Meldungen zum Studium

Austausch auf Augenhöhe – Ehemalige Leuphana-Studentin bietet alternatives Reisen an

23.10.2017 Unter Rio-Touristen ist diese Form von Sightseeing besonders bekannt: Mit Jeeps lassen sich Reisende in die Armenviertel fahren, machen ein paar Fotos und ziehen dann weiter. „Respektlos und ungeeignet“ findet das Britta Bastian. Sie hat deshalb ein Start-Up gegründet, das - nicht nur beim Reisen - die Begegnung mit Menschen im Fokus hat.

Fünf Jahre lang hat Britta Bastian in Rio de Janeiro gelebt, seit ein paar Wochen ist sie wieder in Deutschland. Voller Tatendrang wirkt sie, das Bedürfnis, etwas zu bewegen, ist deutlich spürbar: „Hier setze ich in Zusammenarbeit mit meinen beiden Partnern aus Rio das fort, was wir Südamerika ins Leben gerufen haben“, kündigt die 33-Jährige an. Dabei handelt es sich um das Start-Up „TheGlobePeople“, das ganz allgemein betrachtet den Austausch von Wissen, Ideen und Kultur stimulieren möchte.

Eine Möglichkeit bietet dafür der Tourismusbereich. Hier verfolgen und begleiten TheGlobePeople verschiedene Projekte, einige davon sind noch in der Entwicklungsphase, andere laufen bereits. Zum Beispiel RioConnection, das eine andere und vor allem intensive Form von Reiseerlebnis anbietet. „Wir vermitteln in Rio de Janeiro Organisationspartner, die unser Verständnis von Tourismus teilen“, erklärt sie. Was dieses Verständnis beinhaltet, veranschaulicht sie anhand eines konkreten Angebots: „Mein Lieblingsprojekt ist der Kochkurs mit dem Brasilianer Fábio. Im seinen Restaurant in der Favela Vidigal können alle, die Lust haben, gemeinsam mit ihm herrliche brasilianische Gerichte zubereiten. Dabei wird geredet, gelacht, gegessen – die Atmosphäre ist unheimlich entspannt“, schwärmt die gebürtige Karlsruherin. Eine andere Tour ermöglicht den Besuch kaum bekannter Orte: In einem Vorort von Rio können Reisende Quilombos – Wohnsiedlungen, die früher als Zufluchtsort vor Sklaverei dienten - und ihre Bewohner kennenlernen. Bei den Angeboten handelt es sich fast nie um All-Inclusive-Pakete, sondern in der Regel werden Ideen oder Veranstaltungen in Kombination mit Übersetzern oder Begleitern ermöglicht. „Wir schaffen einen sicheren Rahmen, helfen bei der Kontaktaufnahme oder bei der Terminabsprache“, so Bastian.

Schon seit ihrer Jugend dreht sich bei Britta Bastian alles ums Reisen und um die Begegnung. Mit 16 nahm sie an einem Schüleraustausch in Malaysia teil. Später während ihres Leuphana-Studiums ging sie für sechs Monate nach Finnland, danach nach Mexiko und anschließend nach Brasilien. „Diese verschiedenen Orte und Lebensumstände haben mich sehr geprägt. Ich glaube, dass Menschen auch beim Reisen gewisse Lebensrealitäten ausblenden und wenig Kontakte zu den Bewohnern knüpfen.“ Ihre Befürchtung sei deshalb, dass sich Ansichten und Vorurteile festsetzen, statt sie in Frage zu stellen. „Dadurch kann kein Lernprozess stattfinden und es fehlt das Verständnis für andere Kulturen, Religionen oder sozialen Schichten.“

Mit diesem Thema hat sich die Wahlhamburgerin auch in ihrer Magisterarbeit auseinandergesetzt. Von 2004 bis 2009 studierte sie in Lüneburg Angewandte Kulturwissenschaften mit Schwerpunkt Kultur, Geographie und BWL. „Ich habe gerne und mit viel Interesse an der Leuphana gelernt, aber ich habe auch immer wieder mit dem Studium gehadert“, erzählt sie. „Am Ende fehlte ein klares Berufsbild, ich konnte nie konkret benennen, was ich mit dem Studium genau anfange.“ Doch mit Abstand betrachtet sei ihr klar, welche wichtigen Voraussetzungen ihr die Lüneburger Universität für ihr heutiges Wirken mitgegeben habe: „Ich besitze eine geistige Flexibilität, die für unser Start-Up unheimlich wichtig ist“, beschreibt sie. „Durch das interdisziplinäre Studium habe ich gelernt, mich schnell in neue Fach- und Themenbereiche einzuarbeiten und auf verschiedene Menschen ein- und zuzugehen. Darüber bin ich heute sehr glücklich.“

Doch noch trägt sich TheGlobPeople nicht selbst. Um ihren Lebensunterhalt zu sichern, jobbt Britta Bastian nebenher. „Seit meiner Rückkehr aus Brasilien im September arbeite ich als Deutschlehrerin in einem Hamburger Sprachinstitut“, erläutert sie. Gleichzeitig entwickelt sie ihr junges Unternehmen weiter: Zum einen soll eine App angeboten werden, die den Austausch “auf einen größeren Fuß stellt“. Zum anderen möchte sich die 33-Jährige stärker auf Deutschland konzentrieren. „Ich möchte eine Plattform schaffen, auf der sich Menschen begegnen können, egal ob Geflüchtete, Zugezogene, jung oder alt.“ Diese Begegnungen könnten in Form von gemeinsamen Aktivitäten geschehen wie Sport oder Ausflüge. Bei der Umsetzung dieser Pläne hofft Bastian auf Unterstützung. „Ich bin keine Einzelkämpferin“, betont sie. „Wenn interessierte Leute mit mir gemeinsam diese Ideen verwirklichen, wäre das großartig!“


Kontakt Alumni-Netzwerk

Philip Dunkhase
Universitätsallee 1, C40.M15
21335 Lüneburg
Fon +49.4131.677-1795
Fax +49.4131.677-2981
philip.dunkhase@leuphana.de


Autorin: Urte Modlich, Universitätskommunikation. Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.