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Interfakultäres Kolloquium: Leitbilder in der Diskussion

16.05.2017 Humanismus, Handlungsortientierung und Nachhaltigkeit sind die drei Aspekte des Leitbildes der Leuphana. Während des Interfakultären Kolloquiums, das am 30. Mai 2017 um 18 Uhr in C14.006 startet, sollen sie im interdisziplinären Austausch diskutiert und weiter verknüpft werden. Es erweitert das bisherige College-Kolloquium und wird von allen Schools ausgerichtet. Wie bisher richtet es sich an Lehrende und Studierende aller Fakultäten und Schools. Zwei der Organisator_innen Gesche Keding und Dr. Andreas Jürgens vom College — Mareike Teigeler, College, Nadine Dablé, Graduate School und Karsten Stempel, ehemals Professional School gehören auch zu den Organisator_innen — geben vorab Einblicke ins neue Konzept.

Frau Keding, das College Kolloquium heißt nun Interfakultäres Kolloquium. Was wird anders sein?

Gesche Keding: In den vergangenen fünf Semestern wurde das College Kolloquium nur vom College ausgerichtet. Jetzt richten wir dieses Kolloquium gemeinsam aus. Neu ist zudem die Form: Bisher gab es zwei Referenten, die ihre jeweils verschiedenen Perspektiven auf ein Thema vortrugen, dann wurde im Plenum diskutiert. Zum Auftakt des Interfakultären Kolloquiums wird es jeweils nur einen Vortrag geben, der aber einen der zentralen Begriffe Humanismus, Handlungsortientierung und Nachhaltigkeit in den Vordergrund stellt und mit den anderen beiden verknüpft. Professor Roberto Nigro wird über Humanismus sprechen, Professor Daniel Fischer über Nachhaltigkeit und Professor Ursula Weisenfeld über Handlungsorientierung.

Sie haben das College Kolloquium vor gut zwei Jahren ins Leben gerufen. Was war damals Ihre Idee? 

Gesche Keding: An der Leuphana gibt es ein ganz eigenes Studienkonzept. Es ist mit anderen Universitäten kaum vergleichbar. Im Leuphana Bachelor gibt es Programmteile mit Themen, die über die Inhalte eines Faches bzw. bei uns eines Major oder Minor hinausgehen. Sie sind beeinflusst vom Humboldt’schen Bildungsideal und der Tradition der US-amerikanischen Liberal Arts Education. Mit dem College Kolloquium wollten wir Lehrenden die Möglichkeit geben, ihre Inhalte mit diesen Zielen besser verknüpfen zu können. Und wir wollten die Möglichkeit stiften, dass alle Hochschulmitglieder über diese Ideen anhand des jeweiligen Themas eines Abends zu diskutieren. 

Dr. Andreas Jürgens: Zumal die Idee der Diskurs ist. Das Plenum soll gleich in eine Denkbewegung gebracht werden, durch die der kritische Austausch gefördert wird. Dies ist auch eine der Aufgaben der Universität in der Gesellschaft. Wir möchten, dass Akteure der Schools und Fakultäten miteinander ins Gespräch kommen und Diskussionen initiiert werden, die es ohne das Interfakultäre Kolloquium vielleicht nicht gegeben hätte. 

Sie überschreiben die ersten drei Vorträge mit den Begriffen Nachhaltigkeit, Humanismus und Handlungsorientierung. Wie sieht Ihre Draufsicht aus?

Dr. Andreas Jürgens: Diese Begriffe sollten aufgrund ihrer Polyvalenz in diversen Wissenschaftskontexten – also interdisziplinär – thematisiert werden. Diese Begriffe haben ihre je eigenen Geschichten und sind damit mit einer Pluralität von Auffassungen von Mensch-Welt-Verhältnissen verbunden. Das Interfakultäre Kolloquium kann helfen, diese Vielfalt zu vergegenwärtigen und darüber neue Verbindungen zu schaffen. Was ist beispielsweise mit dem Begriff der Handlungsorientierung gemeint? Ist der Mensch nicht per se handlungsorientiert? Und was heißt es im universitären Kontext, Handlungsorientierung zu akzentuieren? Geraten wir damit in ein neues Verhältnis zur Theorie? Kurz: Diese Begriffe müssen stetig reflektiert werden. Wir sehen das Interfakultäre Kolloquium als einen Ort hierfür und als einen möglichen Pool für neue Ideen.

Wir leben in einer Zeit, die sich von vielen Traditionen verabschiedet und sich gerade politisch mehr und mehr verändert. Sollte eine Universität dagegen neutral bleiben? 

Dr. Andreas Jürgens: Eine Universität muss sich in einem übergeordnetem Sinne politisch positionieren und den drängenden, aktuellen Fragen stellen. Aber eben mit akademischem Ethos, das am Ideal der Wahrhaftigkeit ausgerichtet ist. Es gibt empirische Phänomene und deren methodisch geleitete, transparente Interpretationen im Rahmen diverser theoretischer Rahmen und es gibt die intransparente, instrumentalisierte Form der Meinungskommunikation. Das ist der wichtige Unterschied. Eine Universität muss politische Position durch ihr orientierendes Tun beziehen. Das Interfakultäre Kolloquium kann dazu einen Beitrag leisten.

Vielen Dank für das Gespräch!


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Dipl.-Psych. Gesche Keding
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Das Interview führte Marietta Hülsmann, Redaktion: Morgaine Struve, Universitätskommunikation. Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.