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Aktuelle Lehrangebote an der Leuphana: Dieselgate-Seminar

15.06.2017 „Dieselgate“ – dieser Begriff zur Beschreibung des Abgasskandals der Firma VW ist auch gleichzeitig Titel eines Seminars, das im Rahmen des Moduls „International Elective“ im Major Rechtswissenschaften (Unternehmens- und Wirtschaftsrecht) in diesem Sommersemester angeboten wird. Im Interview erklären die Studentin Lena Mönnig und Dozent Axel Halfmeier die Idee und die Hintergründe des Seminars.

Herr Halfmeier, Sie bieten mit dem „Dieselgate“ Seminar eines mit sehr aktuellem Bezug an. In einem Satz: Was war das Dieselgate?

Axel Halfmeier: Beim Dieselgate geht es um das Einbauen einer unerlaubten Abschaltsoftware von VW bei Dieselfahrzeugen in den USA, was dort öffentlich wurde und VW damit vor verschiedene rechtliche Probleme gestellt hat und immer noch stellt. 

Das Seminar hat also eine bewusste „Handlungsorientierung“, ist auf die Praxis angelegt?

Axel Halfmeier: Richtig. Das Seminar wird ja im sechsten Semester im Modul „International Elective“ als eines von mehreren angeboten. Es geht also darum, dass die Studierenden das erlernte Wissen an einem konkreten, international geprägten Fall anwenden. Was uns bei dem Dieselgate-Fall gelegen kommt, ist, dass dieser verschiedene rechtliche Probleme aufwirft und damit auch verschiedene Rechtsbereiche abdeckt, die wir dann im Seminar behandeln können. Dazu gehört zum Beispiel das deutsche Kaufrecht, das deutsche Schadensersatzrecht, aber auch US-amerikanisches Recht, amerikanische Sammelklagen, Kapitalmarktrecht – wenn Anleger rechtlich gegen VW vorgehen – und Gesellschaftsrecht.

Spielen auch Themen wie Nachhaltigkeit eine Rolle?

Axel Halfmeier: Für mich persönlich spielt dieser Aspekt auf jeden Fall eine Rolle, da ich auch in die Richtung nachhaltiges Privatrecht forsche und mich damit beschäftige. Das Seminar passt natürlich auch an die Leuphana, weil das Thema ein gutes Beispiel für ein praktisch zu behandelndes Nachhaltigkeitsthema ist. 

Das Seminar wird auf Englisch angeboten. Nehmen so auch internationale Studierende an dem Seminar teil und werden die Studierenden dadurch auf ein international ausgerichtetes Arbeitsumfeld vorbereitet?

Axel Halfmeier: Ja, es nehmen auch Studierende aus Spanien und Korea am Seminar teil. Ich glaube auch, dass es wichtig ist, dass die Studierenden sich an die englische Fachsprache gewöhnen. Gerade das deutsche Recht auf Englisch darzustellen, kann schon eine Herausforderung sein, ist aber gleichzeitig auch eine gute Vorbereitung auf das spätere Berufsleben. 

Was wäre das ideale Ziel, mit dem Ihre Studierenden aus dem Seminar Herausgehen?

Axel Halfmeier: Ich möchte mit dem Seminar erreichen, dass die Studierenden einen Überblick über die Komplexität des Dieselgate-Falls erhalten. Durch die Veröffentlichung der Verwendung der Software ist auch deutlich geworden, zu welcher komplexen Verflechtung von verschiedenen Rechtsbereichen es kommen kann. Es würde mich freuen, wenn die Studierenden ein Gefühl für die Problematik entwickeln würden.


Frau Mönnig, warum haben Sie sich dazu entschieden, das Seminar „Dieselgate“ zu belegen?

Lena Mönnig: Ich finde es gut, dass ein Seminar mit aktuellem, spannendem Thema angeboten wird. Fälle, die wir sonst im Studium behandeln, sind meist bereits „abgeschlossen“ – es gibt also bereits ein Urteil dazu und keine weiteren Entwicklungen, die man mitverfolgen kann. Außerdem gefiel mir die relativ freie Gestaltung des Seminars auf Anhieb: durch die Referate hat man die Möglichkeit, das Seminar mitzugestalten und sich auf Themen zu konzentrieren, die man besonders spannend findet. Generell ist die Prüfungsform mit Referat und Paper eine Abwechslung zu den Klausuren und Hausarbeiten, die wir sonst meist als Prüfung haben in Rechtswissenschaften – man lernt also auch methodisch etwas Neues.

Ein weiterer Pluspunkt für mich war, dass das Seminar in englischer Sprache angeboten wird: Dadurch lernt man auch die englischen Fachausdrücke und vertieft sein Wissen über das US-amerikanische Rechtssystem, das sich von dem deutschen unterscheidet. 

Was gefällt Ihnen bisher am Seminar gut und was erwarten Sie noch? 

Lena Mönnig: Das Arbeiten auf Englisch und die Referate gefallen mir gut, gerade, weil man sich durch die Referate schnell ins Thema einarbeiten kann. Bisher haben wir hauptsächlich Aspekte des deutschen Rechtssystems und die Folgen des Skandals in Deutschland behandelt. In den nächsten Wochen werden wir uns auch intensiver mit der Perspektive der und den Folgen in den USA beschäftigen. Am Ende des Semesters werden wir außerdem eine Rechtsanwältin als Gastdozentin haben, die uns dann nochmal interessante Einblicke auf die Rechtslage geben wird. 

Wollen Sie später auch beruflich in die Richtung Verbraucherschutz oder Wirtschaft gehen?

Lena Mönnig: Das ist eine Möglichkeit, aber ich bin noch nicht sicher, was ich später beruflich machen will. Das Seminar zeigt auf jeden Fall mögliche Berufsfelder auf – auch durch den Einbezug des Vertreters eines Rechtsdienstleisters, der Jura studiert hat, jetzt aber größtenteils keinen Bezug mehr dazu hat in seiner Arbeit. In Verbindung mit meinem Minor BWL und dem dortigen Business Development Seminar kann ich auch Bezüge zu den Rechtsfeldern herstellen, die wir behandeln – das ist auch eine interessante Berufsoption für Wirtschaftsjuristen.

Was bedeutet für Sie gutes Studium und finden Sie es hier wieder?

Lena Mönnig: Ich glaube, es ist wichtig, eine gute Wissensbasis zu schaffen, um dann die Möglichkeit zu haben, sich zu spezialisieren. In diesem Studiengang ist das durch Wahlpflichtmodule sehr gut möglich. Auch das Seminar Dieselgate ist eine Möglichkeit, sich zu spezialisieren: Es war eine Wahlmöglichkeit neben anderen Seminaren im Modul „International Elective“. So hat man, wenn man nicht genau weiß, in welche berufliche Richtung man später gehen will, die Möglichkeit, viel auszuprobieren und zu schauen, was einem gefällt. So ist eine Spezialisierung möglich, aber nichts vorgeschrieben oder eingeschränkt: Ich kann beispielsweise Arbeitsrecht und auch Medienrecht belegen. 

Das Dieselgate Seminar bietet dabei die Möglichkeit, sich durch das Referat auf ein Thema zu spezialisieren und gleichzeitig einen guten Praxisbezug. Auch den Nachhaltigkeitsaspekt, der im Seminar eine Rolle spielt, finde ich wichtig, da dieses Thema die Gesellschaft auch zukünftig beschäftigen wird.


Kontakt

Prof. Dr. Axel Halfmeier
Scharnhorststr. 1, C6.227
21335 Lüneburg
Fon +49.4131.677-1952
axel.halfmeier@leuphana.de


Das Interview führte Morgaine Struve, Universitätskommunikation. Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.