Meldungen zum Studium

„Seien Sie Menschen, die anecken!“ Graduiertenfeier 2017

19.06.2017 Ihr Studium hat die rund 400 Absolvent_Innen gefordert, inspiriert, mit Wissen und Kompetenzen ausgestattet. Die Zukunft erwartet sie mit der nächsten, vielleicht noch größeren Herausforderung: mutig zu sein, neue und auch unbequeme Wege zu gehen. Daran erinnerten am Samstag die Redner der Leuphana Graduiertenfeier 2017.

Premiere im neuen Zentralgebäude: Zum ersten Mal wurden die Leuphana-Absolvent_Innen der Graduate School, der Professional School und des College im Libeskind-Auditorium gefeiert. Mit dem Bachelor, dem Master oder der Promotion in der Tasche wartet auf sie nun der nächste Lebensabschnitt. Auf diesem Weg etwas zu wagen und gleichzeitig die Verantwortung dafür zu übernehmen – das ist eine Haltung, die Dr. Wilhelm Krull den Absolvent_Innen eindringlich ans Herz legt. Der Festredner ist Generalsekretär der VolkswagenStiftung, die ein wichtiger Drittmittelgeber für innovative Forschung in Deutschland ist. „Risiken müssen wir selbst annehmen und selbst meistern“, betonte er. Gerade vor dem Hintergrund, dass der digitale Fortschritt mit all seinen positiven Aspekten für die Fähigkeit des Menschen, eigenverantwortlich zu entscheiden, auch ein Rückschritt sein kann. Gesundheit-Apps diktieren den Lebensstil, Autos fahren selbständig, Kriege werden per Computer gesteuert. „Wir dürfen nicht den Fehler machen, unsere Verantwortung für die Gestaltung unserer Zukunftsvisionen und Handlungsperspektiven endgültig an solche Technologien abzugeben“, appellierte er und betonte gleichzeitig: Risiken einzugehen erfordere Kompetenz. „Dazu gehört neben klarem Analysieren auch, sich auf das Bauchgefühl zu verlassen.“

„Die Leuphana legt viel Wert darauf, dass wir als verantwortungs- und handlungsbewusste Persönlichkeiten agieren“, unterstrich Kristina Neumann in ihrer persönlichen Bilanz. Sie wurde für die Absolvierung des Studienganges Master in Auditing ausgezeichnet. Wichtig für die Entwicklung sei der Perspektivenwechsel und „mal über den Tellerrand hinauszuschauen“. Dafür sorge auch die interdisziplinäre Ausrichtung des Studiums. „Wirtschaftsethik spielt hier eine große Rolle und auch die Frage, welchen positiven Beitrag wir zur Gesellschaft leisten können“, so Neumann.

Kristina Neumann

"Den freien Entscheidungswillen nutzen“

Universitätspräsident Prof. Dr. Sascha Spoun ermunterte die Absolvent_Innen außerdem, gegen den Strom zu schwimmen. Er wünscht sich Menschen, die laut sind, und er setzt auf „ein bisschen mehr Rock ‚n‘ Roll und Punk im Beruf und im weiteren Lebenslauf. Hoffen Sie nicht darauf, den Mainstream-Hit zu landen. Seien Sie Menschen, die mit neuen Ideen anecken, die den Laden aufmischen. Das braucht unser Land.“ Allein der Mensch hat den freien Entscheidungswillen zum Gestalten, das erkannte bereits Pico della Mirandola, Humanist der Renaissance. An ihn erinnerte Spoun und forderte die Absolvent_Innen auf: „Nutzen Sie diese unbegrenzten Möglichkeiten. Seien Sie mutig, das zu sagen, was Sie denken.“ Eine Botschaft, welche die Leuphana Universität Lüneburg nicht bloß an die Studierenden sendet, sondern die sie auch selbst lebt.

Nadine Lippold mit ihrem Vater

So empfindet es Absolventin Nadine Lippold (Master in Management & Business Development), die nach dem offiziellen Teil in privater Runde zurückblickte. Mitsprache und Kontroverse seien ausdrücklich im Studienalltag erwünscht gewesen: „Als es darum ging, den Inhalt von Kursen neu zu gestalten, sollten und durften wir uns einmischen, wir haben uns gegenüber den Professoren positioniert. Das war nicht immer leicht, aber es war gewünscht und wurde akzeptiert. Und am Ende haben wir gemerkt: Es führt auch zu etwas.“

Nach den Ehrungen besonderer Leistungen der Absolvent_Innen der Schools und des College sowie der Verleihung der Abschlussurkunden folgte die zweite Phase der Graduiertenfeier 2017: tanzen, Spaß haben, den Erfolg genießen. Bis in die frühen Morgenstunden feierten die Absolvent_Innen, Freunde und Angehörige im Libeskind-Auditorium, begleitet  von DJ und Live-Band im Wechsel. Und auch hier galt das Motto: Laut, Punk und Rock ’n‘ Roll.

Erlebnisse, Eindrücke, Gedanken:

Carlos Fuhrhop: „Ich habe hier an der Leuphana in der Fakultät Wirtschaft im Bereich Ingenieurwesen meine Promotion gemacht. An der Uni habe ich mich immer sehr wohl gefühlt, auch als Dozent. Außerdem haben wir ein sehr gutes Labor für die Charakterisierung von Mikro- und Nanostrukturen aufgebaut. Die Graduiertenfeier gefällt mir sehr gut, auch wenn meine Tochter nicht dabei sein kann. Sie hat am Abend ihren Abiball, wir feiern heute also zwei Erfolge.“

Ferdinand Revellio (Master Nachhaltigkeitswissenschaft - Sustainability Science):  „Beim Thema Nachhaltigkeit ist die Leuphana ihrem eigenen Motto treu – besonders in der Lehre und durch zahlreiche Initiativen aus der Studierendenschaft. Im praktischen Handeln wird teilweise darauf Wert gelegt. Zu wenig allerdings beim Libeskindbau, den hätte man mit Sicherheit nachhaltiger bauen können, so gibt es bereits zahlreiche Cradle-to-Cradle zertifizierte Baustoffe und auch komplette Gebäude. Die Reden auf der Graduiertenfeier fand ich sehr inspirierend, gerade bzgl. der Aufforderung, etwas zu wagen: Als Umweltberater in Industrieunternehmen möchte ich entscheidende Punkte ansprechen, um von innen heraus etwas zu verändern.“

Yaser Amiri (Bachelor Ingenieurwissenschaften): „Ich schau mich jetzt nach einem Masterplatz um. Hier in Lüneburg will ich nicht bleiben, ich brauche mal einen Tapetenwechsel. Die Uni ist gut, keine Frage, ich empfehle sie auch jedem weiter. Aber gerade im Ingenieurbereich ist es ganz sinnvoll, vielleicht mal in den Süden  zu gehen.“

Nina Frenkel (Bachelor Grundschullehramt): „Ich mache jetzt direkt den Master hier an der Leuphana, wie die meisten meiner Kommiliton_Innen. Von der Universität bin ich total überzeugt. Man kennt die Dozenten, die Kompetenzen, das Umfeld. Manchmal war mir das Lehramtsstudium allerdings zu theorielastig, aber das kann sich ja noch ändern.“

Benjamin Werk (Bachelor Wirtschaftspsychologie): Dass ich hier studieren konnte, ist totales Glück. Denn als ich für den Aufnahmetest nach Lüneburg fahren wollte, bin ich in den falschen Zug gestiegen. Dank einer jungen Polizistin und eines sehr netten Herren konnte ich aber problemlos trampen. Jetzt werde ich wahrscheinlich in den Niederlanden weiter studieren. Dabei wäre ich so gerne hier in Lüneburg geblieben. Aber an der Leuphana gibt es nicht wirklich einen Psychologiemaster. Das ist sehr schade."

Die Leuphana ist kein Elfenbeinturm, das absolvierte Studium viel mehr als ein in sich abgeschlossener Lebensabschnitt. Das wurde am Tag der Graduiertenfeier sehr deutlich. Das Studium in Lüneburg ist darauf ausgerichtet nachzuwirken. Damit sich die ehemaligen Studierenden später im Beruf und vor allem in der Gesellschaft voll entfalten können.


Autorin: Urte Modlich, Universitätskommunikation. Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.