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"Seien Sie neugierig!" Die Graduiertenfeier der Leuphana

21.11.2016 Erst mit dem Schlussstein wird ein Bauwerk zum Haus: Am Samstag fand als Finale des Studiums die feierliche Verabschiedung der Absolventinnen und Absolventen der Leuphana statt. Gemeinsam für alle Schools begann die Graduiertenfeier mit der zentralen Feier in der St. Johannis-Kirche. Nachmittags fanden dezentral die Feiern der einzelnen Fakultäten statt, während abends beim Graduiertenball wieder alle Schools und Fakultäten zusammen feierten.

Zentrale Feier in St. Johannis

Die St. Johannis-Kirche war mit 1.300 Personen so gut besetzt wie noch nie zu einer Graduiertenfeier. Bevor alle in der erhaben geschmückten St. Johanniskirche Platz nehmen konnten, ging die Schlange am Einlass zeitweilig bis zum Sande hinaus.
In seiner Festrede appellierte Präsident Sascha Spoun, mit Bezug auf den österreichisch-britischen Philosophen Karl Popper, an die frisch Graduierten, nicht nach „radikal einfachen Lösungen für große gesellschaftliche Probleme“ zu suchen, etwa wie es in den jüngsten umstrittenen Wahlerfolgen in Großbritannien und den USA großen Teilen der Bevölkerung erfolgreich suggeriert wurde. Stattdessen empfahl er eine "intellektuelle Neugierde", vor allem auf das Wissen, das nicht an Fächergrenzen halt macht und sich durch alle Ausbildungsstufen der Leuphana zieht: „Seien Sie intellektuell neugierig auf alles, was Ihnen begegnet, im Beruf, im Privatleben oder auch im weiteren Studium. Hören Sie nicht auf, dazulernen zu wollen. Dann fördern Sie auch Ihre Vorstellungskraft und Sie erkennen immer wieder, dass das, was Ihnen als gewiss erschien, nur ein Vorurteil war.“ Der Präsident schloss seine Rede entsprechend mit einer Einladung, sich intellektuelle Neugierde als Lebenshaltung anzueignen.
Oliver Engelken, Vorsitzender des Alumni- und Fördervereins der Leuphana sowie AstA-Sprecherin Susanna Dedring griffen dies in ihren Reden auf und forderten die Absolventinnen und Absolventen dazu auf, den nächsten Schritt in ihrer Biografie zu gehen und für ihre Werte einzustehen. Susanna Dedring appellierte in diesem Sinne noch einmal daran, gemeinsam gegen Populismus und Fremdenfeindlichkeit zu wirken und sprach ihren expliziten Dank an alle aus, die sich im Verlauf ihres Studiums auf vielfältige Weise engagiert haben. "Vielen Dank, dass ihr in Lüneburg mitgewirkt habt", beendete sie ihre Grußworte. 

Festredner Professor Antonio Loprieno

Der Festredner Prof. Dr. Antonio Loprieno, Vorsitzender des österreichischen Wissenschaftsrates und ehemaliger Rektor der Universität Basel legte den Graduierten und ihren Familien anschließend dar, was den besonderen Charakter der Leuphana Universität in seinen Augen ausmacht und warum die Universität somit in der Lage ist, eine adäquate Bildungsphiloshophie für die großen gesellschaftlichen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts bereit zu stellen. Ausgehend von derzeit zwei konkurrierenden universitären Bildungsmodellen vor allem in den deutschsprachigen Ländern - namentlich die traditionelle Gelehrtenuniversität, oder "Universitatis" versus die "University of..." mit einem klaren fachlichen Ausbildungsziel - bescheinigt Loprieno der Leuphana ein "leuchtendes Beispiel für eine kluge Kombination beider Modelle" zu sein. Mit ihrer interdisziplinären und dabei forschungsbasierten Lehre reagiere die Leuphana gezielt auf gesellschaftliche Neuerungen und stehe in einem steten Dialog mit ihren Stakeholdern. Auch die School-Struktur bezeichnete Professor Loprieno als eine äußerst gelungene Organisationsstruktur, von der die Studierenden profitieren und die den "disziplinären Herzogtümern" der klassischen Universitäten viel Positives entgegen zu setzen hätten. Alles in allem zeigte sich der angesehene Wissenschaftshistoriker, Ägyptologe und Seminatiker überzeugt davon, dass sich die Leuphana-Absolventinnen und -Absolventen in ihrem zukünftigen beruflichen oder akademischen Umfeld ebenso dynamisch zeigen werden, wie es ihre Alma Mater tut und während ihres Studiums getan hat.

In den folgenden Reden wurde aus der Perspektive der jeweiligen School heraus vielfach der rote Faden der produktiven Unsicherheit und Neugierde wieder aufgegriffen. "Je mehr wir wissen, desto mehr wird uns das Unwissen bewusst", führte Frau Prof. Dr. Carola Schormann, Vizepräsidentin für das College, in ihre Rede ein. Prof. Dr. Markus Reihlen, Vizepräsident der Graduate School, knüpfte daran an und stellte die "Kreativität im Umgang mit Unsicherheit" als eines der originären Bildungsziele der Graduate School heraus, welches, neben der Vermittlung von Fachwissen, alle Masterstudiengänge der Leuphana durchzieht. "Sie sind jetzt Bildungsetablierte", wandte er sich an die Graduierten von College, Graduate School und Professional School und stellte heraus, dass dieser Statuserwerb neben neuen Freiheiten auch Verantwortung im Umgang mit Anderen und speziell mit Außenseiter_innen der Gesellschaft mit sich bringt. Für die Professional School sprach Prof. Dr. Jörg Philipp Terhechte.

"Irgendwie dachte ich, ich wäre weiser", führte die College-Absolventin Sarah Heuberger in ihrer bunten und eindrucksvollen Abschlussrede aus und bezog sich damit auf ihre eigene Erwartungshaltung vor drei Jahren in Bezug auf das, was sie als Bachelor-Absolventin ausmachen würde. Florian Bontrup, Absolvent der Graduate School und deren diesjähriger Abschlussredner, griff dieses direkt auf, indem er über seine eigene Geisteshaltung zu Beginn des Masterstudiums sagte: "Wir dachten, wir wüssten fast alles." In einer ebenfalls mitreißenden Rede stellte er noch einmal die Attraktivität eines Studienerlebnisses an der Leuphana in den Mittelpunkt. Ein besonderes Lob sprach er dem Komplementärstudium aus, dessen Fokus auf unterschiedliche Methoden und Denkansätze, seiner Meinung nach, Phänomene wie "Donald Trump" zu verhindern in der Lage sei. "Ich habe im Komplementärstudium am meisten gelernt", führte Herr Bontrup aus und bestätigte damit den eingangs von Präsident Spoun in den Raum gestellten Zusammenhang zwischen interdisziplinärer Bildung und einer offenen und reflektierten Geisteshaltung. Florian Bontrup schloss seine Rede mit zwei expliziten Danksagungen: Zum einen dankte er allen Lehrkräften an der Leuphana für die engagierte Arbeit sowie den Eltern für die fortwährende Unterstützung während des Studiums.

Aus einem anderen familiären Blickwinkel sprach in der letzten Absolventenrede Stefan Cornelius einen Dank an die Partner_innen und vielfach Kinder aus, die während des berufsbegleitenden Studiums an der Professional School über längere Zeit viel Verständnis aufbringen mussten. Entwicklung finde laut Herrn Cornelius an Grenzen statt - das Studium an der Professional School habe ihn gelehrt "zu zweifeln", weshalb er allen Graduierten den Mut wünscht, weiterhin Fragen zu stellen. Damit griff er den Schwerpunkt der vorangegangenen Rede des Vizepräsidenten für die Professional School, Professor Terhechte auf, der unter Rückgriff auf eine Novelle von Ernest Hemingway daran apellierte, auf seine "Löwenkräfte" zu vertrauen und auch nach möglichen Rückschlägen immer wieder aufzustehen.

Für Musikalische Untermalung sorgte in der Kirche der Organist Kai Schöneweiß und die Band SaxKonträr. Nach dem Festakt in der Kirche strömten die 1.300 Gäste dann in das etwas kalte, windige, aber zumindest trockene Lüneburg, wo sie auf dem Kirchenvorplatz Glühwein erwartete und sie die Möglichkeit hatten, Fotos zu machen: Mit ihren Familien, Freundinnen, Freunden und – vor allem – mit dem Absolventenhut.


Dezentrale Feiern von Fakultäten und Professional School

Am Nachmittag fanden die dezentralen Veranstaltungen in den Hörsälen statt. Diese wurden für das College und die Graduate School federführend von den Fakultäten durchgeführt. Neben der großen Feier in der Kirche boten sie den Absolventinnen und Absolventen eine persönliche Ehrung im Kreise ihres Faches. 

Graduierte der Fakultät Wirtschaftswissenschaften

Eröffnet wurde die Graduiertenfeier der Fakultät Wirtschaftswissenschaften im gut gefüllten und größten Hörsaal der Universität von Timo Nannemann, Vorstandsmitglied der Fachschaft Business, Economics & Management. Das Gedicht „Der Schmetterling“ von Heinz Erhardt bildete den Auftakt der zahlreichen Anekdoten und guten Wünsche dieses Abends. Als sorgloser Schmetterling haben die Studentinnen und Studenten „gelebt, gelernt, gelitten und gefeiert“. Nun sei es an der Zeit, die „ersten eigenen Flugversuche“ zu unternehmen. Dass dabei auch gerne einmal der ein oder andere Umweg oder Sturzflug eingeschlagen werden darf, betonte der Dekan der Fakultät, Prof. Dr. Peter Niemeyer, in seiner anschließenden Festrede. Er wünschte den Absolventinnen und Absolventen für die Zukunft vor allem „Neugierde und Selbstvertrauen im Umgang mit Wissenslücken“ und den Mut zu einer „gebrochenen Biographie“. Anstatt zu zweifeln lohne es sich, zu fragen „Was muss ich tun, um das zu verstehen?“ und immer einen persönlichen Sinn in dem zu sehen, was man tut. „Was immer Sie tun, richtig gut kann es nur werden, wenn Sie einen persönlichen Sinn darin sehen.“
So sei es der Perspektivenwechsel und der Mut, Umwege auch einmal positiv zu sehen, die dem Leben „magische Momente“ bescheren können. Prof. Niemeyer bedankte sich bei den Absolventinnen und Absolventen sowie ihren Angehörigen für das Vertrauen, welches sie der Leuphana Universität Lüneburg entgegengebracht haben. Vertrauen in die Leuphana besitzt auch Lea Herwig, Sprecherin der diesjährigen Absolventinnen und Absolventen. Sie nahm das Publikum mit auf eine Zeitreise durch das Bachelorstudium von der Bewerbungsphase bis zum Abschlussball und schmückte ihre Rede mit zahlreichen Anekdoten aus dem wirklichen Studentenleben. Gemäß Herwigs Lieblingssatz aus dem Studium – „Herzlichen Glückwunsch, Sie haben bestanden“ – moderierte der Vorsitzende des Alumni- und Fördervereins, Oliver Engelken, im Anschluss die Zeugnisübergabe und betonte dabei die Vielfalt und Diversität der Abschlussarbeiten. Musikalisch begleitet wurde der Abend von der A-capella-Band „A Cademix“.

Graduierte der Fakultät Bildung

Prof. Dr. Stephan Schiemann wünschte den Absolventinnen und Absolventen der Fakultät Bildung in seinem Grußwort, dass sie mit dem Abschluss des Studiums ihren Prozess der Bildung noch nicht abschließen – sondern in Hinblick auf das lebenslange Lernen weitere Lernprozesse positiv gestalten. Prof. Dr. Maria-Eleonora Karsten setzte in ihrer Rede das Rosa Luxemburg-Zitat „Die Freiheit zu denken, ist immer die Freiheit der Andersdenkenden“ in Zusammenhang mit aktuellen politischen Entwicklungen in Deutschland wie auch auf der Welt und betonte die vermittelnde Aufgabe von Pädagog_innen darin. Die musikalische Begleitung übernahm Sophie Dierking auf Ukulele und Keyboard.

Graduierte der Fakultät Nachhaltigkeit

Dekan Prof. Dr. Henrik von Wehrden führte durch das Programm der Fakultät Nachhaltigkeit. Prof. Dr. Jörn Fischer hielt die Festrede. AbsolventInnen der Bachelorstudiengänge Major Umweltwissenschaften, Environmental and Sustainability Studies und Studium Individuale sowie des Masterstudiengangs Nachhaltigkeitswissenschaft/Sust. Science erhielten durch den Studiendekan, Herrn Prof. Dr. Matthias Barth, ihre Zeugnisse überreicht. Für die musikalische Begleitung sorgte die Band „Brass Riot“.

Graduierte der Fakultät Kulturwissenschaften

In seiner Rede an die Absolvent_innen der Fakultät Kulturwissenschaften sagte der Studiendekan Prof. Dr. Martin Pries den Kulturwissenschaftler_innen gute Beschäftigungsmöglichkeiten voraus und berief sich dabei auf den Kreativbericht der Bundesregierung. Die Zeugnisse überreichte Prodekanin Dr. Steffi Hobuß. Das Cover-Duo "Sparkling Fire" sorgte für eine ausgelassene Stimmung und konnte das Publikum beim Song „Twist and Shout“ sogar zum Mitklatschen bewegen. 

Graduierte der Professional School

Die dezentrale Feier der Professional School fand wie im vergangenen Jahr in der konzentrierten Atmosphäre des Bibliotheksfoyers statt. Rund 50 Absolventinnen und Absolventen haben zusammen mit ihren Angehörigen und den Kolleginnen und Kollegen der Professional School und aus den Studiengängen den erfolgreichen Abschluss ihres Studiums an der Leuphana gefeiert.
Besonders schön fand Claudia Hoeft, Absolventin aus dem Studiengang B.A. Musik in der Kindheit, „die Benennung der Besten und die gute Stimmung unter den Absolventen, die bei der Ehrung von ihren Angehörigen bejubelt wurden.“ Sonja Ahrens und Stefan Cornelius, die gemeinsam die diesjährige Absolventenrede gehalten haben, haben mit einigen Anekdoten aus ihrer Studienzeit im Bachelor Soziale Arbeit für Erzieherinnen und Erzieher aufgewartet. Im Anschluss an die Absolventenrede wurden feierlich die Urkunden ausgegeben. Danach hatten die Absolventinnen und Absolventen der Professional School noch Gelegenheit, die Veranstaltung mit Sekt und Häppchen ausklingen zu lassen. Einige sind später noch zum Graduiertenball weitergezogen, um ihren Abschluss gebührend zu feiern.


Der Graduiertenball

Die Karten für den Graduiertenball waren indes schon im Vorhinein fast gänzlich ausverkauft. In der für Bälle typischen Mischung aus Gehobenheit und Fröhlichkeit waren die vielen Absolvent_innen und ihre Familie ausgesprochen glücklich. Es wurde viel getanzt, erst zur Musik der Band „Nightclub“, dann zum DJ aus dem Moondoo-Club in Hamburg.

Allen Veranstaltungen des Tages war die gleiche Stimmung zu eigen: Eine Mischung aus zufriedenem Rückblick und gespanntem Aufbruch, aus universitärer Bildung und Vorfreude auf die Praxis. Die Studierenden sind mit einer gemeinsamen Veranstaltung in das Studium gestartet, Startwoche, KickOff oder Auftakt, und haben sie mit einer gemeinsamen Veranstaltung abgeschlossen: Allen Absolventinnen und Absolventen - alles Gute. 


 

 

Redaktion: Martin Gierczak, Universitätskommunikation. Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.