Meldungen zum Studium

Startwoche 2016: Diversität als gesellschaftliche Herausforderung und Chance

10.10.2016 Am 6. Oktober nahmen 1.500 Studierende ihr Bachelor-Studium an der Leuphana auf. In der Startwoche finden die Studierenden nicht bloß eine erste Orientierung für den neuen Lebensabschnitt an der Universität, sondern erarbeiten in Gruppen Projekte zum Thema Diversität. Dabei werden vielfältige Dimensionen der Diversität betrachtet wie zum Beispiel soziale, kulturelle, sexuelle, religiöse oder körperliche Vielfalt. Doch wie lassen sich soziale Räume des Zusammenlebens ohne Ausgrenzung gestalten? Welche Möglichkeiten gibt es, sich politisch und sozial dafür zu engagieren? Welche Herausforderungen sind damit verbunden? Zu diesen Fragen suchen die Erstsemesterinnen und Erstsemester in der Startwoche nach Antworten und Lösungsansätzen.

Das Organisations-Team bei der Danksagung.

Startwoche Finale: Freitag, der 14. Oktober

„Wir hatten eine großartige, lehrreiche Woche und alle eure Videos reflektieren dies“, gab Matthias Pelster den Startschuss für die finale Präsentation der Videos. Eine Woche lang haben sich die neuen Studierenden der Leuphana Universität über wissenschaftliche Zugänge sowie individuelle Ansätze mit dem Thema „Diversität“ vertraut gemacht. Das Ziel war es, ein eigenständiges Projekt zu erstellen und filmisch zu visualisieren. Unterstützt wurden sie bei dem anspruchsvollen Vorhaben von 110 Tutoren und 30 Mentoren, universitätsinternen und externen Expert_innen sowie Professor_innen der Leuphana. „Auch wenn einem die Zeit einiges abverlangte, war sie viel zu schön, um einfach vorbei zu sein“, stellte Erstsemesterin Lara zufrieden fest.

Projekte zu Privilegkritik, fairen Bewerbungsverfahren, Tansgender und Biodiversität bei Bienen  

Beim Finale am Freitag wurden zehn verschiedene Projekte vorgestellt. „Weil alle eure Videos großartig sind, haben wir uns dazu entschieden auszulosen, welche auf der großen Leinwand präsentiert werden“, erklärte Bastian Hagmaier vom Organisationskomitee den Auswahlmodus. Wie kreativ die Studierenden mit der Thematik umgegangen sind, ließ sich nicht nur an den verschiedenen Stilen der Kampagnen erkennen, sondern auch an den unterschiedlichen Projektkonzepten.

Das Projekt „#checkyourprivilege“ wies darauf hin, wie privilegiert die Lebensbedingungen in Deutschland sind. In einem Streifzug durch die Lüneburger Altstadt beglückwünschte die Gruppe Passant_innen zu ihrem privilegierten Leben – und bekam meist nur genervte Blicke und trotzige Kommentare zurück.
Gleich drei Videos behandelten die Problematik der Benachteiligung in Bewerbungsverfahren. Um dieser Ungerechtigkeit bei der Arbeitsplatzsuche entgegenzuwirken und jeder und jedem unabhängig von Geschlecht, Alter und Nationalität die gleichen Chancen zu ermöglichen, sprachen sich die Gruppen für anonymisierte Lebensläufe aus.
Einen ganz anderen Ansatz verfolgte das Gütesiegel „Bee friendly“. Dieses Biodiversität-Projekt steht für eine bienenfreundliche, nachhaltige Produktion von Obst und anderen Agrarprodukten. Die Studierenden möchten mit dieser Idee auf das gemeinhin unterschätze Problem des Bienensterbens aufmerksam machen.
An das Verständnis für Diversität appellierte auch eine Videokampagne zum Thema Transgender. Die Studierenden schärften mit ihrem Projekt das Bewusstsein dafür, dass sich niemand von der Gesellschaft fremdbestimmen lassen sollte.

Je mehr Projekte vorgestellt wurden, und je weiter der Abend voranschritt, desto bewusster wurde allen Beteiligten: An der Leuphana wurde die letzte Woche intensiv genutzt. Nicht nur um Freundschaften zu knüpfen, gemeinsamen zu debattieren und diskutieren, sondern auch um mit Begeisterung etwas Bleibendes zu schaffen. „Wir haben jetzt zehn fantastische Projekte gesehen. Und hinter jedem, auch hinter den nicht präsentierten, steckt eine fantastische Idee“, schloss Hagmaier die Filmvorführung, „aber das Tolle ist, dass die Orientation Week noch nicht an diesem Punkt endet.“ Gleich mehrere Teams haben sich auf weitere Unterstützung durch die Universität beworben und planen, an ihren Ideen weiter zu arbeiten. Hierbei vertreten ist beispielsweise eine Kochveranstaltung, die Generationen vereinen soll. „Wir freuen uns sehr darauf, bald schon mehr von euch zu hören“, sagte Hagmaier.

Feierlicher Ausklang der Startwoche 

Unter tosendem Applaus bedankten sich alle Studierenden bei dem Organisationskomitee, das bereits seit einigen Monaten mit der Vorbereitung beschäftigt gewesen war. Die Idee, die Orientation Week weiterhin entzerrt über sieben Tage zu gestalten, um den Studierenden die Möglichkeit zu geben, den wissenschaftlichen Input aufzunehmen und in ihren individuellen Projekten umzusetzen, wurde erneut sehr gut angenommen. Und auch die Organisatoren selbst sind zufrieden: „Die Startwoche war ein voller Erfolg“, freut sich Karlene Spiegel vom Startwochenteam. 

 

Musik von Brass Riot und OK Kid Soundsystem

Der Abend des Startwochenfinales klang mit Live Musik der Lüneburger Band „Brass Riot“ und der Hip Hop-Band „OK Kid Soundsystem“ aus. Sänger Jonas Schubert wünschte den Neulingen alles Gute: „Die ersten Wochen sind was ganz besonderes. Habt Spaß!“
Viele der neuen Studierenden schätzten an der Leuphana Startwoche besonders das Gemeinschaftsgefühl. „Unsere Tutorin war großartig und durch die tolle Zusammenarbeit mit der Gruppe sind richtige Freundschaften entstanden. Ich bin mir sicher, dass ich auch mit Vielen noch nach der Startwoche zu tun haben werde“, freut sich Erstsemester Torsten, „die Woche war unglaublich. Es wird ganz komisch sein, ab nächster Woche nicht mehr mit der Gruppe unterwegs zu sein.“ Sein Kommilitone Simon bestätigt: „Die Orientation Week habe ich mit meiner Gruppe jeden Tag genossen und wir sind zu einem richtigen Team zusammen gewachsen. Auch unser Tutor Marlon war richtig entspannt und motivierend.“

 

Impuls der Startwoche wird im Leuphana Semester und der Konferenzwoche fortgeführt

Am Montag, den 17.10.2016, beginnt an der Universität Lüneburg das Wintersemester. Die neuen Studierenden werden sich zunächst im Leuphana Semester mit den drei Modulen „Wissenschaft trägt Verantwortung“, „Wissenschaft lehrt Methoden“, und „Wissenschaft lehrt Verstehen“ auseinandersetzen. Eine weitere Chance, ihre nächsten akademischen Forschungsansätze und Projektideen an die Öffentlichkeit zu tragen, bietet die Leuphana Konferenzwoche im Februar 2017.


Startwoche Tag 4: Donnerstag, der 13. Oktober

Keynote Speakerin des vierten Tages der Leuphana Orientation Week war Elisa Naranjo, die „Head of Fairstainability“ des Unternehmens „Einhorn“, das fair produzierte, nachhaltige und vegane Kondome herstellt. Elisa Naranjo berichtete, dass die Gründer_innen des Produkts zeigen wollten, dass nachhaltige Produkte nicht zwangsläufig „uncool“ sind. In einem kurzen Video erklärte sie, dass die Geschichte hinter einer Idee genauso wichtig und treibend sein kann wie deren Umsetzung. Zudem zeigte sie am Beispiel ihres jungen Unternehmens, wie neue Medien und soziale Netzwerke genutzt werden können, um Problemlösungen zu generieren.

"Make Love Not Scars"-Kampagne

Um den Sinn für Unbekanntes und eingängige Filmkonzeption weiter zu schärfen, wurden anschließend drei weitere Kampagnen per Video vorgestellt. Während einige amüsant inszeniert waren, machte das Video zum Projekt „Make Love Not Scars“ betroffen, denn es thematisierte die „Make Love Not Scars“- Kampagne, die gegen Säure als freiverkäufliche Ware in Indien protestiert und damit erreichen möchte, dass weniger Säure-Anschläge verübt werden. „Dieses Video nimmt eine sehr überraschende Wendung und lässt den Betrachter nicht los,“ sagt dazu Erstsemesterstudent Thomas. 

Anschließend hatten die Studierenden Gelegenheit, ihre Projekte zu konzeptualisieren und sich ein Storyboard für die Visualisierung zu überlegen. „Ich glaube, dass wir viele kreative Leute haben und, dass einige Kampagnen über die Orientation Week hinausgehen und einen richtigen Effekt auf die Gesellschaft haben werden“, gibt sich Moderator Matthias Pelster gespannt.

Visualisierungen der Projekte

Als alle Studierenden anschließend wieder im Hörsaal einfanden, war Unruhe und Rastlosigkeit zu spüren. Verschiedene Visualisierungsideen wurden vorgestellt, doch es war den Gruppen anzumerken, dass sie am liebsten keine Zeit verlieren und sofort mit der Umsetzung ihrer Storyboards beginnen möchten. 
Den informativen Vortrag von Philipp von der Dellen, eines ehemaligen Leuphana-Studenten, der die Blueape Media GmbH gründete, nahmen sie dennoch sehr aufmerksam und interessiert auf. Von der Dellen gab eine Einführung in die Filmproduktion, sensibilisierte seine Zuhörer_innen für typische Fehler und wies auf die Wirkung unterschiedlicher Kamera-Perspektiven hin. Zudem gab er eine kurze Einweisung in gängige Videobearbeitungsprogramme und verriet den Studierenden eine Datenbank für frei nutzbare Musik. 

Am Donnerstagnachmittag hatten die Arbeitsgruppen Zeit, ihren persönlichen Ansatz zum Thema „Diversity“ zu visualisieren. „Wir sind gegen Ende sehr in Zeitdruck gekommen, da bisher keiner von uns Erfahrung mit Schneideprogrammen hatte“, berichtet Startwochen-Teilnehmerin Lisa, „glücklicherweise konnte uns unser Mentor aber unterstützen, sodass wir ein schönes Ergebnis erhalten haben.“
Von Hürden ganz anderer Art berichten Arthur und Luis. „Wir verfolgen die Idee eines intergenerationellen Dialogs. Wir möchten ältere Leute dazu bringen, aus ihrer Jugend zu berichten, damit die junge Gesellschaft Deutschlands sieht, dass sich viele Erfahrungen nicht ändern und man auch von Senioren lernen kann.“ Die Erlaubnis, ein Altenheim zu besuchen und dort zu filmen, bekamen sie jedoch erst so spontan, dass kaum Vorbereitungszeit vorhanden war. „Wir haben dann improvisiert und die Interviewten waren zum Glück vom Projekt sehr angetan und absolut kooperativ.“ Auch ihr Mentor Finn Johannson, der schon mehrfach bei der Leuphana Orientation Week mitgewirkt hatte, zeigt sich sehr angetan von der Problemlösungsstrategie und seinen Schützlingen: „Die Gruppe hat das super gemacht. Und wenn es doch einmal gehakt hat, nahmen sie meinen fachlichen Input direkt auf und konnten so ihre Hürden selbstständig meistern.“

„Wir möchten versuchen verschiedene Kulturen über das gemeinsame Essen und Kochen zusammenzubringen und auch andere kulturelle Bestandteile, wie Musik, in einen solchen Abend zu integrieren. Dazu sind wir auf dem ganzen Campus unterwegs“, erklärt Max, bevor er im Laufschritt seine Gruppenkollegen einholt, um sich an den Bearbeitungsprozess des filmischen Materials zu machen. Dabei ist bei den Erstsemester_innen nichts von Müdigkeit oder Erschöpfung zu spüren. „Es ist, als würde ein frischer Wind voller kreativer Ideen über den Campus fegen. Diversität wird hier in allen Facetten gelebt“, begeistert sich Moritz Mager, Masterstudent und Mentor.

Vorfreude auf das Finale

Am Ende der Arbeitsphase reichten die Studierenden ihre Videos ein. „Man hätte aber noch so viel mehr machen können. Die Woche verging viel zu schnell“, bedauert Erstsemester Silas. Bei der Abschlussrunde im Hörsaal bedanken sich die Erstsemester_innen bei ihren Tutoren und Tutorinnen sowie dem Organisationskomitee mit lautem Applaus für die vergangenen ereignisreichen Tage.  

Das große Finale der Leuphana Orientation Week wird am Freitag in der Mensa abgehalten. Dort werden beispielhaft zehn Projekte präsentiert, die Band OK Kid Soundsystem sorgt für die musikalische Untermalung. Tagsüber haben die Studierenden die Möglichkeit, beim „Campus Day“ den Hochschulsport, sowie das Sprachlernzentrum ZeMos und andere universitäre Einrichtungen näher kennenzulernen.


Startwoche Tag 3: Mittwoch, der 12. Oktober

„Es ist alles eine Frage der Perspektive!“ Mit diesen Worten startete der dritte Tag der Leuphana Orientation Week, die unter dem Motto „Diversity“ bereits seit letztem Donnerstag die Leuphana Universität und die Stadt Lüneburg bewegt. 
Der Keynote Speaker des heutigen Tages war Manouchehr Shamsrizi. Er entwickelte mit seinem Unternehmen RetroBrain R&D UG ein therapeutisches Videospiel, das der Vergesslichkeit entgegenwirkt und besonders im Bereich der Behandlung von Demenzerkrankungen eingesetzt wird. Mit seinem morgendlichen Statement wollte er die Studierenden „aufwecken“, im wörtlichen wie auch im metaphorischen Sinn: Shamsrizi rief die Erstsemester_innen dazu auf, ihre Perspektive zu ändern, sich für jegliche Form der Diversität zu öffnen und diese für gesellschaftliche Veränderungen zu nutzen. Auf die Startwochenprojekte angewandt steht das „Aufwecken“ dafür, den Kern des jeweiligen Projekts herauszuarbeiten und aktiv daran zu arbeiten. Innovation, eine Problemlösung und das Erkennen der Zielgruppe sind dabei genauso relevant wie die Nachhaltigkeit der Lösungsstrategie, die Präsentation gegenüber der Öffentlichkeit und die Umsetzung der Idee. In Bezug auf die Umsetzung schloss Shamsrizi seinen Vortrag mit einer energiegeladenen Botschaft: „Versucht nicht nur, mit Diversität etwas zu reformieren - versucht, auch etwas ganz Neues zu schaffen!“ Der Gründer traf mit seinem Vortrag genau den Nerv der Studierenden, die am Vormittag ihr Projekt weiter durchdenken und konkretisieren sollten, um es am Nachmittag Experten vorzustellen und sich von diesen Feedback einzuholen.

Ideen und Feedback

Bevor es jedoch in die Arbeitsphase ging, schufen Matthias Pelster und Jantje Halberstadt noch einen besonderen Anreiz für die Startwochenteilnehmer_innen: Für besonders engagierte und motivierte Gruppen bietet die Leuphana die Möglichkeit, auch über die Orientation Week hinaus die Projekte weiterzuverfolgen. Dabei wird eine professionelle, regelmäßige Betreuung stattfinden. 
Die erste Gruppenarbeitsphase forderte die Studenten heraus, innerhalb kurzer Zeit einen sehr detaillierten Rahmenplan und eine Kurzvorstellung ihres Projekts zu entwickeln. In Erwartung der Feedback-Runden am Nachmittag konkretisierten, formulierten und strukturierten die Studierenden in den Teams ihre Lösungsvorschläge. Nachdem an den letzten Feinheiten gefeilt worden, war die allgemeine Erleichterung in den Arbeitsräumen deutlich zu spüren. „Das war eine anstrengende Einheit“, beschreibt Erstsemesterin Alina den Prozess, „aber wir wollen möglichst konstruktives Feedback erhalten. Dafür muss unsere Idee, mehr Chancengleichheit im Bereich der Bewerbungsverfahren von Unternehmen zu schaffen, klar verständlich sein.“

Nach der anschließenden Feedbackrunde der Gruppen hielt Lorenzo Wienecke von dem Münchner Unternehmen „Project Together“ einen Kurzvortrag über die Bedeutung von Feedback für soziale Projekte. „Project Together“ bietet Telefoncoachingdienste für soziale Projekte an, die darauf abzielen, eine proaktive Gesellschaft voranzutreiben. Er riet den Studierenden: „Nutzt die Möglichkeit, eure Idee auf Herz und Nieren zu prüfen und findet heraus, was die Gesellschaft benötigt. Eure Ideen sind alle gut. Nun habt keine Angst eure Projekte sogar zu verbessern.“


Die Projekte nehmen Gestalt an

Nach diesen motivierenden Worten begleiteten interne und externe Diversitäts-Expertinnen und -Experten die 1.500 Neustudierenden in den Arbeitsgruppen. Hendrik Berberich, der für die Studierendeninitiative AISEC aktiv ist und als interner Coach fungierte, gab sich beeindruckt über das Gehörte und Gesehene: „Diese kreative Kapazität der Erstsemesterschaft ist begeisternd. Trotz der vielen Module geht der kreative Raum nicht verloren. Ich hoffe sehr, dass viele Ideen weitergeführt werden.“
Auch die externen Coaches waren voll des Lobes, einerseits über die Idee einer projektorientierten Startwoche, andererseits auch über die Initiative, welche die Studierenden an den Tag legen. „Ich finde es inspirierend und schön, dass hier eine Atmosphäre geschaffen wird, in der man sich engagiert und die nicht dogmatisch ist. Es sind viele tolle Projekte mit Potential entstanden“, sprach sich Ansgar Holtmann von Viva con Agua e.V. mit einem Lächeln aus. 

Mehr als nur einmal gingen Applaus und erstaunende Ausrufe durch den Hörsaal und die Vamos Kulturhalle, als die Studierenden in der abendlichen Schlussveranstaltung einander ihre Ideen vorstellten: Unter den Projekten waren interkulturelle Kochgruppe, Nachstellungen von Fluchterlebnissen und Diversitätsschulungen für Kleinkinder. Das Finale am Freitag darf mit Spannung erwartet werden.


Startwoche Tag 2: Dienstag, der 11. Oktober

Am zweiten Tag der Leuphana Orientation Week beschäftigten sich die Erstsemester mit den Herausforderungen und Chancen, vor welche Diversität die Gesellschaft stellt.

Nachdem die Studierenden am Montag in Vorlesungen viel wissenschaftlichen Inhalt aufnahmen, wurden sie nun in die Arbeitsgruppen entlassen und entwarfen am Dienstag eine „Social Challenge“, die ab sofort ihren Arbeitsschwerpunkt bilden wird. „Es gibt so viele Punkte, an denen man ansetzen könnte und es ist uns wirklich nicht leicht gefallen, uns für nur ein Problem zu entscheiden. Aber wir haben es geschafft eines zu finden, dass wir alle als wichtig ansehen“, sagt dazu die Erstsemesterin Lara.

Universität für Geflüchtete und Unterstützung für autistische Personen

In Vorträgen am Nachmittag gaben die beiden Gründer Markus Kreßler und Dirk Müller-Remus praktische Informationen an die Studierenden weiter, wie mit dem Thema „Diversity“ umgegangen werden kann. 
Kreßler, Mitbegründer der Kiron University, beschäftigte die Perspektivlosigkeit von Geflüchteten. Mit dem Projekt, eine Universität zu gründen, die Geflüchteten kostenfreie Weiterbildung und die Möglichkeit einen vergleichbaren, anerkannten Universitätsabschluss zu machen, bietet, nahm er eine wichtige Hürde der diversen Gesellschaft. Das Bildungsangebot der im März 2015 gegründeten Universität besteht aus Onlinekursen verschiedener Bildungseinrichtungen aus der ganzen Welt. Sie bietet ihren Studierenden in vier verschiedenen Fachrichtungen alle Möglichkeiten, die auch ein „richtiger“ Universitätscampus offerieren würde. Darüber hinaus gibt sie den Geflüchteten das Gefühl, kein Flüchtling mehr zu sein, sondern ein Student, die oder der sein Potenzial ausschöpfen kann. Mittlerweile studieren 1.500 Personen an der Kiron University und die Bewerbungszahlen sind konstant hoch. Die vielen Nachfragen der Leuphana Studierenden zeigten, dass Markus Kreßler ein Problem beschäftigt, das auch an der Lüneburger Universität auf großes Interesse stößt.

Anschließend stellte Dirk Müller-Remus einen anderen Ansatz zum Umgang mit Diversität vor. Als Vater eines Kindes mit Asperger-Syndrom frustrierte es ihn, wie schlecht die Arbeitsplatz-Chancen für autistische Personen sind. Fast alle Asperger-Autist_innen sind Spezialist_innen auf einem bestimmten Gebiet, weisen jedoch mangelnde Fähigkeiten im Bereich der sozialen Interaktion und Kommunikation auf. „Sie unterschätzen ihr eigenes Talent“, fasst Müller-Remus zusammen, obwohl es in verschiedenen Arbeitsbereichen gut genutzt werden könnte. Mit „auticon“ gründete er eine IT-Consulting-Firma, die autistische Personen in IT-Projekte vermittelt. Hierbei wird besonders auf die individuellen Stärken der Autist_innen geachtet. Auch im Arbeitsalltag steht hinter einer Angestellten ein ganzes Team, um zu gewährleisten, dass die Kommunikation zwischen den autistischen Angestellten und der Klientenfirma funktioniert. 

Die Studierenden waren von diesen Konzepten für ehemalige Hürden der Diversität sichtlich beeindruckt und konnten es kaum erwarten, wieder in die Teamarbeitsphase zu gehen. Am Nachmittag arbeiteten die Studierenden an möglichen Lösungsansätzen ihres ausgewählten Problems. Dabei nutzten sie die Methode des „Brainwriting“: eine spezielle Art des Ideenfindens durch spontane Eingebungen. Am Ende lagen bei den meisten Gruppen somit nicht nur eine, sondern mehrere potentielle Strategien auf dem Tisch. „Unser Mentor hat uns wirklich gut geholfen, die Lösung mit dem meisten Potential auszuwählen. Auch wenn es wirklich schade ist, dass man nicht alle tollen Ideen verfolgen kann“, fasst Jana das Tagesergebnis zusammen.

In der Abschlussveranstaltung wurden im Hörsaalplenum erste Pläne vorgestellt, die Vorfreude auf das große Finale am Freitag weckten. Darunter waren Projekte zur Zusammenführung von Rentnern und Migranten sowie zur Bildungsarbeit zu Diversität in Schulen.
 

Corny Littmann zu Diversität im Lebensalltag

Einen Höhepunkt des Tages bot abschließend Corny Littmann, der ehemalige Vereinspräsident des FC. St. Pauli und Besitzer der Schmidt-Theater am Spielbudenplatz in Hamburg. Er erzählte von Diversität in seinem Lebensalltag und verglich diese mit einer Reise. „Personen machen sich auf, um ihr Bewusstsein für Vielfalt zu schärfen, zu erleben, zu leben“, beginnt er und berichtet von seiner Ehe mit einem Tunesier und von der Nicht-Akzeptanz der Homosexualität in Tunesien. Er betonte, dass die freien Verhältnisse in Deutschland leider oft als Selbstverständlichkeit genommen und nicht geschätzt werden.
Littmann machte deutlich, dass Diversität viele verschiedene Zugänge hat und berichtete aus Bereichen seiner Arbeit, in denen er auf intensive Art damit konfrontiert wurde. Zum Beispiel, als vor 30 Jahren niemand daran glaubte, dass ein Homosexueller erfolgreich ein Theater gründen könnte. „Vielfalt leben und erleben heißt auch etwas zu tun, wovon man überzeugt ist, auch wenn andere vielleicht noch nicht davon überzeugt sind“, ermutigte er die Studierenden, ihre Ziele zu verfolgen. Durch seine gleichermaßen humorvolle wie eindringliche Art zu erzählen, hing der ganze Hörsaal an seinen Lippen. Als sich Littmann nach offenen Fragen der Zuhörer_innen erkundigte, schallte es lediglich „Weitererzählen!“ aus den Rängen.
Anhand eines Treffens mit einem Hospizbewohner, das ihn sehr unsicher machte, zeigte er, dass es meistens gar nicht die Probleme selbst unlösbar sind, sondern nur Angst diese so erscheinen lässt: „Viele Probleme, die wir sehen, sind für uns deshalb so schwierig, weil sie so angstbesetzt sind und weil wir etwas hinein projizieren, was gar nicht da ist.“ Bei ihm ist es auch die Angst vor diesem Treffen gewesen, die ihn unsicher machte. Am Ende jedoch nahm er aus dieser Begegnung so viel an Energie und Freude mit, dass deutlich wurde, dass Diversität auch Chancen bietet. 
Littmann schloss seinen Vortrag mit einem Appell an die Verantwortung, die jede und jeder trägt, die oder der eine diverse Gesellschaft fördern möchte. Er führte aus: „Diese Verantwortung hört nicht an der deutschen Grenze auf, sondern geht weit darüber hinaus.“


Startwoche Tag 1: Montag, der 10. Oktober

Nachdem die Leuphana Orientation Week bereits vergangenen Donnerstag durch die Begrüßung in St. Johannis sowie die LünExperience eingeleitet wurde, begann am Montag, den 10. Oktober, das offizielle Programm. Für die Erstsemesterstudierenden und ihre Tutorinnen und Tutoren fand der Tagesauftakt im Hörsaal sowie in der Vamos Kulturhalle mit der Begrüßung durch die beiden Juniorprofessoren Jantje Halberstadt und Matthias Pelster statt, welche die gesamte Woche über durch die Plenumsveranstaltungen führen werden.

"Start with a smile" - Interview mit Amin Aslan

Für einen sehr anschaulichen und persönlichen Einstieg in das Thema „Diversity“ sorgte das Interview von Christian Brei (Organisationskomitee der Orientation Week) und Bastian Hagmaier (Student der Umweltwissenschaften) mit Amin Aslan. Aslan floh vor zwei Jahren aus Afghanistan nach Deutschland. Sehr offen beantwortete er Fragen zu seinen Erlebnissen und berichtete von seinen persönlichen Erfahrungen rund um das Thema Herkunft, Integration und Diversität in Deutschland im Vergleich zu Afghanistan. Bereits während des Interviews wurde die Brisanz der Thematik deutlich und es kristallisierte sich die Kernfrage der Woche heraus: „Was ist genau macht den Unterschied zwischen unterschiedlichen Menschen aus?“
Am Ende des Interviews ermutigte Aslan die Studierenden zu Offenheit und Akzeptanz und wies sie darauf hin, dass manchmal bereits ein Lächeln Hürden überwinden kann: „You can start with a smile.“

Um das Thema „Diversity“ in den akademischen Universitätsalltag einzuordnen, folgten Kurzvorträge der Verantwortlichen der drei Perspektiven des Leuphana Semesters. So fragte zum Beispiel Prof. Matthias Barth vom Modul „Wissenschaft trägt Verantwortung“ nach der Rolle von Diversität im Bereich nachhaltiger Entwicklung. Die Entwicklung der globalen Gesellschaft und ihre Herausforderungen, die sie mit sich bringt, beeinflussen nach Barth jede und jeden. Genau deshalb ist es wichtig, die Vielfalt, die diese Veränderungen mit sich bringen, zu nutzen und offen für diese zu sein.

In der anschließenden Gruppenarbeitsphase widmeten sich die neuen Studierenden der Aufgabe, einander ihre eigenen Assoziationen von Diversität vorzustellen und zu kategorisieren.

 

Diversität aus verschiedenen Wissenschafts-Perspektiven

Beim Nachmittagsmodul definierten die vier Fakultäten der Leuphana (Nachhaltigkeit, Kultur, Bildung, Wirtschaft) den Begriff Diversität in ihrem fachspezifischen Verständnis und stellten aktuelle Forschungsansätze dazu vor.
So gab Dr. Steffi Hobuß von der Fakultät Kultur den Studierenden einen kurzen Einblick in das Thema „Diversität als Dekonstruktion“, demzufolge Diversität ein Ergebnis sozialer Konstruktion ist. Somit lässt sich Diversität auch immer dekonstruieren: Auf der Straße einer großen Stadt nimmt man verschiedene Ethnizitäten wahr. Ohne die vorherige Konstruktion dieser Ethnizitäten würden man jedoch einfach nur Menschen wahrnehmen – ohne Kategorisierung.

Prof. Dr. Christian Pfeifer von der Fakultät Wirtschaft thematisierte in seinem Vortrag die Frage nach den Unterschieden am Arbeitsmarkt für verschiedene Gruppen. Anhand des anschaulichen Beispiels von der Diskriminierung von Frauen, die ein Kopftuch tragen, wurde allen Studierenden abschließend noch einmal verdeutlicht, dass Diversität gleichermaßen positive wie auch herausfordernde Aspekte birgt.

Den ersten Tag schlossen zwei Podiumsdiskussionen ab. Im Hörsaal saßen auf dem Podium Steffi Hobuß aus dem Institut für Philosophie und Kunstwissenschaft, Professor Daniel Lang für transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung, Professor für Volkswirtschaftslehre Christian Pfeifer, die neu berufene Professorin für Sportwissenschaften Jessica Süßenbach aus der Fakultät Bildung und Dr.des. Katherine Braun aus dem Gleichstellungsbüro für das Netzwerk Geschlechter - und Diversitätsforschung. Sie diskutierten die Frage von Stereotypen und Quoten und das Beispiel der Firma Auticom aus unterschiedlichen Perspektiven. 
Länderspezifische Diskurse und Traditionen zum Thema Diversität, die Frage nach der Universität als Handlungsort sowie die Rolle von schulischer Bildung diskutierten zeitgleich im Vamos die Juniorprofessorin Sybille Münch vom Zentrum für Demokratieforschung als Vertretung des Netzwerks Geschlechter- und Diversitätsforschung, Prof. Dr. Ulf Wuggenig vom FB Kulturwissenschaften, Professorin Dr. Vicky Temperton aus den Nachhaltigkeitswissenschaften, Prof. Dr. Timo Ehmke für die Fakultät Bildung und Prof. Dr. Patrick Velte aus den Wirtschaftswissenschaften. Die Moderation übernahm Prof. Jantje Halberstadt.


Eröffnungstage: Donnerstag, der 6. Oktober und Freitag, der 7. Oktober

Die Leuphana Universität Lüneburg hat 1.500 neue Studierende feierlich in ihre akademische Gemeinschaft aufgenommen. Die feierliche Eröffnung der Startwoche am Donnerstag, den 6. Oktober, begann mit einer interreligiösen Andacht in der St. Johannis-Kirche, an der Vertreter von Islam, Judentum und Christentum teilnahmen. In der Opening Ceremony forderten Präsident Sascha Spoun, College-Leiter Prof. Dr. Achatz von Müller und Dr. Andreas Heincke, Gründer der Initiative "Dialog im Dunkeln", die Erstsemester zu einer engagierten und weltoffenen Haltung auf.

"Unified by the pursuit of truth"

Sascha Spoun, Präsident der Leuphana Universität Lüneburg, sprach die Herausforderungen überfachlicher Studienanteile an, die auch das Studienmodell der Leuphana auszeichnen: "You will learn that there are many different approaches in many different disciplines. But they are all unified by the pursuit of truth." Ähnlich sah es der Keynote-Speaker Andreas Heinecke. Für ihn ist das Studium "a journey with an open end." Er hofft, dass die Studierenden eine Zukunft mitgestalten, "where we all can be strangers and friends somewhere."

Rede des Präsidenten, Sascha Spoun


Die LünExperience und der Leuphana-Express

Nach der feierlichen Auftaktveranstaltung in der St. Johanniskirche stand der Donnerstag im Zeichen der "LünExperience". Jede und jeder der 1500 Erstsemesterstudierenden wurde bereits im Vorfeld einer Kleingruppe von etwa 15 Personen zugeordnet, die von jeweils einer Tutorin oder einem Tutor individuell angeleitet und betreut wird. Im Sinne des diesjährigen Startwochenthemas sind die Gruppen bewusst studiengangsübergreifend zusammengesetzt. Nach angeregten Vorstellungsrunden innerhalb der Gruppen startete jedes der 110 Teams ihre persönliche Entdeckungstour durch die Lüneburger Altstadt, die „LünExperience“. Dabei besuchten die Studierenden besondere Plätze der Stadt und ließen sich von Ortskundigen und freiwilligen Helfern Informationen über die Historie des Schauplatzes oder die Idee hinter der Einrichtung erzählen. Mit vertreten waren unter anderem die Ratsbücherei, die St. Johanniskirche, das Museum Lüneburgs sowie der FairTrade-Shop Contigo, das Glockenhaus und viele weitere. Zu jeder Station lösten die Teams kleine, kreative Aufgaben, um erste Gedanken zum Thema „Diversity“ zu entwickeln. 

Auf 10 Gruppen, die beim Losen Glück hatten, wartete nun noch ein ganz besonderer Höhepunkt. Es verkehrte der nostalgische Kurzzug „Leuphana-Express“, welcher im Rahmen eines Projektseminars zum Thema „Nachhaltige Verkehrsanbindung“ von Studierenden der Leuphana erarbeitet worden war und die ausgewählten Teams zum Campus brachte. Von den Erstsemesterstudierenden wurde diese Idee begeistert aufgenommen. „Der Leuphana-Express war ein richtiges Highlight“, schwärmten Marvin und Jule, deren Gruppen zu den glücklich Auserwählten zählten, „den sollte die Stadt wieder fest etablieren.“
Am Hauptcampus angelangt, erfolgte nun die Abschlussveranstaltung des ersten Tages. Hier fand die offizielle Begrüßung zum Leuphana College statt, das weitere Programm wurde vorgestellt und Neugier auf die nächste Woche geweckt. 

Am Freitag wurden die Ergebnisse des Vortrags präsentiert und die Studierenden lernten einige Einrichtungen der Universität kennen: Neben Einführungen in die Major-Programme und in myStudy stellten sich auch der AStA und das Gleichstellungsbüro vor.


Redaktion: Ann-Cathrin Frank, Morgaine Struve, Martin Gierczak, Universitätskommunikation. Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.