Meldungen zum Studium

Wege an die Leuphana: Ohne Abitur ins Studium

19.09.2016 Um studieren zu können brauche ich Abitur, oder? Nicht unbedingt. Neben der allgemeinen Hochschulreife gibt es viele andere Wege an die Universität, die oft gar nicht so bekannt sind. Um das zu ändern, besuchen Studierende der Leuphana als Studienlots_innen Schulen in Norddeutschland im Rahmen des Lotsenprojekts. Das Projekt stellt an dieser Stelle verschiedene Möglichkeiten des Hochschulzugangs vor und gibt Einblicke in Interviews mit verschiedenen Studierenden, die über ihre verschiedenen Wege an die Leuphana berichten.

Das Lotsenprojekt geht an die Schulen

In über 120 interaktiven Veranstaltungen informierten Studienlots_innen insbesondere Schüler_innen der Berufsbildenden Schulen (BBS), der Integrierten (IGS) und Kooperativen Gesamtschulen (KGS) über die verschiedenen Möglichkeiten des Hochschulzugangs, über Studienfinanzierung und wie sich der Studienalltag von Studierenden so gestaltet. „Wir wollen Schüler_innen Perspektiven eröffnen, indem wir ihnen die verschiedenen Möglichkeiten des Hochschulzugangs aufzeigen“, erklärt Nele Uhl, die eine der Projektkoordinatorinnen ist. „Vielen ist gar nicht klar, dass für die Bewerbung an einer Universität das Abitur längst nicht mehr notwendig ist.“ Im Gespräch erzählt sie von den vielfältigen Möglichkeiten, ein Studium in Niedersachsen und an der Leuphana zu beginnen.


Studierende berichten über ihre Erfahrungen

Auch Franziska ist nach der 11. Klasse von der Schule abgegangen, hat dann aber eine Ausbildung zur Erzieherin gemacht und studiert jetzt an der Leuphana den Master Lehramt an Berufsbildenden Schulen, Fachrichtung Sozialpädagogik. „Da Berufsschullehramt nicht überall angeboten wird, war klar, dass ich - wenn überhaupt - an der Leuphana studieren werde. Ich habe mich dann auf der Internetseite informiert und auch noch einen Termin bei der Studienberatung gemacht. Ich war danach ganz überrascht und dachte: Wie? So leicht geht das? Ich kann mich einfach als Erzieherin bewerben? Ich glaube, für viele Menschen fühlen sich die Bildungswege vorgefertigt an. Die Aufklärung ist noch nicht so weit, dass Schülerinnen und Schüler eine Idee davon haben, dass sie sich auch mit einem Realschulabschluss weiterqualifizieren und perspektivisch auch studieren können“, so Franziska. „Ich glaube, dass der Umweg über die berufliche Qualifikation zur Persönlichkeitsentwicklung beiträgt." Zum vollständigen Interview

„Die Umweltwissenschaftsstudiengänge, die man an anderen Unis studieren kann, sind oft sehr chemie- und physiklastig und mathematisch ausgerichtet. Das ist einfach nicht meine Stärke. Ich habe nach einer Uni gesucht, die ein bisschen breiter gefächert ist, mit mehr Möglichkeiten, mich auch in eine andere Richtung bewegen zu können. Da ist die Leuphana dann ziemlich schnell aufgetaucht. Beim Infotag war ich begeistert“, erzählt Jasmin. Sie ist für ihr Studium an der Leuphana von München mit ihrem Mann nach Lüneburg gezogen. Ihr Abitur hat sie zwar regulär absolviert, nach ihrem Abschluss jedoch zunächst eine Lehre zur Veranstaltungskauffrau gemacht. Nach vier Jahren Berufserfahrung entschied sie sich dazu, doch noch zu studieren. Die Themen Umwelt und Naturschutz haben sie schon immer interessiert, da lag ein Studium in diesem Bereich nahe. "Ich fand es ganz toll, dass plötz­lich so vie­le Leu­te um mich her­um wa­ren, die ge­nau das glei­che in­ter­es­siert wie mich. Und die Leu­pha­na an sich bie­tet ja so un­end­lich vie­le Möglich­kei­ten." Zum vollständigen Interview

„An meiner Schule gestaltete sich die Berufsorientierung hauptsächlich durch Praktika. Leider hat mir keines der Praktika wirklich bei der Berufswahl geholfen. Zumindest wusste ich dann aber, was ich nicht wollte. Ich glaube zu dem Zeitpunkt war ich noch zu jung, um eine Berufswahl zu treffen“, erzählt Laura, die ab dem Wintersemester 2016/17 am Leuphana College den Major Umweltwissenschaften studiert und sich über die Immaturenprüfung für eine Bewerbung an der Leuphana qualifiziert hat. Sie hat die Schule nach der 11. Klasse verlassen, Praktika und zwei Berufsausbildungen absolviert, Arbeitserfahrung gesammelt und war im Ausland. „Ich konnte leider nicht über die 3+3 Regelung an die Uni – denn meine Auslandsaufenthalte und Praktika zählten leider nicht als Teil der dreijährigen Berufserfahrung, die man benötigt. Während meiner Internetrecherche erfuhr ich von der Möglichkeit, eine Immaturenprüfung abzulegen und damit die Chance zu haben, an der Leuphana studieren zu können." Zum vollständigen Interview

Für Alexander war die Schule nie ein Ort, an dem er sich wohl fühlte. Daher ging er nach der 12. Klasse ohne Abitur ab, absolvierte ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) und eine Lehre zum Bankkaufmann. Jetzt studiert er am College den Bachelor Betriebswirtschaftslehre (BWL) mit dem Minor Rechtswissenschaften. „Spätestens im letzten halben Jahr der Ausbildung war klar, dass ich zwar die Ausbildung beende, aber nicht weiter dort bleiben möchte. Ich habe mir die Modulpläne verschiedener Studiengänge an Unis angeguckt. Einige Unis haben schreckliche Seiten und da muss man ewig lange suchen, bis man an eine Modulübersicht kommt. Das war an der Leuphana gut. Ich fand die rechnerischen Sachen, um die es in der Bankausbildung ging, spannend. Gegenüber anderen Studierenden, die direkt aus der Schule kommen, bin ich gelassener, glaube ich. Inzwischen bin ich auch ganz entspannt vor Klausuren, also viel entspannter als ich es zum Beispiel vor meiner Abschlussprüfung in der Ausbildung war." Zum vollständigen Interview

Lena hat nach ihrem Realschulabschluss eine Lehre zur Bankkauffrau absolviert, daraufhin die Fachoberschule besucht und schließlich an der Berufsoberschule ihr Abitur nachgeholt. Am Leuphana College hat sie zunächst zwei Semester Umweltwissenschaften studiert und dann zu Kulturwissenschaften gewechselt. „Ich habe mich dann relativ schnell entschieden, dass ich was anderes machen werde, gleichzeitig war mir auch klar, dass ich hier an der Leuphana bleiben möchte. Ich habe mich mit Leu­ten aus­ge­tauscht, die Kul­tur­wis­sen­schaf­ten stu­die­ren, mich bei der Stu­di­en­be­ra­tung in­for­miert und darüber hin­aus ganz viel im In­ter­net re­cher­chiert. Außer­dem konn­te ich schon vor­zei­tig in Kul­tur­wis­sen­schaf­ten Kur­se be­le­gen und merk­te, dass mir das sehr gut gefällt. Der Ma­jor Kul­tur­wis­sen­schaf­ten passt zu mir und ich bin mit den Men­schen auf ei­ner Wel­lenlänge. Ich habe in sechs Se­mes­tern mein Stu­di­um ge­schafft und schrei­be jetzt mei­ne Ba­che­l­or­ar­beit. Das macht mich un­glaub­lich stolz, dass ich das ge­schafft habe, weil ich das selbst nie ge­glaubt hätte." Zum vollständigen Interview


Welche Möglichkeiten gibt es?


1. Mit Fachhochschulreife alle Fächer studieren

Studieninteressierte mit Fachhochschulreife können sich an allen niedersächsischen Universitäten fachverwandt für ein Studienfach bewerben. Das Besondere an der Leuphana ist: Hier können sich Studieninteressierte mit Fachhochschulreife auf alle Studiengänge der Universität bewerben, soweit sie in den Hauptfächern eine Durchschnittsnote von 3,0 oder besser vorweisen können. Bei einer schlechteren Note  bleibt  immer noch die Möglichkeit des fachverwandten Studiums. Die Fachhochschulreife kann über zahlreiche Wege erreicht werden. Zum Beispiel mit Abschluss der 11. Klasse nach G8 beziehungsweise mit Abschluss der 12. Klasse nach G9 und einem anschließenden Freien Sozialen Jahr (FSJ) bzw. einem einjährigen Praktikum oder durch den Abschluss der 12. Klasse der Fachoberschule (FOS). Eine Übersicht darüber, wie die Fachhochschulreife erlangt werden kann, finden Sie hier (PDF).

2. Mit Meisterprüfung oder Fachschulabschluss alle Fächer studieren

Mit dem erfolgreichen Ablegen der Meisterprüfung erhalten Studieninteressierte die Möglichkeit, sich für jedes Studienfach an niedersächsischen Universitäten zu bewerben. Gleiches gilt für den Abschluss einer Fachschule, zum Beispiel zur staatlich geprüften Techniker_in oder staatlich anerkannten Erzieher_in. Die Bewerbung erfolgt in beiden Fällen in der Regel über die Sonderquote für beruflich Qualifizierte. Eine Ausnahme stellen Erzieher_innen dar, die am Leuphana College „Berufliche Bildung in der Sozialpädagogik“ studieren wollen. In diesem Fall läuft die Bewerbung über die sogenannte Hauptquote, gemeinsam mit den Studieninteressierten, die sich mit Abitur bzw. Fachhochschulreife bewerben. Eine Übersicht über die verschiedenen Wege an die Leuphana über berufliche Qualifikation finden Sie hier (PDF). 

3. Mit der „3+3-Regelung“ fachverwandt studieren

Wer kein Abitur absolviert hat, kann sich über die sogenannten 3+3-Regelung an einer niedersächsischen Universität bewerben. Das bedeutet, dass die Studieninteressierten eine dreijährige Ausbildung absolviert und anschließend mindestens drei Jahre in diesem Beruf gearbeitet haben müssen. Damit erfüllen sie die Voraussetzung, um sich an einer niedersächsischen Universität um einen fachverwandten, das heißt dem Ausbildungsberuf ähnlichen Studienplatz zu bewerben. Die Bewerbung läuft dabei in der Regel über eine Sonderquote für beruflich qualifizierte Bewerber_innen. . So könnte beispielsweise eine ausgebildete Einzelhandelskauffrau mit entsprechender dreijähriger Berufserfahrung an der Leuphana Betriebswirtschaftslehre studieren. Eine umfangreiche Auflistung möglicher Kombinationen an der Leuphana finden Sie hier (PDF).

4. Mit der Immaturenprüfung zum Wunschstudium

Wer weder Abitur, noch Fachhochschulreife, Meisterabschluss noch über die 3+3-Regelung die Hochschulzugangsberechtigung für das Wunschfach erlangt hat, kann den Weg an die Leuphana über die Immaturenprüfung gehen. Um zur Prüfung zugelassen zu werden, müssen die Studieninteressierten eine mindestens zweijährige Ausbildung und anschließend zwei Jahre Berufserfahrung vorweisen können. Alternativ können fünf Jahre Arbeit in einem ausbildungsähnlichen Beruf oder zum Beispiel die Erziehung von Kindern angerechnet werden. Zusätzlich müssen die Studieninteressierten an einem einjährigen Immaturenkurs teilnehmen, in dem für die Prüfung relevante Grundlagenfächer unterrichtet werden. In Lüneburg kann der Immaturenkurs an der Volkshochschule absolviert werden. Die anschließende Immaturenprüfung gliedert sich dann in einen allgemeinen und in einen besonderen Teil im angestrebten Studiengang.  Für den besonderen Teil muss zum Beispiel eine für das Studienfach relevante Hausarbeit verfasst oder eine mündliche Prüfung abgelegt werden. Nach dem Bestehen bewirbt sich der Prüfling dann mit seiner Abschlussnote regulär in der Hauptquote für einen Platz in dem von ihm gewählten Studiengang. Weitere Infos zur Immaturenprüfung an der Leuphana finden Sie hier (PDF). 



Autorinnen: Julia Graßhoff und Morgaine Struve, Universitätskommunikation. Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.