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Infotage an der Leuphana: Im Komplementärstudium die Perspektive wechseln

20.02.2017 Das Komplementärstudium der Leuphana bietet Bachelor- und Masterstudierenden die Möglichkeit, interdisziplinär zu arbeiten und über Fächergrenzen hinaus zu lernen. Während im Bachelor die Studierenden aus einem breit gefächerten Angebot Module anderer Fachdisziplinen sowie interdisziplinäre Seminare belegen können, liegt im Master der Fokus auf der übergreifenden Reflexion und Arbeit mit unterschiedlichen Wissenschaftskulturen und wissenschaftlicher Praxis. Interessierte können auf dem Bachelor-Infotag am 19. Mai 2017 mehr erfahren, die Masterstudiengänge stellen sich am 7. April 2017 vor.

Die Entscheidung für ein Studium an der Leuphana Universität Lüneburg ist eine Entscheidung für ein besonderes Studienmodell, das die wissenschaftliche Auseinandersetzung sowohl mit fachlichen als auch mit fachübergreifenden Fragen fördert. In allen Studienprogrammen des College, der Graduate und auch der Professional School ergänzt das curricular verankerte Komplementärstudium das disziplinäre Wissen der Studierenden: Sie arbeiten in disziplinübergreifenden Veranstaltungen mit Kommilitoninnen und Kommilitonen anderer Studienprogramme zusammen. Auf diese Weise trägt es im grundständigen Bachelor- und Masterstudium ebenso wie im Promotionsstudium und in den weiterbildenden Studiengängen der Professional School dazu bei, dass Studierende sich nicht ausschließlich in einem engen Korsett hochspezialisierter Wissens- und Kompetenzentwicklung bewegen, sondern ebenso die Grenzen ihrer Disziplinen erkennen und mit diesen gestalterisch umzugehen wissen. Durch das Komplementärstudium erfahren Studierende, dass für Erkenntnisfortschritt, d.h. für das Entwickeln eines vertieften Verständnisses von einem spezifischen Themenfeld, einem Phänomen oder einer Tätigkeit, Perspektivenwechsel förderlich sind. Das Studium an der Leuphana setzt daher auf einen Erkenntnisfortschritt, der sich vor allem in der Reflexion der eigenen disziplinär verankerten wissenschaftlichen Position zeigt. Vor diesem Hintergrund soll das fachübergreifende Angebot des Komplementärstudiums den Studierenden die Möglichkeit geben, ihre disziplinär verankerten, als selbstverständlich betrachteten Denkweisen, disziplinären Praktiken und Fachkulturen zu hinterfragen, um im Umkehrschluss das „Wie“ des eigenen Denkens zu ergründen. Das Studium an der Leuphana zielt daher nicht in erster Linie auf die Bildung von Expertinnen, sondern auf die Bildung kritisch hinterfragender, gestaltender und offener Persönlichkeiten. Persönlichkeiten, die den aktuellen globalen Herausforderungen weitsichtig, kreativ und verantwortungsvoll begegnen können.

Das Komplementärstudium des College

Am College setzt das Komplementärstudium den fächerübergreifenden Ansatz der Studieneingangsphase bis zum Abschluss des Bachelor-Studiums fort. Mit der Startwoche und dem Leuphana Semester ermöglicht das College den Studierenden einen nicht-disziplinären, integrativen Einstieg in das Studium, an dessen freien und kompetenzorientierten Charakter das Komplementärstudium direkt anknüpft. Während der Schwerpunkt der Studieneingangsphase insbesondere darin liegt, die Studierenden fachübergreifend in das Feld des akademischen Denkens einzuführen, erlaubt das Komplementärstudium, die wissenschaftliche Fokussierung der Studierenden im Rahmen ihres Fachstudiums immer wieder zu erweitern. Das Komplementärstudium stellt in jedem Semester ein umfang- und abwechslungsreich zusammengestelltes Lehrangebot bereit, das die Studierenden zur Auseinandersetzung mit verschiedenen Herangehensweisen (methoden-, praxis- und medialitätsorientierten) in sozial-. geistes-, natur- sowie inter- und transdisziplinären Wissenschaftsgebieten motivieren soll. Den Studierenden bleibt es hierbei selbst überlassen, ob sie durch die Wahl einer Veranstaltung ihr Interesse an einer bestimmten, ihnen bereits vertrauten Thematik schärfen, oder aber gänzlich neue Gebiete entdecken möchten. Im Sommersemester 2017 werden ca. 180 verschiedene Veranstaltungen angeboten, aus denen die Studierenden wählen können.

Kai, Wirtschaftsinformatik: "Mach, worauf immer du Lust hast – so würde ich das Komplementärstudium beschreiben. Es ist eine Art freier Wahlbereich im Studienmodell mit einem vielfältigen Angebot, da ist für jeden etwas dabei. Ich habe mich im Komplementärstudium bewusst für Seminare abseits meiner Hauptstudieninhalte entschieden."

Oliver, Ingenieurwissenschaften (Industrie): "Im Komplementärstudium habe ich mich unter anderem mit Design Thinking auseinandergesetzt und eine Sommerakademie für Hauptschüler mit organisiert."

Neben der freien Themenwahl innerhalb des Komplementärstudiums gibt es auch die Möglichkeit, Zusammenhänge herzustellen, um auf diese Weise thematische Schwerpunkte zu setzen. Die Schwerpunktsetzung über mehrere Module hinweg erfolgt entweder durch die Studierenden selbst, oder im Rahmen eines sogenannten Komplementär-Profils, innerhalb dessen die Abfolge bestimmter Lehrveranstaltungen zu einem komplexen Themenbereich oder Wissenschaftsgebiet vorgegeben ist.

Interessierte können den Infotag zum Bachelor-Studium nutzen, um sich über das besondere Studienmodell am Leuphana College zu informieren. Der Bachelor-Infotag findet am Freitag, den 19. Mai statt.

Das Komplementärstudium der Graduate School

So wie die Major ist auch das Komplementärstudium im Master nicht mehr auf Grundlagenerwerb, sondern auf eine vertiefte, forschungsorientierte Auseinandersetzung ausgelegt. Anstatt wie im Bachelor unterschiedliche wissenschaftliche Perspektiven auszuprobieren und in fachfremde Themen einzutauchen, findet das Komplementärstudium im Master auf der Metaebene statt und dient explizit der Reflexion von Wissenschaft und ihren Praktiken. Durch die Beschäftigung mit fremden Wissenschaftskulturen soll dialogorientiert kritisches Denken gefördert und die Fähigkeit geschult werden, die „Scheuklappen“ der eigenen Disziplin abzulegen und eine übergreifende reflexive Perspektive zu entwickeln.

Von den Grundfragen wissenschaftlicher Erkenntnis bis zur Reflexion der Verantwortung in der Wissenschaft

Zu Beginn des Masterstudiums steht im Modul „Engaging with Knowledge and Sciences“ zunächst die Beschäftigung mit wissens- und wissenschaftstheoretischen Grundfragen und die Reflexion wissenschaftlicher Erkenntnis und divergierender Wissensformen, unterschiedlicher Verständnisse von Wissen sowie wissenschaftlicher Transformationsprozesse im Fokus. Im zweiten Modul, „Reflecting Research Methods“, erlernen die Studierenden die Reflexion der eigenen methodischen Vorgehensweisen vor dem Hintergrund inter- und transdisziplinärer Zusammenarbeit und setzen sich vertieft mit einer ausgewählten Methode auseinander. Dadurch werden Potential und Grenzen der eigenen fachlichen Methoden und Fachkulturen deutlicher erkennbar. Das dritte Modul, „Connecting Science, Responsibility, and Society“  fragt schließlich nach den Interdependenzen zwischen Wissenschaft und Gesellschaft und dem Transfer wissenschaftlichen Wissens. Im Kontext der gesellschaftlichen Herausforderung einer nachhaltigen Entwicklung wird diskursiv ein ethisches und verantwortungsvolles Verständnis von Wissen und Wissenschaft erarbeitet und die gesellschaftliche Verantwortung von Akademikerinnen und Akademikern diskutiert.

Ella, Kulturwissenschaften: „Ich musste Kommilitonen aus den anderen Studiengängen meine eigenen Forschungsmethoden erklären – dafür musste ich reflektieren, wofür die Kulturwissenschaften wirklich stehen und das war im Nachhinein sehr hilfreich für mich. Ich habe mich mit Arts Based Research beschäftigt, - also wie ich mittels bestimmter Kunstformen Daten erheben kann. Damit habe ich ganz neue Möglichkeiten entdeckt, an qualitative Daten für meine Masterarbeit zu kommen.“

Christian, Staatswissenschaften „Die Frage nach Verantwortung in der Wissenschaft haben wir uns in der Fachdisziplin tatsächlich nie gestellt. Im Komplementärstudium war sie das Semesterthema, in das die Projektarbeit eingebettet wurde.“

"Was bedeutet Wissen in der eigenen Disziplin?" - Auftaktverantstaltung zum Komplementärstudium im Master.

Zum Abschluss des dritten und letzten Moduls des Komplementärstudiums der Masterprogramme fand in diesem Jahr zum ersten Mal ein gemeinsamer Präsentationstag aller Seminargruppen statt. Am 25. Januar 2017 stellten die Masterstudierenden der unterschiedlichen Seminare ihre Ergebnisse des Wintersemesters vor. Entsprechend dem Schwerpunkt des Moduls, den Interdependenzen von Wissenschaft und Gesellschaft, trugen die Studierenden ihre Erkenntnisse und Ergebnisse nicht wie üblich in Seminarräumen vor, sondern in unterschiedlichen, thematisch passenden Umfeldern auf dem Campus und in der Innenstadt Lüneburgs, um so den gesellschaftlichen Bezug wissenschaftlicher Wissensproduktion deutlich werden zu lassen. Inhaltlich beschäftigten sich die Studierenden mit so unterschiedlichen Themen wie beispielsweise Pinkwashing im Gender Diversity Reporting, Arts Based Research, nachhaltigem Konsum und Verantwortung am Beispiel des Konsums tierischer Produkte, Biotechnologie, den Kompetenzen für die Zukunft, New Management im Zeitalter denkender Maschinen, dem Verhältnis von Religion, Wissenschaft und Gesellschaft, Social Entrepreneurship aber auch dem Anti-Entrepreneur.

Wie sieht die Welt in 20 Jahren aus? Das Seminar Arts Based Research lädt im Lüneburger „Welcome and Learning Centre“ zum Blick in die Zukunft ein.
Beim Thema Fleischkonsum scheinen Konflikte vorprogrammiert. Aber „gibt es tatsächlich immer nur Schwarz-Weiß?“ fragten Studierende anhand unterschiedlicher szenischer Darstellungen im Cafe- „Mondbasis“ in Lüneburgs Innenstadt.

Durch die reflexive Distanzierung zum disziplinären Wissen weitet das Komplementärstudium den Kontext um die eigenen Fachinhalte. Es hilft, fachfremdes Wissen in seiner Unterschiedlichkeit zu verstehen und Verbindungen zwischen verschiedenen Wissensbereichen und -formen herzustellen. Vor diesem Hintergrund macht das Komplementärstudium im Master Differenz- und Kontingenzerfahrung sowie ein verbindungsorientiertes, gesellschaftlich verantwortungsvolles Denken und Handeln zu einem integralen Bestandteil des fachübergreifenden Wissenserwerbs und qualifiziert die Studierenden in besonderem Maße für akademische Karrierewege in verantwortungsvollen Schlüsselpositionen in Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur, Politik und Gesellschaft.

Alex, Staatswissenschaften: “Im Modul Connecting Science, Responsibility and Society habe ich das Seminar Social Entrepreneurship belegt. Da haben wir einen Projektplan entwickelt – wo sind die Extremitäten, welche gesellschaftlichen Effekte sind zu erwarten, lohnt sich die Arbeit finanziell und gesellschaftlich, letztendlich Dinge, die in einem sozialwissenschaftlichen Studium selten oder nie thematisiert werden. Die Denkweise als Social Entrepreneur geht ja vom Problem aus: Problem identifizieren, Lösungen finden und wenn alles gut geht davon den Lebensunterhalt für sich und Angestellte damit verdienen. Es geht also nicht in erster Linie um finanzielle Gewinnmaximierung, sondern darum, ein Problem in einen gesellschaftlichen Mehrwert zu wandeln. Das kommt mir sehr entgegen. Ich jedenfalls habe mit dem Seminar für mich eine neue Perspektive auf meine berufliche Laufbahn nach dem Master entwickelt und bin aktuell dabei, ein Sozialunternehmen im Bereich Integrationsarbeit aufzubauen.“

Die Graduate School lädt alle Interessierten ein, sich am 7. April 2017 beim Master-Infotag über das besondere Studienmodell und natürlich die unterschiedlichen Major der Leuphana Graduate School zu informieren.


Kontakt

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Fax +49.4131.677-2410
ina.robert@leuphana.de

Dr. Mareike Teigeler
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Fon +49.4131.677-1435
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Auotrinnen: Dr. Nadine Dablé und Dr. Mareike Teigeler. Redaktion: Julia Graßhoff, Universitätskommunikation. Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.