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Wildes Spiel - Kanupolo-Nationalspielerin Jennifer Niss zwischen Studium und Sport

08.08.2017 10 Kanus, zwei Tore, ein Ball. Kanupolo ist eine Mischung aus Handball, Basketball und Rugby. So beschreibt die 26-jährige Lehramtsstudentin Jennifer Niß ihre große Leidenschaft. Damit sie mit der Nationalmannschaft auch ausreichend trainieren und spielen kann, wird sie von der Leuphana unterstützt.

Wer sich ein Kanupolo-Spiel einmal angeschaut hat, der weiß, warum es nicht ohne Helm und Visier geht. Im Kampf um den Ball schieben sich gegnerische Kanus ineinander, die Paddel fangen in der Luft gepasste Bälle ab, Abdrängen und Rangelei gehören zur Taktik. Es geht ruppig und schnell bei dieser ungewöhnlichen Sportart zu, und genau das liebt Jennifer Niß. „Für Kanupolo habe ich all meine Hobbys aufgegeben“, sagt sie. Bedauern schwingt dabei nicht mit, vielmehr Stolz: Denn das, was die gebürtige Hamburgerin bisher erreicht hat, ist beeindruckend: Mit der deutschen U21-Nationalmannschaft ist sie vor gut fünf Jahren in Madrid Europameister geworden, später rückte sie in den A-Kader der deutschen Nationalmannschaft auf, mit ihr wurde sie 2013 Europameistern.

Der Erfolg beruht unter anderem auch auf intensivem Training. Vier Mal die Woche geht sie mit dem Kanu aufs Wasser oder verausgabt sich im Kraftraum, dazu kommen meist am Wochenende Spiele, Meisterschaften, Trainingslager. „Damit ich all das in Einklang mit meinem Studium bringen kann, bekomme ich an der Leuphana tolle Unterstützung“, schwärmt die Sportlerin. Denn die Universität greift als „Partnerhochschule des Spitzensports“ studierenden Kaderathlet_Innen unter die Arme. „Ich werde bei der Studienplanung unterstützt, kann im Studio 21 trainieren oder erhalte physiotherapeutische Behandlung. Außerdem bietet man mir soweit es irgendwie geht flexible Studienbedingungen an.“  Die Seminare, Vorlesungen und Prüfungen auf der einen, der Sport auf der anderen Seite – Jennifer Niß konnte bisher alles gut unter einen Hut bringen. Ihr Lehramtsstudium für die Grundschulfächer Mathematik und Sachunterricht hat sie bereits abgeschlossen, nun studiert sie Sportunterricht als Erweiterungsfach. “Ehrlich gesagt war Lüneburg als Studienort nur meine Zweitwahl“, gesteht die Sportlerin. „Heute aber bin ich sehr froh, hier gelandet zu sein. Die Uni ist nicht so anonym, fast schon familiär.“

So ungewöhnlich die Sportart Kanupolo für Außenstehende ist, so naheliegend ist sie im Fall von Jennifer Niß. Schon ihre Großeltern waren Mitglieder des Hamburger Vereins Alster Canoe Club, ihre Eltern lernten sich dort kennen und nahmen später ihre Tochter bereits als  Säugling mit auf Kanutouren. „Ich wurde quasi ins Boot geboren“, erzählt die 26-Jährige lächelnd, „unser komplettes Familienleben findet bis heute im Verein statt.“ In jungen Jahren fuhr sie zunächst Kanurennen, doch mit 15 wurde in ihrem Heimatverein erstmals eine Damen-Kanupolo-Mannschaft gegründet - Jennifer Niß war sofort Feuer und Flamme. Begeisterung und Freude haben bis heute nicht nachgelassen, dafür aber die Kräfte: „Ich habe große Schulterprobleme, typisch für diese Sportart. Das macht mich leider für die Nationalmannschaft zu einem unsicheren Faktor.“ Deswegen kam die Entscheidung des Trainers im vergangenen November für Niß nicht überraschend. „Er hat beschlossen, dass ich vom A-Kader in den B-Kader wechsle, also nur noch Aushilfsspielerin bin.“ Das sei schon bitter, sagt die Studentin, freut sich jedoch gleichzeitig über eine neue Aufgabe, die etwa zur selben Zeit an sie herangetragen wurde: „Seit etwa einem halben Jahr trainiere ich die U21-Damenmannschaft“, berichtet sie, „das macht mir wahnsinnig viel Spaß.“ Der Job als Trainerin ist einer von etlichen ehrenamtlichen Tätigkeiten. Jennifer Niß coacht außerdem die Jugendmannschaft in ihrem  Verein, dort ist sie auch Jugendwartin und Mitglied im Vorstand. „Das alles mache ich aus Liebe zum Sport, nur das ist meine Motivation“, betont sie, fügt aber dann nach einer kurzen Pause hinzu: „Was den Job als U-21-Trainerin anbelangt, da würde ich mich schon über finanzielle Unterstützung zum Beispiel für die Fahrtkosten freuen.“

In naher Zukunft kann die Lüneburger Studentin damit nicht rechnen, zwei andere Ziele sind ihr derzeit auch wesentlich wichtiger: „Ich freue mich, wenn ich bald als Grundschullehrerin arbeiten kann“, zählt sie auf. Und zweitens: „Im kommenden Jahr fahren wir mit der U 21 zur Kanupolo-Weltmeisterschaft nach Kanada. Da wollen wir ins Finale kommen – mindestens!“



Autorin: Urte Modlich, Universitätskommunikation. Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.