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Eine Kultur des Ankommens: Fußball-Debatte mit Willi Lemke

14.06.2016 Am Wochenende fand die vorletzte Veranstaltung der Bildungsreihe „Einwanderungsland Europa“ statt. „Wie kann der Fußball eine Kultur des Ankommens anstoßen?“ lautete das Thema. Willi Lemke, Sonderberater des UN-Generalsekretärs für Sport und langjähriger Manager von Werder Bremen, Prof. Dr. Jantje Halberstadt, Juniorprofessorin für Social Entrepreneurship an der Leuphana, Jens Niemann, Vereinsvorsitzender des FC Dynamo Lüneburg, und Ralf Pagels, seit 2009 erster Vorsitzender des Lüneburger SV, diskutierten. Die Bildungsreihe wird organisiert von der Volkshochschule Lüneburg und der Leuphana.

Willi Lemke diskutierte mit Prof. Dr. Jantje Halberstadt, Jens Niemann und Ralf Pagels darüber, ob und wie der Fußball zur Integration von Geflüchteten beitragen kann. Christoph Steiner, Chefredakteur der Landeszeitung, moderierte. V.l.n.r.: Christoph Steiner, Amin Aslan, Ralf Pagels, Willi Lemke, Jens Niemann; Jantje Halberstadt

Der Sportverein als Hilfe zur Integration

Für die Integration „ist Sprache das A und O“, betonte Willi Lemke gleich am Anfang. Ohne die Sprache zu können, falle die Integration viel schwerer. In einem Sportverein aktiv zu sein, sei eine gute Möglichkeit, eine fremde Sprache zu erlenen: „Der Sportverein, das Spiel, die Gemeinschaft, der Dialog, das anschließende in der Kneipe sitzen – das führt die Menschen zusammen. Das ist eine bessere Möglichkeit, die Sprache zu erlernen, als in einen Sprachkurs zu gehen“, stellt Lemke heraus. Dies gelte jedoch nicht nur für den Fußball, sondern für alle Sportarten. Durch die Beteiligung in einem Verein sei eine gute Grundlage für eine Integration geschaffen, waren sich alle Beteiligten einig.

Spieler mit und ohne Migrationshintergrund im LSV und im FC Dynamo

Ralf Pagels berichtet, dass der Anteil von Migranten im LSV sowohl im Erwachsenen- als auch Jugendbereich hoch sei. Daher würden kaum noch Menschen ohne Migrationshintergrund dem Verein beitreten. „Dabei ist es wichtig, eine bunte Mischung zu haben.“ Jens Niemann stimmt dem zu: Es sei für eine gelungene Integration wichtig, dass es in einer Mannschaft sowohl Spieler mit als auch ohne Migrationshintergrund gäbe. Im FC Dynamo sei etwa die Hälfte der Fußballer Migranten; so gäbe es einen guten Austausch zwischen beiden Seiten. Er berichtet außerdem von einer großen Hilfsbereitschaft Geflüchteten gegenüber: Schnell sei in der Mannschaft der Entschluss aufgekommen, den neuen Mitspielern Sportkleidung zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus hätten sich schnell Fahrgemeinschaften gebildet, sodass sicher gestellt wurde, dass die Geflüchteten, die meist über kein Fahrzeug oder Fahrrad verfügen, zum Training gelangen. Ein anderes Problem sei jedoch die Einbindung der Geflüchteten in den aktiven Spielbetrieb: „Es ist nicht ganz einfach, einen deutschen Spielerpass für einen Geflüchteten zu erhalten.“ 

„Es ist wichtig, Fußball und Bildung miteinander zu verknüpfen“, erklärte Prof. Dr. Jantje Halberstadt. Es sei problematisch, dass Mädchen oftmals gerne Fußball spielen würden, ihnen dies jedoch von ihren Eltern verboten würde. Lemke ergänzt, dass es daher wichtig sei, dass Mädchen sich emanzipieren würden. Unterstützung, sich in diesem Punkt gegen ihre Eltern durch zu setzen, würden sie auch von Trainern oder Eltern erhalten. „Das wichtigste ist Bildung“, betont Pagels. Da die Familien in Kaltenmoor, wo der LSV hauptsächlich aktiv ist, oft patriarchisch geprägt wären, sei es umso wichtiger, Angebote für Migrantinnen zu bieten, wie beispielsweise ein Fahrradfahrkurs. Der Verein habe einen solchen bereits einmal organisiert und sei auf großen Anklang gestoßen. Durch den positiven Eindruck vom Verein hätten viele Eltern daraufhin auch ihre Kinder zum Sport dort hin gebracht. 

Pragmatismus in Lüneburg

Amin Aslan stammt aus Afghanistan und lebt seit zwei Jahren in Deutschland. Er spielt Fußball beim FC Dynamo. Die Beteiligung im Verein und das Brückenstudium an der Leuphana seien seine ersten Integrationskurse gewesen. Dadurch habe er schnell Freunde gefunden und auch die Sprache erlernt, was für die Integration sehr wichtig sei. Er ist außerdem im Welcome and Learning Center aktiv und könne bei neuen Geflüchteten aus Afghanistan als Dolmetscher agieren. Prof. Dr. Halberstadt ergänzt, da Lüneburg eine kleine Stadt ist, sei eine schnelle Vernetzung möglich. Es hätten sich bereits viele Initiativen gegründet, Pragmatismus herrsche vor. Eine Zuhörende, Studentin an der Leuphana, merkte an, dass „Integration keine einseitige Sache“ sei, was in der Diskussionsrunde auf Zustimmung stieß.

Die letzte Veranstaltung der Bildungsreihe „Einwanderungsland Europa“ findet zum Weltflüchtlingstag am Montag, den 20.6.2016, um 19 Uhr statt. Das Solostück „Dreck“ von Robert Schneider wird in der VHS Region Lüneburg, Haagestraße 4, von Mathias Kopetzki gespielt. Der Eintritt beträgt 9€; Geflüchtete erhalten eine Ermäßigung. 

Die Moderation der Debatte übernahm Christoph Steiner, Chefredakteur der Lüneburger Landeszeitung. Passend zum Thema wurde die Diskussion nicht im Hörsaal, sondern auf der Sportanlage des VfL Lüneburg durchgeführt. Für diese Veranstaltung fand eine Kooperation mit dem KreisSportBund Lüneburg e.V., dem Niedersächsischen Fußballverband e.V. – Kreis Lüneburg und dem VfL Lüneburg e.V. statt. 


Weitere Informationen

Reihe „Einwanderungsland Europa“

Kontakt

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Autorin: Morgaine Struve (Universitätskommunikation). Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de  geschickt werden.