Meldungen aus der Universität

Einwanderungsland Europa : Solostück „Dreck“ von Robert Schneider in der vhs aufgeführt

28.06.2016 Als letzte Veranstaltung der Reihe „Einwanderungsland Europa“ führte am 20. Juni 2016, dem von der UN initiierten Weltflüchtlingstag, Mathias Kopetzki das Solostück „Dreck“ von Robert Schneider auf. In dem Theaterstück, das nach seinem Erscheinen 1993 für das folgende Jahr das meistgespielte Stück in Deutschland war, geht es um den Rosenverkäufer Sad, der sich illegal in Wien aufhält. In einem Monolog erzählt er, immer wieder ironisch, wie andere Menschen ihm begegnen, welche Ängste und Probleme er hat. Die Veranstaltungsreihe wurde von der Leuphana und der Volkshochschule Lüneburg organisiert, um Wege zu einem guten Zusammenleben zu erkunden.

Vor Beginn der Aufführung zog Gerhard Cassens, Leiter der Lüneburger vhs, ein Resümee der Veranstaltungsreihe „Einwanderungsland Europa“. Seit Januar habe es 20 Veranstaltungen in verschiedenen Formaten gegeben, die auf großes Interesse stießen. Etwa 2000 Teilnehmer hätten die Veranstaltungen besucht. Diese hätten die seit Herbst 2015 besonders aktuelle Thematik des Umgangs mit Geflüchteten aufgegriffen. Dabei habe im Fokus gestanden, die Menschen in Gespräche darüber zu führen. 

Der Monolog wird von Sad, einem Araber, gehalten. Er studiert Philosophie und deutsche Literatur. Um sich über Wasser zu halten, verkauft er abends Rosen – denn er hält sich illegal in Wien auf und hat daher nicht die Möglichkeit, eine reguläre Arbeitsstelle zu erhalten. An seine Vergangenheit erinnern ihn nur noch Fotos. Er geht davon aus, dass der Krieg, der ihn aus seiner Heimat vertrieben hat, wichtig war, scheint aber die genauen Gründe dafür nicht zu kennen. Sad versucht, sich an die neue kulturelle Umgebung und die Gesellschaft anzupassen, ist sich aber selbst nicht sicher, was die anderen eigentlich von ihm erwarten und wie er sich „richtig“ verhält. Sein bester Freund, Nabil, kommt aus Ägypten. Diesen versucht Sad zum frühen Aufstehen zu bewegen, weil man „das hier so mache“, scheitert jedoch. Während Sad versucht, ruhig und freundlich zu berichten, steigert er sich und bricht manchmal sogar verzweifelt in Geschrei aus – entschuldigt sich aber im Anschluss sofort dafür. Er versucht, es allen recht zu machen, weiß aber nicht, wie, da ihm immer Ablehnung entgegen gebracht wird. Sad erzählt, dass die meisten Menschen, denen er begegnet, von Vorurteilen ihm gegenüber geprägt sind; dass sie ihn als Rosenverkäufer verspotten, wirft aber gleichzeitig die Frage auf, „Was bleibt denn ohne das Verhöhnen?“. Durch die ständige Konfrontation mit Ablehnung hat er die schlechte Meinung anderer über ihn übernommen und verinnerlicht: „Er kommt von innen heraus, der Dreck“. Die Verzweiflung Sads ist so deutlich spürbar, dass der Zuschauer mit einem Gefühl der Beklemmung zurück bleibt.

In der anschließenden Diskussion merkte eine Zuschauerin, Studentin an der Leuphana und „Buddy“ für einen Geflüchteten, an, ein großes Problem sei, dass es in der Haltung der Menschen gegenüber Geflüchteten nur zwei Extreme gebe. Entweder sei alles gut, oder alles schlecht. Kopetzki stimmte dem zu, es würde oft nur in schwarz und weiß gedacht werden, dabei gebe es auch grau. „Dreck“ rege die Menschen zum Nachdenken an: „Es ist ein provokatives Stück, es polarisiert auch. Ich finde es gut, wenn das Stück die Menschen irgendwie – auch negativen Sinne – beschäftigt.“ 


Weitere Informationen

-Rückblick Reihe "Einwanderungsland Europa"


Autorin: Morgaine Struve (Universitätskommunikation). Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.