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„Bei der Reflexion gibt es kein zu früh, zu oft oder genug“: Der Master Kick-off 2017

06.10.2017 „Das Studium an der Leuphana hilft Ihnen, das Dilemma zwischen wissenschaftlicher Demut und Selbstbewusstsein zu lösen“, erklärte Prof. (HSG) Dr. Sascha Spoun – und genau deswegen sei das Studium an der Leuphana genau die richtige Wahl. Vorträge über die Studiengänge, Campusführungen und Infomesse: Der Master Kick-off der Leuphana Graduate School bot den neuen Masterstudierenden viele Möglichkeiten.

Die neuen Masterstudierenden wurden von Prof. (HSG) Dr. Sascha Spoun, Prof. Dr. Markus Reihlen, dem Vizepräsident der Graduate School und dem AStA begrüßt. Die Festrede hielt Prof. Dr. Dr. h.c. Margit Osterloh, die permanente Gastprofessorin an der Universität Basel und Ehrendoktorin der Leuphana ist. Anschließend hatten die Studierenden die Möglichkeit, sich auf der Infomesse im Foyer des Zentralgebäudes über die Service-Einrichtungen der Leuphana detailliert zu informieren, vertreten waren unter anderem das MethodenzentrumMedien- und Informationszentrum, das International Office, das ZeMoS mit dem Schreibzentrum und der Hochschulsport. Auch der AStA hatte einen Stand: „Die Studierenden wenden sich besonders mit der Frage an uns, wo und wie sie sich engagieren können“, erklärte Laura vom AStA. 

Auch Johanna, 23 (rechts), und Maren, 24 (links), waren beim Master Kick-off dabei. Sie werden an der Graduate School Management & Business Development studieren.

„Mein erster Eindruck von der Leuphana ist absolut positiv“, erzählte Johanna. „Der Campus ist toll und der Kick-off gut organisiert. Besonders freut mich, dass es kein ,typischer’ Studienstart ist, es gibt nicht nur fachliche Informationen, sondern auch viel zum Studium generell und der Uni selbst. Für die Uni habe ich mich entschieden, weil Nachhaltigkeit für mich eine wichtige Rolle spielt – diesen Aspekt kann man am besten an der Leuphana ins Studium einbinden, glaube ich.“ „Ich habe vorher in Hamburg Praktika gemacht, und als ich mich für ein Masterstudium entschieden hatte, hat mir mein Betreuer die Leuphana empfohlen“, ergänzte Maren. „Die Leuphana hat in Hamburg einen sehr guten Ruf, also stand meine Entscheidung schnell fest. Ich freue mich auf das Studium.“ 

Jungvögel, die richtige Balance und Reflexion

Im Masterstudium würden die Studierenden mit einem Dilemma konfrontiert, begann Hochschulpräsident Sascha Spoun seine Rede. Von ihnen werde einerseits wissenschaftliche Demut erwartet: „Was weiß ich, was weiß ich nicht und wie kann man diese Lücke schließen?“ Andererseits sollen sie selbstbewusst sein: im Auftreten, beim Präsentieren und teilweise sogar bereits beim Publizieren. Auch werde oftmals früh eine Spezialisierung auf ein bestimmtes Fachgebiet erwartet, die dann jedoch eine Teilnahme am breiteren wissenschaftlichen Diskurs verhindere. So seien die Masterstudierenden wie Jungvögel, die noch nicht fliegen könnten, sich aber selbstbewusst durch die Lüfte schwingen müssten. „Doch wir lassen Sie in diesem Dilemma nicht alleine“, erklärte Spoun, „wir helfen Ihnen, das auszubalancieren, das richtige Maß an akademischer Demut und akademischem Selbstbewusstsein zu finden – und das wird durch Reflexion möglich.“ Dieses „richtige Maß“ sei jedoch jeden Tag neu zu bestimmen und daher biete die Graduate School Angebote, über die eigene Disziplin mir ihren Paradigmen und Methoden, aber auch über die eigenen Fähigkeiten nachzudenken, um eine Antwort auf die Frage „Wo stehe ich?“ zu finden. 

„Nutzen Sie Möglichkeiten und finden Sie Mitstreiter!“ 

Dabei helfe auch das Komplementärstudium, die Forscherinnen und Forscher der Leuphana und schließlich das Master-Forum. Die Mitarbeiter_innen der Graduate School könnten beim Erfolg helfen, verantwortlich dafür seien aber die Studierenden selbst. „Nutzen Sie Möglichkeiten und finden Sie Mitstreiter für Ihre Sache!“, forderte Spoun die Anwesenden auf. Das, was aus der Reflexion mitgenommen werde, bestimme die Qualität des weiteren Lebens- und Berufsweges. „Wie reflektiere ich?“ sei daher eine gute Ausgangsfrage für das anstehende Studium, befand Spoun, und: „Bei der Reflexion gibt es kein zu früh, zu oft oder genug.“

Die Festrede hielt Prof. Dr. Dr. h.c. Margit Osterloh, die unter anderem zum Thema „Frauen in Führungspositionen“ und Migrationspolitik forscht. Osterloh studierte ein – damals besonders – typisches Männerfach Wirtschaftsingenieurwesen. Mit einem Stipendium des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung promovierte sie in Berlin und habilitierte anschließend an der Universität Erlangen-Nürnberg. Seit 2008 ist sie Forschungsdirektorin beim CREMA (Center for Research in Economics, Management and the Arts) in Zürich.

„Sie haben im Masterstudium vielleicht letztmals die Chance, ohne berufliche Zwänge Ihr Wissen zu vertiefen“, verdeutlichte sie. Daneben biete das Masterstudium die Chance, komplexe Zusammenhänge zu verstehen und mehr Verantwortung zu übernehmen.

Osterloh sprach in ihrer Festrede zum aktuellen Thema der Frage des Umgangs der EU mit Geflüchteten. An diesem Beispiel verdeutlichte Osterloh das Dilemma zwischen Gesinnungs- und Vernunftethik: Die Willkommenskultur, die den Geflüchteten von der Bevölkerung und der Bundeskanzlerin entgegengebracht worden sei, beruhe auf gesinnungsethischen Gründen. In Folge dessen habe jedoch ein Umschwung von der Willkommenskultur fort stattgefunden, die Forderung nach geschlossenen Grenzen sei laut geworden, da die – vernunftethischen – Folgen offener Grenzen unter anderem eine Sogwirkung sei und immer mehr Menschen nach Europa kämen. Mittlerweile hätten sich im Mittelmeerraum Asylzentren gebildet, und die dortige Praxis, Armutsflüchtlinge zurück in ihre Heimatländer zu schicken und andere einzulassen, halte sie für keine gute Lösung, erklärte Osterloh. In der Diskussion darüber würden oftmals nur Konsequenzen für Europa, nicht jedoch die für die Geflüchteten oder die Herkunftsländer betrachtet werden. Was also tun?

Das Dilemma und die mögliche Lösung aus ökonomischer Sicht 

Aus ökonomischer Sicht bestehe das Dilemma aus zwei korrespondierenden Phänomenen, erklärte Osterloh. Einerseits bestehe das Samariterdilemma, nach dem mehr Leute angezogen werden, je mehr Gutes man tue. Auf der anderen Seite stehe das Genossenschaftsgüterproblem, das darin bestehe, dass vom Vorhandensein kollektiver und öffentlicher Güter Trittbrettfahrer aufkämen, welche diese nutzten und so von ihnen profitierten, ohne jedoch selbst einen Beitrag dazu geleistet zu haben. Als Lösung schlägt Osterloh vor, dass die Geflüchteten in den Lagern im Mittelmeerraum eine Einreisegebühr verrichteten und in Folge dessen gefahrlos nach Europa einreisen könnten. Würden sie als Geflüchtete anerkannt, erhielten sie diesen Beitrag zurück, wenn nicht, bliebe der Beitrag einbehalten, sodass sie einen Beitrag zu den Vorteilen des Sozialsystems, die sie nutzen würden, geleistet hätten. „Diese Idee scheint auf den ersten Blick sehr hart“, gab Osterloh zu, „allerdings bietet sie für alle Beteiligten Vorteile.“ Die Aufnahmeländer profitierten durch das erhaltene Geld, wodurch in diesen außerdem der Widerstand in der Bevölkerung gegen die Aufnahme von Geflüchteten sinken würde. Die Geflüchteten wiederum profitierten, da sie relativ gefahrlos, also ohne die Einbindung von Schleppern, nach Europa einreisen könnten. Darüber hinaus hätten Studien gezeigt, dass bei freien Grenzen 50% der Migrant_innen nach zehn Jahren wieder zurück in ihre Heimatländer gehen würden, die dort dann wiederum bei der Entwicklung von Gesellschaft und politischem System helfen könnten – sie würden quasi als Change Argents wirken. So würden auch die Herkunftsländer profitieren. 

„Sowohl dieses als auch das von Herrn Spoun genannte Dilemma können durch Reflexion und Fachwissen gelöst werden“, schloss Osterloh. Und: „Sehen Sie Ihre Kommilitonen als das, was das Wort ursprünglich bedeutet: Als Mitstreiter.“

„Wir haben bereits im Vorfeld viele Anmeldungen erhalten und heute sind sogar mehr Studierende gekommen als angemeldet waren“, freute sich Organisatorin Julia Harlapp von der Graduate School. „Auch zur Infomesse haben wir bereits viel positives Feedback bekommen. Außerdem ist das Zentralgebäude ein besonders schöner erster Eindruck für die Studierenden. Wir freuen uns, dass der Master Kick-off so gut angenommen wird!“

Im Anschluss an den Kick-off findet ab Montag die Auftaktwoche statt, in der Auftaktveranstaltungen für die einzelnen Studiengänge und Vorbereitungskurse stattfinden. Anmeldungen sind hier noch möglich. 


Weitere Informationen
Kontakt Auftaktwoche

Dipl.-Geogr. Julia Harlapp
Universitätsallee 1, C14.101
21335 Lüneburg
Fon +49.4131.677-2406
Fax +49.4131.677-2410
julia.harlapp@leuphana.de


Autorin: Morgaine Struve, Universitätskommunikation. Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.