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Integration von geflüchteten Menschen: Welche Verantwortung trägt die Bildung?

29.04.2016 Bildung und Ausbildung sind der Schlüssel für die Integration von Geflüchteten – das betonen Experten immer wieder. Über die Rolle der Bildungseinrichtungen im Integrationsprozess wurde im Rahmen der Reihe „Einwanderungsland Europa – Wie begegnet Lüneburg der Welt?“ am 28. April 2016 an der Leuphana Universität Lüneburg diskutiert. Die öffentliche Bildungsreihe ist eine Initiative der Universität und der Volkshochschule Lüneburg, um gemeinsam Möglichkeiten und Wege zu einem gelungenen Zusammenleben zu erkunden.

Auf dem Podium (v.li.n.re.): Julia Oppermann, Olga Arnold, Prof. Dr. Wolfgang Stark, Barbara Geck, Prof. Dr. Matthias Barth und Moritz Reinbach.

Die Integration der großen Anzahl an Geflüchteten, wie wir sie im vergangenen Jahr erlebten, stellt zweifellos eine Herausforderung dar. Sie kann nur gelingen, wenn sowohl die Gesellschaft in Deutschland als auch die Geflüchteten bereit sind, sich dieser Herausforderung anzunehmen. Dieser Tenor war allen Beiträgen an diesem Abend zu entnehmen. Universitätspräsident Prof. Dr. Sascha Spoun, der in seiner Rede die Verantwortung von Universität und Gesellschaft hervorhob, leitete das Podiumsgespräch ein. Folgende Gäste vertraten in der von Dr. Julia Oppermann (Leuphana) moderierten Diskussion ihren Standpunkt: Prof. Dr. Matthias Barth (Professor für Sachunterricht und Bildung für eine nachhaltige Entwicklung an der Leuphana), Barbara Geck (Schulleiterin der Heiligengeistschule in Lüneburg), Moritz Reinbach (No Border Academy), Prof. Dr. Wolfgang Stark (Sprecher des Hochschulnetzwerks »Bildung durch Verantwortung«) und Olga Arnold (MigrantenElternNetzwerk).

Wie begegnen wir der Herausforderung schon heute?

Weiterbildungen, Deutschkurse und Hilfe bei der Berufsorientierung: Insgesamt 130 Millionen Euro stellt allein das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bis 2017 bereit, um mithilfe von Bildungsmaßnahmen die Integration von Flüchtlingen zu unterstützen. Zahlreiche Hochschulen engagieren sich intensiv für eine erfolgreiche Umsetzung. An der Leuphana können Geflüchtete zum Beispiel im Rahmen der Open Lecture Hall an ausgewählten Lehrveranstaltungen teilnehmen. Darüber hinaus gibt es die von Studierenden gegründete Initiative No Border Academy, deren Ziel es ist, eine Plattform für interkulturellen Austausch und Wissensbereitstellung zu schaffen, an der die Flüchtlinge aktiv partizipieren. 

Sicherlich sei die Universität nach wie vor ein begrenzter, elitärer Raum, der nicht den gesamten Durchschnitt der Bevölkerung widerspiegelt, wie Prof. Dr. Matthias Barth festhielt. Daher sei es wichtig, auch zu sehen, wo Probleme und Grenzen bei der Integration durch Bildung liegen. Hochschulen hätten zum Teil mehr Freiheiten und Möglichkeiten bei Bildungsmaßnahmen als Schulen, ergänzte Barbara Geck. Das Interesse aufseiten der Geflüchteten, sich schnell zu integrieren, sei jedoch in großem Maße vorhanden. Dies bestätigten die weiteren Podiumsgäste aus ihrer Erfahrung. Das zeige sich zum Beispiel an dem großen Interesse der Geflüchteten an Deutschkursen. 

Fazit: Was brauchen geflüchtete Menschen am nötigsten?

In der Diskussion wurde deutlich: Es besteht nach wie vor der Bedarf noch mehr Geflüchteten den Zugang zu Sprachkursen zu ermöglichen. Bei allem sei zu beachten, dass viele von ihnen aufgrund der Erfahrungen in ihren Heimatländern misstrauisch gegenüber staatlichen Institutionen sind. Unterstützung bei Behördengängen sei deshalb ebenso wichtig wie die Schaffung von Bildungsangeboten.

Trotz aller Schwierigkeiten, die die Integration mit sich bringt, sollten auch die positiven Aspekte gesehen werden, denn auch wir könnten sehr viel von Geflüchteten lernen, fasst Prof. Dr. Wolfgang Stark zusammen: „Es geht nicht nur um Integration, sondern auch um Inspiration.“


Weitere Informationen

Sven Prien-Ribcke, M.A.
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Autorin: Carina Stelter (Universitätskommunikation). Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.