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„Sprache bringt auch immer Kultur mit sich“ – Studierende unterstützen den deutsch-französischen Austausch mit Video

09.11.2017 Bereits zum zweiten Mal wurde im Rahmen des Komplementärstudiums ein Seminar zum deutsch-französischen Austausch angeboten. „Mir war es wichtig, dass die Studierenden praxis- und projektorientiert arbeiten können und es ein sichtbares Ergebnis gibt, das wir zusammen erarbeitet haben“, erklärt Dozent Christophe Hohwald seine Herangehensweise.

„Le monde universitaire français et nous“: Ergebnis dieses Projektseminars im Komplementärstudium ist ein Video, in dem auf Französisch die Leuphana und die Stadt Lüneburg den französischsprachigen Studierenden vorgestellt werden. „Die Tatsache, dass im Komplementärstudium Studierende verschiedener Fachrichtungen zusammenarbeiten, war in unserem Seminar sehr hilfreich“, erklärt Hohwald. „Es gab zwar verschiedene Fachkompetenzen, Interessen und Sprachniveaus zu berücksichtigen, aber alle haben sich gut ergänzt.“ Darüber hinaus bot das Seminar die Möglichkeit, Credit Points für das „ZiKS – Zertifikat interkulturelle Kommunikation und Sprache“ zu erwerben, mit dem Studierende ihr Kompetenzprofil für akademische und berufliche Entwicklung im internationalen Bereich abbilden können. Christophe Hohwald, Dozent und Koordinator des Faches Französisch im Sprachenzentrum, und Yann Schröder, Teilnehmer des Seminars, im Interview über Ergebnisse und die Wichtigkeit des interkulturellen Austauschs. 

Herr Hohwald, welches Ziel haben Sie mit dem Seminar verfolgt?
Christophe Hohwald:
 Durch eine Vergleichsanalyse der Universitäten in Frankreich und Deutschland wollte ich mit den Studierenden ein Format erarbeiten, mit dem Themen aus einer interkulturellen Perspektive betrachtet werden können. Da der didaktische Ansatz dieses Seminars projektbasiert ist, haben wir mit Leitfragen gearbeitet,  die wir mit einem sichtbaren Ergebnis beantworten wollten. Nach einer ersten Phase von Recherchen und Interviews mit Erasmus-Studierenden aus Frankreich und Mitarbeiterinnen vom International Office wurde deutlich, dass es sinnvoll wäre, den künftige Erasmus- Studierenden aus Frankreich die Leuphana näher zu bringen. Um dieses zu ermöglichen, hat sich die Gruppe für ein Video als Ergebnis des Seminars entschieden. Der Spracherwerb spielte  in der Veranstaltung auch eine wichtige Rolle. Das Seminar ist nämlich ausschließlich auf Französisch gehalten worden, was häufig etwas mehr Anstrengung seitens der Studierenden benötigt, um über Texte nachzudenken und Diskussionen halten zu können. Das konkrete Seminarziel motivierte die Studierenden in der Fremdsprache, die sonst wenig benutzt wird, zu reflektieren. 

Welche Sorgen haben die Studierenden aus Frankreich bei ihrem Interview genannt?
Christophe Hohwald:
In erster Linie ist tatsächlich die deutsche Sprache eine kleine Hürde. Zwar wird in Frankreich auch Deutsch unterrichtet, andersherum ist der Französischunterricht hier allerdings weiter verbreitet. Dazu kommt, dass Erasmus-Studierende sich meistens eher Großstädte wie Berlin oder Hamburg als Ziel aussuchen. Daher haben wir im Video nicht nur die Vorteile der Leuphana, sondern auch die der Stadt Lüneburg als Lebensraum präsentiert. 

Warum möchten Sie die Leuphana gerade für französischsprachige Studierende interessant machen?
Christophe Hohwald:
Momentan ist es so, dass mehr deutschsprachige Studierende ins französische Ausland gehen als andersherum. Das wollen wir gerne ändern, denn die Idee von Erasmus ist, dass es einen gleichmäßigen Austausch gibt. 

Welche Vorteile bot das Seminar Studierenden der Leuphana?
Christophe Hohwald:
Neben dem Spracherwerb konnten sich die Studierenden auch auf ihren eigenen Auslandsaufenthalt vorbereiten. Von den 15 Seminarteilnehmern haben acht die Möglichkeit eines Auslandsaufenthaltes in Frankreich in Erwägung gezogen beziehungsweise hatten ihren Platz bereits. Durch den Austausch mit den französischen Studierenden hatten sie die Chance, aus erster Hand Informationen über das Studium in Frankreich und ihre Partneruniversität zu erfahren. Gleichzeitig konnten sie sich auf die Probe stellen, indem sie in diesem Seminar in der Zielsprache gearbeitet haben. Die Kommunikation mit Muttersprachlern hat den Spracherwerb zusätzlich unterstützt. Ich wollte einen „authentischen“ Kontext für das Seminar schaffen, denn aus didaktischer Sicht lernen die Studierenden eine Fremdsprache am besten als sozial Handelnde, wenn sie mitgestalten und mitdenken.

Ist Spracherwerb auch eine Möglichkeit, politischen Krisen in Europa entgegenzuwirken?
Christophe Hohwald:
Ja, denn Sprache bringt auch immer ein Stück Kultur mit sich. Verständigt man sich in einer dritten Sprache, wie zum Beispiel Englisch, bringt jede Person unterschiedliche Kenntnisse und kulturelles Vorwissen mit. Dagegen kann in der Verständigung in einer Sprache, die eine Person als Muttersprache spricht, ein besseres Verständnis füreinander aufgebaut werden. Wenn wir eine Sprache lernen, machen wir es in der Regel, um zu kommunizieren, um uns anderen Menschen, Gedanken, Situationen anzunähern und diese zu verstehen. Spracherwerb bedeutet nicht nur, sich eine Reihe von linguistischen Kenntnissen anzueignen, sondern sie gerade in sozialen Kontexten auf die Probe zu stellen.

Auch von politischer Seite wird eine Verständigung von Deutschland und Frankreich gefördert und mit Seminaren wie diesem wollen wir solche Verständigungsprozesse unterstützen. An der Leuphana gibt es seit kurzem auch die Möglichkeit, einen deutsch-französischen Doppelabschluss in Politikwissenschaft zu absolvieren. Damit leistet die Leuphana einen wichtigen Beitrag. Im nächsten Sommersemester werde ich ebenfalls wieder ein Komplementärseminar anbieten, mit dem ich den deutsch-französischen Austausch stärken möchte.

Herr Schröder, warum haben Sie das Seminar gewählt?
Yann Schröder:
Für meinen Teil wollte ich in erster Linie meine Sprachkenntnisse erhalten oder sogar verbessern. Ich bin zweisprachig aufgewachsen und hatte in der Schule bis zur 10. Klasse Französischunterricht, seitdem habe ich zwar zuhause Französisch gesprochen, aber die Sprache nicht in der Schule weiterverfolgen können, um somit wichtige Grammatikkenntnisse zu erwerben. Das wollte ich ändern, und Grammatik und Vokabular wieder auffrischen. Im Seminar haben wir nur Französisch gesprochen, das hat dabei sehr geholfen. Anfangs war das etwas holprig, aber ich bin schnell wieder reingekommen. Ich weiß aber auch von anderen Studierenden, dass sie den Kurs nutzen wollten, um sich auf ihr eigenes Auslandssemester an einer französischsprachigen Universität vorzubereiten. Die Vorbereitung war nämlich auch Teil des angebotenen Kurses und wurde neben unserem Videoprojekt trotzdem immer weiterverfolgt. 

Im Seminar haben Sie ein Video gedreht – worum ging es in dem Video und wie lief das ab?
Yann Schröder:
Wir wollten ein Video drehen, das die Leuphana und die Stadt Lüneburg zeigt und so mögliche französischsprachige Studierende für einen Erasmus Aufenthalt hier begeistern. Ursprünglich war geplant, dass wir im Seminar das Drehbuch schreiben und Christian Gatzert und sein Team das Video dazu drehen. Nachdem er in der ersten Seminarsitzung da war, hat er jedoch vorgeschlagen, dass wir auch den Videodreh selbst übernehmen. Nach einer Woche Bedenkzeit haben wir uns dann dafür entschieden. Daraufhin haben wir das Drehbuch nochmal ein bisschen überarbeitet und uns auch dazu entschlossen, Interviews mit französischen Erasmus-Studierenden zu führen, da diese uns am besten etwas über ihren Eindruck von der Universität, dem Studium und der Stadt geben konnten und so, unserer Meinung nach, die Glaubwürdigkeit eines solchen „Werbe-“ oder „Informationsvideos“ zu erhöhen. Über eine Erasmus-Studentin, die in unserem Seminar war, und Christophe Hohwald, der auch bereits Kontakte zu den Austauschstudenten hatte, hatten wir schnell Gelegenheit mit den französischen Studenten in Kontakt zu treten.

Was ist bei den Interviews herausgekommen?
Yann Schröder:
Positiv wurde unter anderem bewertet, dass an der Uni viele verschiedene Leute mit verschiedenen Hintergründen sind und man quasi alles mit dem Fahrrad erreichen kann. Schwierigkeiten hatten die Studenten teilweise mit dem Lehrangebot der Leuphana, da relativ viele Kurse auf Deutsch angeboten und sie dort auch wie die Muttersprachler behandelt wurden. Da war es anfangs schwierig, sich zurechtzufinden. Auf der anderen Seite gibt es an französischen Universitäten kaum Seminare, sondern hauptsächlich Vorlesungen mit vielen Studierenden, und der Stundenplan ist – im Gegensatz zur Leuphana – fest vorgegeben.

Wie lief der Videodreh selbst ab?
Yann Schröder:
 Wir hatten zwei Drehtage und haben uns in Gruppen aufgeteilt: eine Gruppe hat in der Innenstadt und in einer Studenten-WG gedreht, um die Stadt Lüneburg und das Leben in einer typischen Wohngemeinschaft, die in Frankreich noch nicht so populär sind wie in Deutschland, abzubilden, eine andere war auf dem Campus unterwegs. Am ersten Drehtag hat uns Christian Gatzert außerdem mit einer Drohne unterstützt, mit der wir zum einen Aufnahmen der Uni gemacht haben, zum anderen die Begrüßungsszene unseres Videos drehten. Am Ende des Semesters haben wir Christian Gatzert das Video gezeigt und er hat uns Feedback gegeben. Aufgrund dessen haben wir das Video nochmal überarbeitet und verbessert. 

Wie hat Ihnen das Seminar insgesamt gefallen?
Yann Schröder:
 Ich fand das Seminar sehr gut. Die Atmosphäre war toll, weil wir uns alle geduzt haben, auch mit Christophe. Das war dann schon eine Art freundschaftliche Arbeitsbasis, und am letzten Tag vor den Semesterferien haben wir im Seminar zusammen gebruncht, da haben wir die französischen Studierenden als Dankeschön zu eingeladen. Darüber hinaus hat die Gruppenarbeit gut geklappt, wir konnten unsere eigenen Ideen einbringen und kreativ werden. 

Das Ergebnis der Studierenden im Video: Echange Erasmus à l'université Leuphana (Länge 4:39 Minuten)

Kontakt

Christophe Hohwald, M.A.
Universitätsallee 1, C5.121
21335 Lüneburg
Fon +49.4131.677-2656
Fax +49.4131.677-2666
hohwald@uni.leuphana.de


Die Interviews führte Morgaine Struve, Universitätskommunikation. Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.