Meldungen aus der Universität

Diversity auf dem Campus und in der Lehre

29.05.2015 Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte Dr. Kathrin van Riesen im Interview

Frau Dr. van Riesen, Sie sind die zentrale Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte der Leuphana. Wie zeitgemäß ist eigentlich Ihre Berufsbezeichnung?

Das Thema Gleichstellung ist zeitgemäß. Aber es ist auch zeitgemäß, den Blick über  Geschlechterfragen hinaus zu wenden. Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Die Geschlechterfrage ist nach wie vor eine hochrelevante Frage, in vielerlei Hinsicht. Das reicht von der Personalentwicklung bis hinein in Studium und Lehre.
Aber es geht mittlerweile viel um Diversity, das heißt um Gleichstellung und Chancengerechtigkeit in vielerlei Hinsicht: Alter, körperliche und psychische Beeinträchtigungen, Behinderung. Auch Fragen von ethnisch-kulturellen Aspekten, Sexualität und sexueller Orientierung, aber zum Beispiel auch sowas wie Bildungshintergrund und damit verbunden sprachliche Kompetenzen.
Wichtig ist, eine Hochschulkultur zu schaffen, die wertschätzend Vielfältigkeit im Hochschulalltag wahrnimmt und anerkennt.

Gibt es von den vielen Diversity-Dimensionen, die Sie genannt haben, eine, die an der Leuphana eine besondere Rolle spielt?

Alle Diversity-Themen sind gleich wichtig, aber im Moment fragen wir: Wie geht es eigentlich Studierenden mit Beeinträchtiungung an dieser Universität? Stichwort Barrierefreiheit. Das ist eine Frage, der sich eine Hochschule bewusst sein muss. Wir beschäftigen uns auch stark mit Anti-Rassismus. Das ist an dieser Uni kein größeres Problem als in der Gesamtgesellschaft auch. Aber wir möchten den Blick auf Alltagsrassismen richten, um dafür Bewusstsein zu schaffen. Ein Beispiel, das Studierende nennen ist, dass sie  aufgrund ihrer Hautfarbe gefragt werden: Wo kommst du her? Es wird von Vornherein davon ausgegangen, dass sie nicht Deutsche sind und dass sie einen anderen kulturellen Hintergrund haben. Das ist Alltagsrassismus. Wir haben Workshops angeboten zum Thema Critical Whiteness und Empowerment.

Mit welchen Anliegen können sich Studierende mit Beeinträchtigung an Sie wenden?

Mit allen Anliegen von Barrierefreiheit bis Prüfungsorganisation. Wir fragen dann: Sind beispielsweise Prüfungen so organisiert, dass Studierende auch im Rahmen ihrer Beeinträchtigung diese Prüfungen ablegen können? Zum Beispiel kann jemand sagen: „Mir fällt es schwer, die Prüfung im Hörsaal zu schreiben.“ Wir tragen Sorge dafür, dass die Person, die sich sehr beeinträchtigt fühlt in einem Hörsaal zu schreiben, auch einen Platz in einem Seminarraum bekommen kann.
Aber wir sind nicht die einzige Anlaufstelle. Die Universität hat einen Beauftragten für Studierende mit Behinderung, Professor Pries. Er berät und begleitet Studierende ebenso.

Sie sensibilisieren auch in der Lehre für Diversity.

Wir möchten, dass die Studierenden im Rahmen ihres Studiums auch Kontakt haben mit Fragen wie Geschlechtergerechtigkeit oder soziale Ungleichheit. Dass sie auch wissen, wie Macht und Herrschaftverhältnisse in der Gesellschaft, in Organisationen und in Partnerschaften aufgebaut und verteilt sind und dass sie diese kritisch hinterfragen können. Das gehört ins Curriculum. Wir schauen also: Wo lässt sich das in den Studiengängen verorten, dass Studierende eine kritische Reflexion zu den Themen erhalten können?
Und gleichzeitig möchten wir, dass die Lehrenden sensibel dafür sind, dass sie ganz unterschiedliche Menschen im Seminar sitzen haben, nicht nur Männer und Frauen, sondern auch beispielsweise Menschen mit verschiedenen religiösen Hintergründen oder kulturellen Erfahrungen. Oder auch ganz unterschiedliche Lerntypen. 

Wer mehr erfahren möchte, ist herzlich eingeladen zum Vortrag „Gender und Diversity als didaktisches Prinzip“, den Dr. Kathrin van Riesen am 03. Juni 2015 in der Reihe „Ausgezeichnet“ hält: 14 bis 16 Uhr, C11.319.