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No Border Magazin für Jugenddemokratiepreis und Deutschen Engagementpreis nominiert

28.10.2016 Das Magazin der studentischen Initiative „No Border Academy“ ist für zwei Preise nominiert worden. Als einer der drei Finalisten des europaweit ausgeschriebenen „Jugenddemokratiepreis 2016“, der in regelmäßigen Abständen von der Bundeszentrale für politische Bildung verliehen wird, qualifizierte sich das Magazin automatisch auch für den „Deutschen Engagementpreis“ in der Kategorie Publikumspreis 2016. Die Sieger werden im November bekannt gegeben. Das Voting läuft noch bis zum 31. Oktober, abstimmen kann jeder.

Die ausgezeichnete Initiative

Dass es das No Border Magazin einmal schaffen würde, sich gegen eine Vielzahl internationaler Bewerbungen im Bereich des gesellschaftlichen und politischen Engagements durchzusetzen, erwartete vor zwei Jahren bei Gründung der No Border Academy vermutlich keiner der Leuphana-Studierenden. 

Die ursprüngliche Idee eine Vortragsreihe von und für Geflüchtete anzubieten, erwuchs im Rahmen eines Projektseminars des Nebenfachs Nachhaltigkeitshumanwissenschaften am Leuphana College und wurde schnell größer.
„Wir wollten eine Plattform schaffen, wo das Wort der Geflüchteten zählt und einen möglichst niedrigschwelligen Zugang zu Bildung schaffen“, betont Moritz Reinbach, eines der beiden Gründungsmitglieder. Nachdem das Seminar abgeschlossen war, hielten die Studierenden nicht nur an ihrem Projekt fest, sondern trieben es auch weiter voran. Als Teil des Bündnis „Hochschule ohne Grenzen“, zu dem sich mehrere Lüneburger Organisationen zusammenschlossen, um Geflüchteten ein strukturiertes Bildungs- und Begleitungsangebot zu bieten, waren sie am Aufbau des „Welcome and Learning Center“ beteiligt und kreierten so einen Raum zum Lernen und Arbeiten, sowie für den inter- und transkulturellen Austausch. Neben alternativen Lehrangeboten und Informationsveranstaltungen ist die No Border Academy zudem auf Festivals gegen Rassismus präsent und unterstützt das Bridging-Programm, sowie die Open-Lecture-Hall der Leuphana.
Dafür, dass sich das Projekt „No Border Academy“ aus einer Lehrveranstaltung heraus entwickelte, erhielt die Initiative bereits 2015 auf dem Leuphana Dies Academicus den Preis in der Kategorie „Service Learning“, dieses Jahr folgte auf dem Dies Academicus die Würdigung des Welcome and Learning Centers im Bereich „Ehrenamtliches Engagement“. 

Das Magazin ohne Grenzen im Finale des Jugenddemokratiepreises 2016

Schon im November könnten die nächsten Auszeichnungen folgen. Im Bewerbungsverfahren des „Jugenddemokratiepreis 2016“, der dieses Jahr unter dem Motto „Hier geht es nicht mit rechten Dingen zu!“ Projekte auszeichnet, die einen Beitrag gegen Rechtspopulismus im Alltag leisten, setzte sich das No Border Magazin gegen eine Vielzahl internationaler Bewerber durch. 

Die Idee ein Sprachrohr für Geflüchtete zu schaffen, hatte eine andere Gruppe aus demselben Projektseminar und traf damit bei der No Border Academy auf offene Ohren, sodass schnell eine Kooperation entstand. „Wir haben von Anfang an die Meinung geteilt, dass man die Geflüchteten zu Wort kommen lassen muss. Wir wollen nicht über die Menschen reden, sondern mit ihnen“, erklärt Reinbach die Motivation des Magazins.

Moritz Reinbach (links) und Aisse Feldheim (rechts) berichten von der No Border Academy.

Dies spiegelte die erste Ausgabe, die im Januar 2016 erschien, wieder. Auf über 60 Seiten haben Geflüchtete die Möglichkeit von ihren Erfahrungen zu berichten. Dabei werden Thematiken wie die politische Situation in den Herkunftsländern, die Flucht, sowie das Ankommen in Deutschland und der europäische Verteilungsschlüssel angesprochen. Das anfänglich nur vierköpfige Redaktionsteam bestand aus Studentinnen des  gleichen Seminars, aus dem auch die No Border Academy entstand.
Den RedakteurInnen der ersten Ausgabe war es ein Anliegen zu sensibilisieren und den Geflüchteten ein Gesicht zu geben, um authentische Bilder vermitteln zu können. Hierfür besuchten sie mehrfach die Unterkunft in Ochtmissen und traten dort mit Geflüchteten und Anwohnern in Kontakt. Das Magazin stellte auch verschiedene Initiativen vor, die Geflüchtete ebenfalls aktiv unterstützen. Heute sind viel mehr StudentInnen involviert, wodurch eine eine größere Themenvielfalt erreicht werden kann.

Mitte November wird der finale Preisträger in Bonn verkündet. Sollte sich das No Border Magazin gegen die anderen Ideen einer Aufmerksamkeitskampagne, sowie Workshops für interkulturelle Sensibilisierung durchsetzen, winkt ein Preisgeld in Höhe von 3000€.

Im Rennen um den Deutschen Engagementpreis 2016

Gewonnen hat das Projekt der Leuphana-Studierenden allerdings ohnehin schon. Als Finalist des Jugenddemokratiepreises qualifizierte sich das Magazin automatisch für den Deutschen Engagementpreis in der Kategorie „Publikumspreis 2016“ und hofft nun auf möglichst viele Stimmen aus der Bevölkerung. Hier gilt es sich gegen 600 andere Projekte durchzusetzen, die alle die 10.000€ Preisgeld oder Weiterbildungsseminare erhalten möchten. 

Das Voting läuft noch bis zum 31. Oktober, die bisherigen Zwischenstände sind nicht einsehbar. Doch Aisse Feldheim, der die Academy seit einem Jahr unterstützt, ist guter Dinge und erklärt mit einem Schmunzeln: „Wenn die ganze Leuphana für uns abstimmt, haben wir eine gute Chance. Und wenn wir tatsächlich etwas gewinnen sollten, würden wir es vermutlich in die nächste Ausgabe des Magazins investieren."

Momentan ist die zweite Ausgabe in Arbeit. Sobald diese fertig ist, wird sie an öffentlichen Orten wie dem Welcome and Learning Center, beim AStA oder in der Stadt bei Anna & Arthur ausliegen. Auch online ist sie abrufbar. „Einen festen zeitlichen Rhythmus haben wir aber nicht. Das ist immer von den Leuten abhängig. Wir haben mittlerweile Strukturen geschaffen und viele Erfahrungen gesammelt“, erklärt Reinbach. „Diese Grundlage würden wir weitblickend gerne für ein dritte Ausgabe nutzen.“

No Border = Grenzenlosigkeit in Handeln und Denken

Mittlerweile steht die zweite Edition des Magazins kurz vor dem Druck. Im Gegensatz zur ersten legt diese den Fokus stärker auf politische Themen, wie die Klassifizierung sicherer Herkunftsländer, beinhaltet das Protokoll einer Abschiebung und beleuchtet rechtliche-politische Zusammenhänge. Dabei spielt auch das Initiativen-Verständnis des Begriffs „No Border“ eine wichtige Rolle. Es geht um Grenzenlosigkeit in Handeln und Denken, und darum gemeinsam und friedlich etwas zu bewegen.
„No Border ist bei uns eine Sache die im Kopf geschieht und darstellen soll, dass es absolut egal ist, aus welchem Land ein Mensch kommt oder welchen Pass er besitzt, um mit uns hier etwas bewegen zu können“, betonen Reinbach und Feldheim.
Die Zeitschrift stellt nun einen idealen Rahmen dar, um dieses Verständnis weiter und dank der Nominierungen auch über Lüneburgs Grenzen hinaus zu tragen.

Ein Magazin für Alle

Dass an dem Format „Magazin ohne Grenzen“ nicht nur die Jugendjury Gefallen gefunden hat, zeigte auch die Resonanz der Lüneburger Bürger: „Die 3000 Magazine der ersten Ausgabe wurden uns wie heiße Semmeln aus den Händen gerissen.“, berichtet Aisse. „Mittlerweile benutzt sogar die Volkshochschule unser Magazin und arbeitet es mit den Geflüchteten in den Deutschkursen durch“, ergänzt Moritz.

Dass dies alles nur durch die tatkräftige Arbeit vieler engagierter Studierenden möglich ist, ist jedem bewusst. Doch auch die Universitätsstruktur habe dazu beigetragen, betonen die beiden Studenten. „Das Experimentierfeld, das uns damals in Projektseminar von Prof. Dr. Horst Kowalewski gelassen wurde, und die Kontakte, die er uns vermittelt hat, hat die Initiative zu dem gemacht, was sie heute ist.“ Auch das Seminar von Wiebke Schwandt, die im Leuphana Semester unter dem Titel „Refugees Welcome“ gemeinsam mit der No Border Academy dozierte, brachte viele neue Impulse und begeisterte Studierende mit sich. Dennoch freut sich die Initiative immer über neue Gesichter und motiviert dazu, einfach bei den Treffen vorbeizuschauen.



Redaktion: Ann Cathrin Frank, Dörte Krahn, Universitätskommunikation. Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.