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Führen lernen. Liberal Education Talk mit Ursula Glunk zu Leadership

27.02.2017 Was macht zeitgenössisches Leadership aus? Gibt es einen Zusammenhang zwischen Leadership und Liberal Education? Beim vierten Liberal Education Talk am 11. Januar sprach Dr. Ursula Glunk zum Thema Leadership and Liberal Education. Glunk ist Academic Director am University College Freiburg, dem zweiten Ort in Deutschland, an dem neben der Leuphana ein Liberal Arts Studium angeboten wird.

Glunk begann ihren Vortrag mit den Fragen, die aus ihrer Sicht sowohl hinter Leadership als auch Liberal Education stehen: „How can we create inspiring learning and working environments? How can we make life worthwhile rather than miserable?“ Diese Frage müsste eigentlich sehr viel häufiger gestellt werden. „Often people are miserable eight hours a day“, stellte sie fest und belegte dies auch mit Einschätzungen, die ihr in ihrer langjährigen Tätigkeit als Coach berichtet wurden. Woher kommen gute Leader? Es ist klar, dass man „high quality leaders“ nicht einfach ‚produzieren‘ kann; es geht also nicht einfach um eine Ausbildung. Gleichzeitig reicht es auch nicht aus, nur klassisch gebildet zu sein. 

Zwei Arten von Leadership

Zunächst, so Glunck, gilt es aber zu klären, was wir unter Leadership verstehen – ist die Inanspruchnahme davon doch oft kontrovers. Das Verständnis von leadership habe sich tatsächlich in den letzten Jahren signifikant geändert: Von dem Bild eines heroischen Individualisten, der einseitig Macht („power“) ausübt, hin zu einem Ideal von zusammenarbeitendem, vernetzten, an Moral und Werten orientierten Leadership, das Inspiration ausübt. Dieser Wandel wurde von gesellschaftlichen Veränderungen, der zunehmender Komplexität sowie den Wirtschafts- und Politik-Skandalen verursacht, die das konventionelle Führen in Frage gestellt haben. Nichtsdestotrotz gibt es immer wieder Backlashes: Besonders in Zeiten der Verunsicherung halten viele wieder an archaischen Vorstellungen einer oder eines heroischen starken Einzelkämpferin oder Einzelkämpfer fest. Das liegt auch daran, dass es durchaus bequem ist, auf den Helden die Verantwortung ablegen zu können („Danke, Frau Merkel.“), In Glunks Worten: „Heros can be blamed if things go wrong.“

Die beiden Konzepte von Leadership unterscheiden sich auch in ihren Zielen. Zeitgemäßes Leadership zielt darauf ab, zusammen eine Umwelt zu schaffen, in der wir leben möchten. Dies geht nur über Einfluss und Mobilisierung und muss scheitern, wenn es über Einzelkämpfertum versucht wird. Dabei beginnt Leadership mit Energie. „Leadership is about managing energy, first your own energy then the energy of others.“ Das ist auch ganz praktisch zu verstehen, denn Energie ist  die menschliche Grundressource: Auch für Führung gilt, dass alles schwer fällt, wenn man keine Energie hat. 

Liberal Education creates something meaningful

Es gibt zwei Arten wie Leadership Education, also Führungskompetenzen durch Bildung, vermittelt werden kann: implizit und explizit. Letzteres wäre zum Beispiel ein Management-Studium. Der implizite Ansatz versucht, und dazu gehört auch Programme in der Tradition einer Liberal Education, Leadership in allen Bereichen des Studiums mitzudenken.

Liberal Education ist leicht mit progressivem Leadership in Verbindung zu bringen, da sie grundsätzlich ein Instrument der Befreiung statt der Produktion standardisierter Abgänger ist. Programme wie das Studium Individuale verfolgen einen sowohl-als-auch-Ansatz: „Both depth and breadth, knowledge and personality, individuality and community.“ Die zentrale Verbindung ist die zwischen Freiheit und Struktur: „Becoming liberally educated is a non-linear and creative pathway.“ Aber dieser Weg ist auch schwer, gerade in Zeiten von Managerialismus und der Sorge darum, nach dem Studium einen Job zu finden („employability“). Es erfordert eben Mut. Dies ist jedoch gleichzeitig der Punkt, an dem sich Liberal Education und Leadership treffen: „To be a change maker you need to have courage.“ Langfristig laufen gute Führung und Liberal Education auf das gleiche hinaus: „Creating something meaningful“. 

Volker Balli, Academic Direktor des Studium Individuale und Inititator der Liberal Education Talks, ist mit der Veranstaltung zufrieden: „Die Veranstaltung war aus meiner Sicht in dreierlei Hinsicht geglückt: Erstens gelang es Dr. Glunck Leadership, ein Verständnis von Leadership, dem als Schlagwort viele unserer Studierenden zunächst mit Zurückhaltung, wenn nicht gar Skepsis begegnen, zu präsentieren, s dass dessen Relevanz deutlich wird – sowohl im persönlichen Leben der Studierenden als auch als Lernziel. Zweitens, so die Kommentare einiger Studierender, war es erhellend und ermutigend zugleich zu verstehen, dass eine richtig verstandene Liberal Education keineswegs weltfremd oder auch verschult ist, sondern sich auf zentrale Lebensfragen unsere Zeit bezieht: so, in diesem Talk, die nach der positiven Gestaltung unser Welt. Und nicht zuletzt ist es gut zu sehen, dass ein konstruktiver und inspirierender Austausch zwischen Programmen, die sich einer Liberal Education verpflichtet fühlen, stattfinden kann. Die 2. Liberal Education Student Conference, die Anfang Mai in Freiburg zum Thema Liberal Education und Global Problems stattfinden wird, ist hierfür eines der besten Beispiele.“


Zum Hintergrund

Die Liberal Education Talks sind eine im Kontext des Studium Individuale am Leuphana College entstandene Vortragsreihe. Zweiwöchentlich im Semester werden Aspekte, die eine Liberal Education ausmachen, in kritischen Diskussionen behandelt. Gäste im zurückliegende Semester waren u.a. Prof. James Kennedy, Dekan des University College Utrecht; Dr. Marco de Waard, Lehrender am Amsterdam University College; Dr. James Hayes vom Bard College Berlin. 

Dr. Volker Balli ist Academic Director des Studium Individuale. Zuvor war er Lehrender und Koordinator am College Freiburg (UCF), im Anschluss an Aufenthalte an den Universitäten Trento und Bremen als post-doctoral Researcher. Er studierte European Studies an der London School of Economics und Science Po Paris, European Politics am Europakolleg in Brügge und promovierte in Social and Political Sciences am Europäischen Hochschulinstitut (Florenz).


Kontakt

Dr. Volker Balli
Universitätsallee 1, C10.007
21335 Lüneburg
Fon +49.4131.677-1797
volker.balli@leuphana.de


Autor: Martin Gierczak, Universitätskommunikation. Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.