Meldungen zum Studium

Seminarerfolg: Das Exp(ear)ience-Festival bringt Kunst und Vielfalt auf den Campus

16.02.2017 Auf dem Exp(ear)ience Festival der Leuphana treten jedes Jahr lokale Künstlerinnen und Künstler aus den Bereichen Musik, Kunst und Tanz in den Hörsälen und in der Bibliothek auf. Das Besondere am Festival ist, dass es im Rahmen eines Seminars unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Ahlers und Melanie Ptatschek von Studierenden organisiert wurde. Das Seminar gehört zum Komplementärstudium des College und ist außerdem Teil des Gender-Diversity-Zertifikats. Im Januar 2017 fand das Festival zum dritten Mal statt. Prof. Dr. Ahlers erläutert im Interview Hintergründe zum Seminar.

Ob ein nachdenklicher Rap-Text von Alex Obsti und seiner Band, das furioses Einschlagen der Lüneburger Schrotttrommler auf ihre Tonnen oder die verträumten Gitarrenklängen des Singer/Songwriters Jan Salanders: das Exp(ear)ience Festival bot eine bunte Palette an Impressionen fürs Ohr!

Doch nicht nur akustisch wurden die Besucher und Besucherinnen unterhalten: Sprayer verzierten Wände neben der Bühne, Tänzer drehten ihre Pirouetten durch den Hörsaalgang und Fotografien hingen aus in verspielten Lichtilluminationen. Insgesamt also ein Gesamtkunstwerk welches durch die Studierenden der Leuphana initiiert wurde. Die Schlange am Eingang des Hörsaalganges war lang - und wurde irgendwann geschlossen: Das Festival war ausverkauft!

Herr Ahlers, wie sind Sie auf die Idee gekommen, das Seminar Exp(ear)ience anzubieten: Warum ein Festival mit Studierenden organisieren?

Mich interessieren aus wissenschaftlicher und hochschuldidaktischer Perspektive schon länger inter- und transdisziplinäre Zugriffe auf Themen. So habe ich an vorherigen Standorten auch bereits mehrfach große Seminare mit äußerst heterogenen Gruppen geleitet und dabei durchweg die Erfahrung gemacht, dass die unterschiedlichen fachlichen und persönlichen Ausgangslagen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer einerseits herausfordernd, andererseits aber vor allem auch produktiv und spannend sein können. Allen Ansätzen war dabei immer gemeinsam, dass es um projektbasiertes Lernen ging. Und ein zentraler Aspekt bei dieser Methode ist es, dass am Ende auch ein Produkt bzw. Ergebnis sichtbar werden sollte. Eine kulturelle Veranstaltung, zu deren Realisation es Kompetenzen sowohl im betriebswirtschaftlichen Feld, aber auch in Bereichen des Kulturmarketings, der Kommunikation, Technik, der Ästhetik und weiteren Gebieten bedarf, scheint mir bestens geeignet, um vielfältige Lern- und Lehrprozesse zwischen Studierenden, Lehrenden und externen Partnern zu initiieren. Das Konzept des multimedialen Festivals Exp(ear)ience wurde komplett mit Studierenden zusammen konzipiert und letztlich auch von diesen mit Leben gefüllt. Dabei konnte ich immer sowohl auf die kreativen Inputs der Studierenden bauen, als auch in Zusammenarbeit mit den beiden weiteren Seminarleiterinnen Frau Pelt und Frau Ptatscheck für eine strukturierende und reflektierende Begleitung sorgen.

Das Seminar gehört zum Komplementärstudium des College. Zum wievielten Mal haben Sie das Seminar angeboten? Welche Entwicklungen gab es über die Jahre? 

Das Seminar wurde zum dritten Mal durchgeführt. Während ich im ersten und diesem aktuellen Durchlauf mit dabei war, wurde der zweite Durchgang komplett von Frau Pelt und Frau Ptatscheck übernommen. Im ersten Jahr wurde das Grundkonzept erarbeitet, in welchem vor allem ungewöhnliche Kombinationen aus Tanz, Mode, Text, Visuellem und unterschiedlichsten Musikstilen als mögliches Alleinstellungsmerkmal des Indoor-Festivals erarbeitet und umgesetzt wurde. Auch Name und Logo stammen aus diesem Jahrgang. Für das komplette Projekt, einschließlich Konzeption, Akquise von Finanzen und Künstler_innen bis zur technischen Umsetzung, der finalen Reinigung der Hallen und der Reflexion darüber wurde nur ein Wintersemester Zeit benötigt. Und die Rückmeldungen der Gäste waren bereits dann enorm positiv. Gerade, weil sie neben einem klassischen Orchester auf Tanzimprovisation, Graffiti oder eine Metal-Band treffen konnten in den einzelnen Räumen. Bei der Rückmeldung und Evaluation wurde darauf gesetzt das Seminar doch über zwei Semester laufen zu lassen. Dies führte dazu, dass einzelne Teilaufgaben und auch Selbstlernprozesse optimaler und unter weniger Zeitdruck ablaufen konnten. In dem Jahrgang konnte durch eine sehr großzügige finanzielle Unterstützung vor allem auch der visuelle Eindruck für die Besuchenden nochmals verbessert werden und die zahlenmäßige sowie inhaltliche Rückmeldung war überwältigend. Das Engagement der Teilnehmer_innen des Jahrgangs war so groß, dass sie sogar eine Art „Spin-off“-Event in Form des Mosaik-Festivals im Sommersemester darauf organisiert und durchgeführt haben. Die Seminargröße war immer beschränkt, so dass leider viele Studierende mit Interesse keinen Platz erhalten konnten. Auch in dem aktuellen Durchgang hätten wie sehr viel mehr Menschen aufnehmen können, aber ab einer gewissen Größe ist es einfach nicht mehr so gut handhabbar, trotz Gruppeneinteilung, Coaching-Bausteinen oder Team-Teachings. Dieses Mal haben meine Kollegin und ich uns nochmals das sehr engagierte Ziel gesetzt, die vorhandene Projekt-Hülse binnen eines Semesters erneut mit Leben zu füllen, was durch den Elan und die Energie aller Beteiligten wirklich phänomenal gut gelungen ist.

Gibt es nach den Festivals eine Art Feedbackrunde, sodass Aspekte des Festivals verändert oder verbessert wurden?

Neben der Standard-Evaluation der Leuphana, an der wir natürlich auch immer teilgenommen haben, führten wir stets offene Feedbackrunden durch und sammelten am Ende schriftliche Feedbacks für die Optimierung der didaktischen sowie organisatorischen Konzeption. Da die Festivals in jedem Jahr allein aufgrund der sich ändernden Künstler_innen immer wieder ein neues und spezifisches Gesicht, einen anderen Klang und ein anderes Gefühl mit sich brachten, konnten hier wenige Transfers eingebaut werden. Aber so wurde die Grundidee auch nie langweilig, weder für die Lehrenden, noch die Studierenden und hoffentlich auch nicht für die Gäste.

Welchen Anteil hatten die Studierenden an der Entwicklung des Festivals?

Die Studierenden haben die maßgebliche Arbeit geleistet. Während die Lehrenden und die Gäste aus der Veranstaltungswirtschaft oder –technik für Impulse oder Feedbacks zu Ideen zur Verfügung standen und die Lern- und Arbeitsprozesse begleiteten, wurde viel durch die Teilnehmer_innen selbst geschaffen. Natürlich gibt es immer wieder Momente, in denen aufgrund von versicherungs- oder veranstaltungstechnischen Befürchtungen oder aufgrund einer finanziellen Unsicherheit etwas mehr gesteuert werden musste. Denn letztlich hängt doch eine große Verantwortung an derjenigen Person, die dann die Verträge unterzeichnet bzw. auch der Stadt und der Universität gegenüber Rechenschaft ablegen muss. Außerdem gibt es Bereiche, in welche die Studierenden noch nicht allzu viel Einsichten im Studium erhalten haben und welche dann ebenso mehr begleitet werden. Aber insgesamt konnten alle Jahrgänge beweisen, dass sie ihre vielfältigen Kompetenzen und Kenntnisse im Rahmen eines solch umfassenden Projektes an diversen Stellen produktiv einbringen können.

Nach welchen Kriterien wurden die Künstler für das Festival ausgewählt?

Letztlich müssten Sie das die verantwortliche Programm-Gruppe fragen. Aber abgesehen von persönlichen Kontakten und Vorlieben gibt es natürlich auch ein paar „harte“ Vorgaben und Teile der Grundidee, die quasi unumstößlich sind: Da wir auf ein Non-Profit-Festival abzielen, lässt sich weder mit großen kommerziellen Bands noch mit einem richtigen Headliner-Konzept arbeiten. Da man zu Beginn eines Semesters prinzipiell mit null Euro zu planen beginnt, kann man den Künstlerinnen und Künstlern auch zunächst überhaupt keine Gagen zusagen. Es werden daher Menschen gesucht, denen die Sache selbst am Herzen liegt. Egal, ob sie Fotos machen, Texte schreiben, tanzen oder musizieren. Wir konnten immer nur in Aussicht stellen, dass es ein Catering und eventuelle Reisekostenunterstützung geben wird. Und wie man sieht, gibt es tolle und inspirierende Menschen, die durch ihre Mitwirkung solch bunte und kreative Erlebnisse ermöglichen. Wir sind sehr dankbar, dass wir immer wieder regionale und überregionale Künstlerinnen und Künstler ansprechen und gewinnen konnten, denen die Sache selbst wichtiger als das Geld war.

Das Seminar ist auch Teil des Gender-Diversity-Zertifikats. Was hat die Organisation des Festivals mit dem Thema Gender-Diversity zu tun?

Diversität mit Bezug auf Geschlechterrollen zu spiegeln, zu nutzen oder zu integrieren in programmplanerische Aspekte, war immer ein Aspekt des Exp(ear)ience. Wir suchen ja dabei im Grundkonzept Schnittstellen, ungewöhnliche Kombination und auch „aha“-Effekte oder Irritationen. Dies bezieht sich sowohl auf die Teilnehmenden, als auch auf die Künstler_innen. Gerade künstlerische Zugriffe bieten dabei Strategien der Performativität von Rollen und Stereotypen, die vielen Studierenden vielleicht theoretisch bekannt sind, die sie aber selbst noch nicht anwenden, direkt beobachten oder nutzen konnten.

Werden Sie auch im nächsten Wintersemester das Seminar anbieten?

Man soll niemals nie sagen. Allerdings sind derartige Seminare und auch die Durchführung der Events am Ende selbst dann doch sehr energiezehrend und zeitaufwändig. Auf der anderen Seite wird man immer durch unglaubliche Momente innerhalb der Planung und Realisation belohnt. Und der Grad bzw. die Steilheit von Selbstlernprozessen und den sozialen Entwicklungen in und zwischen den Arbeitsgruppen sprechen sehr dafür, immer wieder einmal von „Standard-Formaten“ der universitären Lehr abzuweichen. Ob es dann jedoch wieder ein Exp(ear)ience Festival oder einmal eine neue Konzeption wird, bleibt aus heutiger Sicht noch abzuwarten.


Weitere Informationen

Prof. Dr. Michael Ahlers
Universitätsallee 1, C16.216
21335 Lüneburg
Fon +49.4131.677-2581
Fax +49.4131.677-2563
michael.ahlers@leuphana.de


Redaktion: Morgaine Struve und Dörte Krahn, Universitätskommunikation. Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.