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Hosenfeld/Szpilman-Gedenkpreis für Witold Kulesza

27.01.2015 Mit der Verleihung des Hosenfeld/Szpilman-Gedenkpreises an den polnischen Strafrechtsprofessor Witold Kulesza hat die Leuphana Universität an die Rettung des polnisch-jüdischen Pianisten Władysław Szpilman durch den deutschen Wehrmachtsoffizier Wilm Hosenfeld erinnert. Witold Kulesza, der 1981 zu den Initiatoren der polnischen Solidarność gehörte, hat die Geschichte Władysław Szpilmans und Wilm Hosenfelds erforscht und in Polen bekannt gemacht.

V.l.n.r.: Dr. Detlev Hosenfeld (Sohn von Wilm Hosenfeld), Prof. (HSG) Dr. Sascha Spoun, Preisträger Prof. Dr. habil. Witold Kulesza, Evelyn Geier (Programmleiterin der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“), Dr. Jorinde Krejci (Tochter von Wilm Hosenfeld), Laudator Dieter Schenk und Dr. Halina Szpilman (Witwe von Wladyslaw Szpilman).

In seiner Laudatio beschrieb der Historiker Dieter Schenk Kuleszas jahrzehntelanges Engagement für die Aufarbeitung von Verbrechen totalitärer Systeme. Kulesza schilderte dieses Engagement in seiner Ansprache als Interesse an richterlicher Gerechtigkeit bzw. richterlicher Ungerechtigkeit. Die Auszeichnung mit dem Hosenfeld/Szpilman-Gedenkpreis ist in diesem Jahr erstmals eine Lebenswerk-Auszeichnung. Der Preis ist mit 7500 Euro dotiert und wird unterstützt von der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft".

An der Veranstaltung nahmen auch Detlev Hosenfeld, Sohn von Wilm Hosenfeld, Dr. Jorinde Krejci, Tochter von Wilm Hosenfeld, sowie Dr. Halina Szpilman, die Witwe von Wladyslaw Szpilman, teil. Sie sagte: „Es ist wichtig, dass die Universität das macht“ und freute sich, dass die Wahl auf Kulesza gefallen war: „Das wird den Preis auch in Polen bekannter machen.“

Preisträger Witold Kulesza
Dr. Detlev Hosenfeld
Laudator Dieter Schenk
Dr. Halina Szpilman

Mit der Ehrung rückt die Leuphana Universität Lüneburg eine Geschichte in den Mittelpunkt, die zwei individuelle Schicksale miteinander verbindet. Das Erinnern an diese Geschichte ermutigt, jederzeit für Dialog, für Frieden und für Menschlichkeit einzutreten. Leuphana-Präsident Spoun sagte in seiner Gedenkrede: „Wir gedenken heute Ereignissen, die unsere Vorstellungskraft übersteigen und die niemals vergessen werden dürfen.“ Rednerin Prof. Dr. Christa Cremer-Renz erinnerte an jüdisches Leben in der Region Lüneburg, etwa an das Geschäft Leopold Less’ in der Bäckerstraße, das durch die Judenverfolgung ausgelöscht wurde. Studierende des Seminars „Spurensuche“, das Prof. Dr. Cremer-Renz gemeinsam mit Dr. Sigrid Vierck in diesem Wintersemester gibt, verlasen außerdem die Namen von 31 jüdischen Bürgerinnen und Bürgern der Region Lüneburg, die von den Nationalsozialisten ermordet worden sind. Inhalt des Seminars war es, sich auf die langwierige Spurensuche nach diesen Personen zu begeben.

Begleitet wurde die Preisverleihung in diesem Jahr von der Ausstellung „Vor aller Augen – Fotodokumente nationalsozialistischen Terrors in der Provinz“. Die deutsch-englischsprachige Ausstellung beinhaltet etwa 100 Fotografien, die aus rund hundert lokalen Archiven und Sammlungen Deutschlands stammen.

Ulrich Mädge, Oberbürgermeister der Stadt Lüneburg, nahm den lokalen Bezug auf und mahnte, dass Gerechtigkeit und Menschlichkeit keine Selbstverständlichkeit seien.