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Vom Mut, Verantwortung zu übernehmen – Gregor Gysi und Hans-Gert Pöttering geben Impulse zur Opening Week 2017

10.10.2017 Sie kommen aus völlig entgegengesetzten politischen Richtungen, doch sie eint die Idee „Europa“. Der ehemalige Präsident des Europaparlaments Dr. Hans-Gert Pöttering (CDU) und der Präsident der Europäischen Linken Dr. Gregor Gysi teilten mit den Erstsemesterstudierenden der Leuphana ihre Gedanken und Visionen zur EU.

Gregor Gysi: „Eine Auflösung der EU ist Quatsch.“

Hans-Gert Pöttering gehört im europäischen Kontext zu den „alten Hasen“. Von 1979 bis 2014 war er Mitglied des Europaparlaments, er hat Jahrzehnte lang die Entwicklung der EU verfolgt und gestaltet. Den Grund für sein Engagement sieht er in seiner eigenen Geschichte: „Mein Vater ist kurz vor meiner Geburt im Zweiten Weltkrieg gestorben. Ihn nie erlebt zu haben, hat mich sehr geprägt“, erzählt er. Für ihn sei klar immer klar gewesen, dass er sich politisch für den Frieden engagieren wolle – und die EU sei ein Friedensprojekt.

An die neuen Studierenden der Leuphana richtete er in diesem Kontext einen Appell: „Haben Sie den Mut, Verantwortung zu übernehmen. Es ist Ihr Jahrhundert.“ Wie dieses Engagement aussehen kann, daran feilten die Erstsemesterstudierenden am zweiten Arbeitstag der Opening Week. Sie setzten sich am Dienstag mit konkreten Herausforderungen wie Populismus oder Finanzkrise auseinander, denen Europa aktuell begegnet. Das Tagesziel war dabei, Ideen und mögliche Lösungsansätze zu erarbeiten.

Eine der großen Herausforderungen ist das wirtschaftliche Ungleichgewicht zwischen den nord- und südeuropäischen Ländern. Ein Thema, das der Linken-Politiker Gregor Gysi im vollbesetzten Audimax des Zentralgebäudes ansprach. „Deutschland hatte nach dem Krieg einen Marshallplan, der beim Aufbau geholfen hat“, schildert er und erinnert auch an die Schulden, die Deutschland wenige Jahre später erlassen wurden. Der Umgang mit Ländern wie Griechenland ist deshalb seiner Auffassung nach falsch und unsolidarisch: „Wir sollten Interesse daran haben, den Süden aufzubauen statt ihn abzubauen.“ Der Berliner Politiker ist der EU gegenüber sehr kritisch, in Frage stellt er sie hingegen nicht: „Eine Auflösung ist Quatsch“, betont er, so wie bisher könne es aber nicht weitergehen.

Video: Keynote von Gregor Gysi (1:01:48)
Video: Keynote von Hans-Gert Pöttering (51:43)

Pöttering: „Respektvoll miteinander umgehen“

Veränderungen brauchen Engagement, das betont auch Hans-Gert Pöttering. Dafür benötigten die Studierenden „Leidenschaft, aber auch Geduld“. Von zentraler Bedeutung sei bei allen Verhandlungen und bei aller Kritik Respekt füreinander, so der Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung. „Es ist so leicht, aufeinander draufzuhauen und Stimmung zu erzeugen“, berichtet er aus seinen eigenen Erfahrungen. „Doch wenn man sich nicht respektvoll begegnet, lehnt man nicht nur die Position des anderen, sondern den Menschen ab – das dient nicht dem friedvollen Zusammenleben“, sagte er. Ein Statement, das die Zuhörer_innen mit viel Applaus unterstützten.

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Autorin: Urte Modlich, Universitätskommunikation. Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.