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Gründen in Zeiten des Wandels: Ergebnisse der Leuphana Conference on Entrepreneurship 2017

24.01.2017 Vom 19. bis 21. Januar 2017 fand die siebte Leuphana Conference on Entrepreneurship (LCE) statt. Die Konferenz brachte 300 internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Studierende in der Universität zusammen, um das Thema Entrepreneurship aus wissenschaftlicher und praktischer Perspektive zu diskutieren. Das diesjährige Thema „Entrepreneurship and Global Challenges“ gab den Anstoß zu Vorträgen und Diskussionen über Entrepreneurship als Möglichkeit, den globalen Herausforderungen einer flexiblen und sich wandelnden Welt und Gesellschaft zu begegnen. Die Konferenz wurde durch das Research Center for Entrepreneurship (RCE) organisiert.

Die Gruppe "Pappklapp" präsentiert beim Gründungswettbewerb ihre Gründungsidee.

Eröffnet wurde die Veranstaltung durch Prof. Dr. Silke Tegtmeier sowie Prof. Dr. Markus Reihlen, die betonten, dass zur Bewältigung von „wicked challenges“, aktuell verzwickten globalen Herausforderungen, ein interdisziplinärer Lösungsansatz wichtig sei. Dabei müssten Akteure unterschiedlicher Disziplinen zusammenarbeiten, um mit Hilfe verschiedener Perspektiven die bestmöglichsten Strategien entwickeln zu können. Wie beeinflussen gesellschaftliche Rahmenbedingungen Unternehmerinnen und Unternehmer? Und wie kann Unternehmertum gesellschaftliche Probleme erkennen und lösen?

Höhepunkte der Konferenz waren ein Gründungswettbewerb und die Vorträge von internationalen und renommierten Key Note Speakers, die ihre Erfahrungen und Forschungsergebnisse zum übergreifenden Thema vorstellten.

Gründungsplanung und Entwicklung im Kontext globaler Veränderungen

Prof. h.c. Dr. Per Davidsson

Prof. Dr. Jay Mitra (Essex Business School, U.K.) sprach in seinem Vortrag über das Thema Diversity und unternehmerisches Humankapital und die Rolle von Migration im Entrepreneurship. Migrantinnen und Migranten würden überdurchschnittlich häufig in den Ländern, in die sie auswandern, gründen. Dabei sind sie in einem breiten Spektrum von Sektoren aktiv. Er hob die Wichtigkeit von Migration für innovatives Denken hervor, da internationale Einflüsse neue Perspektiven ermöglichten. 

Prof. Dr. Marco van Gelderen

Florian Hoffmann (The DO School) gab Ratschläge für eine erfolgreiche Umsetzung einer Gründungsidee in die Praxis. Die Ideen selbst seien nicht mehr der kritische Punkt beim Entrepreneurship, sondern die Umsetzung in ein handfestes Unternehmen. Dabei hob er die Wichtigkeit von Leidenschaft hervor, die Produktkopien meist fehle. Man solle seine Idee auch niemals verstecken, sondern von Anfang an nach außen tragen, um sich in der Realität der Kritik der Mitmenschen stellen zu können. Ein Produkt sei niemals „fertig“, die schnell wandelnde Gesellschaft erfordere ein flexibles Weiterentwickeln und Anpassen.

Prof. h.c. Dr. Per Davidsson (Queensland University of Technology, Australia und Ehrendoktor der Fakultät Wirtschaftswissenschaften, Leuphana) beleuchtete in seinem Vortrag die Frage, wie Unternehmensideen entstehen. Dabei seien bestimmte externe Faktoren, sogenannte „external enablers“ von besonderer Bedeutung. Diese seien gekennzeichnet durch äußere Umstände, die das Potenzial haben, eine Vielzahl von Unternehmensideen zu befördern. Durch dieses innovative Framework können unternehmerische Gelegenheiten („entrepreneurial opportunities“) besser untersucht werden. Die Einbeziehung von externen Faktoren in diesem Framework bietet dabei die Möglichkeit, neue Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie Unternehmensideen entstehen. Die Forschung von Per Davidsson leistet dazu einen entscheidenden Beitrag. Im Vorjahr verlieh die Leuphana Davidsson die Ehrendoktorwürde. 

Prof. Dr. Jay Mitra

Prof. Dr. Marco van Gelderen (VU University Amsterdam) stellte in seinem Vortrag Forschungsergebnisse zu Einflussfaktoren von unternehmerischen Handeln vor. Eine große Rolle spiele dabei eine ausgeglichene „mindfulness“ (Achtsamkeit), der Balance eines konzentrierten Fokus auf sein Projekt, gleichzeitig einer professionellen Distanz, die Außenkritik zulasse und beim Scheitern des Projektes die emotionale Stabilität nicht beeinträchtige. Die wertvolle Qualität der Selbst-Regulation sei unabdingbar im Entrepreneurship, dabei jedoch gut trainierbar.

Florian Hoffmann

Jungheinrich AG als Beispiel für innovative Lösungen

Den Übergang von der Forschung zur Praxis des Gründungswettbewerbes bildete eine von Sebastian Conrad moderierte Diskussion. André Friedrich von der Jungheinrich AG (Head of Digital Solutions) stellte sich dabei den Fragen des Publikums und erläuterte, vor welchen Herausforderungen Jungheinrich steht und welche Rolle unternehmerische Ansätze für sie spielen. Als Teil eines globalen Dienstleisters, bei dem innovative digitale Lösungen von zentraler Rolle sind, zeigte André Friedrich, wie Unternehmen Herausforderungen begegnen können – und wie unternehmerisches Denken und Handeln dabei nützen kann.

Sebastian Conrad und André Friedrich
Die Jury: Andrea Japsen, Dr. Tobias Priesing, André Friedrich, Stephen Struwe-Ramoth

Gründungswettbewerb und Workshops mit Studierenden: Was macht eine Idee einzigartig und zukunftsfähig?

In einem Gründungswettbewerb wurde das Thema Entrepreneurship praktisch umgesetzt. Zehn Teams aus Studierenden des Masterprogramms „Management und Entrepreneurship“ der Leuphana konnten ihre Gründungsideen im Format von „Elevator Pitches“ vorstellen. Die Gruppen hatten jeweils zwei Minuten Zeit, die Jury von sich zu überzeugen. Die Gründungsideen reichten von dem auseinanderklappbaren Hocker „Pappklapp“ über den selbst zusammenstellbaren Adventskalender „Calendeau“ bis hin zur technischen Optimierung der Müllabfuhr durch die Messung von Füllmengen in Mülleimern durch „Trashover“. Die Teams integrierten ihre Produkte in kurze Sketche und Diskussionen und mussten ihre Idee anschließend in einer kurzen Fragerunde vor der Jury bezüglich Alleinstellungsmerkmal, Wettbewerbsfähigkeit, Logistik und Finanzierung verteidigen. Wenn Mitgliedern der Jury ähnliche Produkte bereits bekannt waren, wurde diskutiert, inwiefern sich die Produktideen der Studierenden von bereits vorhandenen Produkten abgrenzen konnten. Die Jury setzte sich zusammen aus Andrea Japsen von der Leuphana, Dr. Tobias Priesing von der Sparkasse Hannover, André Friedrich von der Jungheinrich AG sowie Stephen Struwe-Ramoth von der NBank. Zwei Teams konnten besonders überzeugen. „We Gamble“ gewann den Publikumspreis für die Idee einer Online-Plattform auf welcher private Wetten und Tipprunden organisiert werden können. Das Team „Shinprotex“ gewann den Jurypreis. Sie konnten durch das Konzept individuell angepasster, aber für Amateurfußballspielende bezahlbare, Schienbeinschoner punkten. Beide Teams konnten sich über je 500 Euro Preisgeld, gestiftet von der NBank, freuen.

"Pappklapp"
"Shinprotex"
"Calendeau"
"We Gamble"

Am letzten Tag der Konferenz wurde praxisnah weitergearbeitet. Die Studierenden hatten die Möglichkeit, einen von zehn Workshops zum Thema Entrepreneurship zu besuchen. Dabei wurden vielfältige Themen, von Gamification, über Social Media Strategien bis zu unternehmerischen Persönlichkeiten, behandelt. Die Workshops wurden mit starken Praxispartnern gestaltet. So wurden mit Hilfe der Methode „Design Thinking“ in Kooperation mit der MLP AG innovative Produkte und Dienstleistungen entwickelt, die den veränderten Kundenbedürfnissen in der Digitalisierung gerecht werden. Auch Prozubi, eine Ausgründung aus dem Leuphana Entrepreneurship Hub, war mit einem Workshop auf der Konferenz vertreten. Im Rahmen eines „Business Model Slams“, vermittelten die Gründer von Prozubi, Clemens Schröder und Arno Baltruschat, den Studierenden, wie Gründungsideen nachhaltig überzeugen können.


Weitere Informationen

Autorinnen: Julia Grasshoff (Universitätskommunikation), Verena Meyer (RCE). Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.