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Was bringt G20? Nachhaltigkeitsseminar prognostiziert Gipfelergebnisse

30.06.2017 Die Welt schaut auf Hamburg. Dort treffen sich am 7. Und 8. Juli die Leader der 19 bedeutendsten Industrie- und Schwellenländer sowie der Europäischen Union, um wichtige Zukunftsthemen zu besprechen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat als Präsidentin des Gipfels unter anderem das Thema Nachhaltigkeit auf die Agenda gesetzt. Wie stehen die anderen Gipfelteilnehmer dazu? Wer wird mitziehen und wer blockieren? Mit diesen Fragen haben sich im Rahmen des Komplementärstudiums Teilnehmende des Seminars „G 20 in Hamburg – Auf dem Weg zur nachhaltiger Entwicklung?“ auseinandergesetzt. Geleitet wurde die Veranstaltung von Harald Heinrichs, Professor für Nachhaltigkeit und Politik am Institut für Nachhaltigkeitssteuerung. Er und die Studierenden Juliane Frost und Felix Schulz wagen auf der Grundlage ihrer Analyse eine Prognose über den Ausgang des Gipfels.

Prof. Dr. Harald Heinrichs, Juliane Frost, Felix Schulz (vlnr)

Herr Heinrichs, Sie haben im vergangenen Jahr das anstehende Gipfeltreffen als Seminarthema festgelegt. Warum gerade dieser Schwerpunkt?

Harald Heinrichs:
Ich finde es wichtig, den Bezug zur Realität herzustellen. Wenn wir uns mit Nachhaltigkeitswissenschaften auseinandersetzen, dann wollen wir das nicht im Elfenbeinturm machen. Wir wollen uns vielmehr in Themen einmischen, die draußen die Welt bewegen. Deswegen habe ich in diesem Semester gemeinsam mit den Studierenden einen genauen Blick auf das Treffen geworfen und geschaut, wie das Thema Nachhaltigkeit auf dem Gipfel verankert ist. Unser Ziel war zu beurteilen, ob das Treffen einen positiven Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung leisten kann.

Wie sind Sie vorgegangen?

Felix Schulz (Environmental und Sustainability Studies):
In den ersten Seminarsitzungen haben wir die Grundlage geschaffen und Fragen erörtert wie: Was ist kennzeichnend für die G20, welche Themen standen bei den zurückliegenden Gipfeln auf der Agenda, welche sind es heute? Ausgehend von unseren Erkenntnissen haben wir einen Rahmen für die Analysen entwickelt, die zu jedem einzelnen Land im Laufe des Seminars präsentiert wurden. Ich habe mich beispielsweise mit der Republik Südafrika auseinandergesetzt. Dabei habe ich verschiedene Aspekte untersucht, z.B. die Abhängigkeit vom fossilen Energieträger Kohle, die geopolitische Bedeutung von seltenen Erden, CO2-Emissionen, aber auch die Agenda der Bundesregierung hinsichtlich des geplanten Ausbaus der Partnerschaft mit Afrika.

Juliane Frost (Umwelt- und Politikwissenschaften):
Ich habe mich mit Brasilien auseinandergesetzt, was sehr spannend war. Im Grunde übernimmt das Land in Bezug auf das Thema Nachhaltigkeit eine Vorreiterrolle. Allerdings wird der Einfluss Brasiliens gering sein, die Glaubwürdigkeit des Landes hat aufgrund des großen Korruptionsskandals sehr gelitten. Für Deutschland ist das schade, weil dadurch Brasilien als wichtiger Partner wegfällt.

Deutschland hat die globalen Nachhaltigkeitsziele und deren Umsetzung auf die Agenda gesetzt. Wie authentisch ist dieser Schritt?

Harald Heinrichs:
Als die Bundesregierung im Januar die Agenda veröffentlicht hat, da las sich das noch sehr ambitioniert. Zu den bekannten Themen wie Finanz- und Wirtschaftspolitik oder Steuervermeidung hatte Kanzlerin Angela Merkel unter anderem auch die Stichworte Energie und Klima gelistet und zusätzlich eine weitere, riesige Baustelle aufgemacht: die Umsetzung der 17 globalen Nachhaltigkeitsziele. Wir kennen den Politik- und Führungsstil von Angela Merkel, sie ist eine Taktikweltmeisterin. Aber machen wir uns nichts vor: Am Ende wird es nicht darum gehen, wie die 17 Nachhaltigkeitsziele umgesetzt werden können, sondern um die Idee der grünen Investitionen, des grünen Wachstums. Viel mehr wird von den ursprünglichen, anspruchsvolleren Zielen nicht übrig bleiben.

Welche Länder weiß Deutschland beim Thema Nachhaltigkeit an seiner Seite?

Juliane Frost:
Wir haben im Seminar die Länder in drei Kategorien eingeteilt. Zu den Zugpferden, den Treibern gehören neben Deutschland Frankreich, Kanada, aber auch China oder Südkorea. Welchen Einfluss die dann aber tatsächlich haben, hängt wiederum von weiteren Faktoren wie politische Stabilität ab.

Felix Schulz:
Es gibt auch Länder, deren Position wir hinsichtlich des Gipfeltreffens als überwiegend neutral einschätzen. Großbritannien zählt dazu. Premierministerin Theresa May muss beim Gipfeltreffen angesichts der anstehenden Brexit-Verhandlungen genau abwägen, welche Position sie einnimmt, um Konflikte mit wichtigen Verhandlungspartnern zu vermeiden. Zu den Blockierern werden aller Voraussicht nach die USA und Saudi-Arabien gehören.

Harald Heinrichs:
Wer sich wie positioniert, das hat sehr viel mit Abhängigkeiten zu tun. Das ist äußert komplex und nach außen nicht immer sichtbar. Nehmen wir noch mal Südafrika. Das ist auf der einen Seite ein Land, das auf Kohle setzt, und deshalb mit Sicherheit nicht zu den Nachhaltigkeits-Treibern gehört. Auf der anderen Seite hofft es auf Investitionen. Ob es vor diesem Hintergrund tatsächlich blockieren wird, ist eher unwahrscheinlich.

Blicken wir auf den Abschluss des Gipfels: Wie lauten Ihrer Analyse nach die Schlagzeilen nach dem Treffen?

Harald Heinrichs:
„Kein Durchbruch für eine nachhaltige Entwicklung.“

Juliane Frost:
„G 20: Viel Lärm um nichts!“

Felix Schulz:
Auf jeden Fall taucht der Begriff „green finance“ auf.

Harald Heinrichs:
Hoffentlich liegen wir mit diesen Schlagzeilen falsch.



Das Interview führte Urte Modlich, Universitätskommunikation. Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.