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Lecker und fruchtig: Leuphana-Alumnus gründet erfolgreichen Saftladen in Südamerika

24.05.2017 In den Medien werden sie die Saftbrüder genannt. Eine Bezeichnung, mit der der ehemalige Lüneburger Student Henrik Jessen und sein Bruder Konstantin mehr als gut zurechtkommen. Denn das Leben der aufstrebenden Jungunternehmer konzentriert sich aktuell tatsächlich auf ein biologisches Erfrischungsgetränk, das sie in Kolumbien erfolgreich produzieren und verkaufen. Zwei Zutaten dafür haben sie aus der Leuphana mitgebracht, sagen sie: Inspiration und Know-How.

In Medellín, wo Henrik Jessen lebt, enden mit Blick auf Deutschland irgendwie alle Adjektive mit –er: bunter, lauter, größer, heißer. „Ich bin glücklich hier in Kolumbien“, schwärmt der 32-jährige, „ich weiß nicht, wo ich lieber leben würde.“ Dieses Gefühl spürte der Hamburger schon, als er 2013 ein Auslandssemester in dem Land verbrachte. In dieser Zeit entstand eine mutige Idee: „Als mein jüngerer Bruder Konstantin zu Besuch kam, redeten wir über die Getränke hier: viel zu süß, nur Softgetränke und das ist einem so heißen Land – wir wollten etwas Anderes entwickeln.“

Impulse aus Lüneburg

Dass sich die beiden Brüder damals ausgerechnet auf das Thema Getränke konzentrierten, kommt nicht von ungefähr. „Mein Bezug zu Biogetränken findet seine Anfänge in der Leuphana“, erklärt Henrik. Zwei Mitarbeiter sind für ihn bis heute von großer Bedeutung: „Ich habe vor mehr als 10 Jahren in Lüneburg empirische Wirtschafts- und Sozialwissenschaften studiert und dort Uwe Lübbermann kennengelernt. Er war wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni und ist Gründer des Getränkekollektivs PREMIUM, das ein faires und ökologisches Wirtschaftsmodell verfolgt. Uwe hat mich mit diesem Grundsatz in den Bann gezogen.“ Der zweite Name: Wirtschaftsprofessor Jochen Weihe. „Er hat mich bei der Unternehmensgründung enorm unterstützt“, betont der 32jährige. Basiswissen erhielt Jessen in verschiedenen Kursen für Unternehmensgründung und Ideenevaluation in der Leuphana Universität Lüneburg, der Kontakt zum Universitätsprofessor besteht auch heute noch: „Jochen Weihe ist eine der inspirierendsten Personen in meinem Leben“, sagt Henrik. „Alle updates aus Kolumbien landen nach wie vor bei ihm.“

Am Scheideweg - ganz oder gar nicht

Die Theorie begann in Lüneburg, die Praxis musste nun in Kolumbien umgesetzt werden. Zunächst mixten die Brüder in der WG-Küche verschiedene Zutaten, auf dieser Grundlage entstand nach und nach mit Hilfe einer Expertin das Endprodukt: "D’cada", ein Biofruchtsaft aus verschiedenen Südfrüchten. Der Geschmack stimmte, doch die größte Hürde stand den Hamburgern erst bevor: Sie wollten nicht nur ein gesundes Getränk auf den Markt bringen, sondern dafür auch das Pfandsystem einsetzen. „Da wurde es kritisch“ erinnert sich der Jungunternehmer. „Hatten wir bisher nur Lob und Zuspruch für unsere Idee bekommen, begegnete uns in diesem Punkt nun große Skepsis.“ Denn in Kolumbien gibt es überwiegend das Einwegsystem, Flaschen zurück zum Hersteller zu bringen erscheint vielen erst einmal absurd. „Bei allen Schwierigkeiten, die damit auftauchten, war uns aber klar: Ohne Pfandsystem machen wir es nicht!“ betont Henrik. Er und sein Bruder wählten deshalb die Taktik: Tu Gutes und rede darüber. Sie kommunizierten offensiv die Idee des Pfandsystems und die damit verbundenen ökologischen Vorteile.

Die Idee hat gefruchtet

Das Konzept ging auf. Inzwischen wird das Getränk in mehr als 100 Läden und Restaurants verkauft, die Flaschenzahlen gehen nach ob und ein neuer Geschmack wird gerade entwickelt. „Spätestens Ende Juli wird dieser Saft auf dem Markt sein, was genau dahinter steckt, werde ich aber noch nicht verraten“, deutet Henrik vage an. Doch auch wenn das Unternehmen stetig wächst, steckt es noch nicht in den schwarzen Zahlen. Nach wie vor sind die Brüder auf die Unterstützung von Investoren angewiesen, dazu gehören Freunde und Familie aus Deutschland. Vor kurzem kam ein neuer dazu: „Wir haben gerade einen Vertrag mit einem Studenten der Leuphana abgeschlossen. Er wird uns finanziell unter die Arme greifen“, freut sich der Hamburger. Die Geschäfte können damit weitergehen, und dafür scheint genau jetzt der richtige Zeitpunkt zu sein: „Hier in Kolumbien ist gerade ordentlich ´was in Bewegung. Wir erleben eine grüne Welle, beispielsweise mit Kampagnen gegen Plastiktüten oder Fahrrad-statt-Auto-Veranstaltungen“, erläutert Henrik Jessen und schließt ab: „Wir sind keine Rebellen, wir sind Teil einer großen Bewegung. Und das ist großartig! “



Autorin: Urte Modlich, Universitätskommunikation. Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.