Meldungen aus der Universität

„Wie Blinde sehen“ – Erfahrungsbericht vom Workshop

08.05.2015 Mittwochnachmittag an der Leuphana Universität Lüneburg: Sieben Teilnehmerinnen betreten nacheinander einen der Seminarräume in Gebäude 11 und werden von der Referentin Annalena Knors, die bereits im Stuhlkreis sitzt, freundlich empfangen und gebeten, sich ebenfalls zu setzen. Frau Knors dreht sich noch einmal um zu ihrem Laptop, bevor es losgeht, drückt ein paar Tasten und plötzlich fängt der Laptop an zu sprechen. Es dauert ein paar Sekunden, bis allen Anwesenden klar wird: Das ist die Sprachausgabe des Laptops und unsere Referentin ist blind. Studentin und Redakteurin Lisa Wagner berichtet, was sie gelernt hat.

Den Campus mit anderen Augen sehen

Im Workshop mit dem Titel „Wie Blinde sehen – Sensibler Umgang mit behinderten Menschen am Beispiel Sehbehinderung“ lernen die Teilnehmenden, wie Sehbehinderte ihre Umwelt wahrnehmen und wie Sehende am besten helfen können. 

Wir lernen zunächst viel über die gesetzlichen Definitionen von Sehbehinderung und Blindheit, sowie über verschiedene Krankheitsbilder und ihre Verläufe, sprechen über Themen wie „Barrierefreiheit“ und über political correctness im Umgang mit verschiedenen Begriffen. 

Der zweite Teil des Workshops ist eher praktisch angelegt. Zum einen tragen wir Simulationsbrillen, die dem Träger vermitteln, wie sich unterschiedliche Krankheiten und ein Sehvermögen von nur 10% oder 2% auswirken. Zum anderen bilden wir Zweierteams und bekommen Anleitungen, wie wir eine blinde Person begrüßen, herumführen und zu einem Sitzplatz leiten.

Das Wichtigste dabei: Kommunizieren!

Wenn wir einem Menschen mit Sehbehinderung oder einem blinden Menschen begegnen, niemals einfach berühren und oder zu nah kommen, sondern einfach fragen: Kann ich Ihnen helfen? Und wenn unsere Hilfe benötigt wird, immer im Gespräch bleiben: „Ich reiche Ihnen jetzt die Hand zur Begrüßung. Darf ich Sie in mein Büro führen? Möchten Sie sich setzen – Ich leite Sie zu einem Stuhl.“

Frau Knors ermutigt uns eindringlich, keine Angst oder Hemmungen zu haben, einfach zu kommunizieren und so für alle Beteiligten die Atmosphäre zu lockern und den Umgang zu erleichtern.

Wir machen den Praxistest in abwechselnder Rolle nicht nur im Seminarraum, sondern auch auf dem Hauptcampus: Eine aus dem Team trägt eine Augenbinde, die Partnerin führt und leitet sie durch die Gebäude und über das Gelände. Und ich merke: es ist kognitiv und körperlich anstrengend, geführt zu werden, zumal von einer Person, die man eigentlich gar nicht kennt. Es hat viel mit Vertrauen und Konzentration, aber vor allem mit Kommunikation zu tun. 

Eigentlich ist diese Erkenntnis wenig überraschend – dennoch muss man ab und zu daran erinnert werden.

Vorlese- und Navigationsapps: Das Smarphone als unterstützendes Hilfsmittel

Wirklich überraschend sind für mich und die anderen Teilnehmerinnen die vielen technischen Hilfsmittel, die es gibt: Vor allem das Smartphone der Referentin verfügt bereits von Haus aus über diverse Bedienungshilfen, die sie es problemlos nutzen lassen. Dazu kommen Apps, die beispielsweise die Farbe und Beschaffenheit von Kleidung erkennen – eine wunderbare Hilfe beim Ankleiden und Wäsche waschen. Darüber hinaus werden Adressen und Termine vorgelesen, es können wichtige Punkte markiert werden, an denen man oft vorübergeht, so wie der Supermarkt nebenan. Natürlich erleichtern auch Navigations-Apps das Leben enorm. 

Autorin: Lisa Wagner (Universitätskommunikation)

Weitere Informationen

Frauen- und Gleichstellungsbüro

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21335 Lüneburg
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