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Auftakt zur Reihe Einwanderungsland Europa 2017 - Rechtspopulismus in Lüneburg

20.01.2017 Nachdem die Reihe „Einwanderungsland Europa – Wie begegnet Lüneburg der Welt?“ im Juni 2016 abgeschlossen wurde, geht es nun in die zweite Runde. Zum Auftakt der Veranstaltungsreihe „Einwanderungsland Europa – Wie begegnet Lüneburg dem Rechtspopulismus?“ diskutierten am 19. Januar 2017 im Museum Lüneburg Sven Prien-Ribcke, Koordinator des fachübergreifenden Studienprogramms „Wissenschaft trägt Verantwortung“ am Leuphana College und Prof. Dr. Manuela Bojadžijev, seit 2015 Juniorprofessorin für globalisierte Kulturen, Fragen mit Bürgerinnen und Bürgern, wie mit dem Rechtspopulismus umgegangen werden kann und woher dieser kommt.

Manuela Bojadžijev und Sven Prien-Ribcke diskutieren bei der Auftaktveranstaltung zur Reihe "Einwanderungsland Europa" darüber, wie Lüneburg dem Rechtspopulismus begegnen kann.

Ausgewählt hätten Volkshochschule und Universität das diesjährige Thema „Rechtspopulismus“, weil unbequeme Fragen in die Mitte unserer Gesellschaft zielten, erklärt Prien-Ribcke: „Rechtspopulismus ist nicht irgendein Thema, es stellt die Fundamente der Demokratie in Frage.“

Es gäbe bereits eine Einwanderungsgesellschaft in Europa – mit dieser würde nur auf verschiedene Weise umgegangen werden, erklärt Bojadžijev. Ein Teil der hier lebenden Bevölkerung wolle sich abschotten, doch „wie demokratisch wollen wir das lösen?“ sei die entscheidende Frage der Zukunft, ist sich Bojadžijev sicher. Die Situation heute sei ähnlich wie die Anfang der 1990er Jahre, als viele Flüchtlinge aus dem damaligen Jugoslawien nach Deutschland kamen. Auch damals hätten viele rechtspopulistische Gruppen die Situation genutzt, um ihre Position zu stärken. „Die Aufgabe für dieses Jahr ist es, sich darauf zu besinnen, dass wir eine demokratische Gesellschaft sind und bleiben wollen“, ist Bojadžijev überzeugt.

Einer der Gründe für das Erstarken rechtspopulistischer Gruppierungen sei, dass die sozialen Standards in den letzten Jahren deutlich abgenommen und dadurch die soziale Ungleichheit zugenommen habe. Rechtspopulisten würden jedoch nicht von der ärmeren Bevölkerung, sondern vor allem vom (unteren) Mittelstand gewählt werden. Rassismus spiele bei Rechtspopulisten immer eine Rolle, dieser würde dann funktional werden, wenn dadurch Ungerechtigkeiten legitimiert werden könnten. Merkmale des Rechtspopulismus sei die Rückkehr zu imaginären Ursprüngen, eine zunehmende Illiberalität und der Angriff auf regierungskritische Nichtregierungsorganisationen.

Die aktuelle Krise sei vielmehr eine der Öffentlichkeit, und nicht der Migranten, da die Skepsis der Bevölkerung gegenüber der Politik und den Institutionen wachse, erklärt Bojadžijev. Es sei wichtig, die Rechte der hier lebenden Bevölkerung weiter auszubauen. „Wie demokratisch wir sind, zeigt sich darin, wie wir mit Menschen umgehen, die dazu kommen.“

In der anschließenden Diskussion kam vor allem die Frage auf, wie ein Dialog über das Problem des Rechtspopulismus sinnvoll geführt werden könne. Es zeichnete sich ab, dass die größte Herausforderung darin besteht, eine emotionale Debatte rational zu führen.

Am Mittwoch, 25.1.2016, um 19 Uhr eröffnen Oberbürgermeister Mädge und Universitätspräsident Spoun die Reihe in der Volkshochschule (Haagestraße 4).



Redaktion: Morgaine Struve und Dörte Krahn, Universitätskommunikation. Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.