alles ein bisschen einfacher und langsamer. Die Wege waren weiter und statt eigenen Häusern pro Nation gab es Hochhäuser, in denen direkt mehrere Nationen wohnten. Wir waren zum Beispiel mit Belgiern und Luxemburgern gemeinsam untergebracht. Aber Rio ist auch eine riesengroße Stadt mit viel Verkehr, dafür war die Organisation auf jeden Fall gut.

Wie kann man sich so ein „olympisches Dorf“ vorstellen?

Marie Mävers: Es ist wirklich ein komplett von der Außenwelt abgeriegelter Bereich, in den man auch nur mit einem Ausweis reinkommt. Neben den Häusern mit den Nationen, diesmal hatten sie an die 18 Stockwerke, gibt es alles, was man so über den Tag braucht, wirklich wie in einem Dorf. Es gab eine Mensa, einige Shops zum Einkaufen, ein Fitnessstudio und sogar einen eigenen McDonald’s. Im Letzteren hat man dann immer die Sportler und Sportlerinnen gefunden, die ihre ganzen Wettkämpfe schon hinter sich hatten. Besonders die Einzelsportler waren früher durch, Mannschaften wie unsere Hockey-Mannschaft haben fast den ganzen Zeitraum durchgespielt, weil man sich mit jedem Spiel immer weiter qualifizieren muss, von der Gruppenphase bis ins Finale.

Hattet ihr Kontakt zu anderen Sportlern?

Marie Mävers: Dadurch, dass wir als Mannschaft da waren und noch den ganzen Staff dabeihatten, eher wenig. Wenn, dann eher mit den anderen Hockeyspielerinnen aus den Wettkämpfen. Ich glaube als Einzelsportler oder Einzelsportlerin knüpft man eher Kontakte zu den andere.

Du hast in deiner Bachelor-Arbeit deinen Studienschwerpunkt „Literarische Kulturen“ mit Sport verbunden. Würdest du etwas darüber erzählen?

Marie Mävers: Ich habe meine Bachelor-Arbeit über Burn-Out im Sport geschrieben und mich dabei viel an Biografien von Leistungssportlern orientiert. Auch Sport kann zu einem Burn-Out führen, wenn starker Leistungsdruck auf Einzelpersonen oder auf der Mannschaft lastet. Dieser Druck steigt nochmal durch die Medienpräsenz. Es sind zwei Seiten einer Medaille: Wer stark in den Medien auftaucht, kann damit auch irgendwann sein Geld verdienen. Gleichzeitig wächst durch die Beobachtung auf die Person der Druck, was zur Überlastung führen kann. Sport zu seinem Beruf zu machen, ist in Deutschland jedoch nicht so gut möglich wie in anderen Ländern, wenn man vielleicht von Fußball absieht. Es gibt nur geringe bis keine Medienpräsenz in den meisten Sparten und wenig Förderung. Auch bei Hockey ist das kein großes Thema, besonders jetzt nach Olympia werden unsere Spiele nicht mehr so stark beobachtet, das ist entspannter. Was die geringe Förderung von Sport betrifft, kann man dann bei Olympia natürlich nicht erwarten, dass die Deutschen immer nur Gold holen. Viele, die ich in Rio getroffen habe, üben ihren Sport als Vollberuf aus und studieren nicht nebenbei, wie es viele aus unserer Mannschaft tun. Allein vom Hockey könnten wir nicht leben.

Wie konnten dich die Leuphana und der Hochschulsport bei deiner Vorbereitung aus Olympia unterstützen?

Marie Mävers: Ich durfte den Kraftraum des Studio 21 als Vorbereitung kostenlos nutzen. Das war wirklich super, der Kraftraum gefällt mir sehr gut. Auch von den Professoren und den anderen Mitarbeitern ist mir immer viel Kulanz entgegengebracht worden, wenn es zum Beispiel darum ging, den Termin für eine Prüfungsleistung zu verschieben. Da bin ich sehr dankbar, ich kenne viele Spielerinnen, bei deren Unis das oft kompliziert war. Nur so hatte ich die Möglichkeit, neben dem Studium so intensiv zu trainieren.

Wie sieht deine Zukunftsplanung aus?

Marie Mävers: Ich werde jetzt nach Hamburg ziehen und dort an der HAW den Master Information, Medien, Bibliothek beginnen. Und auf jeden Fall weiterhin Hockey spielen.

Vielen Dank für das Gespräch!



Interview: Julia Graßhoff, Universitätskommunikation. Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.