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Management & Finance and Accounting (M.Sc.): Neuer Studiengang an der Leuphana Graduate School

30.01.2017 Seit Oktober 2016 bietet die Leuphana Graduate School einen neuen Studiengang an. Im Master Management & Finance & Accounting erlernen Studierende ein vielseitiges Feld von betriebswirtschaftlichen Handlungskompetenzen, um Führungsaufgaben wahrnehmen zu können. Dabei erwerben sie sowohl für den Bereich Finanz- und Rechnungswesen als auch für Tätigkeiten in Beratungs- und Prüfungsunternehmen das nötige Fachwissen. Major-Verantwortlicher Prof. Dr. Patrick Velte und Florian Halimi, Student des Masterstudiengangs, berichten von ihren bisherigen Erfahrungen und was den Studiengang von anderen abhebt.

Prof. Dr. Velte (links) und Florian Halimi im Interview

Prof. Dr. Velte, der Studiengang ist im Oktober 2016 neu an der Leuphana gestartet. Warum sollten Interessierte den Studiengang gerade an der Leuphana studieren, was macht das Studium hier besonders?

Patrick Velte: Meine Kollegin Andrea Schertler und ich haben den Studiengang im letzten Jahr stark verändert. Wir haben uns gefragt, was Studierende, die aus einem analytischen Management-Master kommen, für fachliche und überfachliche Kompetenzen benötigen, um sich dem Arbeitsmarkt oder der Forschung zu stellen. Neben der Stärkung der Accounting-Disziplin war uns schnell klar, dass die Corporate Finance, also die Unternehmensfinanzierung, nicht nur auf bestimmte Branchen (z.B. Banken und Versicherungen) im Master bezogen werden darf, sondern sämtliche Industrien erfassen muss. Studierende sollten sich außerdem nach den Neigungen ausdifferenzieren und die Möglichkeit haben, ihr Profil breit aufzustellen. Neben eindeutigen Pflichtmodulen in den Bereichen Finance & Accounting wollen wir möglichst viele Wege in die Praxis ermöglichen (z.B. Tax, Audit, Banking) und außerdem die Methodenkompetenz verstärken. Andererseits wollten wir aber auch den Major aktiv mit dem Komplementärstudium verlinken. Daher wurden  die neuesten Forschungsergebnisse aus der Nachhaltigkeit in den Major aufgenommen. Zudem arbeiten wir gerade daran, das Gender Diversity Zertfikat auf die Masterebene zu übertragen, damit die Studierenden dieses Zusatzzertifikat erwerben können. Auch die verhaltenswissenschaftliche Disziplin (Behavioral Finance und Behavioral Accounting) haben wir in dieses Studienprogramm aufgenommen. Das ist ein wichtiger Fortschritt: Wer im Finance arbeiten will, braucht Accounting und umgekehrt. Und durch diese Verknüpfung unter Einbeziehung von CSR und Behavior, haben wir die Studenten fitter gemacht für Forschung und Praxis. 

Herr Halimi, was gefällt Ihnen besonders an der Leuphana, warum haben Sie sich entschieden, hier zu studieren?

Florian Halimi: Vor Beginn des Studiums habe ich mich informiert und finde, dass an der Leuphana in diesem Major eine gute Mischung aus praxisnahen Inhalten und Wissenschaft geboten wird. Ich glaube, dass der Masterstudiengang einen guten Spagat zwischen den Inhalten macht. Besonders gefallen mir die kleinen Kurse. Es sind immer auch Fragen erwünscht, sodass dann eine wirkliche Interaktion stattfindet. Insgesamt sind das sehr gute Studienbedingungen. 

Im Wintersemester 2016/17 wurde für die Studierenden des dritten Mastersemesters das Modul „Unternehmensbewertung“ angeboten. Fünf Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaften haben Vorträge zum Thema Unternehmensbewertung gehalten. Welche Gesellschaften waren da und worüber haben sie gesprochen?

Florian Halimi: Es gab unter anderem Vorträge von PwC, EY und Deloitte, die zu den Big Four gehören, aber auch von mittelständischen Unternehmen. Die haben über ausgewählte Aspekte der Unternehmensbewertung gesprochen (z.B. Bewertung von Familienunternehmen, Start-up Valuation, F&E im Rahmen von Transaktionen). Am Anfang kann man sich gar nicht vorstellen, wie divers und komplex Unternehmensberatung sein kann. Man hat uns Case Studies zur Verfügung gestellt, die wir in Gruppen bearbeitet haben. Ich fand das Modul wirklich hilfreich, zumal ich in dem Bereich auch ein Praktikum machen werde. Die Vorträge haben auch fürs Networking geholfen: die meisten Unternehmen haben explizit gesagt, dass sie auch Praktika anbieten und man sich gerne bewerben kann.

Patrick Velte: Unternehmensberatung ist deswegen anspruchsvoll, weil es eine große Verhandlungsmasse gibt: Käufer und Verkäufer treffen sich in einem bestimmten Bereich, wenn es um eine Unternehmenstransaktion geht. Da gibt es kein falsch oder richtig, das ist eine Grauzone, wo man sich näherkommt, wo man verhandelt, und daher Managementfähigkeiten gefordert sind. Und dahingehend ist auch diese Offenheit wichtig für die Studenten, zu wissen, wie man sich einem Transaktionsprozess nähert. Um diese Fähigkeiten zu erlernen, haben meine Kollegin Andrea Schertler und ich uns bewusst dazu entschieden, nicht nur die Big Four in das Modul einzuladen, sondern auch mit den Mittelständlern zusammenzuarbeiten, weil das ja unterschiedliche Geschäftsmodelle sind. Einen riesigen DAX-Konzern zu begleiten ist etwas anderes als ein mittelständisches Unternehmen zu beraten. Insgesamt hatten wir dadurch ein sehr vielfältiges Angebot für unsere Studierenden, und ich glaube, dass da thematisch für jeden etwas dabei war. Die Prüfungsverantwortung verbleibt jedoch bei uns, da wir nach den Vorträgen nochmal die theoretischen Grundlagen durchgehen und eine Abschlusspräsentation zu allen Themen halten.

Prof. Dr. Velte, Sie haben sich dahingehend geäußert, dass es zu wenig wissenschaftlichen Nachwuchs in den Bereichen Finance & Accounting gäbe. Wie kann dem entgegengewirkt werden und warum ist wissenschaftlicher Nachwuchs so wichtig? 

Patrick Velte: Wir haben natürlich in vielen Disziplinen die Schwierigkeit, akademischen Nachwuchs zu generieren für eine Promotion. Das liegt daran, dass das Studienmodell sich geändert hat. Im Diplomstudium hatte man tendenziell weniger Berührungspunkte mit der Praxis während des Studiums. Aber durch das Bachelor-/Mastersystem und der Möglichkeit berufsbegleitender Studiengänge und der Werkstudententätigkeit sind die meisten Studierenden während ihres Studium kontinuierlich mit der Praxis verlinkt. Daher ist für viele der Weg nicht vorgezeichnet, danach nochmal für vier oder fünf Jahre in der Universität zu arbeiten, also komplett aus der Praxis raus zu gehen. Wir müssen also über neue Wege der Promotion nachdenken. Gerade hier in Lüneburg finde ich das wunderbar, dass wir das Doctoral Track Programm haben. Ich glaube, das ist auch für Arbeitgeber höchst attraktiv, möglichst frühzeitig motivierte Masterstudierende mit Forschungsneigung kennenzulernen, sodass berufsbegleitende Promotionsprojekte attraktiver werden.

Herr Halimi, können Sie sich eine wissenschaftliche Karriere vorstellen?

Florian Halimi: Ja, die Möglichkeit ist in der näheren Auswahl, auch wenn ich mich nicht darauf festlegen will. Ich finde das Konzept der Kombination aus Praxis und Promotion sehr interessant und spiele auch mit dem Gedanken, aber es muss am Ende passen. Das Ganze ist natürlich mit viel Arbeit verbunden. Ich möchte auch in der Praxis Erfahrungen sammeln – vielleicht auch direkt nach dem Master, dann könnte ich das erworbene Praxiswissen in die Promotion einfließen lassen. 

Studiengangsleiter Prof. Dr. Velte und zwei Studierende erklären im Video, was den Studiengang besonders macht. 

Prof. Dr. Velte, Großbritannien will aus der EU austreten. Welche Auswirkungen wird das auf den europäischen und damit auch deutschen Finanzmarkt haben und wie werden die Inhalte und Folgen solcher aktuellen Entwicklungen im Studium behandelt?

Patrick Velte: Ich bedaure sehr, dass wir Großbritannien verlieren werden, auch aus Sicht der Lehre und Forschung. Man muss wissen, dass Großbritannien immer eine wichtige Scharnierfunktion besessen hat zwischen dem US-amerikanischen Kapitalmarkt und dem kontinentaleuropäischen System. Das sind zwei verschiedene Paar Schuhe: der US-amerikanische Kapitalmarkt ist historisch gesehen immer schon sehr aktiv gewesen, es gab eine große Aktivität der Aktionäre. In Kontinentaleuropa, besonders in Deutschland, ist es genau umgekehrt: das ist ein Insidersystem, also es wird sehr viel Wert auf den Aufsichtsrat und die betriebliche Mitbestimmung gelegt. Jetzt haben wir in den letzten Jahren einen starken Annäherungsprozess dieser beiden Systeme festgestellt. Treibende Kraft war immer Großbritannien, das Land hat eine große Rolle gespielt bei der Harmonisierung der Corporate Governance. Ich bin ganz fest überzeugt, dass diese wichtigen Meilensteine auch in der Zukunft für die europäische Entwicklung in Finance & Acccounting Bestand haben werden.

Prof. Dr. Velte, vor wenigen Tagen wurde Donald Trump als Präsident der USA vereidigt. Welche Auswirkungen könnte seine Politik auf die globalen Finanzmärkte und Handelsbeziehungen haben?

Patrick Velte: Trump steht für eine Renaissance des Nationalismus. Globalisierung wieder rückgängig zu machen oder in Frage zu stellen ist aus meiner Sicht ein Irrweg, und auch ein populistisch angehauchter Weg. Ich habe die Befürchtung, dass solche Formen des Populismus auch in Europa auf fruchtbaren Boden stoßen könnten. Die wirtschaftliche Abschottungspolitik Trumps könnte auch in der EU zu negativen Auswirkungen führen. Ein Stück weit stellt sich die USA allerdings selber aufs Abstellgleis. Auf EU-Ebene wird ja seit der Finanzkrise 2008/2009 mehr auf Nachhaltigkeit und auf langfristige Unternehmenssteuerung gesetzt unter Berücksichtigung der internationalen Spielregeln der Weltwirtschaft. Und diese bedeutsamen Errungenschaften werden zumindest in der EU nicht durch die USA infrage zu stellen sein. 

Herr Halimi, hilft Ihnen Ihr Studium dabei, Folgen von solchen Ereignissen zu verstehen?

Florian Halimi: Man entwickelt eine Sichtweise im Verlauf der Zeit, dass man solche Themen aus verschiedenen Perspektiven sieht. Und an der Leuphana, ich glaube, das ist auch relativ einzigartig, gibt es ja die Komplementärseminare. Und ich hatte im ersten Semester ein Seminar zum Thema „Kulturelle Differenzen“, da ging es auch um den Vergleich zwischen Deutschland und den USA. Ich glaube, dass das Komplementärstudium es uns auf jeden Fall ermöglicht, solche Entwicklungen besser zu verstehen und zu analysieren.

Im Wintersemester 2017/18 werden neue Studierende den Master Management & Finance & Accounting an der Leuphana beginnen. Was genau erwartet die Studierenden? 

Patrick Velte: Ich denke, man muss den jungen Menschen, die in der Abschlussphase des Bachelors sind und überlegen, ein Masterstudium aufzunehmen, auf den Weg geben, dass der Sprung vom Bachelor zum Master ein großer Schritt ist. Gerade hier an der Leuphana in unserem Major Management & Finance & Accounting. Man kommt sofort in die Forschungsmethoden rein, man wird sofort mit internationaler Forschungsliteratur konfrontiert, man muss englische Hausarbeiten schreiben und Vorträge halten. Bachelorprogramme an anderen Universitäten sind zum Teil noch sehr klassisch in der BWL aufgestellt. Wir fordern, aber wir fördern auch viel. Die Kurse hier sind klein und das Studium methodenorientiert, was die Studierenden auch später brauchen für die Forschung und Praxis. Gleiches gilt für Kreativität, da wir doch sehr stark in der Managementdisziplin unterwegs sind. Gerade vor dem Hintergrund der neuen Herausforderungen, die in der BWL für große Veränderungen sorgen werden: Industrie 4.0, Digitalisierung – die Geschäftsmodelle ändern sich wahnsinnig schnell und damit werden die Studierenden in ihrem Berufsleben umgehen müssen. Je kreativer man ist und je innovativer man denken kann und strategisch gute Ideen mitbringt, desto leichter kann man auf die großen Herausforderungen im Management reagieren. Ich glaube, dass man mit diesem Masterstudiengang ein breites Feld an Kompetenzen erwirkt und viele Karrierechancen hat, sowohl in großen Konzernen als auch in mittelständischen Unternehmen.

Florian Halimi: Dem kann ich nur zustimmen. Ich habe meinen Bachelor an einer anderen Universität gemacht und als ich an die Leuphana kam, war das Englisch nicht das Problem, aber das empirische Arbeiten. Hier wird man mit Daten konfrontiert, die man auswerten soll und das kann schon eine ganz schöne Hürde sein. Aber ich bereue das kein bisschen, denn das Studium macht Spaß, besonders, wenn man erkennt, dass man die Modelle dann auch anwenden kann. 



Das Interview führte Julia Graßhoff, Redaktion: Morgaine Struve, Universitätskommunikation. Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.