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Was macht das Zusammenleben gut? Das World Café holte alle an einen Tisch

22.01.2016 Die Halle der VHS Lüneburg war gut gefüllt: Zahlreiche interessierte Besucher unterschiedlichster Nationalitäten versammelten sich am Donnerstagabend, um gemeinsam über Möglichkeiten für eine gelungene Integration zu diskutieren und ihre Erfahrungen auszutauschen. Insgesamt 19 Initiativen aus Stadt und Landkreis waren da, um im Rahmen eines „World Cafés“ den Besuchern ihre Geschichten über das Zusammenleben in Lüneburg zu erzählen.

Viele Initiativen in Lüneburg versuchen, einen Beitrag zur Integration von Flüchtlingen zu leisten. Soll diese jedoch gelingen, müssen wir uns alle die Frage stellen, welchen Beitrag wir leisten dazu können, damit Vorurteile abgebaut werden.
Die Frage ist:

Wie wollen wir das Zusammenleben gestalten?

„Seit ich in Lüneburg lebe, habe ich viele positive Erfahrungen gemacht. Die meisten Menschen sind sehr hilfsbereit und respektvoll mir gegenüber", erzählte eine 39-Jährige Syrerin, die seit zwei Jahren in Lüneburg wohnt. Allerdings gibt es auch nach vor wie Situationen, in denen sie mit Vorurteilen zu kämpfen habe: „Ungefähr drei oder vier Mal habe ich schlechte Erfahrungen gemacht, zum Beispiel, dass man mich in Geschäften als 'Ausländerin' nicht bedienen wollte“.  Sie ist eine von insgesamt über 35 Migrantinnen, die im Rahmen des Programms „BIWAQ“ an der VHS deutsche Bildungsabschlüsse anstreben.

Das Theater Lüneburg war ebenfalls vertreten. Schon im vergangenen Jahr lud es Schüler einer „DAZ“-Klasse (Deutsch als Zweitsprache) und einer fünften Klasse vom Gymnasium zu einem Ferienworkshop ein, um gemeinsam Theater zu spielen. Bis dahin war es für die Kinder immer ein Highlight, mit dem Kuscheltier in Form eines Schweins zu spielen, erzählte die Leiterin des Kinder- und Jugendtheaters Sabine Bahnsen. Doch einige Kinder der „DAZ“-Klasse weigerten sich, das Schweinchen anzufassen, da es für sie ein unreines Tier sei. Den Theaterpädagoginnen wurde bewusst: „Es geht um Sensibilität“. Nun startet das Theater einen Bus, das sogenannte „Elefantenmobil“, der vollgepackt mit Requisiten, Kostümen und vielem mehr immer zur gleichen Zeit an den selben Ort fahren wird, damit geflüchtete und deutsche Kinder dort zusammen spielen können.

Das Programm BIWAQ bietet deutsche Bildungsabschlüsse für Geflüchtete.
Das Theater Lüneburg arbeitet mit Kuscheltieren zur Integration von Kindern.

„Wo ist die Alternative zur Integration?“

Oberbürgermeister Ulrich Mädge und Universitätspräsident Prof. (HSG) Dr. Sascha Spoun eröffneten die Veranstaltung. „Wo ist die Alternative zur Integration?“, fragte Mädge zu Beginn und unterstrich einmal mehr die große Bedeutung der Debatte. „Es geht um Menschen in Not und wir können ihnen helfen. Darauf kommt es jetzt an“, sagte Spoun zur aktuellen Situation. Angst sei dabei, wie so oft, kein guter Ratgeber. Denn: „Angst lähmt und Lähmung ist Stillstand.“ Umso wichtiger ist es also, Ängste abzubauen und sich am Dialog zu beteiligen, der dafür notwendig ist.

Diese Ansicht teilt Gerhard Cassens, Leiter der Volkshochschule REGION Lüneburg und Mitinitiator der Reihe „Einwanderungsland Europa“. Die VHS unterstützt Flüchtlinge nicht nur mit Weiterbildungsangeboten wie dem „BIWAQ“, sondern bietet mit Veranstaltungen wie dieser auch die Plattform für interkulturellen Austausch.

Musikalische Begleitung, kleine Häppchen und sogar eine gemütliche Teerunde mit Gebäck schufen eine gute Atmosphäre – wie in einem wirklichen „World Café.

Aus den kleinen Geschichten wurden Gespräche im World Café

Musikalische Begleitung, kleine Häppchen für zwischendurch und sogar eine gemütliche Teerunde mit Gebäck schufen eine gute Atmosphäre, die zu anregenden Gesprächen zwischen den verschiedenen Nationen der Welt führte – wie in einem wirklichen „World Café. In vier Runden konnten sich die Besucher für jeweils 15 Minuten an einem Tisch mit den Vertretern der Initiativen unterhalten. Nach jeder Runde wurde durch eine musikalische Einlage die Möglichkeit eingeleitet, an einen anderen Tisch zu wechseln.

Aus den kleinen Geschichten im „World Café“ sind lange und intensive Gespräche hervorgegangen. Aufgrund der vielen Fragen und Themen hätten sich viele sicherlich noch mehr Zeit gewünscht. Moderator und Mitinitiator Sven Prien-Ribcke erhielt zum Abschluss der Veranstaltung von allen Initiativen ein durchweg positives Feedback. Ein gelungener Auftakt, der einen ersten Schritt zur Beantwortung der schwierigen Fragen nach Integration und respektvollem Zusammenleben bedeutet.

Mit dabei waren

Ahmadiijja-Gemeinde Lüneburg, amikeco-Willkommensinitiative, AWO Lüneburg, Bahai Gemeinde Lüneburg, Ditib Türkisch-islamische Gemeinde Lüneburg, Evangelisch-lutherischer Kirchenkreis Lüneburg, Flüchtlings- und Integrationshilfe SG Scharnebeck, Gemeinschaftsunterkunft im Ortsteil Rettmer, Integrationsbeirat Hansestadt und Landkreis Lüneburg, KreisSportBund Lüneburg e.V., Lüneburger Bündnis Hochschule ohne Grenzen, Migrantenelternnetzwerk für Hansestadt und Landkreis Lüneburg, Museum Lüneburg, No Border Academy, Oberschule am Wasserturm, Sprachbrücke, Theater Lüneburg, Welcome & Learning Center.

Die Reihe „Einwanderungsland Europa – Wie begegnet Lüneburg der Welt?“ geht noch bis zum 9. Juni 2016 und wird bereits am 28.1. um 19 Uhr (HS 1) mit einem Podiumsgespräch zum Thema „Wie gestalten wir das Einwanderungsland Europa?“ fortgesetzt.


Autorin: Carina Stelter (Universitätskommunikation). Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.


Sven Prien-Ribcke, M.A.
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