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Überfachliche Qualifikation im berufsbegleitenden Studium: Erfahrungsberichte

17.07.2017 Neben aktuellem Fachwissen werden in der Berufswelt persönliche Kompetenzen und Soft Skills immer stärker nachgefragt. Die Professional School hat deshalb im Rahmen des Komplementärstudiums überfachliche in das berufsbegleitende Studium integriert.

Überfachliche Qualifikation im berufsbegleitenden Studium: Das Komplementärstudium

In der heutigen Berufswelt reicht reines Fachwissen vielen Unternehmen und Arbeitgebern nicht. Sie suchen selbstbewusste Mitarbeitende, die sich engagieren, offen auf andere zugehen und verschiedene Perspektiven einnehmen können. An der Professional School sind deshalb die überfachlichen Module bzw. das Komplementärstudium ins berufsbegleitende Studium integriert. Neben dem Fokus auf der Vertiefung und Aktualisierung von Fachwissen findet über das Komplementärstudium der Ausbau von sozialen, organisationalen und gesellschaftlichen Kompetenzen Einzug in das Studium. Die Studierenden der Professional School erwerben so parallel wissenschaftlich fundierte und praxisorientierte Fachkenntnisse, während sie persönliche Stärken und Soft Skills vertiefen und trainieren.

Abhängig vom gewählten Bachelor- oder Master-Studiengang absolvieren die Studierenden an der Professional School im Verlauf ihres Studiums neben den Fachmodulen auch bis zu drei komplementäre bzw. überfachliche Module. 

  • Person und Interaktion
  • Organisation und Veränderung
  • Gesellschaft und Verantwortung

In den ersten beiden Modulen stehen Themen wie Methoden- und Sozialkompetenz sowie Grundlagen der Kommunikation, des Konflikt- sowie Projektmanagements auf dem Lehrplan. Das Modul Gesellschaft und Verantwortung ist in den meisten Studiengängen als studiengangsübergreifendes Modul organisiert: Studierende verschiedener Fächer besuchen das Modul gemeinsam und arbeiten in Workshops zusammen an Fragestellungen. Der fachübergreifende Austausch und die Gelegenheit zum Perspektivenwechsel stehen dabei im Vordergrund. 

In den Zertifikatsprogrammen der Professional School ist aufgrund der kürzeren Laufzeiten kein Komplementärstudium in den Studienverlauf integriert. Bei Interesse können Zertifikatsstudierende aber bei freien Kapazitäten an den überfachlichen Modulen der Bachelor- und Masterstudiengänge teilnehmen.


Erfahrungen aus dem Komplementärstudium: Interviews mit Teilnehmenden

Gaby Gieseking studiert im Bachelor Soziale Arbeit für Erzieherinnen und Erzieher.
Huw Jones absolvierte „MBA Strategic Management“ und lehrt heute in den überfachlichen Modulen.

Warum ist aus Ihrer Sicht überfachliche Qualifikation wichtig?

Gaby Gieseking: „Die überfachliche Qualifikation ermöglicht mir, neben dem Zugewinn an fachspezifischem Wissen grundlegende Kompetenzen zu erlangen, die sehr anwendungsbezogen sind und meine Handlungsoptionen im beruflichen wie auch im persönlichen Wirken erweitern. Auf der Grundlage fachlicher Kenntnisse ermöglichen die überfachlichen Module eine Auseinandersetzung mit allgemeinen personalen, sozialen sowie methodischen Schlüsselkompetenzen wie z. B. eine zugewandte Kommunikation, die Fähigkeit zur Selbstreflexion oder das Anwenden bestimmter Methoden. Die überfachlichen Module schaffen eine gelungene Verbindung zwischen fachlichen Grundkenntnissen und qualifiziertem Handeln.“ 

Huw Jones: „Wir müssen noch flexibler und anpassungsfähiger auf die rasanten Veränderungen in der Arbeitswelt reagieren.
Die Digitalisierung schreitet immer schneller voran und wir haben schon längst erkannt, dass die herkömmlichen und althergebrachten Strukturen in unseren Unternehmen nicht ausreichend sind, um mit der zunehmenden Komplexität und Unsicherheit umzugehen. Unsere Mitarbeiter brauchen daher bereits heute ganz andere Kompetenzen und Strukturen, um flexibler und anpassungsfähiger mit den rasanten Veränderungen umzugehen. In Zukunft werden traditionelle Hierarchien weiterhin zugunsten von agilen Netzwerkstrukturen zurückweichen und wir werden neue Arbeitsformen, -strukturen und -prozesse in unsere Unternehmen einführen müssen, die mit dem tiefgreifenden Wandel in unserer Gesellschaft Schritt halten können. Das erhöht schlagartig den Druck auf alle Mitarbeiter im Unternehmen vom Manager bis zum Sachbearbeiter.
Die überfachlichen Qualifikationen helfen insbesondere Führungskräften und anderen in der besonderen Verantwortung stehenden Mitarbeitern, ihr Handeln in einem breiteren Kontext zu betrachten und besser zu verstehen. Das ist aber auch eine unabdingbare Voraussetzung, im Unternehmen ein gemeinsames Verständnis von dem, was man tut und wie man es tut, zu schaffen.“

 

Was haben Sie im Studium im Komplementärstudium gelernt, das Sie heute noch in Job und/oder Privatleben anwenden können?

Gaby Gieseking: „Mitgenommen habe ich hilfreiches und pragmatisches „Handwerkszeug“, das ich gut in die Praxis übertragen kann und das in vielen Bereichen meiner beruflichen oder persönlichen Alltagswelt einsetzbar ist. Hierzu gehören unter anderem Methoden für eine systematischere Arbeitsorganisation, die Erstellung und der Umgang mit Präsentationen und Vorträgen, Methoden und wichtige Hintergrundinformationen, die zu einer gelingenden Kommunikation beitragen, Planen und Durchführen von Projekten sowie Formen und Möglichkeiten einer konstruktiven Auseinandersetzung mit ethischen Fragestellungen.“

Huw Jones: „Ich bin in der Tat über mich selbst hinaus gewachsen. Ich bin im Allgemeinen selbstkritischer geworden und geneigter, sowohl im Beruf als auch im Privatleben die Dinge strukturierter anzugehen. Ich frage mich heute mehr als früher: Wo will ich hin? Was möchte ich erreichen? Wie komme ich dahin und wen und was brauche ich dafür? Insgesamt könnte man sagen, dass ich besser in der Lage bin, für mich passende Entscheidungen zu treffen und zu wissen, wie ich sie realistisch auch zur Umsetzung bringe.“

 

Erinnern Sie sich noch an eine konkrete Veranstaltung des Komplementärstudiums? 

Gaby Gieseking: „Im Modul „Präsentation und Vortragstechniken“ konnte ich meine Kenntnisse in Bezug auf die wesentlichen Kriterien für eine gelingende Präsentation mit digitalen Medien erweitern. Die Veranstaltung „Grundlagen der Kommunikation/Konfliktmanagement“ empfinde ich als eine der wichtigsten Veranstaltungen, da in unserem Tätigkeitsfeld eine gute und gelingende Kommunikation von besonderer Bedeutung ist. Unterstützend für meine berufliche und persönliche Weiterentwicklung empfinde ich die Informationen zur Bedeutung und Auswirkung von Sprache (hierzu hätte ich gerne noch mehr erfahren), die Ausführungen zur Beziehungsgestaltung sowie das Kennenlernen verschiedener Methoden zur Gesprächsführung, insbesondere die „Motivierende Gesprächsführung“. Im Modul „Ethik und Sozialphilosophie“ habe ich sehr wichtige Erkenntnisse über ethische Problemlagen und den möglichen Umgang damit gewonnen. Diese Kenntnisse sind für mich sowohl für meine berufliche wie auch für meine persönliche Alltagswelt besonders wertvoll und hilfreich.“ 

Huw Jones: „Hier fallen mir einige Beispiele ein, aber im Rahmen meiner beruflichen Funktion als Personalmanager war es für mich besonders wichtig, Wege zu finden, um den Einfluss der Personalarbeit auf die Erreichung der Unternehmensziele zu stärken und damit die Personalarbeit zu einem eindeutigen Wettbewerbsfaktor im Unternehmen auszubauen. Im Zuge des überfachlichen Moduls Change Management konnte ich mich intensiv mit der Frage zur Beteiligung des Bereiches Human Resources im Rahmen des Veränderungsmanagements auseinandersetzen. Das war besonders wichtig, da jedes Change Projekt große Schnittstellen zur Personalarbeit bietet (z. B. Kommunikation, personelle Veränderungen, Weiterbildung bzw. Umschulung etc.). In der Praxis stellen wir jedoch oft fest, dass Unternehmen ihr Personalmanagement nicht rechtzeitig oder ausreichend in die Veränderungsprozesse einbeziehen. Hierin liegt aber zugleich ein wesentlicher Grund, warum so viele Veränderungsprozesse scheitern. Durch die durchdringende Beschäftigung mit dem Change Management konnte ich unternehmensintern ein Rahmenmodell entwickeln und ausrollen, damit unternehmensinterne Change Projekte strukturierter und mit größerer Weitsicht geführt werden können.“

 

Warum haben Sie sich entschlossen, im Komplementärstudium zu lehren?

Huw Jones: „Weiterbildung ist für mich eine persönliche Herzensangelegenheit. Ich lerne nicht nur selbst immer wieder gerne dazu, sondern gebe gerne auch Gelerntes und Erfahrenes wieder. Mein MBA in Strategic Management war für mich sehr richtungsweisend in meinem Beruf. Nach Abschluss meines MBA stellte ich fest, wie sehr ich mich als Personalmanager verändert hatte. Ich hatte angefangen, meine Tätigkeit in einem viel größeren Kontext zu verstehen und war nun auch in der Lage, Situationen außerhalb meines unmittelbaren Verantwortungsbereiches besser zu beurteilen und notwendige Veränderungen anzusprechen und zu diskutieren. Kurzum, ich lege heute einen starken Fokus darauf, evidenzbasierte Theorien und Methoden in die Praxis zu überführen, um einfach besser zu werden. Der Übergang von der Theorie in die Praxis fasziniert mich daher sehr und hierüber rede ich nun einmal sehr gern. Ich möchte den Studierenden eine Unterstützung bieten, wie sie ihr Gelerntes sicher in ihr Berufsleben überführen und andere für ihre Ideen gewinnen können, ohne dabei auf die Nase zu fallen.“

 

Wie haben Sie die Lehrtätigkeit im Komplementärstudium empfunden?

Huw Jones: „Kurz: als eine unglaublich inspirierende persönliche Bereicherung. Ich bin fasziniert von der Neugier und der Aufmerksamkeit, die mir die Studierenden entgegengebracht haben. Ich bereite meine Vorträge sehr sorgfältig vor und überlege mir bei der Planung vorab sehr genau, welche Anregungen und Vorschläge ich den Studierenden für ihre berufliche Praxis mit auf den Weg geben möchte. Und auch wenn bis zu 200 Studierende im Hörsaal sitzen, sie geben mir als Gruppe das Gefühl zurück, dass sie sehr genau hinhören und sehr daran interessiert sind, so viel wie möglich mitzunehmen. Da schließt sich für mich ein Kreis, der mich motiviert, mich weiterzubilden und bald wieder vortragen zu dürfen.“


Weitere Informationen zum Komplementärstudium

Weitere Informationen über das Komplementärstudium im berufsbegleitenden Studium finden Sie auf den Webseiten der Professional School oder bei den folgenden Ansprechpersonen:

Dr. Kathrin Susann Becher
Universitätsallee 1, C40.117
21335 Lüneburg
Fon +49.4131.677-1193
Fax +49.4131.677-2981
becher@leuphana.de

Irmela Lord
Universitätsallee 1, C40.117
21335 Lüneburg
Fon +49.4131.677-1537
Fax +49.4131.677-2359
lord@leuphana.de


Autorin: Jelka Göbel; Redaktion: Ann Cathrin Frank, Universitätskommunikation. Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.